Jaeger-Uhr, Lic. Ato

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DS20_break Verified
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Re: Jaeger-Uhr, Lic. Ato

Beitrag von DS20_break Verified »

gut geölt, läuft von alleine an, wenn ich den Rechner lade :-)
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Hardy
Langhuber Verified
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Re: Jaeger-Uhr, Lic. Ato

Beitrag von Langhuber Verified »

Also, jetzt erst mal die Bilder von meiner Uhr.
[attachment 8227 uhr_vorne1.JPG][attachment 8228 uhr_vorne2.JPG][attachment 8229 uhr_vorne3.JPG]
Links die Position im Armaturenbrett. In der Mitte, etwas von oben fotografiert da sieht man das Lic. ATO, rechts etwas von unten, sieht man das "Made in France".
Dieses hinter der Blende zurückgesetzte Ziffernblatt ist sowieso eine Sache für sich, auch dass der Minutenzeiger durch die vordere Blende abgeschnitten ist. Und stellen, bzw kontrollieren kann man die Uhr sowieso nur zur vollen oder halben Stunde.

Was die Qualität angeht, da kann ich nur für meine Uhr sprechen, die ist über 50 Jahre alt und läuft ohne Ölen oder sonst was. Weil ich Diskussion hier im Forum über nicht selbstanlaufende Uhren kenne, habe ich es mir angesehen:
Wie schon geschrieben schwingt die Unruhe nach Abschalten des Stroms 30(!) Sekunden nach. Natürlich treibt das Fortschaltgetriebe schon nach kürzerer Zeit das Werk nicht mehr an. Das ist klar.
Dann habe ich getestet, wie die Uhr anläuft: Bei 12V schwingt meine Uhr sofort und sehr energisch an. Man kann sie nur dann zum "Blockieren" bringen, indem man die 12V sehr langsam hochfährt. Auch das Stoppen unter Spannung ist sehr heikel: Tupft man mit dem Finger an die Unruhe und versucht die zu bremsen, schwingt das Werk sofort wieder an, wenn auch nur die allergeringste Restbewegung überbleibt.
Sogar bei 6V startet die Uhr noch, wenn auch nicht mehr jedes mal. Ich hatte sogar erst gedacht, dass die Uhr so gebaut ist, dass sie auch im 6V Bordnetz betrieben werden kann. Aber dazu ist die Stabilisierung mit dem Selengleichrichter nicht gut genug: Bei 6V-Betriebsspannung sind im Inneren nur noch 1,78V vorhanden und der Arbeitspunkt des Transistors verschiebt sich deutlich in den linearen Bereich, was unstabiles Arbeiten bewirkt.

Was die Qualität der Kunststoffzahnräder betrifft: Kunststoff ist nicht gleich Kunststoff. Wenn die Zahnräder meiner alten Uhr aus Nylon bestehen und die der späteren Räder aus Polypropylen dann kann das durchaus einen Unterschied machen. Das kenne ich aus anderen Bereichen auch: 40 Jahre alte Computerbänder sind noch einwandfrei, dann hat man vor 25 Jahren irgendwann mal den Trägermischung "verbessert", und die 25 Jahre alten Bänder lösen sich auf und sind nicht mehr lesbar.
Anderes Beispiel: Die Kabel in meiner Madame sind nicht brüchig und korrodiert. Die Isolierung ist biegsam und hat helle Farben. Auf der anderen Seite ist der sicher alt und wohl kaum in den letzten 20 Jahren ersetzt. Da gibt es vielleicht doch Unterschiede zwischen den alten und den 10 Jahre jüngeren Isoliermaterialien?

Was die Uhrmacher betrifft, ist das bei diesen Uhren natürlich besonders schwierig: ein guter mechanischer Uhrmachermeister schimpft (vielleicht zu recht) auf dieses billige Uhrwerk, das keine Steine enthält. Aber kann man den fragen, ob er ein Oszi in seiner Werkstatt hat und ob er in der Lage ist, den Schaltplan der Uhr zu lesen und zu erklären?
Ich hatte letztes Jahr meine TN-Mutteruhr bei einem Uhrmacher, weil die stehen geblieben war, und sich auch nicht durch Ölen meinerseits wieder zum Leben ersetzen ließ. Die Mechanik der Uhr hat er prima hingekriegt, aber bei der Elektrik, der Kontakt, der den Minutenimpuls auslöst, da hat er es überhupt nicht geblickt und alles komplett falsch gemacht.

Eine weitere Frage ist selbstverständlich, ob die Werke dieser Uhren wirklich unverändert geblieben sind, oder ob es da nicht mindestens die berühmten "Änderungen, die dem technischen Fortschritt dienen" gegeben hat, oder ob nicht irgendwann mal ein komplett anderes Werk eingebaut worden ist.

Klemens
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Langhuber Verified
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Re: Jaeger-Uhr, Lic. Ato

Beitrag von Langhuber Verified »

Also jetzt der dritte Teil:
Im ersten Bild das Oszillogramm am Kollektor des Transistors, daneben nochmal der Schaltplan:
[attachment 8230 oszi_03s.jpg][attachment 8232 schaltplan.jpg]
Die obere Kurve zeigt die Spannung am Kollektor, man kann die Schwingungsdauer des Antriebs von 0,4 Sekunden oder 2,5Hz ablesen. Die hohen Spitzen sind die Zeiten, in der der Transistor sperrt, im Rest der Zeit ist er durchgeschaltet. Interessant ist, dass jede Periode 3 Spitzen enthält: Zwei nahe beieinander liegende und eine Einzelne. Direkt nach dem Durchschalten des Transistors geht die Kollektorspannung sogar kurz ganz auf 0, also unter diie Sättigungsspannung von 0,3V an der Emitter-Kollektor-Strecke.
Die untere Linie zeigt die Basisspannung des Transistors, die zwischen der durch den Spannungsteiler bestimmten Ruhespannung von 0,6V und den negativen Spitzen schaltet, die in der Steuerspule 2-4 induziert wird.

[attachment 8231 oszi_05s.jpg]
Hier kann man die Einstellung des Oszis, ein TEK 549 Speicheroszilloskop, Baujahr 1965, ca 100 Röhren, 1kW Leistungsaufnahme sehen:
Die Zeitablenkung ist 50ms/Einheit, die Empfindlichkeit des oberen Kanals ist 0,1V/Einheit, also mit 1:10 Tastkopf 1V/Einheit, die des 2. Kanals ist 0,05V, ebenfalls mit 1:10 Abschwächer, also 0,5V/Einheit.

Um die Uhr zu justieren, habe ich an den Ablenkausgang des Oszilloskops einen elektronischen Zähler angeschlossen und habe 1000 Schwingungen der Unruh gestoppt.
Die letzte Einstellung ergab:
1000 Schwingungen dauerten 400,06 Sekunden.
1000/400,06s = 2,4996Hz
Eine Uhr mit 2,5 Schwingungen pro Sekunde macht an einem Tag mit 86400 Sekunden also 216000 Schwingungen.
216000Schwingungen / 2,4996Hz = 86413,83Sekunden.
Das heisst, meine Uhr geht (theoretisch) 13 Sekunden pro Tag nach. Um diesen Wert zu erreichen, habe ich 6 Iterationen mit jeweils 7 Minuten gebraucht. Dabei habe ich den Rückerhebel nur um mikroskopische Werte hin- und her verschoben. Mit besserem Werkzeug und noch mehr Zeit zum Einstellen hätte ich das vielleicht noch genauer hingekriegt, andererseits hat die Uhr ja auch sicher eine Temperaturabhängigkeit, so dass das vermutlich nie zu einem Ende kommt, je nachdem ob sie 10° oder 35° warm ist.

Klemens
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hgk Verified
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Re: Jaeger-Uhr, Lic. Ato

Beitrag von hgk Verified »

Moin,

nachdem Klemens seine Bilder mit der Messung veröffentlich hat, kann man die Unterschiede bei den Uhren erkennen.
Bei ihm steht Transistor auf den Zifferblatt (2.Bild ist von Klemens), bei meinen nicht:

[attachment 8233 1DSC_9302.jpg]

Bild

Und dem entsprechend ist auch das Innenleben "moderner":
(Nur wo Transister draufsteht ist auch T drin...)

[attachment 8234 3DSC_9301.jpg] [attachment 8235 2DSC_9299.jpg]

Werde gelegentlich auch mal den Schaltplan aufnehmen, jetzt lockt die Sonne.

Mit sonnigen Grüßen
Hans
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MsG
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Thomas Held Verified
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Re: Jaeger-Uhr, Lic. Ato

Beitrag von Thomas Held Verified »

Hallo Hans, hallo Klemens,

seltsam! Meine Uhr (1970) sieht _Innen_ ziemlich genauso aus, wie die von Klemens gezeigte und hat (natuerlich) auch einen Transistor...
Habt ihr beiden vielleicht eure Uhren vertauscht? Die ohne Transistor wuerde ich eher in Klemens 63er verorten, zu Hans '69er wuerde die mit Transistor passen (die dann ein Jahr spaeter zur Einfuehrung der Klagemauer nur ein neues Aeusseres bekam...?).
Gruss,

Tom
Gruß

Tom
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hgk Verified
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Re: Jaeger-Uhr, Lic. Ato

Beitrag von hgk Verified »

Moin,

draußen ist trotz Sonne doch noch kalt.

Tom: In der 69er ist die Transistorversion (Du hast doch ein Foto!)
Die beiden anderen sind für kleines Geld als defekt aus der Bucht.
Hier der versprochene Schaltplan:
[attachment 8238 3DSC_9319.jpg]
Funktion ist deutlich einfacher: Die Unruhe schließt mit einem kleinen Stift den Stromkreis, der Magnet zieht an und unterbricht dadurch den Stromkreis wieder und die Unruhe schwingt. Bei jedem Nulldurchgang neuer Stromfluss usw.

Da liegt aber auch die mögliche Fehlerquelle, wenn an der Stelle zu kurz (wie hier) oder oxidiert ist gibts keinen Strom für den Magneten:

[attachment 8236 1DSC_9314.jpg]

Das ist der Übertäter: Die Spitze zum Stift (roter Kreis)

[attachment 8237 2DSC_9307.jpg]

Und für alle die mitgedacht haben:

Wozu ist die Kupferlasche im grünen Kreis?

Mit sonnigen Grüßen
Hans
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Claude-Michel
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Re: Jaeger-Uhr, Lic. Ato

Beitrag von Claude-Michel »

Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Uhr von Klemens Wagen original ist......est ist ein Transistor drin!!!! Pfui!
Gruß
Claude-Michel
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papasitt
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Re: Jaeger-Uhr, Lic. Ato

Beitrag von papasitt »

[quote=Claude-Michel]
Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Uhr von Klemens Wagen original ist......est ist ein Transistor drin!!!! Pfui![/quote]

Hi, ich hoffe Du fährst nicht mit 123 Zündung rum!


Steht doch Transitor drauf - Uhr ist schon O.K-

Original (Hauptsache Sie geht und sieht dazu noch gut aus)

Welche Uhr war eigentlich in den jeweiligen Baujahren Original eingebaut.
DS20_break Verified
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Re: Jaeger-Uhr, Lic. Ato

Beitrag von DS20_break Verified »

[quote=papasitt]
Welche Uhr war eigentlich in den jeweiligen Baujahren Original eingebaut.
[/quote]
beim Klemens eine mit Röhren und Zerhacker :-)
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Re: Jaeger-Uhr, Lic. Ato

Beitrag von Langhuber Verified »

He Leute,

in meinem S19-Radio sind auch 6 Transistoren drin!
Ich vermute etwas ganz anderes: Citroën/Jaeger wollten irgendwann den Tribut für "Lic. ATO" sparen und haben beim billigen Jakob ein gleich oder ähnlich aussehendes Substitut geordert.
Ausserdem: Die ATO-Transistoruhr wurde bereits 1953 patentiert.

Die Kupferlasche im grünen Kreis gibt der Achse mit dem Impulskontakt sicheren Kontakt zur Elektrik. Strom sollte nie über Drehlager geführt werden, weil es durch dort vorhandenes Öl an der Stelle leicht Kontaktprobleme gibt, und ausserdem das Öl durch Mikrofunken verbruzzelt und verkokelt.

Klemens
[i]"Wer in meinen Beiträgen Schreibfehler findet, darf sie gerne behalten"[/i]

(DS 19M, Ez 7/1963 in Stuttgart)
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