Jaeger-Uhr, Lic. Ato

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Langhuber Verified
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Jaeger-Uhr, Lic. Ato

Beitrag von Langhuber Verified »

Vielleicht nützt es anderen bei Gelegenheit etwas:

Da meine Jaeger-Uhr im 2. Brett etwas nachging und man im Dunkeln Staub auf dem Inneren der Plexischeibe gesehen hat, und ich ausserdem wissen wollte, wie die Uhr funktioniert, und zwar insbesondere, solange sie noch funktioniert, habe ich sie aufgemacht.

Auf dem Ziffernblatt steht:
Jaeger
Lic ATO
Transistor

Googeln ergibt summarisch, dass Léon Hatot im 19. Jh seine Uhrenfabrik gegründet hat und dass "Ato" die phonetische Umschreibung des Namens Hatot ist. Im Jahr 1953 erhielt die Firma ATO ein Patent für ein mit einem Transistor aufgebautes Uhrwerk.
Öffnet man das Gehäuse und holt das Werk heraus, dann sieht das Ganze so aus:
[attachment 8214 werk_oben.jpg]
[attachment 8215 werk_unten.jpg]
Oben ist die Unruh mit dem Rückerhebel zum Justieren des Werkes zu sehen, unten der Antriebsmechanismus, bestehend aus der grünen Spule und dem Magnetträger (das graue Metallteil).

[attachment 8216 werk_rseite.jpg]
Im Bild von der rechten Seite ist ein Teil der Elektronik zu sehen.
Zunächst fällt auf, dass fast alle Zahnräder aus Kunststoff bestehen. Das bedeutet nicht unbedingt schlechte Qualität. Wenn ich bei meiner Uhr den Strom wegnehme, dauert es 30(!) Sekunden, bis die Unruh, bzw die Antriebsmagneten komplett zum Stillstand kommen. Das spricht für sehr verlustfreie Lager.
Im Gegensatz zu üblichen Uhrwerken wir bei der ATO-Uhr nicht die Unruh vom Uhrwerk angetrieben und hemmt dieses, sonder die Magnete auf dem Antriebsmechanismus treiben die Achse, auf der die Unruh sitzt an, und über ein Fortschaltgetriebe auf der gemeinsamen Achse wird dann das Werk angetrieben.
Die Unruh macht 2,5 Schwingungen pro Sekunde, der Stromverbrauch der Uhr ist 5mA.

Fortsetzung folgt...

Klemens
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Claude-Michel
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Re: Jaeger-Uhr, Lic. Ato

Beitrag von Claude-Michel »

Lic heißt wahrscheinlich "licence"
Gruß
Claude-Michel
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DerPaster
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Re: Jaeger-Uhr, Lic. Ato

Beitrag von DerPaster »

...solltest Du eine Lösung für die "Zeitverzögerung" gefunden haben, läßt Du uns daran teilhaben? Ich habe nämlich dasselbe Problem - und bin vermutlich nicht der Einzige ;-)
Langhuber Verified
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Re: Jaeger-Uhr, Lic. Ato

Beitrag von Langhuber Verified »

In dieser Kollage sieht man den Antrieb der Uhr:
[attachment 8220 antrieb2.jpg]
Der runde Magnetträger aus dem Buch "Krug, Elektrische Uhren", ist bei der Jaeger-Uhr das graue Metallteil, an das rechts über der Spule die beiden Magneten angeklebt sind. Die sind auf dem Foto leider nicht zu sehen. Lediglich links sieht man das mittlere der drei Ausgleichsgewichte, die genietet sind. Ausserdem hat die Jaeger-Uhr nur einen Satz Magnete auf einer Seite der Spule (im Foto grün).
Die Beschriftung der Zeichnung in dem Buch ist übrigens falsch: Das ist nicht die Unruh!

[attachment 8221 fs_getriebe.jpg]
Das ist das Prinzip des Fortschaltgetriebes aus dem gleichen Buch. Dieses Getriebe setzt die Hin- und Herschwingungen der Antriebs/Unruh-Achse in die gleichgerichtete Drehbewegung des Uhrwerks um.

[attachment 8222 schaltplan.jpg]
Der Schaltplan der Uhr. Interessant hier: Die Elektronik arbeitet mit 2V, die über den 2k-Widerstand und einen Selengleichrichter, der in Flussrichtung betrieben wird, erzeugt und "stabilisiert" wird. Der Transistor ist ein Si-NPN-Typ und die Spule hat zwei Wicklungen: 1-3 ist die Antriebswicklung und 2-4 die Steuerwicklung.
Über den Basisspannungsteiler ist der Transistor so eingestellt, dass er bei Stillstand des Werks und angelegter Betriebsspannung leitet, d. h. der Antriebsmechanismus wird etwa 15° Grad aus der Ruhelage ausgelenkt. Diese Zustand kann eintreten, wenn die Betriebsspannung sehr langsam angelegt wird, oder wenn die Uhr "abgewürgt" wird, wenn man die Zeiger rückwärts stellt.
Um die Uhr dann wieder starten zu können, ist der Schalter links unten vorgesehen: Er unterbricht die Stromversorgung der Uhr über die Minusleitung. Der Schalter wird geöffnet, wenn man den Stellknopf ganz reindrückt.
Sollte die Uhr nach einem Stromausfall (Batteriespannung zu niedrig, oder Batterie ganz abgeklemmt) nicht mehr anlaufen, dann kann man versuchen, sie durch ein paar mal Drücken des Stellknopfes wieder zu starten.

Meine Uhr lief auch noch mit 6V Versorgungsspannung weiter, allerdings startete sie bei dieser Spannung nicht mehr zuverlässig. Die interne Spannung der Elektronik war dann nur noch 1,8V, wohl etwas zu knapp. Würde man allerdings den 2K-Widerstand durch einen 800-Ohm Widerstand ersetzen, dann würde die Uhr auch mit 6V zu betreiben sein.

Fortsetzung folgt ...

Klemens
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Re: Jaeger-Uhr, Lic. Ato

Beitrag von anieder Verified »

Hallo Klemens,

Finde ich super wie du dich durch dein Auto wühlst. Macht Spaß zu lesen

Andreas
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Re: Jaeger-Uhr, Lic. Ato

Beitrag von Langhuber Verified »

läßt Du uns daran teilhaben? Ich habe nämlich dasselbe Problem - und bin vermutlich nicht der Einzige ;-)
Jau, das ist ja der Sinn meiner Bemühungen.
Jetzt ist es mir zu spät, aber morgen gibt es noch einen 3. Teil mit meinen Messungen, und Hinweisen, wie ich die Uhr justiert habe.
Das grösste Problem: Die Bördelung des Frontrahmens aufzukriegen und danach wieder zu, so dass es hinterher wieder halbwegs zivlisiert aussieht.
Zur Justage der Uhr ist eigentlich ein bestimmtes Werkzeug notwendig, das ich nicht habe. Man kann zwar am Rückerhebel auch mit einem Uhrmacherschraubenzieher rumjustieren, aber das sind Verschiebungen unterhalb von 1/10mm, wenn die Uhr z. B. pro Tag eine Minute falsch geht.
Wenn man dieses Werkzeug hat, braucht man das Werk nicht auszubauen, sondern kann das durch das mit schwarzem Klebeband verschlossene Loch oben im Deckel der Uhr machen. Ich weiss nicht, ob man das mit einem Uhrmacherschraubenzieher so hinkriegt.
Vielleicht haben Uhrmacher auch Werkzeuge um die Bördelung des Rahmen aufzukriegen?

Klemens
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GerhardT
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Re: Jaeger-Uhr, Lic. Ato

Beitrag von GerhardT »

Wenn man dieses Werkzeug hat, braucht man das Werk nicht auszubauen, sondern kann das durch das mit schwarzem Klebeband verschlossene Loch oben im Deckel der Uhr machen. Ich weiss nicht, ob man das mit einem Uhrmacherschraubenzieher so hinkriegt.
Vor zwei oder drei Jahren hatte ich dazu meine Uhr während der Winterpause ausgebaut. Mit viel Feingefühl und langen Beobachtungzeiträumen von jeweils mind 2 Wochen (versorgt über ein Labornetzteil) habe ich es dann hingebracht, dass sie nun nur mehr ca 1 Minute pro Monat falsch geht. Das finde ich akzeptabel.

Viele Grüße,
Gerhard
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papasitt
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Re: Jaeger-Uhr, Lic. Ato

Beitrag von papasitt »

Hallo Klemens,

Super ID, dafür gebe ich Dir mal einen aus!

wir sprechen von dieser Uhr

Bild

Bild


Gruss
Siggi
VJ
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Re: Jaeger-Uhr, Lic. Ato

Beitrag von VJ »

Hallo Klemens,
Da ich mich schon länger mit " Jaeger " beschäftige , hier ein Tip von mir :
Um ein Chromring sauber aufzumachen brauchst du zwei neue Kupferwinkelleisten ( gibts im Baumarkt ) .
Die, schneidest du in die länge deines Schraubstocks, wo du die Uhr exakt gerade seitlich und bündlich mit oberkante des Chromrings befestigst.
Dann mit einem Speziel angeschliefenem Schraubendreher von links oder rechts in einem zug die bördelung aufbiegen, nicht absetzen oder mehrmals Schraubendreher ansetzen bei aufbiegen sondern in einem Zug !
Mit diesem verfahren verbiegt sich der Chromring nicht , die Seiten bleiben gerade , die aufgebogene bördelung ist gerade, weil man nur mit einem zug unterm Chromring aufgebogen hat.
Beib mehrmaligem ansetzen von Schraubendreher beim aufbiegen, würden scharfe kanten am rand vom Chromring entstehen.
Beim zurückbiegen das gleiche verfahren, nur zum biegen der chromkante habe ich ein Spezielles Rädchen und Werkzeug die ich auch für Rundinstrumene brauche.
Die gerade Chrombördelung kannste auch mit einem Rundeisen ( alu, Kupfer ) schön zurückbördeln auch da bitte im einem zug.

Viel erfolg
Vlado

Ps:
ja, und den vor oder rücklauf der Uhr einfach durch das Loch mit Uhrmacherschraubendreher durch links oder rechts je nach dem die Uhr wie läuft etwas verstellen und dann ein Tag laufen lassen und wieder überprüfen ob das genug war, wenn nicht noch etwas verstellen usw. bis die Uhr exakte Zeit anzeigt.
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Thomas Held Verified
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Re: Jaeger-Uhr, Lic. Ato

Beitrag von Thomas Held Verified »

Hallo Siggi,

meiner Meinung nach existiert deine Uhr gar nicht! ;-)
Da ist ein "frueherer" Rahmen auf einer Uhr letzter Version (Klagemauer), d.h. eigentlich ein viel juengeres Modell als das von Klemens. Den Fotos und der Beschreibung nach zu urteilen, haben sich die Uhren seit dem innerlich aber nicht mehr geaendert. Das Gesagte muesste also auch auf deine Uhr zutreffen.
Gruss,

Tom
Gruß

Tom
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