Kegel/Tellerrad

Diskussionen rund um's Thema...
Hubbes
Beiträge: 66
Registriert: So 16. Mai 2010, 09:00

Kegel/Tellerrad

Beitrag von Hubbes »

Hallo,

Vor kurzem bin ich unerwartet, durch die freundliche Unterstützung zweier DS-Enthusiasten aus dem Münsterland, zu einem HA-Getriebe gekommen.
Vielen Dank nochmal an dieser Stelle an Gerd für die Vermittlung und Andreas für die Bereitstellung des Getriebes.
Leider zeigen sich nach dem Öffnen Teller- und Kegelrad in ziehmlich angegriffenem Zustand. Da ich kein Fachmann bin, kann ich leider nicht beurteilen, ob das noch zu gebrauchen ist. Es macht aber keinen guten Eindruck und ein heulendes Getriebe habe ich schon im Auto :-(
Vielleicht kann jemand der Ahnung von der Materie hat ein Statement dazu abgeben.

Bild

Bild


schönen Gruss,
Ralf
...hannes
Beiträge: 1541
Registriert: Fr 20. Mai 2005, 21:07

Re: Kegel/Tellerrad

Beitrag von ...hannes »

Servus, ohne je ein DS-Getriebe zerlegt zu haben und ohne Anspruch, eine fachmännische Diagnose zu deinen Bildern abgeben zu können: Getriebe mit einer Laufleistung von 150.000km und mehr werden immer Abriebspuren und Pittings aufweisen, auch wenn das Öl regelmäßig gewechselt wurde.
Sowohl das in meinem 2CV AZ verbaute Getriebe als auch die beiden Reservegetriebe weisen solche (und mancherorts noch tiefere) Spuren auf, ohne dass die Funktion beeinträchtigt wäre. Sind halt alle mehr als 50 Jahre alt und jedes hat sicher bereits fünf Erdumrundungen am Buckel.
Pit
Beiträge: 2899
Registriert: Fr 17. Jan 2003, 18:39

Re: Kegel/Tellerrad

Beitrag von Pit »

Hallo,
ich fange auch erst an Getrieberfahrungen zusammeln. Anbei ein Bild von meinem Tellerrad, das sicher auch schon einige 100Mm drauf hat.
Meiner meinung nach sieht es sehr gut aus?
pit
Chris
Beiträge: 537
Registriert: So 20. Aug 2006, 08:45

Re: Kegel/Tellerrad

Beitrag von Chris »

Hallo Ralf

Das Getriebe wurde mal ohne oder mit dem falschen Öl (durch LHM aus den Schaltkolben verdünntes...) betrieben, oder jemand hat das Ding mal überholt und die Eintauchtiefe zwischen Teller- und Kegelrad nicht richtig eingestellt.

Laufen wird das noch ne ganze Weile, aber mit entsprechender Geräuschentwicklung.

Hast Du dein eigenes Getriebe schon ausgebaut und geöffnet? Heulen kann auch andere Ursachen haben. Wenn Du Schwein hast, kannst Du die Teller-Kegelradkombination aus dem alten Getriebe übernehmen, dann muss aber die Eintauchtiefe eingestellt werden. Das geht übrigens auch ohne das Spezialwerkzeug.

Viele Grüsse,
Chris
DS 21 i.e. HA 1972, Sable métallise
Hubbes
Beiträge: 66
Registriert: So 16. Mai 2010, 09:00

Re: Kegel/Tellerrad

Beitrag von Hubbes »

Hallo zusammen,

Mein noch eingebautes Getriebe funktioniert noch und wegen der Haltbarkeit mache ich mir keine Sorgen. Nur das Gejaule, vor allem in der Stadt bei Lastwechsel - wie ein alter Omnibus, und dann auf der Bahn geht`s Richtung Zahnartztbohrer - passt nicht zu der DS und nervt einfach.
Ich hatte mir erhofft über den Winter dies neue Getriebe in aller Ruhe vorbereiten zu können. Einerseits um den Wagen fahrtüchtig zu lassen und zum anderen sind die Schraubbedingungen bei mir nicht so optimal. Einen zweiten Winter in Folge in der offenen Garage schrauben möchte ich mir nicht antun...
Das mit der Einstellerei ist auch eine kniffelige Sache, die ich - fürs erste - gerne vermeiden würde. Zu dem dürftigen Messwerkzeug und möglicherweise fehlender Einstellscheiben kommt bei mir ja noch mangelnde Erfahrung - ob das so eine gute Kombination ist ?
Immerhin kann ich an dem Teil schon mal das Zerlegen und Zusammenbauen üben - ist ja auch nicht schlecht :-)

@pit
Ich verfolge deinen Thread mit grossem Interesse - und dein Tellerrad sieht jedenfalls viel besser aus als meins ;-)

schönen Gruss,
Ralf
Chris
Beiträge: 537
Registriert: So 20. Aug 2006, 08:45

Re: Kegel/Tellerrad

Beitrag von Chris »

offene Garage ist natürlich suboptimal :)

Bohrgeräusche deuten eher auf defekte Lager denn defekte Teller/Kegelräder hin, aber das ist Kaffeesatzdeuten. Neue oder gute Teller/Kegelräder gibts bei Harry, allerdings nicht billig.

Ich würde ein so überholtes Getriebe aber in jedem Fall einem Austauschgetriebe unbekannten Zustands vorziehen, die Aus-und Einbauerei ist einfach zu viel Arbeit.

Die Einstellerei ist gar nicht mal so schwer. Es gibt wie gesagt Alternativen zur schwer zu findenden Citroën Einstellehre:

Ich habe zwei Verfahren ausprobiert, das eine setzt einen Messtisch voraus zu dem nicht viele Zugang haben dürften.

Die andere Methode ist simpel: Du brauchst dazu einen Wellenstummel mit 80mm Durchmesser der lang genug ist, dass er in beide Lagerungen des Differentials reicht. Stangenmaterial, z.B. Messing gezogen ist wegen den kleinen Toleranzen gut, oder du findest jemand, der dir ne Welle auf Mass überdreht. Gibts z.B. in Mechanischen Werkstätten als Abstück gegen was in die Kaffekasse.
Die Welle legt man anstelle des Differentials in die Lagerung und misst dann die Distanz zwischen Welle und eingebautem Kegelrad. Das geht am besten mit einem Lehrensatz, den es wiederum am einfachsten in einer mech. Werkstätte zum Ausleihen gibt.
Allenfalls muss noch die Toleranz der Welle berücksichtigt werden, und schon hast du das genaue Mass. Anstelle von nicht mehr erhältlichen Einstellscheiben lässt du dir einen Ring auf die richtige Dicke drehen, feddich.

Das geht zugegebenermassen am einfachsten wenn man gute Beziehungen zu einer mechanischen Werkstatt hat, oder jemanden kennt, der da arbeitet.

Viele Grüsse,
Chris
DS 21 i.e. HA 1972, Sable métallise
Hubbes
Beiträge: 66
Registriert: So 16. Mai 2010, 09:00

Re: Kegel/Tellerrad

Beitrag von Hubbes »

Hallo Chris,
danke für die Tipp`s zur Einstellung.
Habe bereits ein zweites Getriebe auf meinem Seziertisch.
Nach einem kurzen Ausflug in die Vergangenheit, habe ich das längst entsorgt geglaubte Getriebe meiner allerersten DS - damals, 1989, mit geradezu jugendlichen 17 Jahren wegen kapitalem Rostfrass geschlachtet - in der hintersten Ecke eines feuchten Schuppens geborgen.
Leider reicht mein Erinnerungsvermögen nicht aus, zu sagen, ob es absolut geräuschlos lief. Teller u. Kegelrad sind jedoch in deutlich besserem Zustand :-)))
Hab noch mal ein paar Fotos gemacht...
Bild

Bild

Gibt es die Möglichkeit für einen Laien wie mich, den Zustand der Lager zu Beurteilen?

schönen Gruss,
Ralf
Chris
Beiträge: 537
Registriert: So 20. Aug 2006, 08:45

Re: Kegel/Tellerrad

Beitrag von Chris »

Ja, bedingt. Die Drucklagerschalen der Lager vorne am Deckel dürfen kein Pitting (Löcher) und keine Riefen aufweisen. Die Lageroberfläche sollte (matt) glatt und gleichmässig sein, wenn man schon Laufspuren sieht wäre ich vorsichtig. Die Kugeln sollten spiegelglatt sein. Achtung, Aussen- und Innenlagerschalen sowie die Kugeln NICHT vertauschen! Am besten in eingebautem Zustand markieren und dann erst ausbauen!
Das grosse Zylinderrollenlager direkt am Kegelrad darf kein fühlbares Radialspiel aufweisen. (Das Ding geht aber auch selten kaputt)
Das Kegel/Tellerradpaar sieht gut aus, das sollte es noch eine Weile tun, das musst du aber neu einstellen wenn du es in ein anderes Getriebe umbaust.

Viele Grüsse,
Chris
DS 21 i.e. HA 1972, Sable métallise
Hubbes
Beiträge: 66
Registriert: So 16. Mai 2010, 09:00

Re: Kegel/Tellerrad

Beitrag von Hubbes »

Hallo zusammen,

noch ein kleines Up-date zu meiner "Getriebezerlegen mit Hausmitteln"-Aktion.

Es ging mit dem WHB, etwas Improvisation und den Tipps hier aus dem Forum ganz gut.
Die Kupplungsglocke mit dem Differenzial und die Deckel hatte ich schon ab und die Schaltwellen ausgebaut. Bis dahin reicht ja ein Knarrenkasten und ein paar Schraubenschlüssel.
Als Getriebehalter tun es auch drei Holzklötzte und zwei Spanngurte um die Tischplatte - und fertig.
Für den Tachoantrieb habe ich mir, wie vorgeschlagen, einen 36er Maulschlüssel längs durchgesägt - auf das kleine vordere Lager geht eine 35er Nuss. Zum blockieren einen beliebigen Gang einlegen und das Rückwärtsgangritzel einspuren. Mit jeweils einem Meter Rohrstück als Verlängerung gingen die Muttern locker ab. Dann die Innenringe und Käfige mit Edding markiert und man kann nichts mehr verwechseln.
Was ein bischen schwer rausging war das hintere Kugellager. Den, wie auch immer gearteten, Bronzedorn habe ich natürlich nicht. Mit einem Durchschlag ging es so leidlich die Hälfte des Weges, dann war Ende. Man kommt auch nicht vernünftig dran. Erst nachdem ich den Baustrahler für eine halbe Stunde dicht über das Gehäuse gesetzt hatte, kam das Teil wie von selbst. Hätte mir auch eher einfallen können.
Was gar nicht ging - bei beiden Getrieben - das rausziehen der Antriebswelle aus der Primärwelle - und ich bin nicht gerade schmächtig. Vielleicht hat hierzu noch jemand eine gute IDee.
Dann habe ich die Ringspalte zwischen Synchronring und Gangradkonus gemessen ; lagen bei beiden Getrieben zwischen 0,6 und 1,3mm.
Beim ersten Getriebe 0,6mm am 3.Gang war der Ring innen blank, praktisch keine Rillen mehr.
Beim zweiten Getriebe 0,65mm am 2. Gang war der Ring auch deutlich verschlissen. 0,6 scheint also definitiv Ende der Fahnenstange.
Da bei beiden Getrieben unterschiedliche Ringe abgenutzt sind werde ich versuchen die besten zu kombinieren.
Noch schwieriger ist es den Zustand der vorderen Lager einzuschätzen. Auf den ersten Blick sahen sie ganz passabel aus. Bei näherem hinsehen erkennt man doch schon einige Macken. Ich habe noch mal versucht die offensichtlichsten Stellen zu fotografieren. Leider hat meine Camera keine Macro-funktion.
Weitere Schäden waren angenagte Rückwärtsgangräder in beiden Getrieben, eine lose Schaltgabel vom 3./4. Gang und in dem Getriebe, das lange ohne Öl gestanden hat, Rostnarben in der oberen Synchronglocke.
Der Rest macht noch einen guten Eindruck.
Mal sehen ob ich´s auch wieder zusammen gesteckt bekomme.

schönen Gruss,
Ralf







Hubbes
Beiträge: 66
Registriert: So 16. Mai 2010, 09:00

Re: Kegel/Tellerrad

Beitrag von Hubbes »


noch zwei Bilder
Antworten