leitung bremskraftverteiler fertigungsfehler?

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tomsail
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Registriert: Di 4. Sep 2007, 13:45

leitung bremskraftverteiler fertigungsfehler?

Beitrag von tomsail »

hallo alle!

erstmal zur orientierung:
es geht um folgende leitung:

Bild

diese hab ich demontiert, gesäubert und in den galvanikbetrieb meines vertrauens gegeben.
beim säubern/reinigen der leitungen fiel mir ein "verschluss" auf. stochern mit federdraht ergab eine verstopfung unmittelbar nach dem 3-wege-verteiler:

Bild

mhhh... was ist das für eine leitung?
es ist diese:

Bild

gut, da wird dann wohl die galvanikpampe die leitung verstopft haben....
also rein mit dem 2.5mm bohrer! aber der fördert späne!!

was tun?

ja, da wird der "lötmann" 1974 wohl ein wenig mehr lot reinlaufen lassen und jetzt ist die leitung zu!

es hilft nix, ab mit dem ding in die rohrschlosserei!
dort ereifern sich eine handvoll erfahrener männer: warmmachen, durchblasen, endoskopieren.... es hilft alles nix, das ding ist zu!

also: sägen!

Bild

uiii!
wasn das?

nochmal sägen:

Bild

da ist draht drin!!!
und das auf ganzer länge!
Bild
da kann nie richtig druck durchgekommen sein.

die braven männer der rohrschlosserei fertigten mir sogleich eine neue leitung:
Bild

fein! aber beim zerlegen des bremsventils zeigte sich, dass sich das ding bewegt haben muss:

Bild

so... was nun? hab nun alle hydraulikanleitungen und handbücher durch.
vermutung: der draht im rohr gehört da net rein! da der verteilerzylinder auf 60bar kalibriert wird, kann da auch keine drossel vorgesehen sein.
die "rollspuren" meines verteilerschlittens gibt es, weil jemand schonmal die bremsventileinheit getauscht hat. es gibt nämlich massive "zangenspuren" am drainageschlauch.

und? was sagen die kompetenten herren hier im forum? gehört da ein draht rein oder nicht? ....hat jemand so ein leitungsbündel rumliegen und kann mal gschwind durchblasen?

bin gespannt was rauskommt.

grüße
thomas
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Doctor-D
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Registriert: Mi 18. Apr 2007, 10:53

Re: leitung bremskraftverteiler fertigungsfehler?

Beitrag von Doctor-D »

Ich schaue heute Abend mal in meinen Fundus.
Die 6,35 er leitung vom Bremsdruckspeicher zum Bremsventil hat übrigens noch ein eingesetztes Füllrohr, ich habe mal eine zerschnitten um an ein schönes 6.35 Rohr zu kommen.Da viel mir das jedenfalls auf.
Ich suche das mal heraus.Muss hier irgendwo liegen.
Doctor-D
Beiträge: 1273
Registriert: Mi 18. Apr 2007, 10:53

Re: leitung bremskraftverteiler fertigungsfehler?

Beitrag von Doctor-D »

Möglicherweise dient der Stopfen dazu, den Druck der Federung aus dem Bremsventil zu halten.66/67 waren die Bremsen von der Federung gespeist.Später dann wurde die Bremse aus dem HD Kreislauf beschickt.
tomsail
Beiträge: 2236
Registriert: Di 4. Sep 2007, 13:45

Re: leitung bremskraftverteiler fertigungsfehler?

Beitrag von tomsail »

Doctor-D schrieb:
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> Ich schaue heute Abend mal in meinen Fundus.
> Die 6,35 er leitung vom Bremsdruckspeicher zum
> Bremsventil hat übrigens noch ein eingesetztes
> Füllrohr, ich habe mal eine zerschnitten um an ein
> schönes 6.35 Rohr zu kommen.Da viel mir das
> jedenfalls auf.
> Ich suche das mal heraus.Muss hier irgendwo
> liegen.

au prima! wär toll wenn du mal schauen könntest.
das mit dem bremsdruckspeicherrohr hab ich auch gesehen.


Doctor-D schrieb:
-------------------------------------------------------
> Möglicherweise dient der Stopfen dazu, den Druck
> der Federung aus dem Bremsventil zu halten.66/67
> waren die Bremsen von der Federung gespeist.Später
> dann wurde die Bremse aus dem HD Kreislauf
> beschickt.

druck halten kann nicht sein, denn das bremsventil wird durch die leitung die am T-stück abgeht versorgt. (ausserdem ist der draht im rohr eine "ideale drossel" sodass zwar theoretisch volumen am ende austreten könnte, das wäre jedoch drucklos)

die umstellung 66/67 betraf nur die vorderachse. die wurde direkt von HD versorgt. an der HA blieb alles beim alten. die besagte "drahtleitung" ist wirklich nur für den bremskraftverteiler-schlitten.

grüße
thomas

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tomsail
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Registriert: Di 4. Sep 2007, 13:45

Re: leitung bremskraftverteiler fertigungsfehler?

Beitrag von tomsail »

hallo alle,

...nehme das mit dem "druck drosseln" wieder zurück. da am ende der "drahtleitung" ja ein abgeschlossenes (bzw. federbelastetes) volumen steht, baut sich sehr wohl druck auf. jedoch stark verzögert. was ja auch sinn machen würde, wenn der bremsverteiler nicht jede druckschwankung der federung mitmachen würde.


die frage ist nun:
geht bei 60 bar arbeitsdruck wirklich was durch das "drahtrohr" durch?
und ist das rohr mit draht wirklich serienmäßig so?

grüße
thomas
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gaston
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Registriert: Fr 5. Sep 2008, 15:36

Re: leitung bremskraftverteiler fertigungsfehler?

Beitrag von gaston »

Hallo Thoams,

deine Korrigierung über den Druckaufbau ist auf jeden Fall mal richtig.
Das der Draht richtig ist, wird auch von den 2 Bögen unterstützt, die alleine nicht ausreichen dürften, die Bremsverstellung vor schlechter Strasse zu schützen, aber "echtes" Eintauchen zu detektieren.
(Aber zum Glück musste ich an diesen Bauteilen noch nie basteln)
Zum Druck denke ich, dass gerade 60 Bar durchkommen.

Gruß

Hans
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Robert Verified
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Registriert: Mo 31. Jan 2005, 00:41

Re: leitung bremskraftverteiler fertigungsfehler?

Beitrag von Robert Verified »

Hallo Thomas,

ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Draht irgendeine vorgesehene Funktion erfüllt. Das wäre mit Sicherheit in der Reparaturanleitung oder sonstwo erwähnt. Citroën hat sich mit der Anpassung der Drücke ansonsten zu viel Mühe gegeben, als an dieser Stelle einen so primitiven "Durchflussminderer" einzusetzen. Ich glaube daher an einen Fertigungsfehler, wobei ich mir am ehesten vorstellen kann, dass dieser Draht bei der Fertigung eingesetzt wurde, um ein Knicken der Leitung beim Biegen zu verhindern und hinterher wieder rausgezogen wurde.

Grüsse
Robert
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Pit
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Registriert: Fr 17. Jan 2003, 18:39

Re: leitung bremskraftverteiler fertigungsfehler?

Beitrag von Pit »

Hallo,
grob ist das doch soweit ich mich erinnere wie beim Ohmschen Gesetz. Beim Einfedern entsteht eine Druckdifferenz zum am Bremskraftverteiler bisher anliegenden Druck. Diese Druckdifferenz erzeugt einen Flüssigkeitsstrom. Dadurch entsteht ein dynamischer Druckabfall an der Leitung, der von der Druckerhöhung durch Beladung abgezogen werden muss. Dieser dynamische Druckabfall ist wieder prop. zum Leitungswiderstand und der prop. zu r hoch -4? Daher würde also der Druckaufbau durch das "verringerte r" stark verlangsamt.
Passt das so?
pit
sebastianklaus
Beiträge: 1288
Registriert: Sa 28. Okt 2006, 09:41

Re: leitung bremskraftverteiler fertigungsfehler?

Beitrag von sebastianklaus »

Hallo Tom,
ich kann nur Robert beipflichten. So einen Draht macht kein Mensch in der Serienfertigung in diese Leitung. Außerdem war an der Leitung ja wohl schon mal jemand dran.
Was soll denn das für einen Sinn haben, ausgerechnet an dem Bremskraftverteiler einen Dash-pot einzubauen, das ist doch eine Leitung die ein Bauteil bewegt mit einer zu vernachlässigenden Masse.
Und noch mal Robert: er hat sicher recht, wenn er sagt, so was stünde im Handbuch, wenn das dort hin gehört.
Ich würde die neue Leitung einbauen und die Sache einfach vergessen.
(Hoffentlich trete ich jetzt keinem Originalitätsfetischisten auf die Füße)

Ein ist klar: ich werde fast durchweg neue Leitungen einbauen, aber die alten blase ich alle durch. Unglaubliche Geschichte.

Viele Grüße
Sebastian
tomsail
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Registriert: Di 4. Sep 2007, 13:45

Re: leitung bremskraftverteiler fertigungsfehler?

Beitrag von tomsail »

hallo alle,

besten dank für eure antworten. die sache hat mir keine ruhe gelassen und so bin ich heute abend zur DS-werkstatt meines vertrauens gefahren und hab dort in der rumpelkammer den grossen haufen mit den alten leitungen durchwühlt.
prompt fand ich die gesuchte leitung! die hatte zwar keine angelöteten fittings, sondern normale schraubanschlüsse (war vor ´72 so), aber das lässt sich machen.

lange rede kurzer sinn: ende abgewischt, reingeblasen und --> dicht! :-)
zuhause in der werkstatt dann gesäubert und mal durchgeblasen --> mit 10bar kompressordruck bekommt man relativ problemlos LHM durchgeblasen. wenn man ins ende leuchtet ist der drahtkern deutlich sichtbar!

es handelt sich hier wirklich um eine "durchflussdrossel", die verhindern soll, dass der bremskraftverteilerkolben mit der hinterachsaufhängung "mitschwingt".
das prinzip eines definiert langen drahts im rohr ist einfach und effektiv. eine spezielle "drosselblende" wäre deutlich mehr toleranzbehaftet und sicher einiges teurer.
mit dem draht als drossel in der leitung macht es auch sinn die bremsventilzuführung und die bremsverteilerzuführung ca. 50cm vom bremsventil weg zu trennen und dann getrennt ins ventil zu führen.
ohne drahtdrossel hätte ja ein kurzer interner rohrbogen vom ventil zum verteilerzylinder gereicht.

leider war meine alte leitung komplett dicht. da ging nix mehr durch.
sicher eine folge der galvanischen behandlung. das beizbad dingt in den spalt und kann nicht mehr ausgewaschen werden --> der spalt klebt und rostet schnell zu.

wieder was gelernt.

grüße
thomas

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