Fortführung Diskussion Marktwert

Diskussionen rund um's Thema...
lemarabu
Beiträge: 56
Registriert: So 30. Jan 2005, 02:22

Re: Fortführung Diskussion Marktwert

Beitrag von lemarabu »

Definition von Symbiose (Quelle Wikipedia):

"Symbiose (griechisch symbioun = zusammenleben), bezeichnet das Zusammenleben verschiedener Arten zum gegenseitigen Vorteil.
Clownfisch (Amphiprion ocellaris) und Seeanemone (Heteractis magnifica)

Das beginnt bei Magen- und Darmbakterien der Tiere, die etwa bei den Wiederkäuern unerlässlich für jegliche Nahrungsaufnahme sind, bis hin zu spezialisierten Pflanzen (oft Orchideen), die nur von einer bestimmten Insektenart bestäubt werden können. Solche Beziehungen sind immer dann erfolgreich, wenn sich dadurch die Überlebenschancen beider Partner erhöhen."




Steffen
Beiträge: 217
Registriert: So 5. Jan 2003, 20:09

Re: Fortführung Diskussion Marktwert

Beitrag von Steffen »

Hallo,

schön, dass das Thema eine derartig große und vor allem differenzierte Resonanz erzeugt. Ich stimme den meisten von Euch völlig zu, wenn Ihr beispielsweise sagt:

- die auf dem Markt befindlichen Autos spiegeln in der Regel nicht den oftmals wesentlich besseren Zustand der in fester Liebhaberhand befindlichen (quasi unverkäuflichen) Autos wider. Der Zustand dieser Autos wird ja defacto nirgendwo erfasst, und die meisten davon sollen ja auch nicht verkauft werden. Trotzdem wird diesen Autos dann bei einem Versicherungsgutachten automatisch der z.T. wesentlich geringere Wert von vergleichbar schlechteren Autos zugewiesen.

- eine DS/ID ordentlich zu restaurieren und dann einfach nur ordentlich am Laufen zu halten, kann den Marktwert schon mal locker um den Faktor 2 - 3 übersteigen (Hannes), aber man tut es trotzdem gern, weil man das Auto natürlich für sich herrichtet und nicht vorhat, es zu verkaufen, wenn man nicht unbedingt muss. Ein D-Modell ist also ganz klar ein (ständiges) Investitions- und kein Anlageobjekt. Aber das geht sicherlich den meisten Oldtimerbesitzern so, zumindest den echten Liebhabern.

Dennoch sollte man schon den Marktwert des eigenen Autos im Auge behalten, denn das ist ja quasi der Versicherungswert, also der Betrag, den man im Falle eines Unfalltotal- oder Diebstahlschadens bekommen würde. Und ich kenne mit einer Ausnahme nur D-Modell-Besitzer, deren Auto z.B. einen Markt-/Versicherungswert von X Euro aufweist, in dem aber mindestens noch einmal genauso viele Euronen stecken (wenn nicht noch mehr), sei es nun durch eigene oder fremde Leistung. Selbst ein Teilschaden bedeutet dann defacto schon einen Totalschaden; ein Diebstahl oder ein Totalschaden eine Unterdeckung von vielen Tausend Euro basierend auf der Vermutung, dass ein vergleichbares Auto auf dem Markt nicht für den Preis zu haben ist, den z.B. Classic Data vorgibt, sondern allenfalls eine mehr oder weniger gute Basis, die man erst wieder mit vergleichbarem Aufwand in den entsprechenden Zustand bringen muss.

Deshalb hätte ich da noch folgende offenen Fragen:

- Habt Ihr Euch schon mal Gedanken darüber gemacht, wie gut/schlecht versichert Euer D-Modell momentan ist? Falls ja, findet Ihr die Versicherung nach vermeintlichem Marktwert (Classic Data/Oldietax) ausreichend oder nicht?

Ich selbst habe inzwischen eine Versicherung nach Wiederherstellungswert gewählt, da ich eine Versicherung nach Marktwert als völlig unzureichend empfunden habe. Bis jetzt bietet nur eine einzige Versicherung diese Möglichkeit an. Natürlich nur gegen Vollgutachten.

- Müsste/sollte es neben der Marktwerterhebung nicht auch ein System geben, das den tatsächlichen Restaurierungs-/Wiederherstellungswert eines Oldtimers erfasst oder zumindest als eine Art Richtwert für die Versicherungen dienen kann? Einerseits würde sich dadurch für alle, die das wollen, eine Möglichkeit ergeben, ihren Oldtimer zum tatsächlichen Wert zu versichern, und auch die zukünftigen Liebhaber/Besitzer eines D-Modells könnten sich vorab informieren, was ein gutes Auto am Ende kosten kann. Ich möchte damit keinesfalls die Ansicht von Michael und Bernhard (Süd) bestreiten, dass es bei einer gewissen oder langjährigen Erfahrung mit dem D-Modell auch heute noch mit etwas Glück und Geschick möglich ist, ein relativ preiswertes D-Modell zu finden, in einen gebrauchsfähigen/verkehrssicheren Zustand zu bringen und diesen durch "rolling restoration" langfristig zu verbessern/zu erhalten. Ich selbst halte den Ansatz der "rolling restoration übrigens auch für den besten; kleinere optische "Mängel" wie Lack und Innenausstattung kann man sich natürlich für später aufheben, insofern es einen überhaupt stört. Nur: Blech und Technik müssen stimmen, das Ding muss fahren und zwar sowohl modellspezifisch als auch verkehrssicher. Und schon allein das kann eine ganze Menge Geld/Zeit kosten.

Aber ich würde trotzdem meinen, dass ein engagierter Laie, der den Betrag X gespart hat und sich endlich den Traum vom eigenen D-Modell erfüllen möchte und nicht beim Händler kauft (weil er zu diesem Zeitpunkt natürlich überhaupt nicht versteht, wieso der für den gleichen Classic Data Zustand deutlich mehr Geld haben will), zwangsläufig nach den Oldietax- oder Classic-Data-Listen geht und glaubt, er bekommt für sein Geld auf dem Markt tatsächlich ein Auto im jeweiligen Zustand. Und dass es sich damit erstmal erledigt hat. Quasi überspitzt: Die alten Kisten kosten wie man sieht fast nix, kauf ich mir halt in ein paar Jahren einfach eine andere. Wenn die Kiste jetzt binnen kurzer Zeit verkehrsunsicher wird und/oder die ersten Investitionen anstehen (Chassis, Karosse, Hydraulik, Elektrik usw.), kann das Ganze schnell über die 10.000 EUR Grenze (oder auch weit darüber hinaus) schnippen. Und ich denke, viele verlieren an diesem Punkt mangels Zeit/Geld die Lust an ihrem Auto, lassen es einfach stehen, fahren es gnadenlos runter oder verkaufen es notgedrungen mit Verlust und natürlich meistens auch in einem (noch) schlechteren Zustand als zuvor auf dem Markt. Apropos, könnte es übrigens sein, dass die (zu) niedrigen Marktpreise auch dadurch zustande kommen, weil z.T. immer wieder die selben Autos gekauft und dann rel. schnell wieder verkauft werden?

Übrigens finde ich auch die Feststellung von Martin sehr wichtig, dass die DS/ID damals als Neuwagen selbst in ihrem Segment eher ein teures Auto waren. Vergleichbare Autos kosten heute so ab 20.000 EUR. Damit möchte ich jetzt nicht in die "Yuppie-/Besserverdiener"-Kerbe hauen, sondern ich denke, dass einfach viele engagierte, "nachwachsende" Interessenten die Komplexität und den Investitionsbedarf für ein D-Modell aufgrund der "Marktpreise" drastisch unterschätzen und damit binnen kurzer Zeit überrumpelt, also total überfordert werden. Die entsprechenden Autos werden wie Götz, Martin und HUF völlig richtig meinen, mangels (der richtigen!) Investitionen über kurz oder lang aussterben. Vor einer Spezialwerkstatt in Berlin stand letztens eine DS, die vor 6 Jahren nach ihrem F-Import und H-Kennzeichen einen guten erhaltenswerten Zustand aufwies, insgesamt aber am Scheideweg stand und deren Zustand sich mangels entsprechender Investitionen seit dem letzten TÜV so stark verschlechtert hat, dass eine Restaurierung nicht mehr lohnt bzw. nicht mehr möglich ist (Chassis und Karosserie total rott). Aber Innenausstattung fast neu und seinerzeit nach dem Import sofort neu lackiert...

Grüße,

Steffen

P.S.: @Norbert: Kein Problem; ich dachte nur, ich hätte mich ungewollt falsch ausgedrückt.
Martin K. Verified
Beiträge: 786
Registriert: Di 1. Feb 2005, 19:04

Re: Fortführung Diskussion Marktwert

Beitrag von Martin K. Verified »

Hallo Steffen,

das Versicherungsthema wäre eigentlich einen eigenen Thread wert - wenn es sich natürlich auch mit dem Thema Fahrzeuwert überschneidet. Übrigens, im Oldtimerforum http://www.oldtimerinfo.de/cgi-bin/foru ... LastLogin=
werden solche Themen behandelt, auch in anderen Bereichen von http://www.oldtimerinfo.de
Einfach mal Suchworte wie Widerbeschaffungswert etc eingeben.

Ich persönlich bin übrigens diesbezüglich ein Hazardeur: Ich habe noch nie einen Oldtimer Kasko versichert.

Ich denke, es ist auch eine Sache der Mentalität und der persönlichen Erfahrungen, ob jemand beim Händler kauft oder lieber privat. Jeder weiß natürlich, dass der Händler in der Regel teurer ist. Andererseits kann man dort Wünsche äußern und hat eine Gewährleistung. Oder man schätzt die Kompetenz. Das muss natürlich bezahlt werden. Kann aber auch sein, dass man privat schon mal reingefallen ist und künftig gerne diesen Aufpreis zahlt. Oder man hat die Schnauze voll von kilometerweiten Anreisen um festzustellen, dass das Zustand-2-Auto ein schlechter 4er ist, bei dem man sich fragt, wie er durch den TÜV gekomen ist. Das ist doch sehr häufig so.
Auf der anderen Seite gibt es für den versierten DS-Kenner, keinen Grund, bei einem Händler zu kaufen. Er kann selbst gut beurteilen, was er für ein Auto vor sich hat.

Den Idealfall für alle werden wir hier nicht erarbeiten können, aber die verschiedenen Meinungen und Ansichten finde ich auch sehr interessant und zeigen uns unterschiedliche Blickwinkel.

Grüße
Martin
Bernhard(Süd)

Re: Fortführung Diskussion Marktwert

Beitrag von Bernhard(Süd) »

Hallo,

...da bin ich dankbar, daß Alex und Michael Klette die Dinge sozusagen im Sinne von Steffen und mir ins Licht gerückt haben (tolerant, differenziert, unter Beachtung der Nuancen...).

Denn: Wenn das DS-Hobby von gewissen Kreisen ins Hochpreissegment gehievt wird (und sei es nur verbal in diesem Forum), dann werden kaum Autos aussterben, sondern der (nicht so zahlungskräftige) Fan-Nachwuchs!!! Ist das wirklich gewünscht???

Und was heißt hier (verdientes) Verschwinden von ausgelutschten Alltags-DS? Daraus rekrutieren sich doch jede Restaurieruingsbasis!

Ja, ich habe was gegen "raffgierige Händler". In der Tat.

Grüße: Bernhard
Bernhard(Süd)

Re: Fortführung Diskussion Marktwert

Beitrag von Bernhard(Süd) »

Hallo,

...da bin ich dankbar, daß Alex und Michael Klette die Dinge sozusagen im Sinne von Steffen und mir ins Licht gerückt haben (tolerant, differenziert, unter Beachtung der Nuancen...).

Denn: Wenn das DS-Hobby von gewissen Kreisen ins Hochpreissegment gehievt wird (und sei es nur verbal in diesem Forum), dann werden kaum Autos aussterben, sondern der (nicht so zahlungskräftige) Fan-Nachwuchs!!! Ist das wirklich gewünscht???

Und was heißt hier (verdientes) Verschwinden von ausgelutschten Alltags-DS? Daraus rekrutieren sich doch jede Restaurieruingsbasis!

Ja, ich habe was gegen "raffgierige Händler". In der Tat.

Grüße: Bernhard
Bernhard

Re: Fortführung Diskussion Marktwert

Beitrag von Bernhard »

Hallo,

...da bin ich dankbar, daß Alex und Michael Klette die Dinge sozusagen im Sinne von Steffen und mir ins Licht gerückt haben (tolerant, differenziert, unter Beachtung der Nuancen...).

Denn: Wenn das DS-Hobby von gewissen Kreisen ins Hochpreissegment gehievt wird (und sei es nur verbal in diesem Forum), dann werden kaum Autos aussterben, sondern der (nicht so zahlungskräftige) Fan-Nachwuchs!!! Ist das wirklich gewünscht???

Und was heißt hier (verdientes) Verschwinden von ausgelutschten Alltags-DS? Daraus rekrutieren sich doch jede Restaurieruingsbasis!

Ja, ich habe was gegen "raffgierige Händler". In der Tat.

Grüße: Bernhard
Hans-Uwe Fischer x

Re: Fortführung Diskussion Marktwert

Beitrag von Hans-Uwe Fischer x »

Hallo Bernhard,

dann erkläre doch bitte mal mit freundlichen Worten, wie das von dir oben beschriebene ausgelutschte Alltagsauto, von dem nicht so zahlungskräftigen Fan-Nachwuchs, fahrtüchtig (TÜV) erhalten werden kann/soll.
SÄMTLICHE Aggregate (Organe), Motor, Schaltblock, Kupplung usw. usw. halten nicht ewig und sind dann, wie von dir richtig beschrieben, ausgelutscht!

Ich konnte früher über viele Jahre hinweg nicht einmal meinen 2CV am Leben erhalten. Ich habe ihn dann schweren Herzens gegen ein Fahrrad getauscht. Dieses Zeitungsinserat habe ich bis heute aufgehoben.

Grüsse
Hans-Uwe
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Michael Klette
Beiträge: 1394
Registriert: Mo 21. Apr 2003, 10:58

Re: Fortführung Diskussion Marktwert

Beitrag von Michael Klette »

Hans-Uwe,
jetzt wirds aber peinlich!!! Vom Tellerwäscher zum Millionär,oder was?
Da hoffe ich mal,das Du Dein Fahrrad nicht im Alltag runtergeritten hast.
Alle armen Schlucker und Hartz4er dürfen jetzt ihre DS bei Hans-Uwe gegen ein Fahrrad eintauschen.

Gruß Michael
Frank R.
Beiträge: 88
Registriert: So 2. Nov 2003, 17:56

Re: Fortführung Diskussion Marktwert

Beitrag von Frank R. »

Hallo,

habe bis jetzt auch interessiert mitgelesen.

1. Ich habe den Eindruck, dass sich Forumsteilnehmer, die über finanzielle Mittel für eine Fremdrestauration verfügt haben oder verfügen würden, ständig in einer Rechtfertigungspostion gedrängt werden. Das kann nicht Basis der Diskusion sein. Martin hat die unterschiedlichen Positonen schon sehr gut und differenziert dargestellt.

2. Wer die Kalkulation eines Unternehmens nicht kennt, sollte sich zu den Verdienstmöglichkeiten nicht äussern. Viele Unternehmen haben eine Umsatzrendite von nur wenigen %-Punkten (z.B. 4% = bei 100.000 € Umsatz beträgt die Rendite 4.000 €). Dies ist von Unternehmen und Branche abhängig. Es reichen nur wenige Faktoren aus, um das Unternehmen in eine Schieflage zu bringen. Ich kenne die Umsatzrendite der Teilehändler nicht. Sie errechnet sich aber nicht aus "Verkaufspreis abzgl. Einkaufpreis". Wer das glaubt ist naiv!

3. Was ist daran peinlich, wenn HUF mal "klein" angefangen hat? Richtig ist doch, dass man mit einem dünnen Finanzpolster kaum die notwendigen Reparaturen bwerksteligen (lassen) kann. Diese Erfahrung werden wohl die meisten hier irgandwann einmal gemacht haben.

Beste Grüsse
Frank

(DS 21 Pallas HA, 07/1967, rouge de grenade/noir)
Ralf Sassen

Re: Fortführung Diskussion Marktwert

Beitrag von Ralf Sassen »

Hallo zusammen,

"Und was heißt hier (verdientes) Verschwinden von ausgelutschten Alltags-DS? Daraus rekrutieren sich doch jede Restaurieruingsbasis!"

Das ist ja wohl ausgemachter Quatsch! Solch ein Fahrzeug restauriert niemand mehr. Wer kann und will die Arbeit und das erforderliche Geld in so ein Auto noch investieren?

Das ist die gesunde Dezimierung des Bestands und sorgt für Wertstabilität der wirklich guten Fahrzeuge.

Gruß, Ralf

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