KTL-Göttin

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aquablader
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Re: KTL-Göttin

Beitrag von aquablader »

Dem wird auf jedem Treffen entgegenschallen: "die muss aber noch gemacht werden!" ;-)

Man muß sich nur mal bei einer Zusammenkunft "kundiger Experten" auf grüner Wiese in Hörweite neben sein Auto stellen und sich die Kommentare einiger "Sachverständiger" anhören. Comedy ist nichts dagegen!

Lass das Auto bloß so, wie es ist!

Und aus vielen eigenen Beobachtungen: KTL ist toll für Hohlräume, weil sie durchgehend beschichtet werden. KTL ist aber suboptimal für Überlappungen, weswegen auf alle Fälle trotzdem eine kriechfähige Hohlraumversiegelung notwendig ist!
Ich habe mal gesehen, wie ein DS Cabrio gebaut wurde und der "Bauherr" mit der Paßform der Türen nicht einverstanden war. Die Türhäute wurden wurden wieder abgenommen und an den Falzen war deutlich erkennbar, daß die KTL-Beschichtung nicht in diese Kapillarspalte eingedrungen war und sich dort schon ein brauner Überzug breit machte.

Hier eine exemplarische Diskussion: https://www.jaguar-forum.de/forum/viewt ... 10091462be

VG Ingo
andreask69
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Re: KTL-Göttin

Beitrag von andreask69 »

Hallo Ingo,

Du hast vollkommen recht mit Deiner Aussage, dass man das KTL richtig einsetzen muss. Die Fachkundigen vor Ort bei der Fa. Carblast haben mir all das genau erläutert. Deshalb wird der nun kommende Ablauf so aussehen:
An den außenliegenden Fälzen, also am Unterboden, in den Radkästen, an den Türen und Kotflügeln erfolgt jetzt eine dünne, kaum sichtbare Nahtabdichtung. Danach wird das Chassis mit einem EP-Lack in schwarz seidenmatt lackiert. Danach erfolgt die Versiegelung, weitgehendst im Citroën Werkslook mit einem schwarzen pastösen Unterbodenschutz. Ich wähle aber eine homogene, leicht rauhe Oberfläche, teilweise haben die DS aus den früheren bis mittleren 60ern ja so mit einem Pinsel aufgetragene Schmierereien. Alle Transporte werden natürlich nur im geschlossenen Trailer durchgeführt. Die Hohlräume sind übrigens sehr schön beschichtet. Nach Abschluss der Restauration, werde ich dann alles mit einer Wachs-/Fett-/Öl-Mischung konservieren. Dann ist hoffentlich Ruhe. Apropos Rost in überlappenden Blechfälzen: beim Zerlegen des Chassis, selbst in völlig rostfreien Bereichen, kam fortgeschrittener Rost zu Tage.
Danke auch hier für die Tipps! Erfahrungen sind unbezahlbar.

Schönen Tag
Andreas
Andreas B. Verified
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Re: KTL-Göttin

Beitrag von Andreas B. Verified »

Hallo Andreas,

das ist ein ambitioniertes und tolles Projekt! Zum Verständnis: Wie läuft denn die erwähnte thermische Entlackung ab? ich dachte bisher, das ist eher etwas für massivere Metallteile wegen der Gefahr des Verzugs. Deshalb nahm ich an, dass der KTL eine chemische Entlackung gefolgt von einer Entrostung vorrausginge.

beste Grüsse

Andreas
'65 ID 19, '75 Ami 8 Service
MartinED Verified
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Re: KTL-Göttin

Beitrag von MartinED Verified »

Liebe Gemeinde,

ich verstehe den gegenwärtigen KTL-Hype nicht ganz. Meines Wissens wurde dieses Verfahren bereits in den 70er Jahren unter der Bezeichnung "Elektrophorese" von den Fordwerken in Köln praktiziert. Das Ergebnis war bescheiden, gerade die Fords aus diesen Jahren gehören zu den schlimmsten Rostlauben der gesamten Automobilgeschichte. Was ist an der heutigen KTL besser?

Viele Grüsse
Robert


Hallo Robert,

warum sprichst Du beim KTL-Prozess von der Vergangenheit? Das ist in allen Automobilfirmen nach wie vor gängige Praxis. Meines Wissens durchlaufen alle Rohkarosserien, auch teilverzinkte, komplett den KTL-Prozess, bevor dann der Deck- und abschließend der Klarlack folgt. Was allerdings stimmt, ist, dass mit KTL allein Blechüberlappungen nicht ausreichend geschützt werden.

Viele Grüße

Martin
DS 20 Pallas, 03/1969
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Robert Verified
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Re: KTL-Göttin

Beitrag von Robert Verified »

Hallo Martin,

ich sprach von der Vergangenheit, weil ich es nicht besser wusste. Das Verfahren war damals werblich von Ford sehr herausgestellt worden, danach war aus meiner Sicht nie mehr die Rede davon. Später kam die Verzinkung auf und wurde eben auch zum Verkaufsargument, wobei dieses Verfahren, wie mir z.B. mein Saab beweist, die Versprechungen tatsächlich einlösen kann. Vor geschätzt zehn Jahre machte dann die "Oldtimer-Markt" mit KTL auf und hob die Sache in den Himmel. In dem seinerzeitigen Artikel wurde erwähnt, dass es sich um das gleiche Verfahren wie seinerzeit bei den Ford-Werken handelte und bei der Lektüre fragte ich mich, ob die damaligen Erfolge (im buchhalterischen Sinne, da gibt es auch negative Erfolge) bei Taunus und P7 nicht dagegen sprächen.
Andreas hatte ja zuerst nur die Bilder von der KTL gezeigt, ohne zu erwähnen, dass das Chassis komplett durchgearbeitet worden ist. In Gedanken an meine Restauration, die auch nicht ganz ohne war, deren Ausgangszustand aber um Welten besser war als Andreas' Blätterteigpastete, fragte ich mich dann, ob der Aufwand der KTL-Behandlung gerechtfertigt sei. Wenn man aber sieht, was hier geleistet wurde, ist das natürlich grandios. Wenn so viel erneuert wird, macht es natürlich wenig Sinn, mit dem Pinsel Rostprimer drauf zu schmieren. Ich habe mein Auto zusammen mit einem Kumpel in einer Hinterhofwerkstatt von 4- auf 2- restauriert, und mehr war auch nicht mein Anspruch, hier geht es dem Anschein nach aber von 5 auf 1, das ist eine andere Liga, da spielen die Profis. Aber der Eigentümer der Chaise ist dann nur mehr der Mäzen.

Viele Grüsse
Robert
'59 DS 19/'66 ID 19/'68 DS 21 Pallas/'71 SM /'71 SM in Arbeit/'84 Renault R4F6 in Arbeit/'96 Saab 900 CV/'98 BMW 1100 GS
MartinED Verified
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Re: KTL-Göttin

Beitrag von MartinED Verified »

Hallo Robert,

Verzinken ist gut, reicht aber nicht aus. Da Zink sofort oxidiert, hält darauf kein Lack, darum muss die Oberfläche vorbehandelt werden. Das heißt, zuerst kommt eine Zinkphosphatierung, dann folgt der KTL-Prozess und zum Schluss wird lackiert. Du siehst, KTL ist immer dabei :-). Das ist jedenfalls mein Kenntnisstand.

Aber Du hast schon recht, wenn man den Aufwand treibt, dann muss daraus letztendlich ein Zustand "1" herauskommen. Das wird bestimmt eine Super-Göttin, muss ich neidlos gestehen. Bin mit meiner Madame (DS 20 Pallas, 03/1969) allerdings auch zufrieden, Gutachten habe ich aber keins ;-).

Viele Grüße

Martin
DS 20 Pallas, 03/1969
anieder Verified
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Re: KTL-Göttin

Beitrag von anieder Verified »

Das können die Liebhaber anderer Modelle zur Diskussion beitragen

https://audi100.selbst-doku.de/Main/Ser ... g#tempid-0


Gruß
Andreas
MartinED Verified
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Re: KTL-Göttin

Beitrag von MartinED Verified »

anieder hat geschrieben: Das können die Liebhaber anderer Modelle zur Diskussion beitragen

https://audi100.selbst-doku.de/Main/Ser ... g#tempid-0


Gruß
Andreas

... genau, die "Kataphoretische Tauchlackierung" ist nichts anderes als KTL und ist ein nachgeschalteter Prozess nach dem Verzinken, wie man in dem Beitrag lesen kann.

Gruß
Martin
DS 20 Pallas, 03/1969
andreask69
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Re: KTL-Göttin

Beitrag von andreask69 »

Hallo Andreas,

als mir bei Lieferung der DS beim KTL-Betrieb die Vorgehensweise erläutert wurde, wurde ich beim Thema Thermoentlacken ebenfalls stutzig. Ich hatte mir vorher die Videos der Firma in youtube angeschaut und hatte erhebliche Zweifel an dieser Vorgehensweise bei Feinblech, ich war also misstrauisch.
Die Erklärung lautete, dass es ein sehr zeitintensiver Prozess von mehreren Stunden ist. Das heißt, dass durch das sehr langsame Erwärmen auf ca. 200°C und das danach folgende langsame Abkühlen keinerlei Verzug zu befürchten ist. Das leuchtet dem ein, der u.a. die Stahlecke das EKD kennt und sich werkstofftechnisch den Grund für Verzug erklären kann, aber das eine Stück Blech reagiert aber nicht immer gleich, aber hier endet mein Misstrauen...Außerdem wurde das natürlich über einen langen Zeitraum entwickelt, bei unzähligen Karosserien ausprobiert und a posteriori für voll funktional erklärt. Beim Tauchbadentlacken ist hier wohl eher mit Langzeitproblemen zu rechnen, aufgrund der Gefahr von entstehendem Spaltrost. Auch diese Aussage scheint mittlerweile aber der Vergangenheit anzugehören. Alle heutigen Verfahren werden in den meisten Fällen industriell angewendet und es wäre nicht so, wenn es durch diese Verfahren Qualitätsprobleme geben würde. Allerdings ist bei der Wahl der Betriebe, die solche Verfahren anbieten, Vorsicht geboten und deshalb habe ich die Fa. Carblast gewählt, weil es sich wirklich hier um eine Fabrikation mit sehr viel Erfahrung handelt, die Verfahren werden massenweise angewendet und die Kunden sind renommierte Betriebe aus dem Restaurationssektor(und nicht nur die..). Deshalb firmiert diese Fa. auch unter dem Namen "Entlackungsfabrik".

Ob es nun tatsächlich zum Verzug geführt hat, werde ich bald erfahren, wenn alles wieder zusammengebaut ist und Flächen und Spaltmaße wieder ganz die alten sind. Ich bin guter Dinge!

Soviel zu Deiner Frage!

Schönen Abend
Andreas

Andreas B. hat geschrieben: Hallo Andreas,

das ist ein ambitioniertes und tolles Projekt! Zum Verständnis: Wie läuft denn die erwähnte thermische Entlackung ab? ich dachte bisher, das ist eher etwas für massivere Metallteile wegen der Gefahr des Verzugs. Deshalb nahm ich an, dass der KTL eine chemische Entlackung gefolgt von einer Entrostung vorrausginge.

beste Grüsse

Andreas
MichaIN Verified
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Registriert: Do 24. Mär 2005, 11:19

Re: KTL-Göttin

Beitrag von MichaIN Verified »

Hallo!

Ich dachte, das der eigentlichen KTL vorausgehende chemische Entlacken ist gleichzeitig das Entrosten.
Also gleichzeitig quasi die chemische Alternative zum Sandstrahlen (*), woher meiner Meinung nach das starke Interesse an dem Verfahren kommt, da verzugsfrei und ohne Gefahr der Verdellung/Streckung der Bauteile durch das mechanische Strahlen.
(Ja, es gibt dann darauf basierenden Diskussionen ob Falze danach genügend passiviert werden können).

Das thermische Entlacken bedient diesen Aspekt doch nicht, gibt es da noch einen separaten Vorgang dazwischen?


(*)=Sandstrahlen jetzt mal als stellvertetende Bezeichnung für abrasives Strahlgut aller Art.



Gruß Michael
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