Phosphorsäure: praktische Ausführung ?

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maldini Verified
Beiträge: 3575
Registriert: Do 18. Mai 2006, 00:23

Re: Phosphorsäure: praktische Ausführung ?

Beitrag von maldini Verified »

Hallo Hans,

Nicht wirklich.
Ich versuch es mir so zusammenzureimen. Die Säure reduziert in jedem Fall das Eisenoxyd - bei der Phosphorsäure zu einer Eisenphosphorverbindung. Das vom Essig reduzierte Eisenoxyd haftet dem Eisen aber nicht an - wie die Phosphorverbindung.
Dieses „blanke“ Eisenblech scheint nicht so schnell anzurosten - es ist auch kein Eisenoxyd mehr da, an dem es ansetzen könnte. (zumal es ja anschließend auch warm und trocken liegt)

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Ich mag diese „porentiefe“ rostfreiheit! Die hinteren Halter waren vorher Schrott, ich habe schon Kunststoffspritzteile gekauft - nach ein paar Tagen im Essig und anschließendem chromatischen sind es wieder Schmuckstücke .. Jedenfalls deutlich schöner als die Spritzlinge.
Die hinteren Leuchterfassungen sind in Essig entlackt und entrostet - und dann chromatiert einfach eine Schau...
:-))

Grüße
Karl
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Gerhard Trosien
Beiträge: 1055
Registriert: Mi 5. Dez 2007, 07:04

Re: Phosphorsäure: praktische Ausführung ?

Beitrag von Gerhard Trosien »

Ich "arbeite" seit über 30 Jahren mit Phosphorsäure, mit bestem Erfolg und Überzeugung.
Die Säure wandelt Rost in Eisenphosphat um, das ist ein prima Rostschutz und ein hervorragender Haftgrund.
Die Säure muss verdünnt sein, ein wenig Netz(Spül-)mittel kommt in die Mischung, und dann geht's los.
Am besten funktioniert die Säure bei leichtem Flugrost, da sieht man den Erfolg sofort. Bei stärkerem Rostbefall braucht's Geduld.
Da ich immer nur am Samstag in meiner Werkstatt bin, ist das auch kein großes Problem: die mechanisch so gut es geht entrosteten Stellen werden mit säuregetränkten Stücken Putztüchern eingepackt. Nach einer Woche ist der Rost bis in die Poren umgewandelt (wenn die Poren nicht allzu tief sind, sonst ist Wiederholung angesagt).
Die richtige Arbeit geht danach los: Säureüberschuss und die bei den Reaktionen entstehenden Krusten sind zu entfernen. Und das geht am besten mit Wasser, dem ein ganz kleiner Schuss Phosphorsäure zugefügt ist. Und wieder Geduld. Die Krusten müssen aufgeweicht werden.
Selbst frische, optisch einwandfreie Bleche werden vor dem Grundieren behandelt. Gestrahlte Blechpartien sind wegen der Verdreifachung der Oberfläche besonders rostanfällig und brauchen nach dem Strahlen die Phosphorsäurebehandlung.
Wenn dann die Fläche schön matt-grau schimmert, evtl. ein Hauch Regenbogenfarben zu sehen sind, war die Arbeit perfekt. Das Blech baucht dann sofort eine Grundierung, da die Phosphatschicht nicht wetterbeständig ist.
Die Schürze unter der Stoßstange meines DS mit den "zugebratenen", ehemals aufgerosteten Schraubenlöchern ist jetzt, rund 25 Jahre nach der Phosphorsäurekur, immer noch einwandfrei. Nur der Decklack musste einmal wg Steinschlagschäden erneuert werden. Die Bauteile aus der Frühzeit meiner Phosphorsäureversuche sind leider nicht mehr in meinem Besitz.
sturmtaucher
Beiträge: 4
Registriert: Di 24. Okt 2017, 01:51

Re: Phosphorsäure: praktische Ausführung ?

Beitrag von sturmtaucher »

Ich habe (nach vielen anderen Versuchen) auch die Phosphorsäure entdeckt.
15%ig ist eine ganz gute Größenordnung.

Ein Problem damit habe ich aber:
Bringe ich die mit Phosphorsäure vorbehandelten, rostfreien Stahlteile zum Verzinken (noch am gleichen Tag!!!), wird die Oberfläche nie richtig glänzend. Mein Galvaniker begründet dies mit der vorhandenen Phophatschicht.
Danach habe ich weiter experimeniert: Die in Phosphorsäure vorbehandelten, rostfreien Teile werfe ich jetzt noch mal für eine Stunde in Salzsäure bevor sie zur Verzinkung gehen.
Jetzt wird's endlich auch schön :-)
Guido ID19
Beiträge: 351
Registriert: Sa 22. Feb 2014, 19:46

Re: Phosphorsäure: praktische Ausführung ?

Beitrag von Guido ID19 »

Hallo,
wozu der riesen Aufwand ?
Die Teile müssen zum Verzinken doch nur fettfrei und farbfrei sein , Rost spielt keine Rolle.
Ich strahle die Teile maximal sauber , wenn überhaupt und habe immer sauber verzinkte Teile .
Eigendlich werden die Teile die ich nicht gestrahlt habe irgendwie schöner , die Oberfläche wird glatter.

Lass die ganze Vorbehandlung und du hast gute Ergebnisse, oder schneidest du dir die Haare auch zu Hause vor bevor du zum Frisör gehst ?

Gruß

Guido
Gerhard Trosien
Beiträge: 1055
Registriert: Mi 5. Dez 2007, 07:04

Re: Phosphorsäure: praktische Ausführung ?

Beitrag von Gerhard Trosien »

Die Phosphorsäure ist die ideale Vorbehandlung auch optisch rostfreier Teile für die Grundierung und Lackierung. Teile vor dem Verzinken erst mit Phosphorsäure zu behandeln ist überflüssig, teuer und zeitraubend. Dann gleich in die Salzsäure mit den Teilen, aber mit Vorsicht: während die verdünnte Phosphorsäure nur den Rost bekämpft, vergreift sich die Salzsäure auch am Metall.
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