Scheibenbremse erste Baureihe

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Sz Verified
Beiträge: 22
Registriert: Mi 20. Dez 2006, 19:26

Scheibenbremse erste Baureihe

Beitrag von Sz Verified »

Guten Abend,

seit ca. einem Jahr zeigt zeigt die Bremse meiner Göttin folgendes Verhalten: Nach einer Standzeit von mehr als drei Tagen (Handbremse nicht festgestellt) löst sich die Bremse nach der ersten Betätigung nicht vollständig. Die folgenden 500 bis 1000m fahre ich dann gegen eine schleifende Bremse an. Ein paar Bremsungen später funktioniert alles wieder einwandfrei. Dieses Phänomen wird weder schlimmer noch verschwindet es. Die Bremssättel waren vor 5 Jahren komplett auseinander und wurden überholt (es sind Dichtungen von Petermann drin). Die Feststellbremse funktioniert einwandfrei. Die Hydraulikflüssigkeit wird regelmäßig gewechselt und das Systhem mindestens einmal jährlich entlüftet und gespült.
Muss ich die Sättel wieder zerlegen??

Gruß Thomas
oliverf
Beiträge: 534
Registriert: Sa 3. Nov 2007, 15:26

Re: Scheibenbremse erste Baureihe

Beitrag von oliverf »

Hallo Thomas,

in der Regel ist das Phänomen auf Ablagerungen auf den Zylinderwänden zurückzuführen, sollte das Phänomen nicht schlimmer werden, würde ich vorerst damit leben, denn die einzige Abhilfe heißt Zerlegen, Säubern und wieder Zusammenbauen. Habe das selbe Symptom an meiner 59er ID und meiner 66er DS.

Gruß

oliverf
M. Ferchaud
Beiträge: 2152
Registriert: Mi 13. Jan 2010, 21:45

Re: Scheibenbremse erste Baureihe

Beitrag von M. Ferchaud »

Hallo Thomas,

die Ursache für klemmende Schwimmsattelkolen ist meiner Erfahrung nach stets Korrosion in den Dichtringnuten; auch wenn hier neue Dichtungen eingesetzt wurden, ist wahrscheinlich die Korrosion nicht ausreichend entfernt worden. beginnt die Oberfläche der Nuten weder zu oxidieren, werden die Gummiringe immer stärker gegen die Kolben gespresst und verklemmen diese.
Durch die Reibungswärme, die durch die schleifende Bremse entsteht, werden die Dichtringe leicht schmierig und lassen die Kolben wieder leichter gleiten. Nach dem nächten Abkühlen beginnt das Spiel von Neuem.
Wie Oliver schrieb: solange es nicht zu schlimm ist, damit leben, oder zerlegen; je länger man damit wartet, desto größer ist das Risiko irreparabler Schädigung.

Die Korrosion entferne ich beim Überhlolen der Sättel mit einer kleinen Drahtbürste auf einem Dremel: die Drähte sind sehr fein und weich und enfernen nur die Oxidkristalle und polieren gesundes Material. Vor dem Einsetzen der Dichtringe sollte die Nut mit Silikonfett eingestrichen werden, um erneute Korrosion einzudämmen.

Grüße
M.
Sz Verified
Beiträge: 22
Registriert: Mi 20. Dez 2006, 19:26

Re: Scheibenbremse erste Baureihe

Beitrag von Sz Verified »

Vielen Dank für die Rückmeldung. Habe mich entschlossen, die Bremsen zu zerlegen. Das war auch höchste Zeit. Ein Kolben ging noch mit Pressluft, die anderen nur mit der Fettpresse heraus. Erstaunlich, dass die Bremse noch einigermaßen funktionierte.
Habe mit Hilfe von Herrn Petermann die Sättel überholt und wieder eingebaut. Bevor ich den Kühler und den anderen Rest einbaue, wollte ich die Feststellbremse testen. Ich bekomme aber keinen Druck. Nun meine aktuelle Frage: Muss erst die Hydraulik die Bremsbeläge an die Scheiben drücken, damit die Feststellbremse funktioniert oder sollten die sich auch ohne hydraulische Unterstützung selbst nachstellen? Mit dem Kühlereinbau warte ich noch, bis diese Frage geklärt ist.

Gruß Thomas
oliverf
Beiträge: 534
Registriert: Sa 3. Nov 2007, 15:26

Re: Scheibenbremse erste Baureihe

Beitrag von oliverf »

Die Beläge werden ausschließlich über das mehrmalige Betätigen der Feststellbremse angelegt. Gelingt dies nicht, dann funktioniert die Nachstelleinrichtung nicht korrekt. Entweder stimmen die Endanschläge der Hebel nicht mehr, oder der kleine Federstift in den Sperrklinken hängt. Auch falsch eingestellte Seilzuglängen der Handbremse können der Grund sein. Während dieses Anlegevorgangs sollte die Schraube am hinteren Kugelgelenk gelöst sein, damit sich die Backen zentrieren und danach bei gezogener Handbremse erst die Schraube fixiert werden. Man sollte sich bei allen Maßen und Verfahren hier durchaus streng ans Handbuch halten, sonst macht man alles doppelt und dreifach und zerstört am Ende womöglich noch immer rarer werdendes Originamaterial. Gutes Gelingen!

Gruß

oliverf
M. Ferchaud
Beiträge: 2152
Registriert: Mi 13. Jan 2010, 21:45

Re: Scheibenbremse erste Baureihe

Beitrag von M. Ferchaud »

Das ist auch meine dringende Empfehlung: Ohne Handbuch wird das nichts, es gibt diverse Regeln und Einstellmasse, die zu beachten sind; nur, wenn diese streng eingehalten werden, kann die Bremsmechanik einwandfrei funktionieren - alles andere ist Glücksspiel und zieht mit großer Wahrscheinlichkeit erneutes Zerlegen nach sich.

Gruß
M.
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