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Logistik - Schwingarmlager hinten fetten

Verfasst: Do 11. Dez 2008, 18:36
von ...hannes
Zitat Tomsail: "Gerade das fett in den schwingarmen ist nach 30 jahren definitiv hinüber. fett aus dieser zeit hatte eine maximale gebrauchsdauer von 10 jahren! insbesondere die hinteren schwingarme sind leicht zu machen. du musst ja nicht die gehäuse aus dem auto nehmen, sondern nur die arme.
....dringende empfehlung: machen! :-) "

Danke für den Hinweis! Könnstest du aber bitte kurz und stichwortartig die beste Vorgehensweise (=Logistik) skizzieren? Also in etwa so: Heck beidseitig aufbocken - Räder ab, hydraulische Bremsleitung ab, Stössel Federzylinder ab, Kofferraum - Stabilisatorverkleidung ab... usw.
Ist der Stabilisator vorgespannt? Braucht man eine Spezialvorrichtung, um das innere Lager abzuziehen? Zieht man den Schwingarm bloß ein Stück hinaus und hinterfüllt mit frischem Fett oder zieht man beide Lager ab, reinigt, fettet, baut wieder zusammen? Drehmoment?
Und schließlich: Welches Fett? Schwarzes Molykote Abschmierfett oder soll es etwas Spezielleres sein?
lg

Re: Logistik - Schwingarmlager hinten fetten

Verfasst: Do 11. Dez 2008, 21:24
von tomsail
hallo hannes,

gerne gebe ich "schwingarm-rettungstipps" habe gerade meine vorderen ausgebaut und bin nicht gerade begeistert von dem was ich gesehen habe. :-(

hinten geht das retten recht einfach:
-fahrzeug hinten beidseitig aufbocken
-räder abnehmen
-bremsleitungen od. gelenke abbauen
-haltespange der federzylinderkugelaufnahme herausziehen und kolbenstange nach hinten schieben
-stabiverkleidung im kofferraum ausbauen
-stabi ist nicht vorgespannt, auf jeder seite die vier schrauben der klemmbacken lösen. höhenkorr.-gestänge und scheinwerferverstellung können evtl. verbleiben. wenn sie stören, abbauen

nun brauchts werkzeug:
ringschlüssel 38mm (nuss geht nicht wg. achsstummel, gabelschlüssel ist nicht zu empfehlen! ...38er ringschlüssel gibts bei ebay z.t. sehr günstig und da wir ja kein grosses drehmoment brauchen, tuts hier ausnahmsweise was billiges! :-)
)
-damit die innere der schwingarmachse lösen. dabei wird der zur sicherung umgebogene mutternrand abgeschert (vorher evtl. noch die herausstehende höhe des achsendes mit dem messchieber messen)

-jetzt kannst du den schwingarm ohne viel kraftaufwand herausziehen (evtl. ganz leichte hammerschläge mit dem gummihammer)

-mit einem montierhebel den dichtring aus dem lagergehäuse hebeln (geht sehr leicht raus
-nun kann auch der äußere lagerkäfig entnommen werden
-die lagergehäuse verbleiben im fahrzeug und werden gereinigt (die gehen schwer raus)
-den äußeren lagerkäfig und das innere lager (mit innenring) sorgfältig auswaschen
-schwingarmlagerstellen reinigen
-äußeren lagerkäfig und lagergehäuse einfetten, ins lagergehäuse einsetzten und einen neuen dichtring einsetzen (ist ein spezialring mit zusatzlicher "dichtnase" stirnseitig, gibts seit kurzem bei sassen als nachfertigung)
-schwingarmlagerstellen fetten und schwingarm einsetzen.
-inneres lager fetten und einsetzen.
-38er mutter leicht aufschrauben und festziehen, dabei schwingarm auf- und abbewegen
-mutter bis zur abscherstelle festziehen (messchieberkontrollmaß)
laut handbuch sinds 80-100Nm danach 1/6umdrehung lösen

-aussen alles wieder anbauen, bremsen entlüften usw...

FERTIG! :-)

der othello aus der schweiz hat ne schöne bilderdokumentation dazu:
http://www.citrothello.net/TEK%20BRAS%2 ... S%20DS.htm

als fett empfehle ich den zurzeit am besten haltbaren fettyp, ein
polyharnstoffvernetzes fett.
z.b.: SKF LGHP 2/1, TOTAL ALTIS MV2, TOTAL Multi Complex EP2, Mobil SHC 460 WT
sowas gibts beim örtlichen schmierstoffhändler, im baumarkt wird mans vergeblich suchen.

alternativ kann man auch ein gebräuchliches hochleistungs-radlagerfett auf lithium-komplexbasis nehmen.
mehr zu den fetten hier:
read.php?1,35600,page=1

bei bedarf kann ich gerne noch ein paar bilder liefern...

grüße und den schwingen ein langes leben wünscht
thomas



Re: Logistik - Schwingarmlager hinten fetten

Verfasst: Do 11. Dez 2008, 21:35
von sebastianklaus
Hallo Hannes,
ich habe die Prozedur vor ein paar Monaten hinter mich gebracht.
Ist schraubertechnisch wirklich keine große Sache.
Die Torsionsfedern sind nicht vorgespannt, sie verbinden nur den rechten und den linken Schwingenarm. Sind beide Schwingenarme in der gleichen Position, ist der Stabi spannungsfrei.
Also genau so vorgehen, wie Du schreibst (steht alles auch im Handbuch):
Einziges Problemchen: man benötigt einen 36´er oder 38´er (ich weiss es nicht mehr auswendig, alle Unterlagen sind in meiner Schrauberhalle) Steckschlüssel, um beide Muttern, die die Lagerung vorspannen, zu lösen und hinterher wieder korrekt vorzuspannen. Eine normale Nuss ist zu kurz, Maulschlüssel geht nicht, gekröpfter Ringschlüssel geht nur auf einer Seite.
Jedenfalls nimmt man den Schwingenarm nach Entfernen der Mutter komplett raus, reinigt die Käfige mit den Kegelrollen, die Schwingenarme und die Lagerbüchsen und dann schraubt man alles, nachdem man die Teile neu eingefettet hat, wieder zusammen und spannt nach Vorgaben im Handbuch vor. Die Mutter wird mittels Körnerschlag gegen Verdrehen gesichert.
Hinsichtlich der Verwendung eines geeigneten langzeitbetändigen Fettes hatte ich im Frühjahr hier einen Threat eröffnet.
Wenn Du die Schwingenarme draussen hast, ist das die Gelegenheit, alles komplett zu entlacken, neue Anschlaggummis einzubauen usw.
Ich selbst habe es noch nicht erlebt, dass die Lager selbst nicht wiederverwendbar waren. Tomsail hat wohl bei seinem Wagen leider super-Pech gehabt, denn er konnte ja beiden Lagerungen incl. Schwingenarmen ersetzen.
Viel Erfolg
Sebastian

Re: Logistik - Schwingarmlager hinten fetten

Verfasst: Do 11. Dez 2008, 21:35
von sebastianklaus
jetzt ist mir Tom ein paar Minuten zuvor gekommen, unsere Beiträge haben sich überschnitten

Re: Logistik - Schwingarmlager hinten fetten

Verfasst: Do 11. Dez 2008, 21:50
von ...hannes
Danke für eure aufwendigen Ausführungen! Doppelt erklärt und mit euer beiden Erfahrungswerten gewürzt kann dann eigentlich nichts mehr schief gehen.
lg

Re: Logistik - Schwingarmlager hinten fetten

Verfasst: Fr 12. Dez 2008, 09:54
von Thomas Held
Hallo,

und wie löst sich jetzt der Widerspruch bzgl. des Lösewerkzeugs der 38er-Mutter in den beiden Beschreibungen auf?
Gruss,

Tom

Re: Logistik - Schwingarmlager hinten fetten

Verfasst: Fr 12. Dez 2008, 10:17
von tomsail
..per bild :-)

siehe anhang.

wüsste nicht was gegen die beidseitige verwendung des abgebildeten werkzeugs spricht. bei mir gings einwandfrei.

grüße
thomas

Re: Logistik - Schwingarmlager hinten fetten

Verfasst: Fr 12. Dez 2008, 18:05
von Jint Nijman
Kollegen DS Schrauber

Ich verstehe nicht warum Ihr nicht den ganze Schwingarm, also mit äussere Lagerschale ausbaut und dann der rest gemütlich auf dem Werkbank macht.

Das ist doch viel einfacher?

gruss

Jint

Re: Logistik - Schwingarmlager hinten fetten

Verfasst: Fr 12. Dez 2008, 21:06
von sebastianklaus
Hallo
Tom hat natürlich recht. Ich erinnerte mich nicht mehr genau, weil ich gestern in Eile und aus dem Gedächtnis heraus formuliert hatte: ich hatte damals offenbar nur einen Maulschlüssel und eine Nuss zur Verfügung. Und beides ging nicht. Die Ringschlüssellösung ist selbstverständlich ok. Dann wird´s natürlich mit dem Drehmoment eine kleine Bastellösung, weil der Drehmomentschlüssel wegen der zu kurzern Nuss nicht mehr passt. In dem Fall also vielleicht Ringschlüssel mit Eisenrohr verlängern und per definiertem Gewicht das erf. Drehmoment aufbringen.

Jint, zu Deiner Frage:
Die Hülsen mit den Außenringen, die in dem Rahmen eingebaut sind, sitzen im allgemeinen bombenfest (das ist wörtlich zu nehmen). Ich habe sie mit hydraulischen Pressen, mit denen ich beide Hülsen gegeneinander verspannt habe, heraus gedrückt. (eine ist dann ca 15 m weit geflogen). Ich habe sehr hohe Kräfte gebraucht. Und die Standardlösung "warm machen" sollte zumindest vorsichtig erfolgen, um die Hülse nicht zu gefährden oder den Hohlkasten nicht zu verbeulen.
Man kann jedenfalls unter gar keinen Umständen so hohe Kräfte aufbringen, wenn die Halbachsen noch eingbaut sind, weil man damit alle Lagerkomponenten incl. den Halbachsen selbst zerstören würde.
Der Einbau hingegen könnte meines Erachtens allerdings schon mit dem eingebauten Schwingenarm erfolgen, was ich persönlich aber für unpraktisch halte.
Viele Grüße
Sebastian

Re: Logistik - Schwingarmlager hinten fetten

Verfasst: Sa 13. Dez 2008, 11:50
von Jint Nijman
sebastianklaus schrieb:
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> Die Hülsen mit den Außenringen, die in dem Rahmen
> eingebaut sind, sitzen im allgemeinen bombenfest
> Ich habe sie mit hydraulischen Pressen, mit denen ich beide Hülsen
> gegeneinander verspannt habe, heraus gedrückt.
> Man kann jedenfalls unter gar keinen Umständen so
> hohe Kräfte aufbringen, wenn die Halbachsen noch
> eingbaut sind, weil man damit alle
> Lagerkomponenten incl. den Halbachsen selbst
> zerstören würde.

Ich habe die linke halbachse meiner DS19 ausgebaut in dem ich mit so einen kleine zylindrische hydraulischen Wagenheber und einige Holzklötze die komplette Achse heraus gedrückt habe. Einen ordentlich knall gab das schon. Ich kenne mehrere Leute die das auch so gemacht haben. Von dabei entstanden Schaden haben ich nicht gehört.
Ich frage mich ob die Personen die behaupten das bei diese Mehtode die Lager schaden nehmen das auch wirklich mal geprüft haben oder das nur vermuten?

Aber wie schon mal in andere Kontext gesagt, jeder soll es so machen wie er will.

Ein Vorteil hat "meine" Methode mit Sicherheit, es kann nicht 15 meter weit weg fliegen...

gruss

Jint