KTL Grundierung Chassis und Karosserieteile

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Götz Verified
Beiträge: 221
Registriert: Mo 18. Nov 2002, 20:51

KTL Grundierung Chassis und Karosserieteile

Beitrag von Götz Verified »

Hallo liebe DS Fangemeinde,

in dem Thread Pumpenintervalle habe ich mich ja mal wieder als absoluter Spinner geoutet. Und jetzt setze ich einen drauf;-)
Wer hat das Sonderheft von Oldtimer Markt Thema Rost gesehen/gelesen.
Ich habe es verschlungen und war von dem Beitrag mit der Neuwagen Grundierung für Oldies auf elektrostatischer Basis absolut begeistert. Ich werde gleich mal versuchen den Beitrag einzuscannen und hier anzuhängen.
Mich würde Eure Meinung oder Erfahrung dazu interessieren.

Grüße Götz
Andreas B.

Re: KTL Grundierung Chassis und Karosserietei

Beitrag von Andreas B. »

Hallo Götz,

ich bin an dem Beitrag sehr interessiert, da ich auch schon nach Möglichkeiten gesucht habe, neue Blechteile beizen und anschliessend zink-phosphatieren zu lassen. Es ist aber gar nicht so einfach entsprechende Betriebe zu finden, die sich mit so kleinen Aufträgen abgeben. Das Verfahren wird ausschliesslich in der Industrie angewendet. Im ACC Forum hat vor kurzem jemand ausführlich das Phosphatieren im Do-it Yourself Verfahren beschrieben. Jedoch lässt sich Zink auf diese Weise nicht einbauen, es braucht dafür die entsprechenden Bäder und Temperaturregelung.

Gruss

Andreas B.
...hannes
Beiträge: 1541
Registriert: Fr 20. Mai 2005, 21:07

Re: KTL Grundierung Chassis und Karosserieteile

Beitrag von ...hannes »

Pflichtlektüre ;-)
Zur Grundierung auf elektrolytischem Weg: Ich denke, die Entscheidung wird uns erspart bleiben. Als Privatmann lässt man dich da niemals ran, die haben panisch Angst, dass du ihr "Badewasser" versauen könntest. Außerdem müsstest du wirklich - und zwar bis ins allerkleinste Detail - alles abbauen, die letzten Dämmmattenfuzzerln inkludiert.
Nach dem Entlackungsbad siehst du, wo du noch bisher übersehene Schwachstellen nacharbeiten musst, wieder enorme Transportkosten...
Bei der relativen Einfachheit des Chassisaufbaues mit beinahe ausnahmslos geraden, leicht nachfertigbaren Teilen könnte man ruhig den "einfacheren" Weg riskieren und schlimmstenfalls in 10 Jahren wieder einmal einen guten Spengler mit einer lokalen Sanierungsarbeit betrauen.
Außerdem: Obwohl diese Technik schon seit den 80er-Jahren angewandt wird, rosten die Autos noch immer.
Andreas S. Verified
Beiträge: 113
Registriert: So 14. Aug 2005, 10:18

Re: KTL Grundierung Chassis und Karosserietei

Beitrag von Andreas S. Verified »

Hallo,
ich habe das Heft auch mehrfach gelesen, es war ganz hilfreich.

@...hannes Die Aussage des Artikels war doch ungefähr so: die Untergrundvorbereitung mit Entlackung in Bädern etc. MUSS bei einen bestimmten Unternehmen in der Schweiz gemacht werden. Die sind als einzige von BASF zertifiziert. [Wegen des von Dir angesprochenen Risikos (Tauchbäder versaut) würden - laut Artikel - angelieferte Teile ansonsten bei der BASF, Ludwigshafen - die machen die eigentliche KTL - nicht akzeptiert.] Also direkt als Privatmensch Null Chance. Kostenmässig wurden in dem Artikel ca. 5000 Euro für einen Ford Cortina genannt (Tauchbäder, Transport, KTL). Wäre sicher sinnvoll, wenn Götz den Artikel hier reinstellt (Urheberrrecht???)

Nach meinem aktuellen Wissensstand kommen die Teile unserer DSuper Bild trotzdem in absehbarer Zeit - wenn die Familie sich farbmässig geeinigt hat - zum Pulverbeschichter. Ich habe gute Erfahrungen mit Motorradteilen ( Rahmen, Tanks ) gemacht in den letzten 20 Jahren. Und ich konnte mich überzeugen, dass eine Pulverbeschichtung heute oberflächenmässig (auch auf grossen Flächen, z.B. Dach Hansa Lloyd) kaum von einer Lackierung zu unterscheiden ist (Ok, ich bin kein Lackierermeister). Und zwecks Untergrundvorbehandlung werden die Teile einfach in Tauchbäder gesteckt und bekommen dann vorweg eine Eletrophorese"behandlung".
Um auch noch das allerletzte Rostrisiko auszuschliessen, plane ich dann vor dem Zusammenbau noch einen Eimer Korrosionsschutzfett mit ein.

BTW: wenn jemand sich bei der Aktion Pulverbeschichtung - zeitmässig kommender Winter - beteiligen will, bitte Mail an mich. Standort Mittelhessen (bei Giessen).
mfg

Andreas
Georg
Beiträge: 270
Registriert: Mo 6. Jun 2005, 09:16

Re: KTL Grundierung Chassis und Karosserieteile

Beitrag von Georg »

Fa. ECS Eisenmann (Tochter von MAGNA) in Graz (A) beschichtet die Montageteile von Mercedes G, BMW X3 u.v.m für das Produktionswerk MAGNASTEYR. Da gehe ich als MAGNA-Mitarbeiter hin und erreiche mit Schmäh, dass mir wieder mal 30 sandgestrahlte Teile phosphatiert, KTL-beschichtet (Einbrennvervahren ~200°C) und lackiert werden (ca. 20-30€).

Nachdem sowohl Daimler als auch BMW bis rauf nach Rüsselsheim usw. Getriebebrücken, Stoßfängerquerträger, Elektronikhalter und Rahmenteile KTL-Beschichten lassen, gehe ich davon aus, dass diese Rochade auch in D machbar wäre. Ohne "Schmäh" und ohne 16-19% USt. gehts natürlich nicht ;-)

Ad Verzinken: es werden zumeist vorverzinkte Coils (Bleche) verwendet, einseitig oder beidseitig verzinkt (Qualitätsmerkmal!), Beschnittkanten, Tiefziehstreckungen und Schweißpunkte können (müssen nicht) zu erneuter Korrosion führen. In Kombination mit Phosphatierung und KTL-Beschichtung halte ich heutige Verfahren für ziemlich gut (richtige Positionierung der Lackablauflöcher und Sicken vorausgesetzt). In der Oldtimerreparatur leider wenig umsetzbar, außer - siehe oben. Teile, die 30 Jahre ohne besonderen Schutz gehalten haben, sind für meinen Anspruch mit KTL-Schicht ausreichend geschützt. Verzinken ist die Königsdisziplin, die schon den einen oder anderen mit Verzügen überrascht hat...
Das wichtigste ist halt die Sorgfalt des Lackierers und die vorige Absprache des Ergebnis...

Ciao Georg
Andreas B.

Re: KTL Grundierung Chassis und Karosserietei

Beitrag von Andreas B. »

Begriffsklärung

Auf dieser Seite werden einige der oben besprochenen Verfahren recht anschaulich erklärt:

http://www.bloechergmbh.de/phosph.html#zink


Gruss

Andreas B.
Götz Verified
Beiträge: 221
Registriert: Mo 18. Nov 2002, 20:51

Re: KTL Grundierung Chassis und Karosserieteile

Beitrag von Götz Verified »

Hallo Leute,

habe den Artikel nicht so scannen können, das mit 33kb alles zu lesen und zu sehen ist. Da ich auch keine Urheberrechte verletzen möchte hier einen Link zum Hr. Wagner www.fzb-wagner.de. Sehr netter Mensch. Habe mit ihm schon ausführlich telefoniert. Schaut Euch die Fotogalerie an. Die sagt mehr als tausend Worte.

Zum Entlacken muss meine Göttin nicht in die Schweiz. Da meine Karosserie und mein Chassis nicht verzinnt ist (wird bei Oldies ja sehr häufig gemacht um Unebenheiten aus dem Blech zu bekommen) kann das auch eine deutsche Entlackerei. Auch die Aluhaube kann (wenn sie wenig Korrosion hat) in Deutschland entlackt werden. Das Chassis und die Karosserieteile werden nach dem Entlacken in ein Phosphorsäurebad getaucht und bleiben dort bis zu fünf Tage drin. Hier wird aller Rost aus den kleinsten Ecken und Winkeln geholt. Sogar aus Falzen und überlappenden Schweißnähten. Danch bekommt alles eine Passivierung und Neutralisation. Dadurch bildet sich ein Rostschutz für einige Tage. In dieser Zeit wird das Auto in einem geschlossenen Trailer nach Mannheim zu einer Anlage von Daimler Crysler für Sonderkarosserien gebracht. Hier kommt sonst keiner rein. Auch Fotos dürfen keine gemacht werden. Wie durch ein Wunder hat Hr. Wagner eine Zulassung bekommen dort seine Fahrzeuge beschichten zu lassen. Unser Damen haben ich glaube ab 1969 auch diese Behandlung von Werk aus bekommen. Damals war das allerdings noch ATL (anodischer Tachbadlackierung) und heute istes katodische Tauchbadlackierung. Das Verfahren ist auch noch weiter verfeinert worden und hat eine enorme Qualität erreicht. Jeder Neuwagen wird heute so behandelt.
Da ich einiges an meinem Chassis geschweißt habe und meine Karosserieteile fast alles Neuteile sind möchte ich hier einen perfekten Rostschutz. Denn wie schon mal geschrieben habe haben die Neuteile keine ATL oder KTL bekommen. Also die Blechfalze haben keinerlei Schutz. Dort liegt einfach blankes Blech auf Blech. Die KTL dringt in jeden kapillaren Hohlraum und umschließt sogar die Schweißpunkte. Das schafft man sonst mit keinem Lackierverfahren dieser Welt. Auch nicht mit Verzinkung oder Chromatierung. Schon gar nicht mit Pulverbeschichtung. Die einzige Alternative wäre Mike Sanders Fettversiegelung. Aber in einem Fetteimer fahre ich nicht so gern. Das werde ich zwar zusätzlich verwenden, aber nur sehr sparsam.
An Mehrkosten gegenüber herkömmlicher Behandlung sind ca. 2100-2600,- € zu berappen. Das sind bei mir keine 5% der Gesamtkosten!!!
Schwierigkeit ist nur noch, daß ich einen Tragrahmen unter das Chassis bauen muß. Denn es muß ja in den Anlagen in einen Käfig montiert werden.

Grüße Götz
Georg
Beiträge: 270
Registriert: Mo 6. Jun 2005, 09:16

Re: KTL Grundierung Chassis und Karosserieteile

Beitrag von Georg »

Hallo Götz,

ich halte KTL auch für eine Errungenschaft. Toll auch die konstante, ziemlich harte Schichtstärke von ca. 28μm.
Bitte nicht mit schwarzem Schutzlack auf Austausch-Karosserieteilen zu verwechseln. Der hält einfach überhaupt nicht und gehört richtigerweise vollständig entfernt.

Gruß Georg
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