Hydrauliker Vita Kap 3/4

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hydropneumaticker
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Registriert: Di 20. Apr 2021, 18:04

Hydrauliker Vita Kap 3/4

Beitrag von hydropneumaticker »

2. Fortsetzung


Noch eine kleine Anekdote zu Fahrten durch die DDR..

Immer zu den üblichen Feiertagen (Ostern/Pfingsten etc.) gab es an den Grenzkontrollen zur DDR kilometerlange Autoschlangen mit manchmal stundenlangen Wartezeiten.

Mit etwas Kreativität ließen sie sich aber durchaus vermeiden.

Grundlage dafür war das Bestreben der DDR Führung möglichst wenig kapitalistischen Schrott auf den sozialistischen Autobahnen zu haben.

Das Verfahren mehrfach erfolgreich angewendet ging wie folgt.

Man stand schon in der Warteschlange (z.B. Helmstedt) und suchte sich unter den "Hintermännern" ein passendes Exemplar, Kriterien:

männlich, oder Emanze (gab es derzeit aber selten), kein Tattergreis, Abschleppseil vorhanden, Auto nicht zu groß.

Dann überzeugte man den Fahrer daß sein Auto defekt und damit schleppreif war.

Unschlagbare Argumente: Zeit- und Benzinersparnis, Zeit zog immer, Benzin etwas weniger.

DS 19 vorgespannt und auf dem Standstreifen an der Warteschlange vorbei locker bis auf den Parkplatz der Kontrollbaracke gefahren.

Nach Erledigung des Papierkrams und außer Sichtweite der Grenzanlagen Schleppzug aufgelöst und vor der nächsten Grenzkontrollstelle (Dreilinden), same procedure.

Hat immer ohne Probleme funktioniert, bis auf einige zerrissene Abschleppseile bei falscher Auswahl des Geschleppten, Zeitersparnis mindestens 2 Std.

Mit Einführung des Transitabkommens entfiel der Spaß.


Kapitel 3

Immer noch der / die erste DS19, Dies und Das in Berlin

Ein neues Semester begann und die DS fuhr wieder fast jeden Tag durch Berlin zur FH und retour.

Hin und wieder wurde auch eine Studienpause eingelegt, entweder freiwillig wegen null Bock oder notgedrungen wegen DS Handlungsbedarf,

Die Getriebeschaltung der DS wird ja bekanntlich mit diesem kleinen Hebel über dem Lenkrad vorgenommen, den Rest erledigt die Hydraulik.

Das funktionierte in der Regel sehr ordentlich, nur wollte eines Tages der Rückwärtsgang partout nicht mehr reingehen, und als dann endlich doch knirschte das Getriebe mit den Zähnen. Diese Geräusche steigerten sich sehr schnell, sodaß ich mich gezwungen sah die DS vor der Haustür abzustellen.

Das Reellste schien mir in dem Fall ein kompletter Getriebewechsel zu sein, nur erstmal eines haben.

Mit dem Telefon des Trödelkings und den Berliner Gelben Seiten fragte ich bei allen Schrottplätzen nach einem passenden Teil, und tatsächlich in Tegel hatte einer sowas, war auch preiswert, 50,-DM oder so und auch schon ausgebaut.

Das Getriebe holte ich mit einem Möbelschlepperkollegen und dem Möbelwagen des Trödelkings ab,

Der Trödelking wußte davon natürlich nichts, fragte nur: "was habt ihr denn so lange gemacht, das Auto geschoben?“.

Berlin war halt auch damals ohne Ostteil schon eine große Stadt, so um die 20 km von Süd nach Nord.

Das Getriebe sah mit den großen Bremsscheiben an der Seite wie eine antike Kanone aus und kam erstmal in die Küche.

In der Bucheli Bibel stand man sollte das Getriebe auf gar keinen Fall auf den Bremsscheiben rollend transportieren, alles Blödsinn, ging am besten so.

Zum Einbau mußte die DS im Bereich vor dem Motor völlig leergeräumt werden, Luftschacht, Kühler, Servolenkung, Bremssättel mit Handbremsseilen, Hydrauliksteuerleitung am Getriebe, Lima, alles mußte raus.

Dann wurden die Antriebswellen am Getriebe getrennt (M7 mit 12er Ring), der Motor mit dem Wagenheber angelüftet und die Verbindungsschrauben zum Getriebe ausgebaut.

Die hatten so einen komischen halbierten Kopf für den ich keinen Schlüssel besaß, (Citroën Spezialwerkzeug), ging aber trotzdem irgendwie.

Dann noch ein kräftiger Hauruck und in der Küche standen zwei Kanonen.

Einbau, wie es so schön heißt, in umgekehrter Reihenfolge, die Hydraulik wieder am Getriebe angeflanscht und alles lief wieder super.

Das war die letzte große Aktion.

Beim Kauf der DS war keine Bedienungsanleitung dabei, sodaß ich hinter die Bedeutung einiger Knöpfe des Armaturenbrettes nur nach und nach kam, bei einem speziellen Knopf erst vor ungefähr einem Jahr durch Nachfrage im Citforum.

Der Knopf saß über dem Heizungsventil am Mitteltunnel und bewegte sich im Takt mit dem Scheibenwischer. Jetzt weiß ich was das sollte, durch Ziehen am Knopf wurden die Wischer mechanisch vom Wischermotor abgekuppelt und wenn man den Knopf abwinkelte hatte man einen Hebel mit dem sich die Wischer manuell bewegen ließen, irgendwie genial.

Zum Serien Bordwerkzeug gehörte ein stabiler Blechfuß, eine Handkurbel und eine lange Stange mit Sechskant an beiden Enden.

Mit Blechfuß und Hydraulik ließ sich das Auto zum Radwechsel anheben,

die Kurbel paßte auf die Mutter der hinteren Kotflügelbefestigung und auf die lange Stange,

die lange Stange diente zum Lösen der zentralen Radmutter, die von den muskelbepackten Reifendienst Monteuren immer furchtbar festgeknallt wurde.

Wenn man den Motor mal abgemurkst hatte, was gar nicht so einfach war, und die Batterie schlapp war konnte man mit Kurbel und Stange den Motor per hand anwerfen, das war aber Übungssache, ist mir nur einmal gelungen, natürlich vor einer roten Ampel.

Das ging für Kenner der Materie recht einfach:

Schalthebel auf Leerlauf, Kupplung ein per hand, Zündung ein, die Stange durch den Frontgrill ins Getriebe eingefädelt, Kurbel auf die Stange, ein kräftiger Dreh, ich glaube cw, und schon lief er wieder.

Die DS war ja auch irre bequem und daher für allerlei Kurzweil sehr gut geeignet,

speziell im Autokino in Siemensstadt, Motardstrasse 81.

Nach zu lesen/zu hören bei Tina T. in ihrem Song "Steamy Windows".



Kapitel 4

Berlin Exodus, Göttinnendämmerung und Wiedergeburt.

Jedes Studium geht einmal zu ende, in meinem Fall mit positivem Ergebnis, nicht berauschend aber in Betracht des minimierten Aufwands ganz ok.

DS vollgeladen und ab nach Hause, 53/31/14N 8/5/35E, südliche Nordsee.

Einen passenden Job gesucht, das war damals noch total einfach, mehr Angebot als Nachfrage.

Dieser Job brauchte zahlreiche Dienstreisen u.a. nach KI und FL mit sich, das Auto lief im Prinzip immer, na gut, ein paar Kleinigkeiten gab es doch noch, Schnellleerlaufkorrektor / Anfahrdrehzahl einstellen und solche Sachen, es waren ja auch im Motorraum viele Schräubchen und Federn zum Spielen vorhanden..

Auch im harten Winter gab es mit der 6V Anlasserei keine Probleme, außer mit der Minimalheizung.

Um die Heizung zu verbessern habe ich mal kurzfristig eine Standheizung ausprobiert, da war es dann zeitweise heiß wie in einer Sauna

Langsam wurde der Rost zum Thema, spätestens als ein Mitfahrer hinten meinte er könne die Strasse durchs Bodenblech sehen, er hatte recht.

Die Löcher habe ich mit einer grösseren mechanischen Entrostungsaktion und GFK behoben. Wahrscheinlich wurde ich mit der Zeit auch fast Polyester süchtig.
Das war schon ein tolles Zeug, man brauchte kein Schweißgerät und konnte es fast künstlerisch in jede gewünschte Form bringen.

Na ja, es war mal wieder Urlaubszeit, ein Arbeitskollege wußte ein Kaff in Bayern, Haushamm/Schliersee?? mit Badesee um die Ecke und Zimmerpreisen wie zur Kaiserzeit.

Klang gut, also nix wie hin.

Die Fahrt war wieder etwas unentspannt mit der PS strotzenden Göttin, allein schon die Kasseler Berge, bergrauf Anlauf mit Vollgas bei 150kmh und Ankunft oben mit 70kmh.

Mehr war eben nicht drin, der Urlaub auf dem Dorf war super, es gab auch Stroh Rum, wenn Langeweile aufkam habe ich die vorderen Bremsen gewartet.

Dann fing der Motor an leise zu klopfen und auf der Rückfahrt stieg der Ölverbrauch exponentiell und damit auch die Länge der blauen Fahne.

Die Expertenmeinung dazu lautete Pleuelschaden oder sowas in der Richtung, der habe ich mich dem dann angeschlossen.
Reparatur schien unrentabel, Rost war ja auch weiter fortgeschritten.

Nun wurde ein Ersatz gesucht und kurzfristig auch gefunden, im Angebot war wenn ich mich nicht irre, ein D Spezial, neue Form. LHM Hydraulik, 5 Gang Schalter, 12V Elektrik, Kurvenlicht, leider nur 67PS, Farbe wieder Blanc Stellaire was für ein Zufall, Preis 3kDM oder 5kDM, weiß ich nicht mehr, Geld gabs bei der Bank.

Das Auto fuhr sich prima, ich war dank manueller Schaltung wieder Chef an Deck.

Der Motor lief im Vergleich zu dem alten DS19 Langhuber auch ganz anders, war ja auch dann schon die Kurzhubvariante. Der Vergaser für die 67PS war ziemlich niedlich, fast wie bei einem besseren Mokick, aber ausreichend.

Also gekauft das Ding. Auf der Überführungsfahrt für ein alter Spezi mit dem D Spezial vorneweg und ich mit der DS19 hinterher.

Dann der Schreck in der Abendstunde, der D Spezial fuhr zwar geradeaus, aber das ganze Auto lief irgendwie schief, also die Hinterräder nicht in der Spur der Vorderräder..

Was war denn das?

Fortsetzung folgt.
uwe.v11
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Registriert: Mo 9. Sep 2013, 15:29

Re: Hydrauliker Vita Kap 3/4

Beitrag von uwe.v11 »

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C6,Pluri,DS 21 Cabrio,DSuper5
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