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Re: Stabilisator und Höhenkorrektur

Verfasst: Sa 20. Mai 2023, 22:26
von Robert
Hallo Henning,

wenn die Distanzstücke lediglich den Überstand der Lagerschalen ausgleichen sollen, ergibt das für mich keinen Sinn. Denn dann würde das Spiel des Stabi einzig von den Lagerschalen bestimmt und man könnte es mit den Distanzstücken nicht mehr beeinflussen. Imho sollten die Lagerschalen bündig in den Böcken liegen, nur so wirkt sich die Stärke der Distanzstücke letztendlich auf das Spiel des Stabis aus.
Könnte es sein, dass die Lagerschalen Nachfertigungen sind und das ganze Problem mal wieder mit deren Qualität/Masshaltigkeit zu tun hat?

Viele Grüsse,
Robert

Re: Stabilisator und Höhenkorrektur

Verfasst: Sa 20. Mai 2023, 22:51
von M. Ferchaud
Hallo Robert,

Ich stimme Deiner Beurteilung zu.

Dass es sich bei den eingebauten Teilen um eine Nachfertigung handelt, halte ich für unwahrscheinlich. Die DS lief vor meinem Kauf zuletzt 1986 in Frankreich und hatte beim Zeitpunkt der Übernahme 56tkm auf dem Tacho, die ich gemessen am Gesamtzustand für realistisch halte. Damals gab es meines Wissen noch keine Repro-Schalen.

Zudem sieht das betreffende Teil vom Zustand her absolut stimmig zur Umgebung aus.

Ich könnte mir vorstellen, dass ein vom Werk aus fehlerhaftes Teil eingebaut wurde.

Dann bleibt wohl tatsächlich nur Planen.

Viele Grüße
Henning

Re: Stabilisator und Höhenkorrektur

Verfasst: So 21. Mai 2023, 12:10
von Jürgen
Hallo Henning,

hier sind Bilder der neueren Version mit Schmiernippel:
DSP03578s.jpg
auch seht die Lagerschale etwa 1mm über

die Ansicht von oben:
DSP03579s.jpg
Ich empfehle, auf die abschmierbare Version umzurüsten.
Bei der Montage die Muttern der Haltebügel nur schwach festziehen, man hat den Lagerdeckel schnell krummgezogen!

hier noch eine Ansicht einer deutlich verschlissenen unteren Lagerschale:
DSP03580s.jpg
Im oberen Bereich des Bildes sieht man etwa 0,5mm Verschleiß.

Die Lagerschalen sollen mit leichter Vorspannung montiert werden. Dazu wird laut Repanleitung das Drehmoment zum Drehen des Stabis gemessen und mit den Scheiben eingestellt.
In denem Fall würde ich von der oberen Schale soviel abfeilen, dass die Schale nicht über die Einstellscheiben übersteht.

Re: Stabilisator und Höhenkorrektur

Verfasst: So 21. Mai 2023, 13:35
von M. Ferchaud
Hall Jürgen,

vielen Dank für die Beschreibung und für die aussagekräftigen Bilder.
Entgegen meiner Lagerschale(n), deren Lagerflächen glatt sind, sehe ich bei Deinen Teilen Nuten und erhabene Bereiche. Der Überstand scheint identisch zu sein. Demzufolge könnte es doch sein, dass meine Schalen abgenutzt sind, zumal ich sie beim ersten Zerlegen trocken und ohne jegliches Fett vorfand.
Welche Stärke sollen die Lagerschalen aufweisen?

Viele Grüße
Henning

Re: Stabilisator und Höhenkorrektur

Verfasst: So 21. Mai 2023, 18:02
von sebastianklaus
Sehr geehrte Forumsgemeinde,
ich habe mir heute diesen Chat in Ruhe durchgelesen und mir dann im Liegestuhl liegend die Sache durch den Kopf gehen lassen. Und mir ist ein -wie ich finde- wichtiger Gedanke gekommen, der hier noch gar nicht zur Sprache kam:
Es geht doch um das Phänomen, dass der Höhenkorrektor vorn verrückt spielt NUR in der Situation , wenn der Wagen mit voll eingeschlagenen Rädern z.B. rangiert wird.
Im normalen Straßenbetrieb verhält sich der Höhenkorrektor unauffällig.
Ich setze voraus, dass Ihr sichergestellt habt, dass die Seitenführung des Stabis so ist, dass in keiner seitlichen Verschiebeposition des Stabis der Stabi selbst oder das Betätigungsgestänge für den HK irgendwo anschlägt. (Ist ja klar). Insofern ist es dem Höhenkorrektor vollkommen egal, ob der Stabe in bisschen oder mehr Querspiel aufweist oder nicht. Ich glaube auch, dass etwas zu großes radiales Lagerspiel des Stabis zumindest für dieses Phänomen vollkommen egal ist (Nicht: für das Trampeln und Klappern des Stabis, aber darum geht es ja hier nicht), weil die daraus resultierende Rotationsbewegung des Stabis (nur darum geht es hier) vernachlässigbar gering ist.

Im normalen Betrieb arbeitet der Stabi nicht in seiner ihm zugedachten Funktion: er folgt spannungs- und torsionsfrei den in ihrer Bewegung einigermaßen gleichförmigen Vertikalbewegungen der beiden Radlager den (auf der rechten und der linken Seite). Eine Torsion des Torsionsstabes findet in erster Näherung gar nicht statt, egal ob der Wagen in Normalhöhe oder erhöhter Fahrzeugposition betrieben wird. In dieser Situation arbeitet der Höhenkorrektor fehlerfrei, weil die gemittelte Fahrzeughöhe (gemittelt re und li) fehlerfrei an den Höhenkorrektor übertragen wird.

Beim Kurvenbetrieb arbeitet der Stabi: er tordiert und wirkt der Schrägstellung des Wagens entgegen. Wenn wir jetzt mal annehmen, dass wir unsere DS normalerweise nicht bis in die Grenzbereiche ausreizen, tordiert sich der Stabi nur wenig. Selbst wenn der Höhenkorrektor dann nicht 100%ig exakt arbeiten würde, würden wir es nicht merken.
Und jetzt Rangierbetrieb mit voll eingeschlagenen Rädern, womöglich noch mit einem Rad, das gerade über eine Bordsteinkante oder einen versenkten Gullydeckel läuft. Karl beschreibt das doch ganz genau.
Der Stabi verdrillt sich genau jetzt maximal. Und genau jetzt haben wir unsere Funktionsaussetzer.

Die Erklärung für mich:
Dem Höhenkorrektor ist es völlig egal, um wie sehr sich der Stabi verdrillt (und so sollte das auch sein), aber nur unter der (sehr entscheidenden) Randbedingung, dass die Bride, die die Torsion vom Stabi abnimmt, EXAKT in der Mitte des Stabis, also exakt in der Fahrzeuglängsachse (Symmetrieachse) eingbaut ist. Wenn das nicht exakt sichergestellt ist, kommt es zu den o.g. Phänomenen.
Bitte prüft das mal, sofern Ihr betroffen seid.

Viele Grüße
Sebastian

Re: Stabilisator und Höhenkorrektur

Verfasst: So 21. Mai 2023, 18:25
von Jürgen
Hallo Henning,

In den Lagerschalen sind nur Rillen zur Fettverteilung, keine Erhebungen.
Die verschlissene Schale hat an der dünnsten Stelle etwa 2mm Dicke, in den unverschlissenen Bereichen sind es etwa 2,5mm.
Bei den alten Schalen ohne Schmierung ist es wahrscheinlich genauso.

Re: Stabilisator und Höhenkorrektur

Verfasst: So 21. Mai 2023, 18:46
von M. Ferchaud
Hallo Jürgen,

danke für die Maßangaben. Ich habe nachgemessen: Die betreffende Schale weist 2,5 mm Materialstärke auf. Demzufolge liegt kein Verschleiß vor.

Ich habe den Überstand der Schale nunmehr flächenbündig abgetragen:

Bild

Nach dem Entgraten der Kanten liegt der Träger mit der Lagerschale nun Plan auf dem Gegenstück auf. Eine seitlich eingeschobene 0,1mm-Lehre ließ sich noch ein kleines Stück weit einschieben.

Der Stabi hat noch minimalen Freigang. Ich werde das Ganze gut gefettet und ohne Distanzplättchen zusammenbauen, die Muttern Deiner Empfehlung zufolge nur mäßig anziehen, die Leichtängigkeit des Stabis prüfen und eine Probefahrt durchführen.

Danach werde ich berichten, ob das Poltern weg ist und wie der Höhenkorrektor nunmehr reagiert.

Danke nochmals für die Unterstützung und viele Grüße
Henning

Re: Stabilisator und Höhenkorrektur

Verfasst: Mo 22. Mai 2023, 00:36
von Robert
Hallo Sebastian,

guter Gedanke, aber die Position der Bride ist doch durch deren Betätigungsstab zum Korrektor eindeutig festgelegt und nicht veränderbar.

Viele Grüsse
Robert

Re: Stabilisator und Höhenkorrektur

Verfasst: Mo 22. Mai 2023, 01:51
von M. Ferchaud
Zu Sebastian Ausführungen möchte ich folgendes sagen:

Eine Torsion der Stabilistoren findet bei jeder asymmetrischen Aufbaubewegung statt. Dazu reicht bereits eine einseitig überfahrene Bodenunebenheit aus.

Axialspiel an den Stabilagern sorgt dann - wie im Fall meiner DS - für das erwähnte Poltern.

Durch das Spiel bewegt sich der Stabi zudem ruckartig in der Vertikalen. Obwohl der Fühlstab eher auf eine Drehbewegung reagiert, könnte ausgeprägtes Höhenspiel ebenfalls Auswirkungen auf die Übertragung am Höhenkorrektor haben.

Die nächste Fahrt wird zeigen, inwieweit die Eliminierung des Spiels Auswirkungen auf die Niveauregulierung hat.

Noch eines: Das Absacken der Front beim Lenken ist unabhängig von Bodenunebenheiten und findet auch bei topfebenem Untergrund statt.

Wie ich aber bereits beobachtet habe, scheinen reine Lenkbewegungen auch einen Verspannung des Stabis auszulösen.

Re: Stabilisator und Höhenkorrektur

Verfasst: Mo 22. Mai 2023, 06:39
von Doctor-D
Stimmt die Spureinstellung?
Das Lenktrapez nach Ackermann.Du brauchst ja zwei Radien, um einen Kreis zu fahren.Wenn das nicht stimmt, hebt es das Auto und es fällt immer auf den Bauch, da die Räder den Wagen nach oben zwingen.