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Re: Nachfertigung Einlass-Kipphebelwelle

Verfasst: Do 29. Okt 2020, 14:39
von KallesDS
Hallo

Die Nachbauwelle die ich verbaut habe hatte zumindest kleine Fasen aber trotzdem Grate.
Ich war nach dem Auspacken der Lieferung kurz davor es zurück zu schicken.


Die Senkungen waren mit einem stumpfen Senker gemacht.
Dadurch hatte sich wieder ein Grat aufgeworfen.
Bei handwerklichem Geschick kann man es selber nacharbeiten.
Kostet aber Zeit da es ziemlich fummelig ist.

Feine halbrund Schlüsselfeile und ein wenig Zeit. Finish mit 1000er Schleifpapier.

Ich habe darauf geachtet das die Fasen identisch groß werden.

Meine alte originale und die neue Welle waren nicht sehr hart.

Wesentlich schlimmer waren die Grate an den großen Bohrungen.
Beim Aufschieben der Hebel wären die Innenflächen sehr stark verkratzt worden.
Hier sollte nicht mit einem Senker gearbeitet werden (Rundes Bauteil)
Noga Entgrater mit ein wenig Nacharbeit (600 bis 1000er Schleifpapier) bietet sich an.
Ausblasen um die Späne zu entfernen!
ich wöllte es optimal haben da ich meine Hebel ausgebuchst habe.
Entgraten hat etwa eine halbe Stunde gedauert.


Beim Starten mit dem Anlasser zeigte sich ein guter Öldruck und die Verteilung des Öles an den Hebeln sah recht gleichmäßig aus.

Gruß
Karl

Re: Nachfertigung Einlass-Kipphebelwelle

Verfasst: Do 29. Okt 2020, 14:42
von Christian T
Hallo Ingo,
Das ist interessant. Danke!

"Aufkohlen" hab ich noch nie gehört.
Machen das die Firmen, die die Nockenwellen überholen?
Und Du hast dann die Original-Kipphebel wieder verwendet?
Die Kipphebel, die ich hier liegen habe, sind an der Fläche, die auf die Ventile drückt, ziemlich "zerballert".
Kann man diese Fläche schleifen und neu Härten lassen?

Gruß Christian

Re: Nachfertigung Einlass-Kipphebelwelle

Verfasst: Do 29. Okt 2020, 14:50
von Christian T
Hall Kalle,

Gut zu wissen.
Ich werde das Geraffels meinem Motorbauer auf den Tisch legen.
Wenn ich das selber mache, wird das ein elendes Gefummels und ich fürchte, mehr kaputt zu machen, als etwas zu verbessern.

Danke!

Re: Nachfertigung Einlass-Kipphebelwelle

Verfasst: Do 29. Okt 2020, 16:29
von aquablader
Ja, weil die Nachbauwelle derart weich war und auch in der alten Welle ziemliche Riefen waren, wollte ich die Welle nachhärten lassen.
In dem Betrieb, wo ich das habe machen lassen, riet man mir vom üblichen Härten ab und empfahl das Aufkohlen. Dabei hat der Durchmesser um ca. sechs Hundertstel zugenommen. Die Welle habe ich dann so lange geläppt, bis die Kipphebel schön saugend darüber gingen.

VG Ingo

Re: Nachfertigung Einlass-Kipphebelwelle

Verfasst: Do 29. Okt 2020, 19:02
von KallesDS
Nicht zwingend aus dem Grund der Härte aber aus Gründen des Radialspiels habe ich die Hebel gebuchst.
Ich hatte zwar vor die Härte zu prüfen aber eine Feilprobe an der Seite der Wellen zeigte zumindest bei mir ähnliches Verhalten.
Auch bei mir waren starke Riefen in der alten Welle. Teilweise flächige Ausarbeitungen auf einer Seite.
So als wenn sich der Hebel richtig in die Welle reingearbeitet hat.
Schmierstoffmangel? Bis auf die Lagerbuchsen des Pleul vom dritten Zylinder war alles noch gut.

Ergebniss: Spiel radial 0,02 bis 0,03 mm.
Material CAROBRONZE®. CuSn8P CW459K.
Sehr schlecht in kurzen Längen zu organisieren. Jedenfallszu einem akzeptablen Preis.
Aufwand: Nicht gering. Das Aufspannen des Gußkörpers ist sehr schwierig.
Einen habe ich geschrottet.
Der Hebel soll ja wieder identisch auf dem Ventil aufliegen.
Buchsen drehen ist bei Bronze auch nicht so einfach.
Wandstärke war ca. 1,8 bis 2 mm.
ich erwarte eine bessere Standzeit der Materialkombination.
Bald fährt meine Dame und ich werde berichten.

Die Nachbauhebel hatten sehr unterschiedliches, bis zu 0,13 mm, Spiel.
Das ist für eine Lagerbuchse (dynamisch geschmiert) etwas viel.
Die habe ich nicht verbaut.
Vieleicht habe einige hier auch Erfahrungen mit den Nachbauhebeln.
Falls die alten nicht nachgearbeitet werden können.

Sind denn die alten Hebel intern IO?
Meistens sieht man Innen den Verschleis als Schattierung oder als Riefen.
Messen Innen wäre nicht schlecht.
Unrundheit von ca 0,06 mm (Mitte der Verschleißflächen) waren bei meinen schlechtesten vorhanden.
Füllten sich aber auf der Welle rund an.

Die Wellen an den unbenutzten Stellen gemessen unterschieden sich im Durchmesser nicht.

Beschädigungen der Auflagefläche des Hebels auf dem Ventil sind nicht gut. Hier hilft ein Foto?
Die Fläche wird beim Überholen nur nachgearbeitet.
Ähnlich wie beim Einsetzen (Aufkohlen) ist die Schichtdicke etwa 0,1-0,3 mm die abgetragen werden kann.
Bin mir aber nicht sicher ob diese Fläche hart ist.
ich hatte viele zur Auswahl und vier hatten gute Flächen.

Motroinstandsetzer wissen über weitere Einflüsse (Abrollradien usw.) bestimmt mehr.

Grüße
Karl

Re: Nachfertigung Einlass-Kipphebelwelle

Verfasst: Do 29. Okt 2020, 20:04
von Christian T
Hallo Karl,

da war ich wohl mal wieder zu naiv.

Ich hatte gedacht, einfach die Kipphebel samt und sonders samt Wellen zu erneuern und damit alles richtig gemacht zu haben.
Ich hatte die Kipphebel dem Motorinstandsetzer gezeigt und der hat sie allesamt in die Kategorie "Schrott" eingeordnet.

Ich mach aber morgen mal ein paar Bilder, die den Zustand zeigen.

Spätestens seit der Begutachtung der neuen Einlasskipphebelwelle bin ich jetzt eines Besseren belehrt.

Insgesamt habe ich drei Köpfe zerlegt und alle drei hatten fast durchgängig das gleiche Bild: Zerdepperte Kipphebel (Ein- und Auslass), eingelaufene Wellen (ebenfalls Ein- und Auslass). Inzwischen gehe ich davon aus, dass in vielen unserer Autos Kipphebel und Wellen ihren Dienst nach 50 Jahren mehr schlecht als recht verrichten. Wahrscheinlich hätte ich aus dem Material der drei Köpfe einen zusammenbasteln können, der dann zwar nicht neu gewesen wäre, aber laufen würde (irgendwie).

Ich habe weder eine Feinmechaniker-Ausbildung noch die passenden Instrumente, um beurteilen zu können, wie groß welches Spiel ist. Einzig der Augenschein und das Feingefühl meiner Finger geben mir Auskunft darüber, ob ich das Material noch verwenden kann, oder nicht.

Momentan sieht es so aus, dass mir der Motorbauer die Wellen mit Fasen versieht. Wenn er damit fertig ist, werde ich ihm die neuen Kipphebel dazulegen damit er mir die mit den "Wurfpassungen" raussortiert. Die muss ich dann halt umtauschen.

Lästig!

Die ID mit dem Buchsen der Einlasskipphebel finde ich richtig gut. Ich bin gespannt, was Du berichtest, wenn Dein Motor läuft.
Ich hatte mich eh gewundert, dass die Auslassseite gebuchst ist, die Einlassseite aber nicht.

Nochmal vielen Dank für die Infos

Gruß Christian


P.S. Letztens habe ich einen Motor wieder zusammengebaut, dessen Besitzer 10 Jahre mit defekter Kopfdichtung gefahren war.
Der Motor sah innen absolut fantastisch aus. Alles sauber, Ventile gut, Wellen i.O. Kolben und Buchsen schön.Keine Ölhohleablagerungen.
Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich das Fahren mit defekter Kopfdichtung dringend empfehlen.

;-)

Re: Nachfertigung Einlass-Kipphebelwelle

Verfasst: Do 29. Okt 2020, 20:43
von KallesDS
Der Motor läuft gut.

Da es ein Einspritzer ist geht Beobachten ohne Ventildeckel (Ölfluss) nicht so einfach wenn der Motor läuft.
Ventiltrieb hört sich aber gut an.

Mir geht es um Langzeiterfahrung.

Finger und Feingefühl sind doch gut.
Messen sehe ich als unterstützende Hilfe.
Zur Zeit baue ich die Türen wieder dran.

Deshalb fährt Sie noch nicht.

Grüße und viel Erfolg
Karl

Re: Nachfertigung Einlass-Kipphebelwelle

Verfasst: Fr 30. Okt 2020, 11:27
von Christian T
Ich wollte doch noch ein Beispielbild für den Zustand der Kipphebel zeigen:
[attachment 14302 IMG_20201030_112413.jpg]

Re: Nachfertigung Einlass-Kipphebelwelle

Verfasst: Fr 30. Okt 2020, 11:40
von Christian T
Und die passende Welle dazu...

Re: Nachfertigung Einlass-Kipphebelwelle

Verfasst: Fr 30. Okt 2020, 12:14
von Thomas Held
Christian Tolksdorf hat geschrieben: Insgesamt habe ich drei Köpfe zerlegt und alle drei hatten fast durchgängig das gleiche Bild: Zerdepperte Kipphebel (Ein- und Auslass), eingelaufene Wellen (ebenfalls Ein- und Auslass). Inzwischen gehe ich davon aus, dass in vielen unserer Autos Kipphebel und Wellen ihren Dienst nach 50 Jahren mehr schlecht als recht verrichten.
Als ich meinen Motor vor Jahren in Arbeit hatte, waren ebenfalls Ein- und Auslasskipphebel und -wellen die einzigen deutlich verschlissenen Teile. Das wird systematisch so sein - die Autos fahren damit trotzdem noch ganz gut rum. :-)
Gruss

Tom