Fragen zur lenkungsüberholung

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dominik
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Fragen zur lenkungsüberholung

Beitrag von dominik »

Hallo Forumsmitglieder,

wegen Schwergängigkeit im Stand, kurzen Pumpintervallen bei geringster Lenkbewegung und wegen der zudem defekten Lenkmanschetten habe ich meine Lenkung ausgebaut und inzwischen auch zerlegt.
Das Zerlegen hat gut geklappt, trotz nicht vorhandener Spezialwerkzeuge.

Informationen zur Lenkungsüberholung habe ich im Reparaturleitfaden 583 Bd III sowie auf einigen sehr interessanten Websites (DSSMpassion.fr, pallasquier.fr, dsclub55.free.fr, citrowagon.fr, meeter.home.xs4all.nl/dscabrio/stuurhuis/index1.html) gefunden.

Folgende Arbeitsschritte sind mir aber trotzdem nicht klar (vielleicht kommen später weitere hinzu):
ARB 444-3 Seite 13, Punkt 8. Dichtungen einbauen:
Nach der Positionierung der Teflon-Dichtung des Kolbens muss irgend etwas mit dem Werkzeug 1985-T gemacht werden. Mir ist nicht ganz klar was, vermutlich soll die Teflon-Dichtung gestaucht werden um den Durchmesser wieder zu reduzieren. Ist das so?
Da ich das Werkzeug nicht habe würde ich das Ziel dieser Aktion gerne verstehen, um mir eine Alternativlösung auszudenken.
ARB 444-3 Seite 14, Punkt 8+10 Zylinderendstück und Endstück Lenkgehäuse vorbereiten
Hier wird das Werkzeug 3509-T (+bis) verwendet. Vermutlich zum Aufweiten des Durchmessers der Teflondichtungen (analog vorheriger Punkt, nur in der anderen Richtung). Hier habe ich die gleiche Frage: Was ist das Ziel?

Generell ist mir nicht geheuer die Teflondichtungen stark zu dehnen. Verformen sie sich dabei nicht plastisch?

Ich habe vor, das Leitungssystem nach Fertigstellung mit Hydroclean zu spülen. Ist es empfehlenswert, die überholte Lenkung direkt mit Hydroclean in Betrieb zu nehmen oder sollte ich erst mit der bestehenden Füllung starten?

Viele Grüße und Dank im Voraus

Dominik
hy1600
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Registriert: So 2. Nov 2008, 14:17

Re: Fragen zur lenkungsüberholung

Beitrag von hy1600 »

Hallo Domonic

Diese Teflondichtung muss nur selten ausgetauscht werden, prüfen mit der Prüfbank auf zu großen Durchlass. Wollte sie damals auch tauschen und hatte die gleichen Fragen. Der Hinweis kam von U. Petermann. Die großen Dichtringe sind auch selten kaputt. Wichtig ist der Steuerkopf mit den Ventilen, da diese auswaschen können und dann die Überschneidung schwierig wird. Hauptursache sind die 5 Dichtungsringe (rund oder eckig) mit den Teflonringen. Diese müssen sehr eckig sein um abzudichten also keine Radien an den Ecken, sonst besteht die Gefahr, das die Hydraulikflüssigkeit darunter gedrückt wird mit einem sogenannten Kurzschluss und kurzen Intervallen der Pumpe (wieder Petermann). Der Teflonring muss sehr geweitet werden, sonst geht er nicht in die Nut und dann wieder gestaucht. Ist er zu stramm, geht Servowirkung verloren.

Gruss Andreas

PS: Wenn Du die Lenkung komplett zerlegt hast und auch die Manschetten jetzt problemlos erneuern könntest folgende Überlegung:
Sind die Ventile zu ausgewaschen, mal über ein Umdrehen der Wirkrichtung nachdenken, also Zu- und Anlaufleitungen vertauschen und die Öffnungsrichtung umdrehen.
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Robert Verified
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Re: Fragen zur lenkungsüberholung

Beitrag von Robert Verified »

Hallo Dominik,

ich habe vor Jahren mal ein Lenkungsseminar bei Dirk Trompeter mitgemacht. Wenn ich mich richtig erinnere, hat Dirk damals ein Stück Ligarexband um den Teflonring gelegt und dies dann mit einer kleinen Rohrzange (Cobra) an den Enden gefasst, um den Teflonring zusammenzudrücken: Auf die gleiche Weise erfolgte dann auch der Einbau in den Zylinder. Im Grunde so ähnlich, wie man die Kolbenringe mit dem Spannband zusammendrückt, um den Kolben in die Laufbüchse zu bekommen. Fast alles lässt sich beim Zusammenbau der Lenkung irgendwie improvisieren, es dauert halt nur länger. Die Spezialwerkzeuge beschleunigen das Arbeiten, was für eine professionelle Werkstatt unter den seinerzeitigen Bedingungen natürlich wichtiger war als wenn Du heute mit viel Musse eine einzige Lenkung überholst. Das einzige wirklich wichtige Werkzeug ist der Ausdrücker für den Bolzen, die Gefahr, da etwas kaputt zu machen, ist gross.

Viele Grüsse
Robert

PS: Solltest Du den Mittelbolzen noch nicht entfernt haben, lass ihn an Ort und Stelle, die Manschette lässt sich mit Gewalt und Liebe drüber ziehen. (Abkleben, Rampe bauen)
'59 DS 19/'66 ID 19/'68 DS 21 Pallas/'71 SM /'71 SM in Arbeit/'84 Renault R4F6 in Arbeit/'96 Saab 900 CV/'98 BMW 1100 GS
hy1600
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Re: Fragen zur lenkungsüberholung

Beitrag von hy1600 »

dann erzähl ich mal lieber nicht, wie den aus- und einbaue
dominik
Beiträge: 69
Registriert: Mo 18. Nov 2013, 20:44

Re: Fragen zur lenkungsüberholung

Beitrag von dominik »

Hallo,

also den Bolzen wollte ich drin lassen, da man nach meinem Wissensstand für den Ausbau die sehr lange Rohrnuss benötigt, mit der die Betätigungsstange gelöst wird. Aber wie es scheint gibt es ja noch einen anderen Weg...ich bin offen für Anregungen.
Ansonsten würde ich dem Rat von Robert Kruse folgen und die Manschette drüberwürgen.

Beim "Kolbendichtring" gäbe es auch die Möglichkeit den Zylinder innen anzufasen und den Ring dann einzufädeln. Ich befürchte aber die Oberfläche der Fase wird möglicherweise zu rauh und könnte die Dichtung beschädigen, deshalb bin ich da noch nicht so überzeugt.

Versuchsweise hatte ich bereits die alte Dichtung mit einem Kabelbinder zusammengedrückt (ähnlich wie von Robert beschrieben). Dabei bildet sich aber eine Beule an der Verrastungsstelle.
Gerade habe ich entsprechend dem Tip von Robert einen Versuch mit dem Ligarex-Band gemacht (ebenfalls mit der alten Dichtung). Sie ging zwar rein, aber eine kleine Beule hatte sich auch hier gebildet. An der Beulstelle war nach Wiederausbau ein Abdruck auf der Dtg zu sehen, so daß mir dieser Weg zu gefährlich erscheint (Der Dichtsatz gibt nur einen Versuch her).

In einer Präsentation glaube ich einmal gesehen zu haben wie ein Holländer den Ring mit Schrumpfschlauch komprimiert hat. Das werde ich glaube ich beim Kolben jetzt einmal ausprobieren.

Für die Außenabdichtungen (Gehäuse- und Zylinderendstück) des Kolbens möchte ich einen leicht konisch ausgeführten Bolzen verwenden mit dem ich die Dichtungen zunächst nach Außen aufweite und dann den Kolben direkt hinterherschiebe, dh den Bolzen mit dem Kolben herausdrücke.

Ich werde berichten wie es weitergeht.

Einstweilen herzlichen Dank für eure Ratschläge.

Grüße

Dominik
uri Verified
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Registriert: Sa 6. Jan 2007, 21:59

Re: Fragen zur lenkungsüberholung

Beitrag von uri Verified »

Hallo Dominik,
ich bin zwar kein Profi, aber kann gerne mal erzaehlen, wie ich das gemacht habe. An deiner Stelle wuerde ich den Bolzen loesen, ein Schluessel ("sehr lange Rohrnuss") ist schnell gebaut, siehe Fotos.
Billiger Steckschluessel, daran ein Stueck Rohr geschweisst, oben dann eine Mutter geschweisst - fertig.
uri Verified
Beiträge: 278
Registriert: Sa 6. Jan 2007, 21:59

Re: Fragen zur lenkungsüberholung

Beitrag von uri Verified »

... und das mit dem Teflonring: Habe das "Rohr" etwas konisch geschliffen und geglaettet (Nassschleifpapier), mit Kordel den Ring fixiert und rein damit (siehe Fotos).
Beste Gruesse
Peter
dominik
Beiträge: 69
Registriert: Mo 18. Nov 2013, 20:44

Re: Fragen zur lenkungsüberholung

Beitrag von dominik »

Hallo an Alle,

ich habe inzwischen die Lenkung mit dem Dichtsatz überholt. An den Steuerkopfventilen habe ich nichts gemacht. Beim Wiedereinbau habe ich die Lenkung nach den Maßen, die ich vorher abgenommen hatte wieder eingestellt. Die vertikale Fluchtung habe ich zunächst nach Augenmaß ausgerichtet.
Ergebnis: Die Lenkung funktionierte zwar und ist extern dicht aber leider funktioniert sie nicht so leichtgängig wie ich mir das (naiverweise) erhofft hatte. Auch waren die Pumpintervalle eher kleiner als vor der Lenkungsüberholung und beim Drehen spüre ich ein leichtes Rubbeln. Also würde ich die Aktion erstmal als halben Fehlschlag einordnen. Immerhin sind die äußeren Lenkmanschetten jetzt wieder OK.

Ich habe jetzt die vertikale Fluchtung mit der Fühlerlehre eingestellt (nicht mit der Brücke). Das passte leider gar nicht, ich denke ich hatte einen Knick von ca. 1°. Lessions learned: Nie wieder Augenmaß...
Ich bin mit dieser Einstellung etwa 300 km gefahren. Jetzt bin ich besorgt, ob ich durch die verkantete Betätigung der Steuerventile diese möglicherweise geschädigt haben könnte.

Ich bin mir nicht im Klaren, wie ich jetzt am besten weiter vorgehen soll.

Erstmal wieder zusammenbauen und ausprobieren oder vorher die Drucküberschneidung kontrollieren/ einstellen? Dazu ist zu sagen, daß mir die Lenkung bereits vor der Überholung zu schwammig im Ansprechverhalten war. Das ist jetzt auch noch so, vielleicht sogar noch etwas stärker.

Falls ich etwas an der Drucküberschneidung mache, würde ich das gerne nach Gefühl machen (wie von Andreas/HY1600 in einem alten Thread beschrieben), da ich die Manometer nicht habe. Aber dann müsste ich doch ständig die Batteriekonsole ein- und ausbauen, bis ich den für mich optimalen Ansprechpunkt gefunden habe. Denke ich da richtig?

Gibt es vielleicht einen Anhaltspunkt für die Grundeinstellung der Steuerkolben, d.h. wie tief müssen die Kolben in Ruhelage etwa positioniert sein?
Ich gehe davon aus, daß sich der Druck erhöht, wenn ich die Schraube hereindrehe. Ist das so?

Hier noch ein paar Fotos wie die Fluchtung jetzt eingestellt ist und wie ich die Teflondichtung des Arbeitskolbens montiert habe.
Dank an uri, deine Fotos haben mich auf die Idee gebracht. Der O-Ring stammt aus dem Lenkkopf, das Spezialwerkzeug wird also von Citroën automatisch mitgeliefert...
Den Mittelbolzen habe ich dann doch drin gelassen und die Manschette mit einer Rampe aus einem 14er RingMaul-Schlüssel drübergezogen.
Lenkungsbilder

Jetzt mache ich mich schweren Herzens daran, die gelben Filter der Frontscheinwerfer auszubauen, ich bin inzwischen aufgegriffen und angezählt worden.

Viele Grüße

Dominik
Jürgen Verified
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Registriert: Fr 24. Jan 2003, 18:29
Wohnort: Braunschweig

Re: Fragen zur lenkungsüberholung

Beitrag von Jürgen Verified »

Hallo Dominik,

die Ausrichtung der Lenkung zur Lenksäule ist wichtig für die gute Funktion, kleine Fehler machen sich schon deutlich bemerbar. Das Einstellen nur nach Augenmaß ist schwierig. Zum Testen sollte das Auto vorn aufgebockt sein und Rolle für die Geradeausfahrt nicht auf die Herzscheibe drücken. Dann kann man beim Durchdrehen des Lenkrads merken, ob es über den ganzen Lenkbereich gleichmäßig geht, wenn nicht, stimmt die Ausrichtung nicht.
Die Einstellschrauben für die Drucküberschneidung reagieren im interessanten Bereich sehr sensiebel, eine 1/16 Umdrehung hat schon eine deutliche Wirkung, mit etwas Gefühl ist eine Einstellung auch ohne Manometer möglich. Dafür sollte das Auto ohne Batterierahmen (falls Batterie links) auf den Rädern stehen, die Elektrik provisorisch über Starthilfekabel mit der Batterie verbunden (Achtung Kurzschlussgefahr). Wenn man jetzt bei laufendem Motor am Lenkrad vorsichtig hin und her dreht und dabei etwas Spiel beim Wechseln spürt, muß eine der beiden Einstellschrauben (welche ist egal) etwas hineingedreht werden, Druck wird erhöht. Wenn man bein Wechsel das Gefühl hat, über einen "Gnubbel" zu drehen, ist der Druck zu hoch, eine Schraube etwas lockern.
Mit der Einstellung der Drucküberschneidung kann man einen internen Druckverlust nicht heilen. Für die kurzen Schaltintervalle können auch verschlissene Ventilschieber verantwortlich sein. Hast du schon mal die Lenkung abgekoppelt (Fühlerlehre zwischen Dichtplakette und Lenkung an der Versorgungsleitung), eventuell sind andere Komponenten die Ursache?

Die Einstelllehre für die Winkeleinstellung gibt es im DS-Club-Werkzeugverleih, die Manometer für die Druckübrerschneidung übrigens auch.
Gruß Jürgen
dominik
Beiträge: 69
Registriert: Mo 18. Nov 2013, 20:44

Re: Fragen zur lenkungsüberholung

Beitrag von dominik »

Hallo Jürgen,

Im Stand aufgebockt ohne Motor lässt sich die Lenkung gleichmäßig ohne Rastpunkte drehen. Ich werde jetzt vorgehen wie du vorschlägst und falls erforderlich die Lenkung absperren, wenn die Schaltintervalle nicht besser werden.

Vielen Dank für die Hinweise, das war genau was ich gesucht habe.

Dominik
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