Blechkleid behandeln

Diskussionen rund um's Thema...
Lowrider
Beiträge: 295
Registriert: Di 26. Jul 2011, 20:57

Blechkleid behandeln

Beitrag von Lowrider »

Hallo Leute. Ich habe die Karosserie bis auf Metall abgeschliffen. Hier und da ein
Paar rostnester, das sollte gut behandelt und gespachtelt werden. Habt ihr erfahrung mit Brunox gemacht? Ich möchte eine vorbehandlung des Metalls vor dem Haftgrund erreichen. Habe Brunox angetestet lässt sich aber nicht so schön gleichmaessig streichen. Ferner is die trocknungsphase sehr lang. Der Hersteller empfiehlt unmittelbar danach mit einer Grundierung zu beginnen. Das schaffe ich alles nicht so schnell aber ich möchte auf jeden Fall erst mal das blanke Metall vor flugrost schuetzen. Früher hatte man so ne rote rostschutzfarbe aufgetragen, ist das zu dilettantisch oder muss da fertan, Brunox und Co zwingend drauf? Gruesse Toni
Fantomas lebt...
Hybried
Beiträge: 253
Registriert: Mi 13. Jun 2007, 21:28

Re: Blechkleid behandeln

Beitrag von Hybried »

Rostschutzgrundierung gibt es immer noch und wird auch immer noch eingesetzt.
Habe vor Jahren mit dem Zeugs http://smitty.alfahosting.org/Spraydose ... rostschutz gearbeitet.
Hält bis heute und trocknet sehr schnell.



Uli
Beiträge: 292
Registriert: So 30. Jan 2005, 15:20

Re: Blechkleid behandeln

Beitrag von Uli »

Phosphorsäure und dann Epoxy-Grundierung.
scardale
Beiträge: 1376
Registriert: Sa 14. Okt 2006, 23:41

Re: Blechkleid behandeln

Beitrag von scardale »

Hallo,

kannst Du Bilder der blanken Karosse einstellen? Rost muß an der Karosserie zwingend komplett entfernt werden. Am Chassis ist es immer möglich (zumindest aussen) etwas Fett oder eine andere Versiegelung aufzubringen. An der Karosserie hört der Spass auf, da darf kein Rost sein, und dann wie bereits erwähnt 2K Epoxy-Grund. Aber das würde ich zwingend mit dem Lackierer meines Vertrauens absprechen, wen Der die Grundierung nicht mag wird er Deinen Wagen nicht lackieren.

Gruß
Stefan

PS: meine Meinung zur Phosphorsäure kennst Du ja !
Lowrider
Beiträge: 295
Registriert: Di 26. Jul 2011, 20:57

Re: Blechkleid behandeln

Beitrag von Lowrider »

hallo stefan. hier die bilder. wie gesagt, das brunox lässt sich nicht so prickelnd streichen. gruß toni
Fantomas lebt...
Gerhard Trosien
Beiträge: 1055
Registriert: Mi 5. Dez 2007, 07:04

Re: Blechkleid behandeln

Beitrag von Gerhard Trosien »

Hör auf Uli und nimm (verdünnte) Phosphorsäure; ich verwende sie mit allerbestem Erfolg seit über 20 Jahren. Hier im Forum gibt's halbwegs detaillierte Anleitungen für die Anwendung.

Vergiss die Rostumwandler; das Material, nach dem Du fragst, ist schichtbildend, das Material verläuft nicht (hast Du selbst schon bemerkt) und wird nicht hart. Damit ist es gänzlich ungeeignet als Basis eines Lackaufbaus, an den höhere Anforderungen gestellt werden, als an den eines Zaunpfahls ganz unten.
Ein ganz wesentlicher Faktor für's Gelingen ist die Härte des jeweiligen Materials. Die muss vom Grundmaterial, also dem Blech, bis zur obersten Schicht abnehmen. Bei Verwendung einer Produktlinie einer GUTEN Firma ist das gewährleistet, auch ohne danach zu fragen, bei Farbe vom Baumarkt nicht immer. Und da kannst Du nicht mal jemand fragen.

"Früher hat man so ne rote Rostschutzfarbe aufgetragen" - das war Bleimennige. Gut für Balkongeländer und Gartenzäune, inzwischen wg ökologistischer Umtriebe vom Markt, obwohl kein gleichwertiger Ersatz in Sicht ist. Aber noch nie zum Grundieren eines Autos geeignet gewesen.
Du hättest VOR Beginn der Arbeit ein wenig Informationen sammeln sollen. Erst abschleifen und dann nach Behandlungsmöglichkeiten fragen...


Mal eine ganz allgemeine Frage:

warum entfernt man mit viel Fleiß intakte Lack-, Grundierungs- und Phosphatierungsschichten? Die Beschränkung auf angerostete Stellen macht Arbeit genug und nach meiner Überzeugung richtet man mit der Totalentlackung mehr Schaden an, als es nützt, wenn man nicht zufällig den perfekten Aufbau wählt.
Der Ersatzlack hat NIE die Widerstandfähigkeit des Originallacks.
Lowrider
Beiträge: 295
Registriert: Di 26. Jul 2011, 20:57

Re: Blechkleid behandeln

Beitrag von Lowrider »


Hallo Gerhard.

danke für die ausführliche info.

gruesse toni

Fantomas lebt...
DSManiac
Beiträge: 175
Registriert: Mi 25. Okt 2006, 18:30

Re: Blechkleid behandeln

Beitrag von DSManiac »

Hallo Gerhard,

an sich bin ich ja deiner Meinung, allerdings habe ich bei deiner letzten Aussage andere Erfahrungen machen müssen. Meine aus französischer Produktion stammende ID 19 Bj 66 hat augenscheinlich keinen so tollen Lackaufbau wie du es beschreibst. Bei meinem Chassis ist lediglich ein wenig schwarzer Decklack aufgetragen worden (dies allerdings erst nach einkleben der Dämmaten auf blankem Blech) und das war es. Leider ist dieser an vielen Stellen stark unterrostet und extrem spröde. Ein leichter Druck mit dem Meißel und die Farbe platzt ab.
Ich denke, es hat vor 45 Jahren auch keiner bei Citroën damit gerechnet, dass wir die Karren immer noch fahren wollen und daher die Lackierung länger als 10 Jahre halten muss.

@Stefan: Deine ID ist doch aus dem gleichen Jahrgang, ich meine aber, bei deinem Auto im Original Grundierung auf einem Foto gesehen zu haben, stimmt das?

Bild

Bild

Ich werde meinen Lack runter kratzen bzw. schleifen und danach zwei Schichten Brantho-Korrux auftragen. Darauf kommt dann eine ordentliche Schicht 2k Decklack. Ich hoffe damit die nächsten 45 Jahre ruhe zu haben.
Die Anrostungen werden je nach Stärke des Befalls mit Sandstahlpistole oder Phosphorsäure behandelt.

Grüße
Florian

PS: Toni, womit hast du deine Karosse blank gemacht?
Lowrider
Beiträge: 295
Registriert: Di 26. Jul 2011, 20:57

Re: Blechkleid behandeln

Beitrag von Lowrider »


Hi Florian.

Harte Arbeit. Bitumenmatten mit Elektroschaber und Stecheisen gelöst, Bitumenreiniger aufgetragen, mit Putzlappen abwischen (über Nacht mit durchtränktem Lappen einweichen lassen) und dann mit Topfbürstenaufsatz (weiche und harte Drähte) bis aufs Blech gesäubert. Zwischendruch immer zwischen Bohrmaschine und Flex gewechselt. Flex geht aber besser, kleines handliches "Teil" genügt. Evtl. mal etwas mit nem "Negerkeks" gemacht das geht ganz ordentlich, aber nur wenn da nichts im Weg ist wie Schrauben oder Sonstiges, klaro. Also, alles Handarbeit und bin auch schon fast fertig. Strahlen ging nicht weil der Wagen nicht fahrbereit ist und die Aktion mit nem Trailer ist mir nicht so geläufig. In der Garage strahlen,...ne ne das wäre ne Sauerei.
Zum Lackaufbau: Danke erste einmal für die informativen Infos. Ich bin sicher das so wie Ihr das macht Erfahrung, Wertschätzung und 100%ge Planung dahinter steht. Auch wenn Ihr mich jetzt tadelt; ich mache den Wagen soweit fit das ich selber ein gutes Gefühl habe. Ob es nacher unter dem Anti-Dröhnmatten plus Grundierung plus Farbe plus Klarlack plus Schaumstoff plus Teppich plus Chromeverkleidung nun auf den Höchststandard ankommt,...für mich nicht. Die Arbeit die ich mache wird aus Interesse und Neugier gemacht, so das der Wagen ordentlich wird, also besser als ich ihn gekauft habe. Wenn ich so viel Energie, Geld und Zeit in jede Schraube stecke dann gibts nur ein paar Möglichkeiten: Entweder ich verdiene damit mein Geld und mache nichts anderes, oder ich habe Zeit und kann jeden Tag 8 Stunden Schrauben und jede noch so winzige Ecke fachmännisch auf den Stand von 1972 bringen. Ganz ehrlich? WER SIEHT DAS SPÄTER? Ich denke bei einer sauberen Arbeit, auch wenn ich sie umfangreich begonnen habe, kann ich mit dem Wagen sicherlich ein paar Jahre durch die Gegend schunkeln. Wer einen Wagen restauriert weil er ihn 30 Jahre fahren oder später mit Gewinn verkaufen will (eher unwarscheinlich) dem zolle ich Respekt und er hat alles richtig gemacht. Versteht mich nicht falsch, das Forum ist super und ohne die tollen Tipps wäre ich nicht soweit wie sonst. Mich würde mal interessieren wer was beruflich macht,..haben wir hier 80% Karosserieschrauber am Werk oder sind es "einfache" Schruaber wie ich die einfach nur Spaß am Schrauben haben? In diesem Sinne, nicht persönlich nehmen dass soll hier keine Kritik sein.
Fantomas lebt...
Gerhard Trosien
Beiträge: 1055
Registriert: Mi 5. Dez 2007, 07:04

Re: Blechkleid behandeln

Beitrag von Gerhard Trosien »

Ich mach beruflich ganz was anderes (Hochbauing.) und bin aus Notwehr zum Schrauben gekommen. Mein erstes Auto (2CV6 Bj. 72, gekauft 1976) lief schlecht, nach Werkstattaufenthalt noch schlechter, und nach dilettantischen Einstellversuchen nach "Jetzt helfe ich mir selbst" lief es endlich so, wie es zu erwarten war. So fing alles an. Die Gelegenheit, einem Berufsschrauber über die Schultern zu schauen, war förderlich. Aber prinzipiell habe ich mir alles selbst beigebracht. In einem Zeitraum von 35 Jahren...
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