Moin allerseits
Nach einer geraumen Zeit des passiven Mitlesens und Aufschlauens - danke dafür allen aktiven Forenteilnehmern - ist für mich nun der Moment gekommen, selbst einen Beitrag zu verfassen um mich mal ins Spiel zu bringen. Der Grund dafür ist ein vermutlich rasant ansteigender Beratungsbedarf meinerseits. Dies wiederum wird bedingt durch den Umstand, daß ich mir wieder einen Ölgleiter gekauft habe. Genauer gesagt ist es nun die dritte Göttin, der ich meine Verehrung zu schenken wage. Zählt man meine Einsteigerente und die beiden meiner Holden dazu, wäre dies dann mein sechstes Auto mit dem Double Chevron insgesamt.
Wer jetzt eine kontinuierliche Citroën Biografie vermutet, irrt allerdings. Die letzte Ente ist vor mehr als einer Dekade infolge akuter Osteoporose mit anschließendem Genickbruch von uns gegangen und die Anbetung meiner früheren ID 20 liegt schon ein viertel Jahrhundert zurück. Insofern entspreche ich als heute alter Sack dem verbreiteten Vorbesitzer - Hassbild, nämlich dem Studenten der ein cooles Auto billig zusammenflickt und aufbraucht. Für meinen ersten Citroën mit bösem Blick Serienmäßig trifft das im vollen Umfang zu! Für 500DM ohne Ahnung aber mit Rest-TÜV vom Onkel eines Kumpels aus sechster Hand gekauft, irgendwie ans Laufen gebracht (nach zwei Wochen wurde die Tante langsam ungehalten, weil sie die Garage nutzen wollte), mit Popniettechnik! die üblichen unteren 20 cm verschlimmbessert, von einem Bekannten billig lackiert, Zierleisten aus dem Zubehör aufgepappt, mit Teilen eines Schrottplatzfundes (Ja, die gab es damals noch) innen leicht pallatisiert und dann ein gutes Jahr gefahren. Ein Seitenschaden hinten rechts, den ich beim ungeschickten passieren unserer Hofeinfahrt verursacht hatte, führte mich während meiner Suche nach Blechersatz zu ID20 Numero deux.
Ein Wagen aus belgischer Produktion mit 76tkm auf der Uhr. Gris Kandahar / Toit noire (aus Alu) / Rouge cornille schön. Zur Ersatzteilgewinnung war der viel zu schade, außerdem wollte der Zweitbesitzer ihn trotz mehrjährigem Stillstand nicht in Teilen abgeben. Für 1800DM habe ich zugegriffen. Auf eigener Achse dann mit roter Nummer 150Km nach Hause gefahren. Dieser Wagen war um Klassen besser als der erste in Bordeauxrot. Trotzdem hatte er an vielen tiefen Stellen der Karosse den üblichen Rost und verlangte nach Blechersatz. Am Chassis gab es nur ein kleines Loch im Bodenblech und angenagte hintere Kotflügelauflagen zu beklagen. Diesmal wurde nicht gepoppnietet sondern geschweißt, wobei das optische Ergebnis auch nicht so sehr viel ansprechender geriet. Der Wagen fuhr fast ein halbes Jahr ganz prima, bis dann eines schönen lauen Abends im September das göttliche Gleiten ein abruptes Ende nahm.
An roter Ampel stehend, Betrunkener zu schnell und unaufmerksam, vereitelter Fluchtversuch zu Fuß, Fahrzeug nicht versichert, meine ID Totalschaden. So könnte man das abenteuerliche Geschehen in kurzen Worten zusammenfassen. Wer mal bei Youtube die einschlägigen Videos gesehen hat, weiß wie sensibel die Struktur des VGD auf Karambolagen reagiert. Ich war jedenfalls am Boden zerstört und habe als nächstes Fahrzeug einen Panzer aus Schweden erwählt. Nicht etwa wegen einer Angstneurose, sondern vielmehr weil der Verkäufer den verunfallten Citroën in Zahlung nahm. Eine ähnlich gute Göttin zum bezahlbaren Preis - wir erinnern uns: Student - wiederzufinden erwies sich bereits in den achziger Jahren als reichlich schwierig. Dem Volvo folgte eine ganze Reihe verschiedenster /8 Modelle von Mercedes, schließlich ein VW Bus, ein DKW 3=6, ein 190er Ponton. Die letzten drei habe ich auch noch. Einen mit Drehstäben, einen mit Blattfedern und einen mit Schraubenfedern. Um das Thema zu erweitern ist es also ganz naheliegend wieder ein Fahrzeug mit Hydraulikfahrwerk zu beschaffen.
Meine Wahl fiel auf eine Doublette meiner ersten ID20. Bordeauxrot (AC421) mit Stoff rot cornille. Erstzulassung Dezember 1969, also noch mit aufgesetzten Türgriffen. Bis 1997 war sie im Departement 24 Versteuert, die Gültigkeit der Controle Technique lief 9/97 ab. Vermutlich ist sie dann beim anstehenden Prüftermin gescheitert. Ein halbes Jahr später wurde sie jedenfalls nach Holland verkauft, wo sie in einer Scheune zwischengelagert wurde, um später mal restauriert zu werden. So machte der holländische Verkäufer es jedes Jahr: Im Urlaub eine DS mitnehmen, fertigmachen, verticken und von dem Geld den nächsten Urlaub machen. So müssen es auch viele andere außer ihm gemacht haben, denn der halbe holländische Markt besteht nach meiner Einschätzung aus solchen restaurierten ID Importen. Der wirklich nette und entgegenkommende Holländer wußte beim Einkauf auch wohl recht gut was er tat. Als ich zur ersten Besichtigung zu seiner Wohnadresse anreiste, konnte man in der angrenzenden Garage eine wunderbare 23ie Pallas H in Gris Nacre mit allem bewundern, die er nach einem Unfall auf einem gesunden Chassis wieder aufbaute.
Nach diesem Anblick mußte die erste Sichtung der in Frage stehenden Dspecial fast zwangsläufig enttäuschen, obwohl die vorab übermittelten Bilder durchaus ehrlich waren. 13 Jahre Standzeit. Vermutete 196K auf der Uhr. Auf den ersten Blick ein Wrack! Lack total matt. Motor springt nicht an, dreht aber frei. Innen, besonders vorne total, total, total verschlissen. Streifschaden hinten rechts Tür und Kotflügel. Fortgeschrittene Alupest auf der Haube vorn. Rostpickel an Kante Kofferraumdeckel. Dach, Frontscheibe und Scheinwerfergläser mit Acryl, Kleber oder was weiß ich nachgeschwiemelt. Dachdichtung tot. Plastikfolie um die rechte Lenkmanschette läßt auch Böses ahnen (Die Controle Technique!). Kabelbaum total marode, geschrumpft, brüchig, freiliegende Kabelabschnitte. Wickelung vom Lenkrad abgängig.
Aber: Der Wagen ist sehr komplett und "Dans son Jus". Die Karosserie strackt schön und scheint nie auseinander gewesen zu sein. Alle Türen schließen leicht wie sie sollen. Das Chassis ist komplett hart, der gesamte Boden des Autos ist weiß. Auch an kritischen Stellen waren keine Löcher festzustellen. Die Kotflügelauflagen sind 1a, Die Türböden - man staune - original und brauchbar, ebenso die Kotflügel. Vorne ohne Rost unter den Gläsern, an der Seite und unten fast ohne Rost. Die hinteren zeigen nicht mal den allfälligen Rost oben und unten im Bereich des Trägerblechs. Der Dachhimmel löst sich zwar beulig an den Rändern ist aber sonst tadellos und C-Säulenverkleidungen mit Originalbespannung sind auch mit dabei. Der Verkäufer gab auch noch ein paar andere nette Sachen dazu, wie etwa Ersatz für die Stoßstangen, einen Kühler, eine schöne Lufthutze, beide Hauben sowie Sitze in Targa braun und schwarz. Es gibt sogar ein Ersatzschlüsselbund. Das Wagenheber und Andrehkurbel anwesend sind scheint da fast schon selbstverständlich.
Heute haben wir sie abgeholt! Vor Ort noch den guten Kabelbaum aus einer 21ieBW ausgebaut! Während der Rückfahrt immer wieder in den Rückspiegel geblickt und innerlich frohlockt. Als ich dem Verkäufer gedankt habe, das er mir den Wagen überläßt, meinte er, daß ich wohl das bessere Geschäft gemacht hätte. Er habe mal zurückgerechnet, was er damals in Francs bezahlt hatte und das wäre nur unwesentlich weniger als ich ihm jetzt zahlen würde. Trotzdem solle ich mich mit Problemen oder Teilewünschen gerne an ihn wenden. Ich liebe die Holländer!
Ich hoffe jetzt den anstehenden Aufgaben gerecht und der Probleme Herr zu werden. Eine Aktion wie Tomsail (Darf ich dich Schraubergott nennen?) erwäge ich aber nicht. Optisch will ich sie gern möglichst nah am Original erhalten und plane, auch wenn es angesichts der Zustandsbeschreibung absurd klingt, erst mal nur gründliche Reinigung. Dann Kabel, Motor und Hydraulik. Dann erst mal das Dach und danach innen was machen. So ungefähr - oder ähnlich - mal sehen was ist.
Der geneigte Leser sollte sich nun eine hinreichende Vorstellung gebildet haben, deshalb soll es das von meiner Seite zunächst gewesen sein. Ich hoffe nun auf freundliche Aufnahme hier bei den Kollegen von der göttlichen Fahrkultur und wünsche vorläufig allen anderen, später dann auch mir selbst, eine stets gut gleitende Fahrt.
stefan
Man sollte viel öfter nach Westen schauen.
-
Dordognone
- Beiträge: 64
- Registriert: Di 5. Jul 2011, 22:01
Re: Man sollte viel öfter nach Westen schauen.
wenn es ihm sonst keiner zu sagen wagt...
. . . Willkommen!
Die freundliche Aufnahme im DS-Club ist nicht an Bedingungen geknuepft *).
Nicht an Bedingungen seitens des Clubs.....
Denn, so gleichartig die DS untereinander (vom Material der Dichtungen mal abgesehen), so verschieden sind die Mitglieder.
Wie Dir sicher beim Lesen aufgefallen ist.
Letztlich lebt die DS von kompetenter Wartung und das ganze Ding hier vom Mitmachen.
Mach' mit, Du bist genau so gut wie jeder andere (der schlampig zitierte britische Dichter sagte: Jeder von Euch ist ein Individuum - nur ich bin anders
Schwebende Gruesse
/d
*) Das betrifft natuerlich nur die Freundlichkeit. Der Jahresbeitrag im Club ist ebenso wie das Zahlen der Ersatzteilpreise eine unveraenderliche Naturkonstante!
. . . Willkommen!
Die freundliche Aufnahme im DS-Club ist nicht an Bedingungen geknuepft *).
Nicht an Bedingungen seitens des Clubs.....
Denn, so gleichartig die DS untereinander (vom Material der Dichtungen mal abgesehen), so verschieden sind die Mitglieder.
Wie Dir sicher beim Lesen aufgefallen ist.
Letztlich lebt die DS von kompetenter Wartung und das ganze Ding hier vom Mitmachen.
Mach' mit, Du bist genau so gut wie jeder andere (der schlampig zitierte britische Dichter sagte: Jeder von Euch ist ein Individuum - nur ich bin anders
Schwebende Gruesse
/d
*) Das betrifft natuerlich nur die Freundlichkeit. Der Jahresbeitrag im Club ist ebenso wie das Zahlen der Ersatzteilpreise eine unveraenderliche Naturkonstante!
;-)
Re: Man sollte viel öfter nach Westen schauen.
Hallo Stefan,
auch von mir ein herzliches Willkommen im Club.
Alte Säcke haben zwar graue Haare (meistens), aber auch entsprechende
Erfahrung und die kannst du hier gut einbringen.
Das Leben ist zu kurz, um Scheissautos zu fahren.
Gruss aus dem Schwarzwald
Jürgen
auch von mir ein herzliches Willkommen im Club.
Alte Säcke haben zwar graue Haare (meistens), aber auch entsprechende
Erfahrung und die kannst du hier gut einbringen.
Das Leben ist zu kurz, um Scheissautos zu fahren.
Gruss aus dem Schwarzwald
Jürgen
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DS20_break Verified
- Beiträge: 3522
- Registriert: Mo 30. Aug 2010, 23:10
Re: Man sollte viel öfter nach Westen schauen.
Naja,
wenns nicht nur alte madames geht, sondern auch um alte Säcke - da kann ich mithalten.
Salut Stefan, eine nette Geschichte.
wenns nicht nur alte madames geht, sondern auch um alte Säcke - da kann ich mithalten.
Salut Stefan, eine nette Geschichte.
"Mach Dir keine Gedanken, wenn sie nicht auf Realität beruhen!"
erdgebundene Grüße,
Hardy
erdgebundene Grüße,
Hardy
Re: Man sollte viel öfter nach Westen schauen.
Hallo Stefan,
schöne Vorstellung. Ohne Bilder fühl ich mich immer wie ein
.
Mit sonnigen Grüßen
Hans
schöne Vorstellung. Ohne Bilder fühl ich mich immer wie ein
Mit sonnigen Grüßen
Hans
MsG
Hans

Hans
Re: Man sollte viel öfter nach Westen schauen.
Hallo,
auch meinerseits herzlich willkommen. So ungefähr ging es mir vor 5Jahren auch als ich meine Göttin erworben hatte und ich mich auf die kompetente Hilfe aus diesem Forum freute. Ohne diese Hilfe würde mein Projekt wohl auch kein gutes Ende nehmen, die Sache ist einfach sehr komplex und mein Sachverstand wäre oft nicht ausreichend. Allerdings hatte ich mir vorgenommen ca. 2 Jahre lang Hilfe in Anspruch zu nehmen und dann eher auf die Seite der Ratgeber und Hilofesteller zu wechseln. Nun sinds 5 Jahre und es werden wohl 6 werden bis Madam wieder verkehren darf, unglaublich. Hilfe wird hier eigentlich immer angeboten, der Ton ist in aller Regel angenehm, für mich ein Forum zum wohlfühlen. Also nur her mit den Fragen und bitte noch Bilder nachreichen.
Gruß
Stefan Sikeler
auch meinerseits herzlich willkommen. So ungefähr ging es mir vor 5Jahren auch als ich meine Göttin erworben hatte und ich mich auf die kompetente Hilfe aus diesem Forum freute. Ohne diese Hilfe würde mein Projekt wohl auch kein gutes Ende nehmen, die Sache ist einfach sehr komplex und mein Sachverstand wäre oft nicht ausreichend. Allerdings hatte ich mir vorgenommen ca. 2 Jahre lang Hilfe in Anspruch zu nehmen und dann eher auf die Seite der Ratgeber und Hilofesteller zu wechseln. Nun sinds 5 Jahre und es werden wohl 6 werden bis Madam wieder verkehren darf, unglaublich. Hilfe wird hier eigentlich immer angeboten, der Ton ist in aller Regel angenehm, für mich ein Forum zum wohlfühlen. Also nur her mit den Fragen und bitte noch Bilder nachreichen.
Gruß
Stefan Sikeler
Re: Man sollte viel öfter nach Westen schauen.
Eine weise Entscheidung, hier bist Du richtig ! Auch ich bin ein Augenmensch,
bitte Bilder, danke.
Ölige grüße
Uli
bitte Bilder, danke.
Ölige grüße
Uli
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symphatique
- Beiträge: 1657
- Registriert: Do 15. Feb 2007, 23:51
Re: Man sollte viel öfter nach Westen schauen.
Wo wohnste denn?
"Das is´nich´kaputt! Das kann man reparieren!"