Komplett überholte Federkugel

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sebastianklaus
Beiträge: 1288
Registriert: Sa 28. Okt 2006, 09:41

Re: Komplett überholte Federkugel

Beitrag von sebastianklaus »

Hallo Thomas,
die Formulierung "kríminell" habe ich -glaube ich- vor ein oder 2 Jahren hier im Forum geprägt, und dazu stehe ich auch.
Der Kerbfaktor am Übergangsradius des neuen Innenringes ist so exorbitant, dass ich ernsthaft meine, dass man so ein Auto nur noch inws Museum stellen darf. Wenn ich ein bisschen Zeit habe, kann ich gern mal die Erhöhung des Kerbfaktors ausrechnen (dazu braucht man m.E. nur die Radiengeometrien auszumessen und dann in der Tabelle den Wert betaK für Biegung abzulesen), auf Faktor 3,0 komme ich sicher, das verspreche ich Dir !
Ich hatte damals bei meinen Schwingarmen die Lauffläche der "Innenringe" (das ist ja Bestandteil des Schwingarms) unter einem Winkel von 10° abdrehen lassen. Damit verändert man den Kerbfaktor nicht. Das Prozedere ist hier im Forum im Detail beschrieben, wir hatten damals ja sehr lange darüber diskutiert.
Wenn man, so wie Du (Thomas), einen rostfreien Schwingarm findet, dann hat man Glück, selbstverständlich muss man dann den Nachlauf durch eine entsprechend veränderte Dicke der Distanzscheibe korrigieren.

Im Moment überlege ich mir gerade, welche Lagerung ich in die Umlenkhebel der Lenkung einbauen soll (Das Thema ist ja das gleiche wie bei den Schwingenarmen): ich habe mehrere Umlenkhebel auseinander genommen, schlussendlich war immer die Lauffläche der Welle entweder am oberen oder am unteren Lager defekt. Das bedeutet (jedenfalls unter Beibehaltung der Original-LAgerung): Schrotttonne.
Wenn ich eine gute Lösung dafür parat habe, melde ich mich hier im Forum mit einem Umbauvorschlag.

Aber ich sehe schon, ich schweife total ab, das Thema war ja ganz ein anderes. Entschuldigung.
Viele Grüße
Sebastian
Pit
Beiträge: 2899
Registriert: Fr 17. Jan 2003, 18:39

Re: Komplett überholte Federkugel

Beitrag von Pit »

Hallo an die Juristen,
wie ist das eigentlich wenn so ein Schwingarm von Sassen abbricht. Gibt es da irgendwelche Ansprüche? Ich fahre jetzt seit 8 Jahren mit diesen Schwingarmen. Seid ihr sicher, dass die alle so abgedreht sind? Ich habe damals einen Arm wegen immer noch vorhandenen Rastungen zurück geschickt.
Grüße
pit
oliverf
Beiträge: 534
Registriert: Sa 3. Nov 2007, 15:26

Re: Komplett überholte Federkugel

Beitrag von oliverf »

Sebastian Kaus,

wie wäre es denn mit Laserauftrag und Neuzuschlif der Lagerflächen?
sebastianklaus
Beiträge: 1288
Registriert: Sa 28. Okt 2006, 09:41

Re: Komplett überholte Federkugel

Beitrag von sebastianklaus »

Hallo Oliver,
Sebastian reicht.
:-))
Bei dem verwendeten Werkstoff handelt es sich meines Erachtens mit ziemlicher Sicherheit um einen mittelprächtigen Vergütungsstahl, also in der Größenordnung 42CrMo4V, der nach der Wärmebehandlung die Stellen, an denen später die Lagersitze eingeschliffen wurden, flamm- oder induktionsgehärtet wurden. Ohne komplette Wärmebehandlung des gesamten Arms kann man meines Erachtens da gar nichts sinnvoll aufzuschweißen (zum Schweißen muss z.B. bei einem 42CrMo4V sowieso auf ca. 350 °C vorgewärmt werden) oder zu löten. Eine Wärmebehandlung würde alle anderen Passungen (z.B. Lagersitze, Konen für die Spurstangenköpfe ect.) selbstverständlich auch zerstören, erfahrungsgemäß werden die Teile bei nochmaliger Wärmebehandlung kleiner, was die Teile spätestens dann für einen Fall für den Schrotthändler macht.
Wohl gemerkt, es handelt sich ja um ein absolut sicherheitsrelevantes Teil, da ist eine nachträgliche Wärmebehandlung eines Werkstoffes, den man nicht kennt, eine unsichere Sache...
Ich persönlich glaube, da geht gar nichts in der Hinsicht.

Viele Grüße
Sebastian
Louis de Funes
Beiträge: 219
Registriert: Sa 10. Nov 2007, 18:45

Re: Komplett überholte Federkugel

Beitrag von Louis de Funes »

Hallo,
eigentlich wollte ich zu dem Thema nichts mehr sagen, dachte Sebastian hätte erschöpfend alles gesagt.
Ohne die Kerbwirkungstabellenachgesehen zu haben muß ich sagen: 3 kommt mir etwas viel vor, so groß ist der Größensprung nicht, und ein Radius ist auch da , gefühlte 1,9 würde ich sagen.
Auftragsschweißen: Macht man heutzutage bei solchen Sachen mit Laser, schön, git, Wärmeeintrag nur sehr partielle, kostet nur Geld. Macht zum Beispiel das ILT der RWTH Aachen, ca 400,- pro Stelle, danach bearbeiten, ...., alles perfekt, lohnt aber -noch- nicht.
Technich gut, preislich schlecht, aber gehen würds schon. Bei ner Maybach Kurbelwelle, oder so.
Gruß
bernd
tomsail
Beiträge: 2236
Registriert: Di 4. Sep 2007, 13:45

Re: Komplett überholte Federkugel

Beitrag von tomsail »

mhhh eigentlich gehts hier ja um federkugeln, aber was solls.

die schwingen der DS sind so gnadenlos überdimensioniert....
da hab ich keine bedenken.

wenn ich mir die querlenker am spitfire anguck: das ist tiefgezogenes 1.2er-blech! das ist spielzeug gegen eine DS-schwinge.
(gut, das auto ist auch nur halb so schwer!)

heutige fahrzeuge der oberen mittelklasse haben ähnliche querlenkerlagerquerschnitte wie unsere guten DS. nur sind diese autos anderthalbmal so schwer wie eine DS, haben dreimal soviel leistung und die querlenker sind aus alu, oder magnesium. :-)

also: gaanz entspannt...

btw.: es sollen mittlerweile niederländische schwingarmüberholungen am markt sein, die genau so wie sebastians überholungen gemacht sind.....

grüße
thomas
---
sebastianklaus
Beiträge: 1288
Registriert: Sa 28. Okt 2006, 09:41

Re: Komplett überholte Federkugel

Beitrag von sebastianklaus »

Hallo,
bei uns war heute im Büro Stromausfall, ich hatte also Zeit, um mal den Formfaktor für die Schwingenarme auszurechnen.
Also man kommt auf ein Alpha K (für Biegung) von 2,3 (ja, ok, ich hatte den Mund zu voll genommen, es waren nicht 3, sondern nur 2,3). Aber immerhin:
Was heißt das:
das bedeutet, dass eine beliebige Belastung (es wird reine Biegung angenommen), die auf den Schwingenarm gegeben wird, in der umgebauten Version (also mit einem in die Schwinge eingedrehten Innenring -siehe Skizze-) im Querlenker eine um den Faktor 2,3 höhere Beanspruchung hervor ruft als die Citroën- Originalkonstruktion.
Damit ist nicht gesagt, dass der Querlenker das nicht aushält, vielleicht ist er so überdimensioniert, dass er das aushält, vielleicht nicht, vielleicht sind in manchen Querlenkern Ungänzen vom Schmieden oder Härtefehler, die die Berechner bei Citroën damals berücksichtigt haben. Keiner weiss das heute mehr.
Bei dem in der Berechnung angenommenen Übergangsradius (der FAG- Lagerkatalog gibt für das Lager 32207 einen Wert von 0,7 bis 1,4 mm an), habe ich den Mittelwert von 1,0 angenommen. Rechne ich mit 0,7 mm, wird der Wert noch etwas höher (2,55).
Viele Grüße
Sebastian
Medi
Beiträge: 564
Registriert: Mi 18. Mai 2005, 16:24

Re: Komplett überholte Federkugel

Beitrag von Medi »

Hallo Sebstian,

danke für die Nachhilfe! Mit 12 war klar, Elektroniker wollte ich werden, die Maschinenbauerei war mir immer eine Qual, Mechanik ein Fach zum abgewöhnen, heute bereue ich meine jugendliche Faulheit.

Ich hab’ gerade kein ausreichend scharfes Bild zur Hand um die Radien abschätzen zu können, aber:

In den Niederlanden wird AFAIK schon über 20 Jahre abgedreht – und womit?
Mit Erfolg ;-)

RvZ aus Oldebroek hat mir mal erzählt dass er am Anfang ebensolche Bedenken hatte. Besser als jede Rechnerei war der praktische Versuch. Die Schwingen wurden in einfachen Versuchen statisch und semi-dynamisch belastet. Es zeigte sich, dass die Dinger nicht brechen sondern sich verbiegen, und dies auf der gesamten Länge des Armes. Eine Belastung um den abgedrehten Arm stärker zu verbiegen kann seiner Meinung nach nicht erzeugt werden ohne Reifen oder Felge zu zerstören – so what.
Ein weiteres Indiz für die „Weichheit“ der Schwingen sei der Umstand dass viele der Austauschteile verzogen sind. Ruud hat eine einfache Vorrichtung gebaut um die Maßhaltigkeit vor der Bearbeitung zu überprüfen.

Laut seinen Aussagen sei kein Fall eines Defekts / Bruchs über die vielen Jahre bekannt.

L.G.
Dietmar
sebastianklaus
Beiträge: 1288
Registriert: Sa 28. Okt 2006, 09:41

Re: Komplett überholte Federkugel

Beitrag von sebastianklaus »

Hallo Dietmar,
vielen Dank für den Hinweis. Ich bin halt Mechaniker, ich fühle mich wohl, wenn ich das, was ich mache, auch rechnerisch irgend wie abschätzen kann.
Vielleicht hat der Kollege aus Holland recht, aber ich selbst traue mich einfach nicht, einen Innenring gemäß Szizze in den Querlenker zu würgen. Wer es möchte, soll es machen.
Viele Grüße
Sebastian
Chris
Beiträge: 537
Registriert: So 20. Aug 2006, 08:45

Re: Komplett überholte Federkugel

Beitrag von Chris »

Hallo
Die weiter vorne erwähnte 'bessere' Überholungsvariante beinhaltet offenbar das Einsetzen eines Standardlagers mit abgedrehtem Innenring. Die Schwinge wird entsprechend auch zylindrisch abgedreht, aber mit grösserem Durchmesser.
Die Kerbwirkung bleibt damit in etwa gleich, aber es verbleibt mehr 'Fleisch' an der Schwinge.
Was haltet Ihr davon?

Gruss
Chris
DS 21 i.e. HA 1972, Sable métallise
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