Die Déesse schwebte ostentativ in die Zukunft

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Nicolas
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Die Déesse schwebte ostentativ in die Zukunft

Beitrag von Nicolas »

Habe ich gerade mit Schmunzeln in der aktuellen ZEIT gelesen :-) Thema: Die Requisiten des Jahrzehnts (Das iPhone, Ritalin, Porsche Cayenne, Manufactum) Viele grüße - Nicolas

DIE REQUISITEN DES JAHRZEHNTS

Porsche Cayenne

Die Zeit verlangt nach privatem Katastrophenschutz – auch im Auto

Zugegeben, Freizeitjeeps sind keine neue Erfindung. Doch nach den Terroranschlägen vom 11. September sprinteten sie in der Zulassungsstatistik allen Normallimousinen davon. Bald war in den Vereinigten Staaten jedes zweite Auto ein Sport-Utility-Vehicle (SUV); vor allem der Hummer H2, die Straßenversion des US-Militärjeeps, verkaufte sich rasend gut, ein grobkantiges Monster, das aussieht, als solle sein Besitzer mit ihm ungebremst nach Bagdad durchbrechen.

Kurz darauf begann auch in Deutschland der Siegeszug übermotorisierter Streitwagen. Ein Porsche Cayenne zum Beispiel hat an die 500 PS unter der Haube und ein Drehmoment wie ein Schützenpanzer. Solche Kampfmaschinen wiegen gut 2,5 Tonnen, fahren schneller als der ICE zwischen Berlin und Hamburg und saufen fröhliche 20 Liter Erdöl auf 100 Kilometer. Nur ein Bruchteil dieser Wuchtbrummen hat jemals echten Naturkontakt; ihr out of area- Einsatz beschränkt sich aufs Niederwalzen feindlicher Stiefmütterchen beim paramilitärischen Einparkversuch im nachbarlichen Vorgarten.
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Kein Mensch braucht dieses Schwermetall wirklich, aber es wird ja auch nicht für reale Zwecke gebaut, sondern für imaginäre. SUVs sind Helden der inneren Sicherheit, sie sind Vorkehrungen gegen die Weltangst. Im SUV verbarrikadiert sich das Humankapital auf der riskanten Fahrt zur Arbeit, und unsere neuen Mütter bringen Deutschlands künftige Leistungsträger damit 500 gefährliche Meter zur Krabbelgruppe.

Der Fahrer eines SUV rechnet dabei immer mit dem Schlimmsten. Er denkt nicht: »Alles wird gut«, er denkt: »Bald wird hier kein Durchkommen mehr sein.« Deshalb wittert er großes Unheil, wo noch gar keines ist: Tornados über Dinkelsbühl, Wildwasser in Wanne-Eickel, Vulkanausbrüche an Rhein-Main, Klimaflüchtlinge in Flensburg, einstürzende Neubauten, rutschende Abhänge. Kurzum, SUVs sollen vor jenen Naturereignissen schützen, die durch ihre massenhafte Verbreitung mit verursacht werden. Es sind Autos für Menschen, die wissen, dass die Welt nicht mehr zu retten ist. »Vergiss die Klimakonferenz, du schaffst es allein.«

Wenn der Citroën DS 19 (»Déesse 19«) für Roland Barthes die automobile »Göttin« des 20. Jahrhunderts war, dann ist ein Freizeitjeep der apokalyptische Reiter des 21. Die Déesse schwebte ostentativ in die Zukunft, ein SUV rast präventiv vor ihr davon. Es ist ein Fluchtfahrzeug, ein privater Katastrophenschutz – es ist das Monument der panischen westlichen Seele im Zeitalter von Terror und Krieg, Bankrott und Klimakatastrophe. Gott sei Dank verfügen die Überlebenskolosse über Videobildschirme in den Kopfstützen. Wenn dann die lieben Kinder mit Mama und Papa wohlbehütet durch die Wildnis der späten Zivilisation rollen, können sie darauf schöne Filme sehen, zum Beispiel Wall-E: Der Letzte räumt die Erde auf. Thomas Assheuer
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Garvin
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Re: Die Déesse schwebte ostentativ in die Zukunft

Beitrag von Garvin »

hatt er ja leider auch noch recht damit .. meiner einer (so halb-öko) liebt ja diese seite bezüglich hummer ---> http://www.fuh2.com/submissions.php



aaargh, irgendwas rotes ist unter fast jedem wort, was ich schreibe und macht daraus andere wörter, wenn ich abspeicher ...aaargh
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tomsail
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Re: Die Déesse schwebte ostentativ in die Zukunft

Beitrag von tomsail »

...was rotes unterm wort?

welche krankheit hast du denn?

mir fehlte das:
http://duden-suche.de/suche/abstract.ph ... &verweis=1

das war für mich (und ich fühle mich nicht bildungsfern) wirklich neu! :-)

...wieder was gelernt


grüße
thomas
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MenrathU Verified
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Re: Die Déesse schwebte ostentativ in die Zukunft

Beitrag von MenrathU Verified »

Nicolas schrieb:
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> ...und saufen fröhliche 20 Liter Erdöl auf 100 Kilometer.

Reicht das? Die Tester eines Automagazins eines mir leider entfallenen Namens sollen auf gut 60 Liter pro 100 km (Porsche Cayenne Turbo) gekommen sein...

Ansonsten: D'accord!
Beste Grüße, Uwe
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Garvin
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Re: Die Déesse schwebte ostentativ in die Zukunft

Beitrag von Garvin »

bezüglich der roten linien: JETZT weiss ich es .. da der firefox so unendlich langsam bei youtube & co seiten wechselt , habe ich jetzt den opera runtergeladen, weil der so unendlich viel schneller ist und der autokorrigiert hier rum weil er meine permanente kleinschreibung nicht mag, der spiesser ..


ja 20 liter finde ich auch ein bisserl wenig, hat ja mein 500SE schon fast verbraucht, den ich mal lange zeit als winterauto benutzt habe ...
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Louis de Funes
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Re: Die Déesse schwebte ostentativ in die Zukunft

Beitrag von Louis de Funes »

ostentativ :
absichtsvoll, auffällig, ausdrücklich, bemüht, betont, demonstrativ, deutlich, geflissentlich, gewollt, herausfordernd, mit Absicht, nachdrücklich, vorsätzlich, ...

Was will mir diese Überschrift sagen???

"ja 20 liter finde ich auch ein bisserl wenig, hat ja mein 500SE schon fast verbraucht, den ich mal lange zeit als winterauto benutzt habe ..."
Jaja, Halb-Öko und dann 20 liter /100km. Ökologisch oder ökonomisch, erstrecht umwelthygienisch ist das nicht, eher alternativ... oder so.
Schon früher fiel mir auf, das viele Ökos nen sicher durstigen oft raauch rauchenden /8 verschlissen und auch sonst nur da ökologisch waren wo es gerade gefiel und in den selbstgewählten Lebensstil paßte, nur war das eben nicht öko. Insofern ist diesr Stil eigentlich nicht viel anders als der von den Herren und Damen in den Privatpanzern.
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Michael Klette
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Re: Die Déesse schwebte ostentativ in die Zukunft

Beitrag von Michael Klette »

Nee,seh ich anders. Porsche-Cayenne-Fahrer sind konform, der /8er Freak-Fahrer war damals eher nonkonform. Nur fuhren die damaligen Cayenne-Fahrer mangels Cayenne eher Opel-Rekord.
Es war auch nicht in erster Linie öko, sondern Protest. Da wurde der Väter ehemaliger Stolz vorgeführt. Und das gibt es heute leider nicht mehr! Da funktionierte auch der Atomkraft-Nein Danke-Aufkleber auf der Heckklappe des /8ers.

Gruß Michael
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Garvin
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Re: Die Déesse schwebte ostentativ in die Zukunft

Beitrag von Garvin »

@louis de funes:

bin erst seit 3 jahren halb-öko, vorher gar nicht ... und für 3 monate im jahr n alten 1800 euro 500 SE fahren 1x die woche zum supermarkt find ich ok ;-)

und im vergleich ein 1980 MB = 2o liter stadt und ein 2010 Hummer = 2,5x soviel ist doch schon ein grad an unverschämtheit mehr

und in der tat ist mir das auch schon IMMER aufgefallen, dass damals die ökos wirklich die allerletzten gurken 200D und konsorten hatten mit rauchfahne ..
aber da war ja auch noch fckw das grosse thema und nicht feinstaub und co2 ..
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Charles Duchemin
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Re: Die Déesse schwebte ostentativ in die Zukunft

Beitrag von Charles Duchemin »

"nonkonform" ist das stichwort, die /8-ökos waren definitiv nonkonformisten, die suv-ler sind es nicht.
leider gibt es heute keine autos mehr für nonkonformisten, sondern nur noch autos die höchstens das lifestyle-feeling "nonkonformist" vermitteln sollen, aber das ist nicht authentisch. und in den letzten übriggebliebenen sitzten wiederum fast nur noch arrivierte ex-nonkonformisten. (saab 900, 123er u.ä., 3L-Lupo)
Nicolas
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Re: Die Déesse schwebte ostentativ in die Zukunft

Beitrag von Nicolas »

Ob 20 oder 30 oder 50 Liter. egal. Ob Öko oder Pseudo-Öko oder Nicht-Öko. Einzig und alleine den Link von Volksseele und Autokauf fand ich sehr treffend.. Viele Grüße - Nicolas
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