Motorstart nach 4 Jahren

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Raphi
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Motorstart nach 4 Jahren

Beitrag von Raphi »

Hallo Zusammen,
Ich habe einen DSuper, BJ.70 und will diesen nach 4-jähriger Aufbewahrung (hab damals alles Blech demoniert, um zu sehen wo er gammelt-war überraschend überschaubar), da ich jetzt in finanziell entsprechender Lage bin, wieder auf die Strasse bringen.
Ich werde Euch also vermutlich in den nächsten Zeit noch mit einigen Fragen nerven müssen.
Hier also die Erste:
Was muss ich beim Motorstart nach vier Jahren beachten? Ich habe damals vorm abstellen 'nen Ölwechel gemacht.
Meines überschaubaren Wissens nach soll man folgendermaßen Vorgehen:
- Prophylaktisch WD-40 in den Brennraum spritzen, einwirken lassen und schauen, ob sich der Motor von Hand drehen lässt (wie komme ich am besten die Kurbelwelle ran; oder einfach den Wagen schieben?)
- dann ohne Zündung starten, um Öldruck aufzubauen
- vollen Mutes den Motor starten

Deckt sich mein Wissensstand mit einer empfehlenswerten Vorgehensweise?

Viele Grüße und Danke im Vorraus, Raphael

Chris
Beiträge: 537
Registriert: So 20. Aug 2006, 08:45

Re: Motorstart nach 4 Jahren

Beitrag von Chris »

Das mit dem WD40 ist keine schlechte Idee.

Ich würde so vorgehen:

Alle Kerzen raus und Zylinder mit WD 40 einsprühen, Kerzen NICHT wieder einsetzen
1 Nacht warten
Wagen vorne einseitig hochbocken, 5. Gang rein und am Rad drehen um zu prüfen ob der Motor fest ist
Wenn ok, altes Öl raus und Filter ersetzen
Ventildeckel ab und neues Öl schön verteilen, dann läuft nix trocken bis die Pumpe fördert. Vorher Ölablassschraube einsetzen ;)
Zündung prüfen (Zündfunke da?)
Ohne Kerzen und Ventildeckel Anlassern bis oben Öl ankommt. Die Kerzen bleiben draussen, damit Flüssigkeiten die sich allenfalls angesammelt haben, raus können. Nicht zu lange aufs mal Anlassern, besser jeweils 10-15 Sekunden, dann ne Minute Pause machen, damit der Anlasser und die Kabel abkühlen können
Ventildeckel drauf und neue Kerzen einsetzen
Von der Anlasserei müsste jetzt auch Benzin im Versager sein, also müsste der Motor jetzt gleich anspringen

Viel Glück,
Chris
DS 21 i.e. HA 1972, Sable métallise
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Robert Verified
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Re: Motorstart nach 4 Jahren

Beitrag von Robert Verified »

Hallo Raphael,

ich halte das mit dem WD 40 für keine so gute ID, das Zeug ist so dünnflüssig, dass es das Motoröl eher wegwäscht. Ich würde gar nichts tun, ausser erst mal eine Minute ohne Zündung orgeln, damit sich Öldruck aufbaut, dann mit Zündung starten und schauen was passiert.
Grüsse
Robert
'59 DS 19/'66 ID 19/'68 DS 21 Pallas/'71 SM /'71 SM in Arbeit/'84 Renault R4F6 in Arbeit/'96 Saab 900 CV/'98 BMW 1100 GS
Raphi
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Re: Motorstart nach 4 Jahren

Beitrag von Raphi »

Hallo Chris, hallo Robert,
erst einmal vielen Dank für Eure flotten Antworten.
Scheinbar gibt es bezüglich der Anwendung von WD-40 Meinungsverschiedenheiten. Der Einwand von Robert ist ja, das WD-40 das Motoröl wegwäscht. Kann man aber nach 4 Jahren überhaupt noch von einem nennenswerten Ölfilm sprechen?
Der Sinn vom WD-40 ist ja, das Rostlösen-entsprechend ist es vielleicht das Sinnvollste zu schauen, ob der Motor fest ist, denn dann kann man wohl mit Sicherheit von einem nicht mehr wirksamen Schmierfilm ausgehen ;) und zum Lösen des Rostes WD-40 anwenden.

Noch ne Frage:
- Wenn ich vor der ganzen Prozedur das Öl wechseln will, wo ist der zu empfehlen Bereich zum Ansetzen eines Rangierwagenhebers?
- Welches Motorenöl würdet Ihr empfehlen?-Ich hab gehört, das für so alte Möhren Vollsynthetisches nicht so Super sein soll.

Ups, das waren ja schon zwei Fragen...

Gruß, Raphael
...hannes
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Registriert: Fr 20. Mai 2005, 21:07

Re: Motorstart nach 4 Jahren

Beitrag von ...hannes »

Wegen des Öls bzw. der Ölalterung würde ich mir keine Sorgen machen und erst dann wechseln, wenn der Motor wieder läuft und die Hydraulik funktioniert.
Den Motor vor dem Start händisch langsam und gefühlvoll durchdrehen würde idealerweise bei eingelegtem 3. oder 4. Gang durch Drehen am einseitig angehobenen Vorderrad funktionieren, vorausgesetzt, du bekommst deinen Heber unter den Wagen. Hattest du ihn etwas aufgebockt? Notfalls funktioniert das auch mit der Kurbel.
An Rost bzw. festgegangene Kolben / Zylinder glaube ich eher nicht, eher rostet die Kupplungsdruckplatte fest. Möglicherweise aber werden die Kolbenringe etwas verklebt sein. Dehalb wäre händisch - langsam und mit Gefühl durchdrehen - ideal.
Beim Öl sollte es auschließlich ein mineralisches Öl sein, in meine ID von 66/67 fülle ich 20W40 oder 20W50, für jüngere Jahrgänge galt dann die Empfehlung 15W40 oder 15W50 .
sebastianklaus
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Registriert: Sa 28. Okt 2006, 09:41

Re: Motorstart nach 4 Jahren

Beitrag von sebastianklaus »

Hallo Raphael,
ich denke, Hannes hat Recht. Die Wahrscheinlichkeit, dass die paar Tropfen WD 40 das Motor-Öl verdünnen, halte ich für nicht sehr realistisch. Stattdessen hilft das WD 40, bei den ersten 2 Kurbelwellenumdrehungen, die Kolben- und vor allem die Ölabstreifringe beim Wegschaben des Flugrostes gerade so wenig zu schädigen, dass sie diese Tortour noch so eben gerade überleben.
Ich würde das Motoröl vor dem 1. Drehen des Motors wechseln, denn Feuchtigkeit kann sich nur im Ölsumpf angelagert haben, nicht aber in den Ölleitungen: die bekommen sofort beim "von Hand durchdrehen" frisches Öl.
Es kann nicht sehr viel schief gehen, wenn Du die Kerzen raus nimmst und von Hand gefühlvoll so lange drehst, bis überall (frisches, nicht mit Feuchtigkeit vermischtes) Öl angekommen ist.
Viele Grüße
Sebastian
Hybried
Beiträge: 253
Registriert: Mi 13. Jun 2007, 21:28

Re: Motorstart nach 4 Jahren

Beitrag von Hybried »

Wirf doch erst mal ein Blick in die Brennräume !

12 Volt Birnchen an der einer Fassung mit langen Kabeln duch die Kerzenbohrung lassen und schauen wie es darin aussieht.
Dann würde ich normales Motoröl ca 50 ml pro Zylinder einfüllen und den Motor von Hand drehen.
Den Ventildeckel abnehmen und ebenfalls allen mit Motoröl benetzen.

Zündkerzen rein und los geht es.
Danach sind zwar die Kerzen verrusst die kann man aber reinigen.




Raphi
Beiträge: 11
Registriert: So 12. Jul 2009, 12:54

Re: Motorstart nach 4 Jahren

Beitrag von Raphi »

Hallo allle Zusammen,
erst einmal vielen Dank für die vielen Anregungen zum Thema "Sanftes Wecken der Königin".
Ich werde berichten, ob Sie es überlebt hat, oder sich meine kommenden Fragen um das Thema Organtransplantation drehen.

Gruß und vielen Dank, Raphael
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Robert Verified
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Registriert: Mo 31. Jan 2005, 00:41

Re: Motorstart nach 4 Jahren

Beitrag von Robert Verified »

Hallo Raphael,

ich wollte nicht behaupten, dass das WD 40 einen vorhandenen Ölfilm wegwäscht (dieser dürfte nach 4 Jahren nur mehr für fanatische Anhänger der Homöopathie existent sein), ich denke aber, dass dieses Öl, das nach meiner Einschätzung ziemlich viele Lösungsmittel enthält, den Aufbau eines neuen Ölfilms eher erschwert. Aber letztlich sind das alles akademische Diskussionen. Ich habe es bei meinen Autos (in einem Fall 25 Jahre Standzeit) immer so hingekriegt, sie zum Laufen zu bringen. Meist klappt es sowieso nicht auf Anhieb, weil irgendwas mit der Zündung nicht stimmt, und die ganzen Startversuche bringen schon genug Öl auf die Laufbahnen. Wird schon schiefgehen ;-)

Grüsse
Robert
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Raphi
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Re: Motorstart nach 4 Jahren

Beitrag von Raphi »

Hallo Leute,
sie läuft wieder!!!-und klingt gar nicht mal so schlecht.
Ganz und gar ohne Hindernisse kam ich jedoch nicht zum Ziel. Zwar war die befürchtete Korrosion nicht eingetreten (hab den Motor vorsichtig ohne Kerzen durchgedreht; war absolut leichtgängig), jedoch wollte die Gute nicht so recht zünden.
Nach verhältnismäßig langer Suche habe ich dann den Unterbrecherkontakt als Ursächlich ausmachen können. Dieser war trotz erreichter Schließposition hochohmig. Also hab ich die Kontaktflächen ein bischen abgeschmiergelt und siehe da, alles wurde gut.

Vielen Dank nochmal für Eure prompten Antworten (ich war jetzt mit meinem Feedback nen bischen langsamer...)

Gruß, Raphael
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