Riß im Motorblock!

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Pedro30vie
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Riß im Motorblock!

Beitrag von Pedro30vie »

Hilfe!!
Ich habe auf der Beifahrerseite über der Motoraufhängung einen Haarriß im Motorblock aus dem das Kühlwasser heraustropft. In der Annahme das die Kopfdichtung undicht war hab ich diese gewechselt und dazu gleich die Motoraufhängung.
Nachdem noch immer ein Wasserverlust da war, hab ich nach genauer Inspektion einen ca 7 cm. großen Riss über der Motoraufhängung gefunden.
Jetzt soll das gute Stück (DS 21 Pallas 68) am 6.6. als Brautauto bei unserer Hochzeit dienen und anschließend die Hochzeitsreise nach Frankreich durchstehen. Die Frage: kann ich den Riß mit einer Gußelektrode schweißen, hält das die termischen Belastungen aus? Hat jemand Erfahrungen mit Schweißnähten am Block? (Es sollte dort nicht allzu heiß werden, oder?)
Ich bitte um baldige gute IDén, denn sonst muß ich auf einen klapprigen Passat ausweichen und daß, ist unromantisch!!
Gruß Peter
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Trax Verified
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Re: Riß im Motorblock!

Beitrag von Trax Verified »

Hi Peter,

beim Gedanken an eine Fahrt mit nem Passat dreht sich mir die Galle um.
Aus schmerzlicher Erfahrung mit meinem Traction- Six- Motor kann ich Dir sagen, so einfach ist das nicht.
Du brauchst den passenden Schweisszusatzwerkstoff. ein passendes Schweissgerät und viel Erfahrung.
Die Enden des Risses müssen abgebohrt und der Riss V- förmig ausgeschliffen werden. Damit fängt's schon an. Es geraten Späne in den Motor.
Meinen Motor hab ich damals (vor ca 7 Jahren) zu Spezialisten gebracht. Leider hab ich keine Adresse mehr. Er war in der Nähe von Tübingen. Die Arbeit war spitze ausgeführt. Es gab mal vor ca 7 bis 10 Jahren einen Artikel in der OM(?). Dort wurde auch diese Firma vorgestellt.
Als Notbehelf kann ich Dir zu einem Kühlerdichmittel raten. Mit dem Zeug hab ich schon so manchen kleinen Riss in einem Block kurzfristig dicht bekommen. Ist aber nur ein Provisorium.

Beim googeln nach den Schweissspezialisten hab' ich noch folgende Links gefunden:
http://www.anleitung-zum-schweissen.de/ ... chweissen/
http://www.maurer-markus.ch/ford_a/tipp ... _guss.html

Grüsse
Tom
Die Beiträge von Trax stellen keine technische Empfehlung bzw Beratung oder/und Rechtsberatung dar.
In seinen Beiträgen beschreibt er nur wie Trax es machen oder nicht machen würde bzw wie Trax es meint oder nicht meint......
Pedro30vie
Beiträge: 10
Registriert: Mo 13. Apr 2009, 13:51

Re: Riß im Motorblock!

Beitrag von Pedro30vie »

Danke Tom für deine prompte Antwort!
Ist dir damals der Kopf oder der Block gerissen?
vor Spähnen fürcht ich mich nicht, die kann man gering halten u. der Rest landet im Kühlkreislauf. es ist nicht einfach die Rißlänge u Richtung zu bestimmen u. eigenlich muß man den Block vorwärmen, das ginge am leichtesten indem man anstartet aber ist das ohne Krümmer schlecht für den Motor oder nur für die Ohren. Ich glaub ich werd es probieren, ich kann eh nix verlieren. Habt ihr schon mal gehört das so ein Block bei der Aufhängung reißt? die alten Aufhängungsblöcke waren nicht so stark ausgeschlagen allerdings etwas zu hoch eingestellt.
P.s. Der Passat ist außerdem eh auch schon am Ende.
L.g. Pedro
sebastianklaus
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Re: Riß im Motorblock!

Beitrag von sebastianklaus »

Hallo Peter,
mir ist an genau der gleichen Stelle auch schon mal ein Block gerissen, damals habe ich den Block einfach durch einen anderen ersetzt.
Der Block ist aus "lamellarem Grauguss", es gibt hierfür prinzipiell 2 verschiedene Arten, ihn zu schweißen.
Die eine ist "artgleich", also mit einer eisenhaltigen Elektode. Da der Grauguss aber einen sehr hohen Kohlenstoffgehalt hat, muss man ihn auf über 400°C vorwärmen. Das muss in einem Ofen geschehen, vorher muss selbstverständlich alles abgebaut werden (also komplette Motorzerlegung) Außerdem wird sich der Block nach der Wärmebehandlung und dem Schweißen verzogen haben, auf jeden Fall wird man die Auflagefläche zum Kopf planen müssen.
Derartige Schweißnähte gelten -wenn sie gut gemacht sind- als eine hochwertige und vollwertige Schweißreparatur. Damit wäre der Block an der Stelle "technisch wieder in Ordnung".

Grundsätzlich anders ist das "artfremde Schweißen" (also eigentlich : löten). Hierbei wird der kalte Motorblock mit einer Nickelbasiselektrode "reparturgeschweißt". Diese Schweißnähte gelten grundsätzlich als wesentlich minderwertiger im Vergleich zur einwandfrei ausgeführten artgleichen Schweißreparatur. Man kann jede einzelne Schweißnaht dann auch noch "hämmern", um den Verzug zu verringern.

Ich selbst habe noch keine deratigen Schweißungen an Motorblöcken ausgeführt, habe aber als Maschinenbauingenieur in meiner täglichen Arbeit (bei extrem großen Bauteilen) damit zu tun.

In Deinem Fall wäre es offenbar angeraten, sich jemanden zu suchen, der Dir den Riß sauber aufflext und dann "artfremd" zu schweißt. Es geht ja in diesem speziellen Fall nicht um große Festigkeiten an der Reparaturstelle, sondern um das Ertragen großer Dehnungen. Das ist offenbar mit den Nickelbasiselektoden gut möglich, deshalb verwendet man Nickel auch für artfremde Schweißungen. Es könnte also sein, dass die "artfremd geschweißte" Stelle dauerhaft hält.

Wenn sich also keiner mit einem besseren Rat meldet, würde ich persönlich den Motor anheben (besser noch ausbauen), Wasser ablassen und den Kopf entfernen und dann artfremd schweißen. Nachher muss unbedingt eine Rissprüfung ("Rotweiß", auch "Farbeindringprüfung" oder "dye penetration test" genannt) durchgeführt werden. Das ist kinderleicht und funktioniert mit drei Srühdosen. Das sollte ein versierter Schweißbetrieb aus dem Branchenfernsprechbuch für ein paar Euros hinbekommen.
Ach ja: nach dem Schweißen die Auflagefläche zum Kopf mittels Haarlineal prüfen, ggf. planen.

Mein unmaßgeblicher Rat: Bevor Du artgleich schweißt, schmeiss den Block weg, der Aufwand ist zu groß. Für den Mercedes 770- Block von 1938 hingegen lohnt sich hingegen der Aufwand schon..

Viel Erfolg
Viele Grüße
Sebastian
Pedro30vie
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Registriert: Mo 13. Apr 2009, 13:51

Re: Riß im Motorblock!

Beitrag von Pedro30vie »

Hallo Sebastian!
Vielen Dank für Deinen fundierten Rat!!!
Ich hab mich gestern im WWW noch so richtig schlau gemacht und ich glaube ich werde die Version 2 mit dem "artfremden Schweißen" probieren.
zusätzlich möchte ich den Riß mit 2 Bohrungen am Ende entlasten, das Schwierige ist überhaubt die Rislänge u. Richtung herauszufinden, da er wirklich sehr fein ist. Da ich schon in Zeitnot bin und die Lady in der Garage teilzerlegt steht. werde ich das selber probieren, siehe auch:
http://chronik.htl-steyr.ac.at/htlde/ak ... /index.htm
Das mit der Farbeindringprüfung ist mir neu und klingt sehr interessant, kann man damit auch die Rißlänge überprüfen und woher kann ich sie beziehen.
Neuer Block geht zeitlich nicht mehr.
Gruß Peter
sebastianklaus
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Re: Riß im Motorblock!

Beitrag von sebastianklaus »

Hallo Peter,
in dem Link ist ja genau das beschrieben, was ich auch geschrieben hatte. Der gute Mann hämmert ja auch jede Lage: das will gekonnt sein, aber die alten Recken schwören darauf, wahrscheinlich hilft es wirklich.
Die Sprühdosen bekommst du sicher irgendwo bei EBAY oder im Internet oder bei guten Werkzeugzubehör, das ist wirklich Allerweltszeug. Auf jeden Fall hat es der Schweißer Deines Vertrauens, der Dir den BLock schweißt.
Er leiht dir sicher die drei Sprühdosen aus.
Das Verfahren funktioniert so:
zuerst wird eine leuchtend rote Flüssigkeit auf die zu prüfende Stelle gesprüht, der LAck dringt in feinste Ritzen ein. Dann wird ein Lösungsmittel drüber gespritzt, mit dem man den roten LAck abwäscht. Dann folgt ein weißer LAckfilm. Wenn nun Risse vorhanden sind (oder der Guss sehr porös ist), dann tritt die rote Flüssigkeit aus den Poren und zeigt sich deutlich auf dem weißen Farbfilm. Sehr einfach, aber super-wirksam, selbstverständlich nur für Oberflächenfehler anzuwenden. Mit dem Verfahren erkennst Du die Risse kinderleicht und kannst das Aufflexen und Abbohren selbst vorbereitend zum Schweißen machen.
Kläre bitte mit dem Schweißer VOR der Flexerei ab, wie groß der freie Spalt am Rissgrund sein darf, u.U. hat der Schweißer ansonsten große Probleme, bei zu breiter Kerbe eine ordentliche Schweißbadsicherung zu gewährleisten.

Nur Mut. Halb so schlimm mit dem Riss, ich würd heute auch schweißen statt weg zu schmeißen.
Viele Erfolg
Viele Grüße
Sebastian
Pedro30vie
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Re: Riß im Motorblock!

Beitrag von Pedro30vie »

Ehrich gesagt hätt ich den Block selber geschweißt, nach einigen Broberaupen an einen alten Ofen oder sonst einen Guß.
Ist das so abwegig? Ich hab zwar keine Gußerfahrungen aber schweißen kann ich. Was hältst Du von den Bohrungen am Rißende zur Entlastung?
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Stephan J.
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Re: Riß im Motorblock!

Beitrag von Stephan J. »

Hallo Peter,

ich hatte vor einigen Jahren dasselbe Problem wie Du und würde Dir aufgrund meiner damaligen Erfahrung zunächst raten, es mit einem Motorblockdichtmittel zu versuchen.

Der Motorblock meines ID 19 B (DV 2-Motor) hatte zwei etwa vier Zentimeter lange Risse unterhalb des Auslasskrümmers. Wahrscheinlich ist der Wagen in Frankreich ohne Kühlerfrostschutz gefahren worden und stand nach dem Import dann über den Winter bei einem Händler im Freien - dabei ist der Block wohl durch Frosteinwirkung geplatzt.

Es hat eine Zeitlang gedauert, bis ich herausgefunden hatte, warum ich ständig Kühlwasser nachfüllen musste. Meine damalige Werkstatt hat mir dann ein Dichtmittel empfohlen, und obwohl ich nicht glauben konnte, dass das wirklich funktioniert, habe ich den Block damit etwa 40.000 km lang dicht halten können, bis der Motor sich bei einer Autobahnfahrt im Hochsommer so überhitzte, dass die zwei kleinen Risse sich in einen langen 15cm-Riss verwandelte, so dass der Block nicht mehr zu retten war.

Das Mittel der Wahl war damals das Produkt

WONDARWELD

von der Firma Holts. Ich weiß allerdings nicht, ob es das Mittel heute noch gibt.

Das Mittel bildet an den Wänden der Kühlwasserkanäle eine dünne, flexible Dichtschicht, die mich an die weiße Haut erinnert hat, die man innen an den Schalen von Hühnereiern findet.

Wenn es das Zeug noch gibt, versuch´s erst einmal damit. Zumindest für die Hochzeitsfahrt und vielleicht für ein paar tausend Kilometer könnte das funktionieren.

Über das Schweißen von Graugußblöcken hat Sebastian sich ja schon im Detail ausgelassen. Das sind Arbeiten, die nur sehr wenige, hochspezialisierte Werkstätten machen können und für einen DS-Motor lohnt sich der Aufwand wahrscheinlich nicht.

Gebrauchte Motoren gibt`s ja noch zu recht günstigen Preisen.

Gruß,
Stephan J.
--------------------------------------------------------
Citroën ID 19 B, EZ 19.05.1969 ("Der Frosch")
Citroën C5 Break 2.0i 16V, EZ 16.05.2006
Opel Olympia Rekord P1, EZ 18.02.1959
http://www.buch-jaenicke.de
sebastianklaus
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Re: Riß im Motorblock!

Beitrag von sebastianklaus »

Hallo Peter,
obwohl ich Stephan und seine Beiträge außerordentlich schätze, bin ich heute abend nicht mit ihm 100 % d´accord.
Wenn Du auf Hochzeitsfahrt nach Frankreich gehen willst, dann sollte es doch was wirklich sicheres sein und Du willst nicht dauernd mit Herzklopfen (ich meine: wegen des vermeintlichen Risses) herum laufen oder -fahren. Mit so einem Riss würd ich jedenfalls nicht ohne sorgenvolle Miene nach Frankreich fahren.
Wenn Du gut schweißen kannst, versuch es doch einfach mal an ein paar alten Graugussteilen (z.B. an einem alten Ofen). Flex die Stelle vorsichtig (nicht zu weit) auf und dann schweiß doch einfach mal. Das sicher hervorragende Mittel von Stephan kannst du Dir ja dann zur Sicherheit immer noch in die Tasche stecken, wenn Du Dich dann besser fühlst.
Wenn es mit dem Schweißen gar nicht klappen sollte (warum eigentlich nicht ??), kannst Du Dir ja dann mittelfristig einen anderen BLock besorgen.
Ich würde es versuchen mit dem Schweißen, wenn Du gut schweißen kannst !!

Entlastungsbohrungen am Rissende:
DAS ist so eine Sache: Du wirst nur mit der "Rot-Weiß-Prüfung" nach dem Flexen wirklich mit Sicherheit sagen können, ob Du das Rissende gefunden haben wirst. Nur nach Ausschleifen der Rissspitze kannst Du mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass der Riss später nicht weiter läuft, aber: das sicherzustellen ist die Kunst. Galaktisches Aufbohren bringt GAR NICHTS: Du bekommst dann vielmehr das Problem, das Riesenloch wieder ordentlich zu zu bekommen, erzeugst Eigenspannungen ohne Ende und hast nur Probleme. Wenn der Riss geradlinig verläuft, kannst Du doch das Rissende ohne Abbohren finden (und mit "Rot-Weiss" prüfen !!).
Diesem Sachverhalt (Rissende finden und ausschleifen) würde ich fast größere Bedeutung beimessen als dem Schweissen selbst.

Viele Grüße
Sebastian
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Stephan J.
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Re: Riß im Motorblock!

Beitrag von Stephan J. »

Ach so, Hochzeitsreise nach Frankreich...

Das habe ich ehrlich gesagt übersehen. Stimmt, da würde ich mich vielleicht auch nicht auf ein Provisorium einlassen.

Andererseits ist bis zum 6.6. noch eine ganze Menge Zeit, das zu testen. Und da das Mittel ohne größere Demontagen innerhalb einer Stunde appliziert ist, würde ich das - abgesehen von meinen guten Erfahrungen - schon aus Bequemlichkeit zuerst versuchen.

Habe gerade mal gegoogelt, es gibt das Mittel noch.

Nochmal Gruß,
Stephan J.
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