Eigenfreuenz der DS-Federung

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Medi
Beiträge: 564
Registriert: Mi 18. Mai 2005, 16:24

Eigenfreuenz der DS-Federung

Beitrag von Medi »

Kennt jemand eine Angabe zur Eigenfrequenz der DS-Federung? Im Idealfall sind das auf Grund der Systemeigenschaften 4 Werte, für vorne und hinten, jeweils unbeladen und beladen. Schon klar, die bekannten baulichen Veränderungen über die Jahre haben da auch einen verändernden Einfluss, ich freue mich aber schon über jeden Wert den ich finden kann, nett wären Angaben zum allerersten Modell.

Angaben von Citroën z.B. für CX und GS:

CX vorne unbeladen 0,595 Hz, beladen 0,64 Hz
GS vorne unbeladen 0,64 Hz, beladen 0,71 Hz

In der gegenständlichen Fachliteratuer bin ich übrigens mehrfach auf den Hinweis gestoßen dass die DS nach heutigem Erkenntnisstand zu weich gefedert war, dass der Mensch die langsamen Schwingungen nicht verarbeiten kann, und sich auf der Rücksitzbank der DS sitzend deshalb die Symptome der Seekrankheit zeigen können…
chriggi Verified
Beiträge: 19
Registriert: So 27. Jan 2008, 11:57

Re: Eigenfreuenz der DS-Federung

Beitrag von chriggi Verified »

Hallo Medi,
zu den gesuchten Eigenfrequenzen kann ich leider nichts sagen. Soviel ich weiß, beträgt die Eigenfrequenz des Magens so um 6 Hz. Mit dieser Frequenz schwingen meines Wissens mehrere alte Autos auf der Rückbank. Das war oder ist der Grund warum... Grüsse Christian
tomsail
Beiträge: 2236
Registriert: Di 4. Sep 2007, 13:45

Re: Eigenfreuenz der DS-Federung

Beitrag von tomsail »

Medi schrieb:
-------------------------------------------------------
>
> Angaben von Citroën z.B. für CX und GS:
>
> CX vorne unbeladen 0,595 Hz, beladen 0,64 Hz
> GS vorne unbeladen 0,64 Hz, beladen 0,71 Hz
>

hallo medi,

das erscheint widersprüchlich.
durch die vergrößerung der masse im beladenen zustand federt ein auto mit sicherheit langsamer.

vgl. feder-masse schwinger:
Bild

siehe auch dazu:
Bewegungsgleichung

grüße
thomas
---
Gerhard Trosien
Beiträge: 1055
Registriert: Mi 5. Dez 2007, 07:04

Re: Eigenfreuenz der DS-Federung

Beitrag von Gerhard Trosien »

Medi schrieb:
-------------------------------------------------------
...
> In der gegenständlichen Fachliteratuer bin ich
> übrigens mehrfach auf den Hinweis gestoßen dass
> die DS nach heutigem Erkenntnisstand zu weich
> gefedert war, dass …
>
usw.

und die Sitze sind zu weich
und die Lenkung ist zu ungenau
und die Bremse ist schlecht dosierbar
und negativer Lenkrollrad ist das non-plus-ultra

Seekrankheit gabs und gibts in praktisch JEDEM Auto, egal ob weich oder hart gefedert. Eine große Rolle spielt neben der Psyche (!!) die Dämpfungsabstimmung. Unwohlsein erregende Gautscherei ist i.d.R. auf miese Dämpfungsabstimmung (verstärkt durch psychisch bedingte Überempfindlichkeit) zurück zu führen. Der Härtegrad der Federn spielt keine bzw. eine untergeordnete Rolle. Es gibt Menschen, denen in JEDEM Auto schlecht wird...

Nach 4 Jahren Herrichten fahre ich jetzt seit August 2008 täglich meinen vor 18 Jahren gekauften DS (keine Angst: es ist kein ultraseltenes ungeschweißtes originallackiertes Schmuckstück mit noch nicht mal ausgepackten Originalsitzen, das nur bei sicherem Sonnenschein raus sollte...) und ich kann nur sagen: die anderen Autos sind Scheiße. Nur 20 Min. in Opel oder Zermedes grenzen an Folter. Und die modernen, ergonomisch "richtigen" Sitze, die nur eine Sitzposition zulassen, dafür entspannt, sorgen erst für die Probleme, gegen die sie da sein sollen.

Die weiche Federung, die relative Kopflastigkeit und die hohen, weichen Reifenflanken verleiden schnelles Kurvenfahren (meine derzeitigen C-Reifen haben da einen deutlich spürbaren Vorteil), machen es aber nicht unmöglich. Dafür gibt es keinen überraschenden Wechsel vom Unter- zum Übersteuern. Ist das nicht besser, weil sicherer, als das moderne "bis in den Grenzbereich neutrale" Kurvenfahrverhalten, das bei Überschreiten eines sehr schmalen Grates in unbeherrschbares Rumeiern umschlägt? Mit etwas Überwindung kann man in jeder Kurve an jedem beliebigen neuzeitlichen Wagen dranbleiben. Und dass man sich dabei mit dem Knie an der Tür abstützen muss... wass soll's??

Ich fahre geschraubte Kugeln mit eingepressten Dämpfern. Nur einmal hatte ich geschraubte Dämpfer in nachlässig überholten Kugeln, die ich mehrmals zerlegte und mit mehr und dickeren Plättchen (nach Vorgabe des Werkstatthandbuch) zu dressieren versuchte. Mir ist es noch nie passiert (in der kurzen Phase mit den untauglichen Dämpfern allerdings mangels Gelegenheit), dass einem Mitreisenden schlecht wurde.
Citro-envie
Beiträge: 40
Registriert: Di 6. Nov 2007, 20:55

Re: Eigenfreuenz der DS-Federung

Beitrag von Citro-envie »

> das erscheint widersprüchlich.
> durch die vergrößerung der masse im beladenen
> zustand federt ein auto mit sicherheit langsamer.


Salut!

Auf den ersten BLick erscheint es tatsächlich widersprüchlich - eine konventionelle Stahlfederung verringert ihre Frequenz mit zunehmender Last, da die Federrate konstant ist.

Die hydropneumatische Federung hat aber eine variable Federrate:
Mit zunehmender Last verringert sich das Volumen des Mediums Gas bei unveränderter Menge, während der Druck steigt. Das Ergebnis ist eine Verringerung der Rate - die Federung wird straffer.

Im Idealfall kompensiert die Veränderung der Federrate die Erhöhung der Last, in der Praxis kommt es zu einer gewissen Über-Kompensation, die tatsächlich die Federungsfrequenz erhöht.
Ein vollbeladener Hydropneumat neigt also beladen zu schnelleren Schwingbewegungen als unbeladen.

Diese konzeptbedingte Anpassungsfähigkeit zusätzlich zur konstanten Bodenfreiheit gehört ja zu den herausragenden Eigenschaften der Hydropneumatik - das kann in der Form auch keine Luftfederung...






tomsail
Beiträge: 2236
Registriert: Di 4. Sep 2007, 13:45

Re: Eigenfreuenz der DS-Federung

Beitrag von tomsail »

Citro-envie schrieb:
-------------------------------------------------------

>
> Auf den ersten BLick erscheint es tatsächlich
> widersprüchlich - eine konventionelle
> Stahlfederung verringert ihre Frequenz mit
> zunehmender Last, da die Federrate konstant ist.
>
> Die hydropneumatische Federung hat aber eine
> variable Federrate:
> Mit zunehmender Last verringert sich das Volumen
> des Mediums Gas bei unveränderter Menge, während
> der Druck steigt. Das Ergebnis ist eine
> Verringerung der Rate - die Federung wird
> straffer.

hallo citro-envie,

mhh ich habe schon viele hydropneumaten gefahren...oft auch SEHR überladen.
die federten allesamt im beladenen zustand gefühlt weicher/langsamer.

mit dem gesetz von bolye-mariotte Bild
hast du natürlich recht.
das ist der grundgedanke der hydropneumatischen federung.
drum werden alte federkugeln auch härter, weil die gasmenge abnimmt.

wie das mit dem feder-masse-dämpfer system bei einer hydropneumatischen federung aussieht.... muss ich mal gucken. klar, igendwann wird sie schneller schwingen.... aber meine subjektiven wahrnehmungen aus vielen beladenen km sagen halt das gegenteil.
generell hat eine hydropneumatischen federung im vergleich zu normalen stahlfederungen eine geringe federkonstante und eine recht grosse dämpfung...

aber für tiefere erkenntnisse ists nun schon zu spät.

grüße
thomas
---
Citro-envie
Beiträge: 40
Registriert: Di 6. Nov 2007, 20:55

Re: Eigenfreuenz der DS-Federung

Beitrag von Citro-envie »

Hallo Thomas,

möglicherweise ist es bei D-Modellen ja wirklich so, dass bei Beladung keine effektive Straffung der Federung eintritt, sondern durch die relativ großen Gasvolumina bei kurzen Kraftarmen, an denen die Federzylinder wirken, die Wirkung der erhöhten Masseträgheit überwiegt.

Da wären offizielle Angaben zu den Frequenzen bei Göttinnen wirklich mal interessant.

Was die subjektive Veränderung des Fahrverhaltens angeht, stimme ich dir in jedem Fall zu.
Die Federung meines D-Modells kommt mir gegenüber dem unbeladenen Zustand auch behäbiger und niederfrequenter vor, wenn ich mit vier Erwachsenen und Picnic-Korb an Bord unterwegs bin.

Den Effekt der Federungs-Straffung bei Beladung erlebe ich hingegen bei meinem Alltags-C5 (II mit einfachem „HydractivIII“-Fahrwerk).
Dessen (generell freilich schwächer ausgeprägte) Schwingbewegungen werden unter Last meinem Eindruck nach tatsächlich nervöser und die Federung beim Einfedern spürbar unwilliger.
Er muss ja auch mit weniger Federgas bei deutlich direkter wirkenden Zylindern (vor allem natürlich an den vorderen McPherson-Aufhängungen) auskommen.
In der Deutlichkeit habe ich diese Veränderung bei anderen Hydropneumaten allerdings auch nie wahrgenommen.

Ich stöber’ jetzt auch mal nach den Frequenz-Werten für unsere Grandes-Dames – muss es doch irgendwo geben sowas…

Grüße

Marc
Medi
Beiträge: 564
Registriert: Mi 18. Mai 2005, 16:24

Re: Eigenfreuenz der DS-Federung

Beitrag von Medi »

Erstmal danke an alle für die Inputs, da gibt es viel zu diskutieren!

@ Tom und Marc
Ja, die Federkonstante ist im Fall der Hydropneumatik bezüglich Beladung "nicht konstant" …

Ich rechne und messe fleißig herum, habe mir einige Bücher besorgt, besitze eine umfassende Sammlung der Pressehefte "Relations Publiques Citroën", wobei ich Euch besonders das Heft "Suspension Problems And The Hydropneumatic Answer" ans Herz legen kann.

Das D in obiger Formel von Tom ergibt sich laut obigem Presseheft bei der Hydropneumatik aus 1,4 mal F zum Quadrat gebrochen durch p mal V.
Wobei p und V vom Stickstoff in Fahrposition gemeint sind, und sich diese beiden Werte mit der Beladung verändern.

>…bei Beladung keine effektive Straffung …. Überwiegen einer erhöhten Massenträgheit…

Der Gedanke an diesen "Gegen"-Effekt ist mir auch schon durch den Kopf gekreist. Ich bin begeistert von Euch!

Die Angaben von Citroën für CX und GS sind allerdings unumstößlich, und bei aller Liebe zu meiner DS wird sie es wohl auch nicht besser können… ;-)

An der Hinterachse ist der Effekt übrigens noch schlimmer!
Bei Beladung ist das delta m hinten größer als vorne, und zudem ist das Verhältnis schlechter da die Radlast hinten im unbeladenen Zustand geringer ist.
(Also wenn ich mal als Federkugel zu Welt kommen muss dann bitte nur vorne links :-)

@ Gerhard
Was spricht für Dich gegen die geschraubten Dämpfer? Die meisten wünschen sich eine möglichst "weiche" DS, verstehe ich Dich richtig, Du hast die Dämpfer mit zusätzlichen Plättchen ordentlich verstärkt, also holpriger gemacht? Wenn Du einen gebördelten Dämpfer bevorzugst, was spricht dann für Dich außer den Gründen der Originalität und Wartungsmöglichkeit gegen geschweißte Kugeln?

@Christian und Gerhard
Es ist ganz schön komplex welche Faktoren einen Einfluss auf das Wohlbefinden der Insassen haben und wie individuell das sein kann. Man findet im Netz zahlreiche Arbeiten und Literatur zu diesem Thema. Ich habe festgestellt dass ich persönlich alleine schon auf unangenehme Akustik aus dem Fahrwerk reagiere…

> und die Sitze sind zu weich

Der "weiche" Sitz hat einen erheblichen Einfluss auf das Gesamtkunstwerk "DS-Federung". (Ich habe vor einiger Zeit mal die Differenz der "Schwingungen" an der Sitzschiene und am Popo gemessen)

Es wird spannend, ich habe mir einen Messaufbau mit einigen Beschleunigungssensoren rund um einen Laptop gebastelt, jetzt bräuchte ich nur noch Zeit und Frühling.

L.G.
Dietmar
Bernhard(Süd) Verified
Beiträge: 1294
Registriert: Mo 16. Okt 2006, 17:00

Re: Eigenfreuenz der DS-Federung

Beitrag von Bernhard(Süd) Verified »

Hallo Dietmar,

...darf auch ich mich für gelegentliche Messungen am Fahrzeug/am Sitz/ an der Federkugel hinten anstellen? Das fände ich sehr spannend, zumal in meinem Fall auch folgendes dazukommt:
Frisch gepolsterter Fahrersitz (aber mit altem, gewendetem Federkern),
Plättchendämpfer und ein subjektiv nicht ganz extrem leicht (von Hand; z.B. im Vergleich zum Wagen von MichaIn) herunterdrückbarer Vorderwagen.

Vielleicht auch ein Vergleich zum CX???

Grüsse und max`` gut!
be



(Citroenfahrer seit 1980, wie schön :-) )
Medi
Beiträge: 564
Registriert: Mi 18. Mai 2005, 16:24

Re: Eigenfreuenz der DS-Federung

Beitrag von Medi »

Hallo Bernhard,

gerne, fragt sich nur wann und wo. Ich hatte ursprünglich vor in Sandelzhausen bei Franz Peters diesbezüglich einen kleinen Workshop zu organisieren, doch leider findet heuer kein Depotdromfest statt. Geplant habe ich einen kleinen "Federungs-Wettbewerb" mit einem Holzkeil auf der Straße…

Einen Besuch anderer Treffen kann ich heuer aus familiäreren Gründen nur äußerst kurzfristig planen.

Ursprünglich habe ich meine Überlegungen mit dem CX begonnen, weil es mich interessiert hat warum 2 gut gewartete CX mit neuen Kugeln so unterschiedlich "federn". Der eine hatte einen weichen Stoffsitz, beim anderen war der Sitz schon etwas durchgesessen und das Leder hart…

Kennst Du die Arbeit der Uni Münster "Fahrwerk kann den Rücken schonen" aus den 90ern? Ich habe das Dokument gerade nicht zur Hand, einen alten Zeitungsartikel darüber findest Du hier:
http://www.berlinonline.de/berliner-zei ... index.html

Liebe Grüße
Dietmar
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