Oldtimerfans machen alles falsch!

Diskussionen rund um's Thema...
Jean-Baptiste
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Registriert: Di 10. Apr 2007, 20:01

Oldtimerfans machen alles falsch!

Beitrag von Jean-Baptiste »

...den gleichnamigen Bericht in der aktuellen "OLDTIMER-MARKT" möchte ich als Lektüre empfehlen.
Wäre schon interessant, wieviele ID / DS überhaupt noch in einem Referenz-Zustand und dennoch fahrbereit sind. Wird sich wohl nicht feststellen lassen.
Ansonsten: Frohes Fest und Guten Rutsch!
Jean-Baptiste
Gerhard Trosien
Beiträge: 1055
Registriert: Mi 5. Dez 2007, 07:04

Re: Oldtimerfans machen alles falsch!

Beitrag von Gerhard Trosien »

Ich habe den Artikel nur angelesen, dann musste ich das Heft weglegen...
Akademische Restauratoren... ich kenne sie aus der Praxis am Bau...
Sie haben wohl ihre Daseinsberechtigung - bei Materialforschung und Entwicklung denkmalgerechter Rezepturen. Das eine oder andere Baudenkmal kann man denen durchaus nach intensiver Prüfung anvertrauen: alte Kirchen und Schlösser, die keinerlei konventionelle Nutzung erfahren. Aber dann kann ich auch gleich fragen: müssen rissige, aufgeschüsselte Malschichten niedergelegt werden, oder ist der aufgeschüsselte Anstrich nicht auch ein Wert an sich?
Für die Instandsetzung von Kraftfahrzeugen, die ihrer bestimmungsgemäßen Nutzung zugeführt werden sollen, die also nicht im Museum verstauben sollen, sind diese Herrschaften aber genauso fehl am Platz, wie für das historische Wohnhaus, in dem nach der Restaurierung x-beliebige Mieter wohnen sollen. Das geht gar nicht.
Wie bei vielen brisanten Themen: man muss ich irgendwo in der Mitte treffen: abgelöste Lackfetzen einweichen und wieder ankleben? Im als Fahrzeug genutzten Auto? Never!
Wasserlack in einer Phantasiefarbe am ehemals nitrolackierten 20er Jahre-Auto? genauso: never!
Ich denke, wer die Förderung seines Hobbys per verbilligtem H-Kennzeichen beansprucht, der sollte mit gewissen Einschränkungen bei der Gestaltungs- und Interpretationsfreiheit bei der Instandsetzung seines "rollenden Kulturguts" leben können. Eine akademische Restaurierung eines Fahrzeugs, das als soches benutzt werden soll, ist weder finanzier- noch machbar. Mit einem mittels Stecknadeln fixierten, total verrotteten Fenstergummi kann kein Mensch auf die Straße. Und Museumsstücke, die nie wieder eine Straße unter ihre Räder bekommen, gibts genug.
Bernhard(Süd) Verified
Beiträge: 1294
Registriert: Mo 16. Okt 2006, 17:00

Re: Oldtimerfans machen alles falsch!

Beitrag von Bernhard(Süd) Verified »

...wohl wahr, Gerhard,

daß eine "akademische Restaurierung" im engeren Sinne "nur" ein wissenschaftliches Unterfangen ist, Grundlagenforschung sozusagen.
(Allerdings würde man ja nie neue Farbe auf ein Gemälde klatschen, nicht wahr, nur um die verblasste Farbigkeit angenehmer(???), will heißen: "alltagstauglicher" fürs Auge zu machen...).

Aber das krasse Gegenstück ist ja der glanzlackierte Hanomag im Artikel:
Da wurde sehr viel von der charakteristischen Karosserielinie für IMMER verdorben (also in einer definitiv falschen Form fertigrestauriert!!!), weil halt grade keine Lampentöpfe in der originalen Größe da waren, oder weil man den Kotflügelabschluß nicht im originalen Schwung hinbekam.
Und in der Tat kann man an einem neu lackierten Auto (obwohl der patinierte Originallack vielleicht noch viele Jahrzehnte seine Blessuren mit Würde getragen hätte-???) NIE MEHR Zusammensetzung und Farbton des Originallacks feststellen.

Farbpinsel gegen Staubpinsel tauschend:
Be

Aber die Übergangsbereiche sind riesig: Selbstverständlich muß technisch renoviert werden, ...aber warum eigentlich nicht z.B. unter einer Motorhaube mit ehrwürdiger Patina, die eine Menge Geschichten erzählen könnte-?
(Citroenfahrer seit 1980, wie schön :-) )
Andreas B. Verified
Beiträge: 344
Registriert: Do 2. Nov 2006, 19:11

Re: Oldtimerfans machen alles falsch!

Beitrag von Andreas B. Verified »

Hallo Gerhard

den angesprochenen Artikel habe ich zwar nicht gelesen, aber verdient das von Dir angesprochene komplexe Thema nicht eigentlich eine differenziertere Betrachtungsweise? Grundsätzlich finde ich einen wissenschaftlichen, Du nennst es „akademischen“ Ansatz ersteinmal nicht so verkehrt, egal um welches „Kulturgut“ es sich dabei handelt. Leider wird das O.-Thema im Forum immer völlig überhitzt diskutiert. Wäre es grundsätzlich nicht – und das gilt für alle Interessierten - an der Zeit, sich eventuell in der HP dazu zu äussern und verschiedene „restauratorische“ Ansätze zu zeigen, zu diskutieren ?

Gruss

Andreas
'65 ID 19, '75 Ami 8 Service
Gerhard Trosien
Beiträge: 1055
Registriert: Mi 5. Dez 2007, 07:04

Re: Oldtimerfans machen alles falsch!

Beitrag von Gerhard Trosien »

Ich hätte seitenweise weiterschreiben könnem, musste mich aber vorübergehend meiner Nebentätigkeit widmen...

Ich krieg regelmäßig Pickel, wenn ich beruflich mit den Akademikern zu tun kriege. Dabei erkenne ich durchaus an, dass sie in gewissen Grenzen ihre Daseinsberechtigung haben. Aber das Auftreten und Anspruchsdenken ("das muss so, ist mir doch egal, was es kostet, zahlen andere"; "das können nur wir, da darf sonst niemand dran"; "das hat jemand unwiderbringlich zerstört"; "wer hat das angefasst?"; "der Zustand (des 300 Jahre alten Textils!) hat sich in den letzten 14 Monaten dramatisch verschlechtert (das ist nicht mal dem aufgefallen, der das Objekt seit 20 Jahren liebevoll und engagiert betreut), da müssen wir SOFORT dran (ohne zu wissen, wie; und danach ist garantiert nix mehr übrig von der 300 Jahre alten Seide, die ohne "Restaurierung" noch min. 150 Jahre im Schloss hätte hängen können)") schrecken mich regelmäßig ab.

Da werden Kunstwerke aller Art, die nach dem heutigen Stand des Wissens in Ruhe gelassen werden müssten, unter Verursachung exorbitanter Kosten so hingerichtet, dass sie 2 Jahre NACH der Restaurierung schlimmer aussehen, als vorher ("ohne unsere Arbeit wäre es jetzt gar nicht mehr da" - widerleg das mal... wenn die es selbst nicht merken, dass es in den 300 Jahren vorher weniger gealtert ist). Und: "alles meins". Das ist auch so eine Unsitte. Sie wollen für alles und jedes zuständig sein; Einwände, Widerspruch, Argumente - alles verboten ("was bildet DER sich ein? Der hat ja nicht mal promoviert!"). Und der größte Fehler, den man machen kann: einen alten Gebrauchsgegenstand GEBRAUCHEN. Besser ist, er verrottet im Depot...

So schaffen sie sich selbst auf Kosten des Steuerzahlers Arbeit bis zur Rente.

Zur Ehrenrettung: es gibt auch solche, mit denen man arbeiten kann und die ihre Möglichkeiten und Grenzen kennen. Aber die muss man erst mal finden...

Auf die Arbeit von uns Hobby"restauratoren" an unseren Autos wollte ich gar nicht so tief eingehen. Hier werden, selbst unter dem Gesichtspunkt, dass die Autos gebraucht werden sollen und die akademische Restaurierung von vornherein unbrauchbar ist (von den Kosten mal abgesehen), tatsächlich Fehler gemacht, dass es grad so kracht. Aber auch von Profis. Das fängt mit totaler Entfernung intakter Lack- und Schutzschichten an, geht über vereinfachende Blechinstandsetzungen und hört bei unpassenden Lacken, Lackfarben und Textilien noch lange nicht auf.
Jeder kann mit seinem Auto machen, was er will. Das Denkmalrecht hat hier keinen Einfluss (Dampflokomotiven wurden immerhin als Objekte bereits entdeckt). Spätestens beim Anstreben des H-Kennzeichens sollten dann aber gewisse Maßstäbe gelten. Was dann aber hier von inkompetenten Prüfern alles hingenommen (oder von unverschämten Autobesitzern durchgesetzt) wird, spottet jeder Beschreibung.

Wenn ich eine DS herrichte (renoviere) und muss Türen richten, die bereits zu einem drittel weggefegt sind, finde dann aber Ersatz, der nur wenig verrostet ist, aber eine andere Farbe hat, komme ich um ein neu Lackieren nicht herum. Für den Akadamiker wäre das Auto ggf. ein Fall für die Tonne gewesen, es gibt mehr als genug DSse. Dann aber zu behaupten, der Restaurator hätte ALLES falsch gemacht, wenn er ein gebrauchsfähiges Auto anstrebt, zeugt von gnadenloser Arroganz. Die nur möglich ist, weil die akademischen Restauratoren in steuerfinanzierten Elfenbeintürmen leben, den ganzen Tag nichts anderes tun, als sich gegenseitig zu bestätigen und über die verheerende Arbeit der Handwerker zu lamentieren (hallo Admin: unzulässige Verallgemeinerung)...
tomsail
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Registriert: Di 4. Sep 2007, 13:45

Re: Oldtimerfans machen alles falsch!

Beitrag von tomsail »

>
>Ich krieg regelmäßig Pickel, wenn ich beruflich mit den Akademikern zu tun >kriege. Dabei erkenne ich durchaus an, dass sie in gewissen Grenzen ihre >Daseinsberechtigung haben.
>

darf ich daran erinnern, dass auch ingenieure und naturwissenschaftler "akademiker" sind.

eine ablehnung jeglicher akademischer ausbildung führt uns direkt wieder ins mittelalter. dort war das handwerk und die zugehörigen zünfte massgeblich.
fortschritt gab es jahrhundertelang keinen!

die "daseinsberechtigung" der akademiker hat uns in die neuzeit geführt und uns unseren heutigen komfortablen lebensstil ermöglicht.

das nur mal so am rande von einem akademiker der sein auto vom schrotthaufen bedächtig zum 2+ umgestaltet

grüße
thomas

---
Hans-Uwe
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Registriert: Fr 4. Feb 2005, 12:58

Re: Oldtimerfans machen alles falsch!

Beitrag von Hans-Uwe »

@ Gerhard Trosin,

... ich an Deiner Stelle würde versuchen, diese peinlichen Auswüchse und Selbstdarstellungen vom Admin wieder löschen zu lassen. Löse Deine offensichtlichen, psychosomatischen Probleme an anderer Stelle. Und dazu empfehle ich dringenst einen Akademiker und keinen Murkser. Oder hat Letzterer Dich therapiert?

Ohne meine Akademiker wäre meine Firma keinen Cent wert!

HUF
Gerhard Trosien
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Registriert: Mi 5. Dez 2007, 07:04

Re: Oldtimerfans machen alles falsch!

Beitrag von Gerhard Trosien »

Meine Ausführungen bezogen sich ausdrücklich auf eine bestimmte Gruppe von Restauratoren, mit denen ich mitunter auch beruflich zu tun habe und deren Verhalten demjenigen der Museums-Restauratoren des Artikels weitestgehend entspricht.
Akademiker bin ich selber...
lexi
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Registriert: Mi 22. Okt 2008, 19:01

Re: Oldtimerfans machen alles falsch!

Beitrag von lexi »

Guten Abend, Jean-Baptiste

habe mir diese Zeitschrift "OLDTIMER-MARKT" heute besorgen lassen. Den von Dir beschriebenen Artikel "Oldtimerfans machen alles falsch!" kann ich jedoch leider nicht finden. Ich habe das Heft 01/2009 bekommen. Kannst Du mir bitte sagen, welches Heft Du meinst.

Mit weihnachtlichen und göttlichen Grüßen von

Alexander
symphatique
Beiträge: 1657
Registriert: Do 15. Feb 2007, 23:51

Re: Oldtimerfans machen alles falsch!

Beitrag von symphatique »

Heft 12/08
"Das is´nich´kaputt! Das kann man reparieren!"
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