undichte Schwimmbremssätel

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Andreas B. Verified
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Re: undichte Schwimmbremssätel

Beitrag von Andreas B. Verified »

>Und was fabrizieren die ausgetragenen und im "Oel" verteilten Spuren von Silica-Gel -Staub mit der HP??

Hallo Dietmar, der Teebeutel muss nicht direkt im Behälter hängen, siehe Skizze

>Hygroskopische Fluessigkeiten werden die verfuegbare Luft (im Behaelter) "aussaugen" und dann ist Schluss. So lange keine frische Luft nachkommt, ist kein Wasser verfuegbar, das aufgesaugt werden koennte. Oeffnungen mit Papier verstopfen genuegt also weitgehend.

Klingt einleuchtend, aber wie gelangt dann umgekehrt überhaupt Feuchtigkeit in nennenswerten Mengen ins System?


Andreas
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Robert Verified
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Re: undichte Schwimmbremssätel

Beitrag von Robert Verified »

Hallo Andreas,

die Feuchtigkeit kommt nach meiner Theorie vor allem im Betrieb ins LHS. Der Flüssigkeitsspiegel im Behälter steigt und sinkt, durch das Entlüftungsloch wird die Luft immer wieder ausgetauscht und der Flüssigkeitsspiegel ist gross genug, um gründlich Feuchtigkeit aufzunehmen. Wenn der Wagen längere Zeit steht, wirkt nur das bereits vom LHS aufgenommene Wasser im System, auch wenn das LHS im Behälter weiter Wasser ziehen würde, was ich, Dietmars Argumentation folgend, nicht für so relevant halte, würde dieses stärker verwässerte LHS nicht zu den Aggregaten gelangen, erst wieder, wenn der Wagen in Betrieb genommen wird. Deshalb meine ID mit dem Luftballon, die aber mehr ein Gedankenspiel ist. Ich fahre meine Autos regelmässig, auch im Winter, und wechsele die Flüssigkeit jährlich. Von LHS-spezifischen Problemen bin ich bisher weitgehend verschont geblieben. Und gerade daher frage ich mich, warum sich der Gerhard die Mühe gemacht hat, ein relativ triviales Bremssystem wie das des HY auf DOT5 umzurüsten. Solche Systeme funktionieren in Millionen von Autos doch recht problemlos, eben weil sie unter Luftabschluss arbeiten. (In den Bremsflüssigkeitsvorratsbehältern finden sich bei diesen Autos ja meist Gummimembranen, die auf der Flüssigkeit aufliegen, meine ID mit dem Ballon war davon inspiriert).

Grüsse
Robert
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Gerhard Trosien
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Re: undichte Schwimmbremssätel

Beitrag von Gerhard Trosien »

Es sind NICHT die KOLBEN, die dicht sein müssen im Radbremszylinder, es sind die Dichtmanschetten oder -ringe (je nach Bauart). Die RBZ so zu bauen, dass sie OHNE elastische Dichtungen dicht sind, dass also das Spaltmaß zw. Zylinder und Kolben so gering ist, dass sich die Moleküle der Bremsflüssigkeit nicht durchquetschen können, sich der Kolben aber trotzdem leicht bewegt, wäre eine echte Herausforderung (im D-Modell mit HA gibt's so einen Kolben, im Fliehkraftregler. Der ist aber vergleichsweise winzig klein. Und wenn der verschlissen ist, tropft's leicht aus dem Gehäuse des Fliehkraftmechanismus, es besteht also keine Lebensgefahr wie bei einer verölten Bremse).

Die Undichtigkeirt bei konv. Bremsen bei DOT5 kommt von Maßänderungen der Dichtungen (viele gummiartige Werkstoffe schrumpfen auch an der Luft)! Dies betrifft offensichtlich nur einen kleinen Teil der Bremsanlagen.

Wie kann ich dem begegnen???
Gerhard Trosien
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Re: undichte Schwimmbremssätel

Beitrag von Gerhard Trosien »

Hallo Robert:
die Deckel der Behälter der Bremsflüssigkeit haben Lüftungsbohrungen, wie die Deckel auf dem LHM-Fass im D-Modell. Es kommt also durchaus Luftfeuchtigkeit an die Bremsflüssigkeit. Von der genannten "Membran" habe ich in 30 Jahren Auto-Schrauberei noch nie was gehört oder gesehen. Ich bin allerdings nicht auf dem neuesten Stand der Autotechnik...
Da sich der Behälter nicht so wie im D-Modell im großem Maßstab leert (beim Starten) und wieder füllt (beim längeren Parken), ist der Luftaustausch naturgemäß geringer.

Die Probleme, die ich hatte waren:

sich selbt auflösende Gummiteile in RBZ und Bremsregelventil!

Der Dichtring im Regelventil beispielsweise konnte nach 2 Jahren Kontakt mit DOT4 knetgummiartig plastisch werden.
Die Topfmanschetten der RBZ ebenfalls, bei denen gab es zusätzlich Abrieb, der sich im Spalt zw. Zylinder und Kolben festsetzte und einmal, als ich das Auto "neu" hatte (da war's erst 12 Jahre alt), für Blockieren eines vorderen RBZ sorgte!

Kommt dann DOT4 durch die von der Flüssigkeit beschadigte Manschette in den Luftraum zw. Kolben und Dichtstulpen, gibt's SOFORT heftigste Korrosion.

Nachdem ich dann jahrelang regelmäßig (alle 2 Jahre) die RBZ zerlegte, um den Abrieb zu entfernen und alle Teile mit Bremskolbenpaste zu schmieren und die Probleme trotzdem micht aufhörten, habe ich mich nach eingehenden Recherchen und Beratungen für DOT5 entschieden.

Die genannten Probleme sind Vergangenheit! Nur ist alles undicht, weil die Gummiteile geschrumpft sind...

Wo kriege ich "Quellmittel" her???
Louis de Funes
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Re: undichte Schwimmbremssätel

Beitrag von Louis de Funes »

Gerhard Trosien schrieb:
-------------------------------------------------------
> die Deckel der Behälter der Bremsflüssigkeit haben
> Lüftungsbohrungen, wie die Deckel auf dem LHM-Fass
> im D-Modell. Es kommt also durchaus
> Luftfeuchtigkeit an die Bremsflüssigkeit. Von der
> genannten "Membran" habe ich in 30 Jahren
> Auto-Schrauberei noch nie was gehört oder gesehen.
> Ich bin allerdings nicht auf dem neuesten Stand
> der Autotechnik...


In Hauptbremszylindern von PKW gibt es tatsächlich keine Gummimembrane zur Luft. Sie findet sich aber in den allermeisten Hauptbremszylindern der Motrräder.
Dies könnte folgende Gründe haben:
-wesentlich kleinere Vorratsvolumina im Verhältnis zu Bremskolbenvolumen, demnach ständige Pumpbewegung im Behälter.
-Schrägstellung der Handarmatur und damit Sicherstellung, daß das Schnüffellloch des HBZ stets versorgt wird
-aufgrund der geringen Masse stärkere Rüttelbewegung des gefederten Fahrzeugs, Fluid könnte im Behälter herumplatschen ohne Membrane
-höher beanspruchtes Bremssystem, Fluidsieden kann hier schnell tödlich sein
-kein so hoher Kostendruck wie bei PKW
-insgesamt fortschrittlichere Technologie als bei PKW

Die Idee mit der Gummimembrane aus passendem Werkstoff ist schon die richtige und hätte vor 50 Jahren von Citroën kommen müssen...

Die Diffusion von Wasserdampf durch die Membrane ist zwar geringer aufgrund des größeren Moleküls von H2O gegenüber O2, bleibt aber, wie man bei Motorrädern beobachten kann. Bei meinen Stehzeugen fällt aber auch auf, daß sich das Fluid schneller verfärbt bei den bewegten Motorrädern, also durch das Fahren erstmal frische Luft an die Oberseite der Membrane gelangt.

Trotzdem denke ich, daß die LHS Probleme der internen Korrosion nicht nur durch Wasserdampf sondern auch durch Sauerstoff ausgelöst werden.
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Robert Verified
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Re: undichte Schwimmbremssätel

Beitrag von Robert Verified »

Hallo Gerhard,

ich muss zugeben, meine schrauberischen Aktivitäten beziehen sich fast ausschliesslich auf D-Modelle, und besagte Gummimembranen kenne ich tatsächlich vornehmlich aus Motorrädern, hatte sie aber zuletzt in einem Chevy-Van aus den 80ern gesehen. Dachte, das sei inzwischen allgemein Stand der Technik und war so voreilig diese Beobachtungen zu verallgemeinern.
Was Deine Bremsprobleme angeht, hast Du da mal mit anderen HY-Besitzern gesprochen? Es fällt mir schwer mir vorzustellen, dass ausgerechnet die HY-Bremsanlage so anfällig sein soll. Wie gesagt, Millionen von Autos fahren mit ähnlichen Systemen. Und Quellmittel, warum sollen die Gummis quellen, die sollten bleiben, wie sie sind. Ein gutes Quellmittel für LHM-Gummis ist übrigens LHS, die Gummis nehmen deutlich an Volumen zu, nicht aber an Dichtigkeit ;-)

Grüsse
Robert
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pauli
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Re: undichte Schwimmbremssätel

Beitrag von pauli »

Den Chevy wollte ich auch grad ansprechen.
Meiner hat diese Membran im Hauptbremszylinder auch und da es sich bei einem 1978er Impala um eines der trivialsten Fahrzeuge handelt, die man sich nur vorstellen kann, kann man davon ausgehen, dass das nix exotisches ist.

Beim Motorrad hat diese Membran sicherlich den zusaetzlichen Sinn, dass der Vorratsbehaelter nicht auslaufen kann, wenn die Maschin' einmal umfallen sollte.
marc
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Re: undichte Schwimmbremssätel

Beitrag von marc »

Hallo,

wenn man längere Zeit nicht fährt könnte man doch den Vorratsbehälter komplett mit LHS füllen und dann vielleicht eine dichte Dichtung *hähä* zwischen den Deckel klemmen.
Gruß
marc
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Robert Verified
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Re: undichte Schwimmbremssätel

Beitrag von Robert Verified »

Hallo Marc,

das Problem ist in diesem Fall nicht, wie Dietmar und meine Wenigkeit schon ausgeführt haben, die Standzeit, sondern der Betrieb des Wagens mit stetem Luftaustausch im Behälter.

Grüsse
Robert
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Cardano
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Re: undichte Schwimmbremssätel

Beitrag von Cardano »

Das ist so eine sache mit der silikonbremsflüssigkeit. Das problem ist, dass
ein gummiteil eben nicht ein gummiteil ist. Die zusammensetzung ist das
geheimnis, und da kann kaum ein Bremsteilehändler darüber auskunft geben.
Bei meinem einem Traction habe ich schon seit mehreren jahren problem-
los DOT5 darin. Beim HY (1964) hatte ich es auch darin ohne gummitechnische
probleme. Beim 2CV (1959) hatte ich es dann auch verwendet. Das resultat
war eine abgeänderte frontpartie. Nach ein paar tagen standzeit fuhr ich vom
parkplatz weg. Bremste, das pedal ging runter auf das bodenblech und bevor
ich die handbremse ziehen konnte knallte ich in die hausmauer. Was war passiert? Die DOT5 flüssigkeit hat sich d u r c h die n e u e n hinteren brems-
schläuche verabschiedet. Ist einfach durch den gummi hindurch herausgetropft. Ehrlich gesagt, ich würde diese brühe verbieten, oder dann darf sie nur wie LHM auf spezifisch ausgelegte systeme anwendung finden.
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