Motorlager?

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Robert Verified
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Registriert: Mo 31. Jan 2005, 00:41

Motorlager?

Beitrag von Robert Verified »

Liebe Gemeinde,

meine brave 66er ID 19 (DE, also alter Motor, aber schon neue Anriebswellen und Fünflochfelgen) zeigt seit einiger Zeit, besonders im 2. und 3. Gang, Vibrationen bei etwa 3000 rpm, aber nur unter Last, je stärker der Motor gefordert wird, umso stärker die Vibrationen, besonders fiel es mir kürzlich auf, als ich am Berg einen LKW überholen wollte. Der Motor ist in Bestform, Ventile, Zündung, Vergaser, alles eingestellt, und, wie gesagt Antriebswellen neuer Bauform, Bibaxe als Ursache fallen damit flach. Womit sich mir die in der Überschrift formulierte Frage stellt. Ist das eine mögliche Ursache?

Gruss + Dank
Robert
'59 DS 19/'66 ID 19/'68 DS 21 Pallas/'71 SM /'71 SM in Arbeit/'84 Renault R4F6 in Arbeit/'96 Saab 900 CV/'98 BMW 1100 GS
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Stephan J.
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Re: Motorlager?

Beitrag von Stephan J. »

Hallo Robert,

seit einer größeren Motor-raus-Reparatur im letzten Herbst hatte ich folgende Probleme: deutliche Vibrationen vom Motor

- beim Beschleunigen
- wenn man nach dem Rückwärtsfahren auf die Bremse trat
- im Leerlauf, wenn der Wagen an einer stärkeren Steigung bergauf stand

Kurz gesagt, immer dann, wenn sich das Gewicht des Motors im Fahrzeug nach hinten verlagerte.

Seit ein paar Tagen sind jetzt neue Motorlager drin, und zwar die "spezial gefertigten" von Sassen. Die sind laut Auskunft aus Düsseldorf weicher als die üblichen Nachfertigungen, haben deswegen wohl eine kürzere Lebensdauer, sorgen aber für eine Verminderung von Vibrationen und daher für mehr Komfort.

Ich bin sehr zufrieden mit diesen Lagern, der Wagen läuft nämlich wieder absolut perfekt. Ich reagiere üblicherweise sehr stark auf kleine Störungen des Fahrkomforts (Geräusche, Vibrationen etc.) und hatte daher seit dem Herbst keine echte Freude mehr am DS-Fahren - meine Ansprüche sind in dieser Hinsicht sehr hoch, vielleicht ist das bei einem so alten Auto nicht wirklich realistisch. Meine Haus- und Hof-Werkstatt fand auch alles ganz normal und sah keinen Handlungsbedarf...

Ich war aber so frustriert, dass ich den Tausch der Motorlager zumindest einmal ausprobieren wollte, und, wie gesagt, die Aktion war ein voller Erfolg: Ich habe jetzt den Eindruck, dass der Wagen noch niemals so leise, geschmeidig und vibrationsfrei gelaufen ist wie heute, empfinde ihn im Moment sogar als kultivierter als meinen XM (wahrscheinlich keine objektive Wahrnehmung...).

Die Lager kosten etwa 60,- € und so aufwendig ist der Tausch ja nicht, man könnte das also einfach mal ausprobieren. Sinn macht das vor allem, wenn Du Dir sicher bist, dass die Vibrationen drehzahlabhängig sind und somit vom Motor kommen.

Wäre es hingegen möglich, dass sie auch abhängig von der Fahrgeschwindigkeit bzw. Radumdrehung sind, dann müsste man eher noch einmal in Richtung Antriebswellen etc. denken.

Gruß,
Stephan J.
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Robert Verified
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Re: Motorlager?

Beitrag von Robert Verified »

Hallo Stephan,

danke für Deine ausführliche Antwort, die meinen Verdacht erhärtet. Ich würde mich aber auch freuen, wenn eines der besonders technikerfahrenen Gemeindeglieder mal kurz Laut gäbe: Ist das, was ich geschildert habe, typisch für verschlissene Motorlager, ja/nein/vielleicht?

Danke
Robert
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...hannes
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Re: Motorlager?

Beitrag von ...hannes »

Hallo Robert!
Ich bin zwar erst 3 Jahre "dabei" und habe damit sicher noch keinen Anspruch, mich als "besonders technikerfahrenes Gemeindemitglied" zu bezeichnen, aber die Sache mit den Motorstützlagern habe ich bei meiner 66/67 ID (Rundauge/Kurzhuber LHM) auch schon durch.
Auffällig waren die Stützen ja schon beim Kerzenwechsel, weil das Loch in der Karosserie nicht mehr senkrecht über der 4. Kerze saß. Die Maschine hing also hinten etwas zu tief, was dann in weiterer Folge dazu führte, dass sich das Fallrohr des Auspuffkrümmers immer mehr dem Querträger näherte. Speziell beim zügigeren Anfahren bzw. Beschleunigen konnte man es bereits "anklopfen" hören. Es genügt jedoch, meinen Beobachtungen nach, alleine schon die Nähe(!), um die Resonanzen des Auspuffs auf den Träger zu übertragen.
Nachdem keines meiner beiden Lager über weitere Nachjustierungsreserven am Einstellgewinde verfügte (der Gummi war bereits zu sehr zusammengestaucht), habe ich beide gegen neue Lager "besserer Gummiqualität" getauscht, mit eben diesem Resultat, das Stephan bereits treffend beschrieben hat.
lg
Nils Oehler
Beiträge: 341
Registriert: Fr 8. Jun 2007, 21:46

Re: Motorlager?

Beitrag von Nils Oehler »

Auch ich habe letzten Herbst diese Motorböcke getauscht, mit gutem Ergebnis. Ich habe sie seinerzeit von Ulf Petermann bezogen. Ob es genau die gleichen Teile sind wie die speziell gefertigten von Sassen, kann ich nicht sagen. Die vorher verbauten Nachfertigungen (irgendwann mal in Holland gekauft) übertrugen auch im Neuzustand die Vibrationen fast ungefiltert ins Lenkrad. Herr Petermann hat mir letztes Jahr in Mainburg den Unterschied der verwendeten Materialien erklärt, aber leider habe ich die Details vergessen ;-).

Übrigens, soweit ich weiß (ohne Gewähr) ist die Bohrung für die 4. Zündkerze im Blech beim Übergang vom Lang - auf den Kurzhuber nie geändert worden, also ist es normal, dass die Kerze beim Kurzhuber nicht genau unter dem Loch liegt (glaube ich ;-) )

Nils
sebastianklaus
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Re: Motorlager?

Beitrag von sebastianklaus »

Hallo Nils, hallo Hannes,
Ich muss die Gummilager auch bald mal tauschen (hat wohl Sinn nach 19 Jahren). Ich werde natuerlich Euren Rat beherzigen, aber ich habe mal gehört, dass es sinnvoll ist, ausser den beiden Motorlagern auch die Gummiunterlage unter der Quertraverse (an der das Getriebe aufgehängt ist) zu wechseln. Warum habt Ihr das nicht gleich mit gemacht ? Ist es nicht noetig, dieses Gummi auch zu wechseln ? (Wenn es so ist, dann lasse ich das gleich bleiben und kaufe nur die Gummis fuer die Motorstuetzen)
Vielen Dank im voraus fuer die Rueckmeldung
Sebastian
Nils Oehler
Beiträge: 341
Registriert: Fr 8. Jun 2007, 21:46

Re: Motorlager?

Beitrag von Nils Oehler »

Nein, diese Gummis habe ich nicht gewechselt. Wäre aber sicher sinnvoll. Kommt aber natürlich auf die Qualität der Nachfertigungen an. Wenn diese schlechter sind als die verbauten Originale.....aber so etwas weiß man immer erst nach Einbau...

Bitte berichte dann nach erfolgtem Gummitausch hier.

Viel Erfolg Nils
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Stephan J.
Beiträge: 922
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Re: Motorlager?

Beitrag von Stephan J. »

Hallo Sebastian,

ich habe das Gummilager am Getrieb zunächst nicht getauscht, weil ich nicht wusste, ob das ohne Getriebeausbau geht. Und der Tausch der Motorgummis war so erfolgreich, dass ich hinterher keinen Grund mehr sah, noch etwas zu machen.

Gruß,
Stephan J.
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Sensenmann
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Registriert: Di 19. Dez 2006, 14:01

Re: Motorlager?

Beitrag von Sensenmann »

Nach der Zeichnung im Werkstatthandbuch müßte man beim Tausch der Motorlager den Motor mit einer Einstelllehre justieren.
Ist das wirklich zwingend notwendig?
Hat jemand im Raum Köln so eine Lehre?
Gibt es einen Schraubertrick mit Hausmitteln den Motor trotzdem passgenau hineinzubekommen?
Ach so: Bei mir ist der Motor ausgebaut und die Motorlager sind abgebaut. Anhaltspunkte für die Einbaulage gibt es also keine mehr.
...hannes
Beiträge: 1541
Registriert: Fr 20. Mai 2005, 21:07

Re: Motorlager?

Beitrag von ...hannes »

Das Motorlager gehört auf jeden Fall genau (innerhalb eines gewissen Toleranzbereichs) eingestellt. Ich hatte den Motorlagerwechsel seinerzeit noch mit meinem Rangierwagenheber (Profiheber mit langem Arm) gemacht, weil ich damals noch keinen Kettenheber hatte. Heute würde ich nur mehr mit dem Kettenheber arbeiten.
Diverse Lehren stelle ich immer selbst her. Ich verwende dafür dünnen, festen Karton.
Jetzt kommt noch hinzu, dass das Einstellmaß des Lagers unter Belastung gefunden werden muss. Also Motor auf die Lager absenken - messen - etwas anheben und nachstellen (weil leichter manipulierbar) - überprüfen - feineinstellen - Kontermutter festziehen - ein paar Kilometer absitzen lassen und zum Schluss noch eine letzte Kontrollmessung mit der Lehre.
Jetzt erahnst du, warum bei dieser Aktion der Kettenheber dem besten Rangierheber haushoch überlegen ist.
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