Ritzeleinstellung Langhuber

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Robert Verified
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Ritzeleinstellung Langhuber

Beitrag von Robert Verified »

Liebe Gemeinde,

ich habe erneut ein Langhubergetriebe zu reparieren. Beim letzten Mal hatte ich einfach die defekten Teile ausgetauscht und es mit den vorgefundenen Distanzscheiben wieder zusammengebaut. Das hat soweit funktioniert. Ist sogar fast dicht geworden. Das Getriebe, das ich jetzt auseinandergenommen habe, zeigt deutliche Spuren wenig sachgemässer Vorgängerreparaturen, sodass es mir geraten erscheint, die Kegelradtiefe und das Zahnflankenspiel zu prüfen. Ich habe aber die Werkzeuge 2044-T und 1766-T nicht, soweit ich weiss, sind die auch beim Club nicht vorhanden. Hat das schon mal jemand ohne diese Werkzeuge gemacht und kann mir Tips geben oder hat jemand diese Werkzeuge und würde sie verleihen?

Ein anderes Problem ist die Dichtung an der Getriebevorderseite, deren Stärke ja direkt in die Einstellung einfliesst. Die Reste sind nicht mehr zu gebrauchen, vor allem erscheinen sie mir aber viel dünner als das dünnste Dichtungspapier, das ich bekommen kann. Weiss jemand die Stärke der Dichtung und wo ich entsprechendes Dichtungspapier kriegen kann?

Grüsse und Dank im Voraus

Robert
'59 DS 19/'66 ID 19/'68 DS 21 Pallas/'71 SM /'71 SM in Arbeit/'84 Renault R4F6 in Arbeit/'96 Saab 900 CV/'98 BMW 1100 GS
Georg
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Re: Ritzeleinstellung Langhuber

Beitrag von Georg »

Hallo Robert,

ich war bisher zu feige (und mit meinen Getrieben zu gesegnet) um ein Getriebe zu öffnen. Das Käfergetriebe, das wir in einer Vorlesung an der FH zerlegt und wieder zusammengebaut haben wäre garantiert nicht mehr zu gebrauchen gewesen (wohl schon von den Vorgängern nicht).

Also Hut ab! Ich kann Dir gar keinen Tip geben, nur Anregungen zur Recherche:
- die alten Hasen streichen ein paar Zähne des Kegelrades mit Lack ein und beurteilen aus dem Abdruck auf dem Tellerrad, ob die Distanz paßt. Zur Kontrolle auch das Tellerrad einstreichen und das Tragbild auf dem Kegelrad feststellen.
- Es gibt Kunststoffschnüre mit definierter Schnurstärke, die z.B. beim Kurbelwellenlager miteingebaut werden und deren Verpressung mittels Tabelle in ein Lagerspiel umrechenbar ist. Beim Hypoid-Kegelradsatz wird das wohl schwer anwendbar sein!?
- Du schreibst, die Dichtung ist dünner als das dünnste beschaffbare Papier - da würd ich gleich auf Dichtmasse umsteigen.

Gruß Georg

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Robert Verified
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Re: Ritzeleinstellung Langhuber

Beitrag von Robert Verified »

Lieber Georg,

danke für Hinweise und Anteilnahme. Ich habe anstelle der FH die Phil. Fak. besucht. Dort werden die Studierenden nicht bereits im Studium durch den Anblich von Käfergetrieben traumatisiert, sodass sie sich im späteren Leben unbelastet mit diesen Dingen befassen können. Solange man nichts neu einstellen muss, ist das Zerlegen und Zusammenbauen des Getriebes wirklich kein Drama. Das mit der Tuschier-(von Tusche?) oder Touchier-(von der Abbildung einer Berührung?) Farbe habe ich schon einmal am Kardanantrieb eines Motorrades praktiziert, aber es erscheint mir eigentlich beim DS-Antrieb zu ungenau, vor allem lässt es keine genaue Differenzierung nach Längs- und Axialspiel zu. Andererseits, ich will ja nur einen Murksverdacht ausräumen, und dann gibt es in jedem Fall schon mal Hinweise.

Sonst noch jemand eine Idee?

Grüsse
Robert
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Frank58

Re: Ritzeleinstellung Langhuber

Beitrag von Frank58 »

Hm.Kein leichtes Spiel.

Zwei alte Lagerschalen in das leere Gehäuse legen und vorspannen.Unten an den Schalen eine Brücke einschweissen.In passender Position habe ich eine Zündkerzenbuchse eingesetzt.Mit einem OT Messgerät, gabs bei Scheuerlein,
hatte ich einen schnell zu montierenden Messuhrhalter.An der Unterseite habe ich zwei Schrauben befestigt, die parallele Messfläche zur Nullstellung der Messuhr ergeben.Dann schmeisst Du den ersten Prototypen weg und machst das nochmal in schön.Fertig ist die Lehre, die ungefähr so aussieht, wie das Guss/Frästeil von Cit.Es erfüllt seinen Zweck, nur grossartig herumwerfen darf man das nicht.
Auf das Dichtungspapier kann man verzichten, Petec grün ist ganz gut, oder graues Dirko.Das Papier ist nur eine weiter Möglichkeit, wo etwas rinnen kann.Ausserdem gleichen die Ringeunter dem Deckel ja nur die Stärke des Lagers aus und das Lager liegt doch vorne direkt auf dem Getriebegehäuse auf.Mit dem Deckel wird das Lager auf dem Gehäuse vorgespannt, damit es sich nicht mitdreht.
Das Tellerradspiel kann man mit einem Messuhrhalter einstellen.Vorher sollte man allerdings die Lagervorspannung feststellen.Beim Kurzhuber geht das mit einer Zugwaage ganz gut, siehe WHB.
Dann kann man das Tellerradspiel einstellen.
Nur.
Wer sagt, daß das vorher gestimmt hat.Kegel/Tellerrad sind ziemlich weich, wenn man das auf den Sollwert einstellt, läuft das garantiert erstmal auf einer anderen Fläche ab und ist leise, danach ist die dann abgearbeitet und Du sitzt in der Trambahn.Ich hab das ein paar mal gemacht und es hat selten zu einem gutem Ergebnis geführt.Bei meiner 58er habe ich das Kegel/Tellerrad gewechselt wegen Zahnbruch und da gings ganz passabel, bei einem Kurzhuber letztlich nur suboptimal.Es singt leicht.Ich bekomme da immer mehr Skrupel.Allerdings meinte ein Kollege aus der Schweiz, das Zeug sei so weich, das würde sich einarbeiten und eher würde man den dritten oder vierten hören, da sei der Zustand viel wichtiger.Wenn die Box mal lange mit zu geringem Ölstand gefahren worden ist, ist das Risiko sehr hoch, daß man da was hört.Was sagt Dirk immer, "Risiko-Taste drücken..."
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Robert Verified
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Re: Ritzeleinstellung Langhuber

Beitrag von Robert Verified »

Hallo Frank,

danke für Deine Ausführungen. Mit der Dichtung hast Du natürlich recht, das war ein Denkfehler von mir, die Stärke der Dichtung hat keinen Einfluss auf die Stellung des Ritzels.

Mit der Ritzeleinstellung habe ich aber immer noch ein Problem. Wenn ich so, wie von Dir vorgeschlagen, eine Einstelllehre baue, bleibt das Problem des Bezugsmasses. Denn dieses Bezugsmass ist ja einzig und allein der Mittelpunkt des Differentials. Wenn ich jetzt die Lehre baue, habe ich mit den beiden Schrauben zwar einen reproduzierbaren Messpunkt erzeugt, aber ich weiss immer noch nicht, wo dieser absolut gesehen zur Achse des Differentials liegt. Und um dieses absolute Mass Mitte Differential - Stirnfläche Ritzel geht es ja. Laut Repanl. sind die Lehren selbst einzeln vermessen und mit der Abweichung vom Normalmass 55mm gekennzeichnet. Um die Lehre zu eichen bräuchte man dann wieder ein korrekt eingestelltes Getriebe. Da beisst sich die Katze in den Schwanz (aber vielleicht habe ich auch hier was nicht verstanden).

Grüsse
Robert

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Andreas B.

Re: Ritzeleinstellung Langhuber

Beitrag von Andreas B. »

Hallo Robert, die Eingriffstiefe von Teller- und Kegelradpaarung ist ja bei jedem Getriebe individuell und auf den Zahnrädern eingraviert. Du musst den tatsächlichen Achsmittelpunkt finden, also Lagerschalen ø : 2 , davon ab weiterrechnen. Bis Kegelradstirn. Sehr gut zu diesem Thema ist die HP Serie von Ulrich Knaak. Er beschreibt genau, wie es ohne das Spezialwerkzeug geht, den Hinweis von Frank zum Bau der Lehre ist aber wie ich finde einfacher, als die Messmethode von UK.
Gruss Andreas
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Robert Verified
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Re: Ritzeleinstellung Langhuber

Beitrag von Robert Verified »

Hallo Andreas,

sorry, Du hast das Problem überhaupt nicht verstanden, aber Dein Hinweis auf den Artikel von Ulrich Knaack war Gold wert. Hatte ich gar nicht mehr auf der Rechnung. Differenz der Tiefe der Lagersitze in Kupplungs- und Getriebegehäuse, that's it. Wie genau die von UK vorgeschlagenen Freihandmessungen ausfallen, wird das Wochenende zeigen.

Grüsse und Dank an Dich, Frank und Georg

Robert
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Volker Hammes

Re: Ritzeleinstellung Langhuber

Beitrag von Volker Hammes »

Hallo,

wo finde ich diese HP Serie von Herrn Knaack?

Danke und Gruß
VH
Jürgen Verified
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Re: Ritzeleinstellung Langhuber

Beitrag von Jürgen Verified »

Hallo Volker,

z.B. auf der Archiv-CD.
Gruß Jürgen
Jürgen Verified
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Wohnort: Braunschweig

Re: Ritzeleinstellung Langhuber

Beitrag von Jürgen Verified »

Hallo Robert,

die Artikelserie hatten Ulrich und ich gemeinsam gemacht. Dieses Thema ist in der HP2/2001 ab Seite 26 beschrieben. Ich habe mit handeslüblichen guten Linealen und Messschiebern gemessen. Der verwendete Messschieber hat einen 20teiligen Nonius, da kann mann in 0,05mm-Schritten ablesen und die Hundertstel dazwischen schätzen. Ich hoffe, insgesamt eine Messgenauigkeit in der Größenordnung von +-0,03mm hinbekommen zu haben.
Die Beschreibung gilt für das neue Getriebe, die grundsätliche Messmethode müßte auf das alte Getriebe übertragbar sein, die Montagefolgen können anders sein.
Gruß Jürgen
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