Nach langer Standzeit Motoren reanimieren

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Clive sagt:

Nach langer Standzeit Motoren reanimieren

Beitrag von Clive sagt: »

Tacheless die Herrn,
ich hätt da auch ma gern ’n Problem:
Und zwar stellt sich die Frage demnächst für den ID-Motor (DY), zurzeit für mich aber doppelt aktuell fürs Wieder-in-Betrieb-nehmen meines Moppeds (wenn auch nicht allzu wichtig: Bandit 400).
Wie geht man am besten vor, wenn ein jahrelang stillgelegter 4-Takter wieder zum Leben erweckt werden soll ?
Vergaser & Zündkerzen ab, Öl in die Zylinder (sprühen / fluten ?) und mit dem Anlasser ne halbe Minute durchdrehen ?
Welches Öl nimmt man da ? Caramba wohl eher nicht.
Sollte man den D-Model Motor im Zuge der Restauration nicht doch besser komplett zerlegen, wegen Ölschlamm und so ? Auch könnte man Pleuel und Kurbelwelle optimieren (obwohl: Damals lief er einwandfrei …)
Kann sich bei der Bandit mit „modernem“ Synthetik-Öl noch Schlamm gebildet haben (bin kurz nach dem letzten Ölwechsel vor ca. 4 Jahren nur ein paar km gefahren) ? Eine Ölkanal-Verstopfung würde beim Mopped wirtsch. Totalschaden bedeuten. Teile dafür sind – soweit überhaupt noch zu bekommen – kaum bezahlbar, daher meine Vorsicht.
Wer hat auf dem Gebiet Praxis-Erfahrungen ?

Gruß,
Clive.

patric
Beiträge: 2112
Registriert: Fr 1. Mär 2002, 21:47

Re: Nach langer Standzeit Motoren reanimieren

Beitrag von patric »

Hi Clive,

einige Deiner Fragen könnte das hier vielleicht beantworten:

Suche: "Motor fest"
Gruß
patric
Clive sagt:

Re: Nach langer Standzeit Motoren reanimieren

Beitrag von Clive sagt: »


Besten Dank Patric,
aber das ist nicht so ganz das Richtige. Fest ist/sind er/sie (noch) nicht. Habe letztes Jahr mal im Suff mit der Kurbel 2 mal rumgedreht (beim ID). Tut's. Ich meinte, wie man die Motoren generell am schonendsten nach langer Standzeit wieder zum ersten Mal anlässt. Habe etwas Angst, dass relativ lange "Metall auf Metall" (Gruß, Kraftwerk) reibt oder Schlamm der Freude ein jähes Ende setzt. Will daher wohl am Wochenende (erstmal) die Mopped-Zylinder mit Motoröl fluten, drehen, Öl wieder zum größten Teil raus (Nur: Wie ? Sonst: Mit Zündelkerzen bei der ersten Umdrehung alles im Eimer). Bin aber für jeden Beitrag dankbar. Ich werde mir warscheinlich ma wieder irgendwas zusammenwurschteln...

Gruß,
Clive.
Robert Kruse

Re: Nach langer Standzeit Motoren reanimieren

Beitrag von Robert Kruse »

Hallo Clive,

ich habe zwei Deessen nach 5 bzw. 20 Jahren Standzeit wieder in Betrieb genommen. Ich bin dabei recht rustikal vorgegangen: Ölwechsel, etwas Öl in die Kerzenlöcher, dann den Anlasser orgeln lassen. Als ich sah, dass (bei abgenommenem Kopfdeckel) an den Kipphebeln Öl kam, Kerzen rein und gib ihm. What else can a poor boy do? Danach stellten sich dann bei beiden Motoren noch einige Probleme ein, aber zum Schluss liefen sie. Ölwechsel dann nach 1, 200 km, und seither laufen sie, der eine inzwischen 50 tkm. Alternative wäre Motor raus und alles durchchecken, sicher bist Du erst, wenn Du die Maschine komplett auseinander hast und siehst, ob nicht vielleicht ein Kolbenring in der Nut festgebacken ist. Die übung mache ich derzeit bei einem dritten Auto, bei dem der Motor fest war. Ich glaube, man muss sich entscheiden, wie perfekt man es haben will, aber ich glaube auch, der recht robuste DS-Motor verzeiht mehr als ein Motorrad.

Grüsse
Robert
Martin K. Verified
Beiträge: 786
Registriert: Di 1. Feb 2005, 19:04

Re: Nach langer Standzeit Motoren reanimieren

Beitrag von Martin K. Verified »

Hallo Clive,

DS-Motoren sind da recht unempfindlich. Im Prinzip kannst Du sie einfach starten, wenn sie frei durchdrehen. Problem könnte es mit altem Benzin im Tank geben und mit Korrosion an den Kontakten.
Also erts mal Kontakte reinigen und einen Schuß frischen Sprit mit einer Spritze direkt in den Vergaser. Dann den Motor ein Weilchen laufen lassen und schauen, dass er auf allen vier Zylindern läuft und kein Öl verbrennt. Dann eine Runde warmfahren und Kompression messen. Ist die auf allen zylinder gleichmäig, ist alles in Ordnung und kein Kolbenring hängt fest. Nun noch einen Ölwechsel (warmes Öl läuft besser ab) und los gehts.

Bei der Bandit würde ich normalerweise vorher das Öl ablassen und auch nach einem gründlichen Warmfahren noch mal. Da Du aber vor dem Abstellen frisches Öl eingefüllt hattest, kannst du den Motor damit behutsam warmfahren und es dann ablassen (aus Alterungsgründen). Vor dem Starten eine Spritzer Öl in die Zylinder und ein paar Mal durchdrehen kann nicht schaden - nützt aber auch nicht viel. Wichtig erscheint mir, den Motor vor dem Starten einige Male durchzudrehen (pass auf, dass der Anlasser nicht überhitzt) um wirklich die obenliegenden Nockenwellen gut mit Öl zu versorgen. Deren Lager können eher trockenlaufen als die Kolben.
Wurden die Vergaser vor dem Abstellen nicht leer laufen gelassen, dann liegt vermutlich hier dein größtes Problem: Verharzte Düsen mit der Gefahr der Abmagerung im Betrieb. Ansaugstutzen auf Risse kontrollieren (mit Bremsreiniger einsprühen und Drehzahlwechsel beobachten).
Grundsätzlich beim längeren Abstellen eines Moppeds die Vergaser leer laufen lassen!

Grundsätzlich: Ein Motor ist schneller kaputtgeschraubt als kaputtgefahren ...

Und nun frisch ans Werk!

Martin
Clive sagt:

Re: Nach langer Standzeit Motoren reanimieren

Beitrag von Clive sagt: »

Hi Robert,
der ID-Motor ist schon seit längerem raus. Liegt so auf’m Boden rum. Den Kopf und die Ölwanne wollte ich bei dem vielleicht auch mal runter machen (wie in ein paar älteren HPs ganz gut beschrieben). Aber du hast recht. Als bekennender Messi (150%ig oder gar nicht; will heißen: meistens gar nicht :-) denk ich mir mittlerweile: Da der übrige Wagen sowieso schon bis auf die letzte Schraube zerlegt ist, wird Motor (und Getriebe) auch noch zerrupft. Habe beim „letzen Abstellen“ damals – wie kann es anders sein – so ziemlich gar nix beachtet. Ausgemacht und fertig. Ob der Motor vor dem Abstellen richtig warm war…(-> Kondenswasser in den Zylindern und damit mittlerweile Rost ?).
Den Aufwand wollte ich mir bei der Bandit aber jetzt nicht auch noch „mal eben“ antun. Ich kipp also etwas Motoröl durch die Kerzenlöcher und orgel was rum.

Hi Martin,
der Tank ist ziemlich verrottet, der Wagen aber auch längst zerpflückt. Als er noch „zusammen war“ und lief, hatte ich jede Woche eine Hand voll Eisenoxid im Zusatzfilter. Er blieb dann zur „Ernte“ praktischerweise immer automatisch stehen.
Aber ich dachte eigentlich schon, dass (besonders beim empfindlicherem Mopped) etwas Öl auf die trockenen Laufbahnen (auf dass es sich rasch verteile) was bringen würde, d.h. das Material schont. Es sollte eben nur nicht zuviel drin bleiben.
Ein ganz heißer Hinweis ist aber der auf die Nockenwellen. An die hatte ich jetzt überhaupt nicht gedacht. Mach ich also den Deckel ab, und guck ma, ob da sofort Öl kommt - oder gieß einfach was drüber.
Die Vergaser (Bandit) sind natürlich dann noch ein Thema für sich. Noch nie synchronisiert, jetzt wohl auch noch verschmantet… (die verschlissenen Kunststoffschieber – seiner Zeit was ganz was Neues – kosten mal eben 4 x 80 €). Mit dem Bremsenreiniger auf Dichtheit prüfen- das versuch ich auch mal…
Beim D-Modell wollte ich übrigens – wenn es dann soweit ist - was Größeres als den „Mini-Solex“ (auch komplett ausgelutscht) ausprobieren. Ob da bei vielleicht bei ähnlich moderatem Verbrauch ein paar Pferde mehr raus springen…

Besten Dank bis hier hin, Kollegen !

Gruß,
Clive.

Martin K. Verified
Beiträge: 786
Registriert: Di 1. Feb 2005, 19:04

Re: Nach langer Standzeit Motoren reanimieren

Beitrag von Martin K. Verified »

Hallo Clive,
ich bin ein Freund des "Mini-Solex", denn er ist unkompliziert und einfach einzustellen. Wenn er natürlich an seinem Lebensende angekommen ist ...
Du müsstetst dann einen Register-Vergaser inclusive Ansaugbrücke implantieren. Versprich Dir aber nicht einen merklichen Leistungszuwachs! Der Unterschied zwischen den nominell 78 und 90 PS ist erstaunlich gering! Der Verbrauch dürfte um ca. einen Liter steigen.
So meine Erfahrungen.
Grüße
Martin
Clive sagt:

Re: Nach langer Standzeit Motoren reanimieren

Beitrag von Clive sagt: »


Hi Martin,
90 PS hab ich schon (lt. Papieren und Tacho, DSuper, Bj.'70). Ich dachte da an den Vergaser aus dem DSuper, der danach kam - oder aus 'ner DS. Etwas über 100 müssten da doch drin sein (ich muss mich noch mal mit der umfangreichen Literatur in Klausur begeben). Kann man nicht "einfach" den Vergaser vom Folgemodell auf die vorhandene Brücke aufsetzen ? Habe von den verschiedenen Vergasern eher rudimentäre Ahnung. Wenn mit einem solchen "Umbau" der Verbrauch natürlich in die Höhe schnellt, lass ich es lieber (bis ne Gasanlage drin ist :-).
Dass so gut wie keine Einstellschrauben am Solex sind, macht ihn natürlich schon sympatisch. Und so 'nen hochgezüchteten Weber auf einen nicht ganz passenden Motorblock abzustimmen... Ich muss mich da mal was schlauer machen.

Gruß,
Clive.
Martin K. Verified
Beiträge: 786
Registriert: Di 1. Feb 2005, 19:04

Re: Nach langer Standzeit Motoren reanimieren

Beitrag von Martin K. Verified »

Hallo Clive,

also wenn Du von 90 auf 98 PS gehen wiillst (d.h. jetzt schon einen Registervergaser montiert hast), dann hat das weniger mit dem Vergaser zutun als mit dem Auspuff. Die Leistungssteigerung kommt in erster Linie dadurch zustande, dass Du statt des 4-in-1-Krümmer einen 4-in-2-in-1-Krümmer samt Hosenrohr montierst. Der Vergaser kann derselbe bleiben, lediglich die Düsenbestückung wäre leicht unterschiedlich (hab ich im Detail aber jetzt nicht im Kopf) und der Verteiler ist ein anderer, was aber auch kaum ins Gewicht fällt.
Aber auch hier gilt: Der Umbau lohnt sich kaum, die Leistungssteigerung von angeblich knapp 10 % ist auf dem Papier eindrucksvoller als in der Realität.
Grüße
Martin
Clive sagt:

Re: Nach langer Standzeit Motoren reanimieren

Beitrag von Clive sagt: »

Hi Martin,
man lernt ja nie aus. Suche schon seit längerem Ersatz für den gerissenen 4-1-Original-Krümmer (war bis zum Zerlegen absolut unscheinbar + dicht, erst nach Lösen der Schrauben fiel das Teil in der Mitte auseinander - mit schwarzen Bruchkanten, von "außen" war nix zu erkennen). Das Teil wird z.B. beim Sassen mindestens in Silber aufgewogen. Da könnte ich also statt dessen auch 'nen 4/2/1-Krümmer an den DY montieren ... Und ein paar PS mehr erwarten. Jetzt kram ich aber doch mal die Tonnen von Reparatur-Anleitungen durch, die da in den Regalen verstauben.

Bedankt + Gruß,
Clive.
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