Federung im Hochniveau

Diskussionen rund um's Thema...
tusset
Beiträge: 3
Registriert: So 29. Sep 2013, 22:08

Federung im Hochniveau

Beitrag von tusset »

Hallo Gemeinde,

mich treibt eine Verständnisfrage um.
Warum ist die Federung in der Höchststellung blockiert?
Der Druck auf die Membran ist lastabhängig und somit unverändert, heißt die Ausformung der Membrane dürfte sich in eingeregelter Höchststellung nicht ändern, nur das Ölvolumen im Hydraulikzylinder wird größer was eben das Ausfahren des Kolbens bewirkt. Die Membran hat (hätte) somit noch den normalen Arbeitshub zu Verfügung.
Hat jemand eine Erklärung dafür?
Eventuell erschießt sich aus der Antwort dann auch eine Erklärung, warum die Federung in der Zwischenstellung 8zwischen normal und ganz hoch) härter ist (zumindest mein Eindruck).
Matthias Gebauer
Beiträge: 494
Registriert: Di 1. Feb 2005, 20:04

Re: Federung im Hochniveau

Beitrag von Matthias Gebauer »

Meine Erklärung:

In Höchststellung werden die Federarme mit sehr hohem Druck (höher als der Tarierdruck der Federkugeln) gegen die oberen Anschläge gepresst.
In den Gaspolstern der Federkugeln herrsch dann ein Druck der sehr viel höher ist als der Tarierdruck.
Das System könnte zwar noch theoretisch noch einfedern, muss aber gegen ein sehr kleines und "knüppelhartes" Gasvolumen anarbeiten.

Matthias
Doctor-D
Beiträge: 1272
Registriert: Mi 18. Apr 2007, 10:53

Re: Federung im Hochniveau

Beitrag von Doctor-D »

Und gegen den mechanischen Anschlag.
Cardano
Beiträge: 353
Registriert: Mi 27. Jun 2007, 20:10

Re: Federung im Hochniveau

Beitrag von Cardano »

In Höchststellung werden die Federarme mit sehr hohem Druck (höher als der Tarierdruck der Federkugeln) gegen die oberen Anschläge gepresst

Wie soll der wagen da noch federn können?
M. Ferchaud
Beiträge: 2152
Registriert: Mi 13. Jan 2010, 21:45

Re: Federung im Hochniveau

Beitrag von M. Ferchaud »

tusset hat geschrieben: Mo 26. Aug 2024, 17:43 Eventuell erschießt sich aus der Antwort dann auch eine Erklärung, warum die Federung in der Zwischenstellung 8zwischen normal und ganz hoch) härter ist (zumindest mein Eindruck).
Der Druck im Federungssystem erhöht sich beim Anheben des Fahrzeugs, um die Höhenänderung bewirken zu können. Nach Abschluss der Korrektur bleibt der Druck im System statisch erhöht. Im selben Zuge erhöht sich der Gasdruck in den Federkugeln, und die Positionen der Membranen verlagern sich Richtung Füllstopfen. Unter anderem dadurch wird die Federung härter.

Diese Tatsache konnte ich an meinem ehemaligen C6 mittels Diagnosestation messen.

Bereits im ACC-Forum gab‘s dazu ausführliche Diskussionen.
Benutzeravatar
Thomas Held Verified
Beiträge: 5067
Registriert: Do 22. Jul 2004, 12:11

Re: Federung im Hochniveau

Beitrag von Thomas Held Verified »

M. Ferchaud hat geschrieben: Mo 26. Aug 2024, 23:30
tusset hat geschrieben: Mo 26. Aug 2024, 17:43 Eventuell erschießt sich aus der Antwort dann auch eine Erklärung, warum die Federung in der Zwischenstellung 8zwischen normal und ganz hoch) härter ist (zumindest mein Eindruck).
Der Druck im Federungssystem erhöht sich beim Anheben des Fahrzeugs, um die Höhenänderung bewirken zu können. Nach Abschluss der Korrektur bleibt der Druck im System statisch erhöht.
Die Druckerhoehung kann nur aus der geaenderten Geometrie der Schwingarme/Koppelstangen kommen. Wuerden die Federzylinder das Fahrzeug senkrecht hochdruecken, waere der Druck in den Kugeln unabhaengig von der Hoehe.
Gruss
Gruß

Tom
M. Ferchaud
Beiträge: 2152
Registriert: Mi 13. Jan 2010, 21:45

Re: Federung im Hochniveau

Beitrag von M. Ferchaud »

Thomas Held hat geschrieben: Di 27. Aug 2024, 10:00 Die Druckerhoehung kann nur aus der geaenderten Geometrie der Schwingarme/Koppelstangen kommen. Wuerden die Federzylinder das Fahrzeug senkrecht hochdruecken, waere der Druck in den Kugeln unabhaengig von der Hoehe.
Gruss
Das könnte man glauben, die Physik funktioniert allerdings anders:

Für jeden Hebe-Vorgang muss Flüssigkeit mit größerem Druck als der Ist-Wert im System eingebracht werden. Nur dadurch ist eine Erhöhung des Flüssigkeitsvolumens in den Federzylindern überhaupt möglich. Umgekehrt gilt dasselbe für das Absenken des Fahrzeugs.
Da die Flüssigkeit weder komprimiert, noch entspannt werden kann, verbleibt der „neue“ Druck nach Abschluss des Prozesses im System.
Weil der Stickstoffdruck in den Federkugeln sich jeweils dem Systemdruck anpasst (siehe auch die Gesetze nach Boyle / Mariotte), wird die Federung entsprechend härter.

Aus diesem Grund wird die Federung (nicht die Dämpfung) beim Beladen ebenfalls härter.

Demgegenüber wird in Höchststellung der maximale Systemdruck eingebracht, da in dieser Stellung die Höhenkorrektoren dauerhaft auf Einlass gestellt werden. Die Gaspolster werden dabei stark komprimiert, eine Federwirkung ist aufgrund des dann sehr kleinen Volumens nicht mehr feststellbar.

Ich suche mal den Screenshot vom Diagnose-Interface mit den Federungsdrücken vom C6 raus.
M. Ferchaud
Beiträge: 2152
Registriert: Mi 13. Jan 2010, 21:45

Re: Federung im Hochniveau

Beitrag von M. Ferchaud »

Hier die angekündigten Screenshots:

Niedrigstellung (beim C6 nicht identisch mit der Tiefstellung von Zentralhydraulikern, da nicht komplett druckfrei):
IMG_1107.jpeg
Normalstellung:
IMG_1108.jpeg
Erhöhte Position (= Zwischenstellung):
IMG_1109.jpeg
Höchstellung (beim C6 elektronisch geregelt, daher möglicherweise niedriger als bei mechanischen Höhenkorrektoren):
IMG_1110.jpeg
Pit
Beiträge: 2899
Registriert: Fr 17. Jan 2003, 18:39

Re: Federung im Hochniveau

Beitrag von Pit »

Ich stimme Tom zu.
Ohne die Anschläge der Federung und ohne Berücksichtigung der geänderten Geometrie ist der statische Druck immer so groß, dass das Fahrzeug getragen wird. Das ist ungefähr der doppelte Tarierdruck. Dann ist die Membran ungefähr in der Mitte. Während es Hochfahrens ist der Druck etwas erhöht.
Die Verhärtung kommt durch die Anschläge
Grüße,
Pit
M. Ferchaud
Beiträge: 2152
Registriert: Mi 13. Jan 2010, 21:45

Re: Federung im Hochniveau

Beitrag von M. Ferchaud »

Pit hat geschrieben: Di 27. Aug 2024, 20:10 Ich stimme Tom zu.
Ohne die Anschläge der Federung und ohne Berücksichtigung der geänderten Geometrie ist der statische Druck immer so groß, dass das Fahrzeug getragen wird. Das ist ungefähr der doppelte Tarierdruck. Dann ist die Membran ungefähr in der Mitte. Während es Hochfahrens ist der Druck etwas erhöht.
Die Verhärtung kommt durch die Anschläge
Grüße,
Pit
Tja, man kann Fakten natürlich auch ignorieren…

Anhand der Messungen kann man doch eindeutig einen Zusammenhang zwischen Vergrößerung der Fahrzeughöhe und steigendem Federungsdruck erkennen…!?
Antworten