Federung bei einer ID19 von 1965 (LHS) zu hart...

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paulchen58
Beiträge: 3
Registriert: Fr 7. Apr 2023, 11:09

Federung bei einer ID19 von 1965 (LHS) zu hart...

Beitrag von paulchen58 »

Moin in die Runde,
meine ID stand ca. 30 Jahre still (ich habe einfach zu viel gearbeitet, hatte keine Zeit) und nun habe ich sie vor 2 Jahren wiederbelebt (bin jetzt im Ruhestand). Der Aufwand war erfreulich überschaubar, neue Federkugeln und 'Rolls-Royce-LHS' (von Dirk Sassen), Höhenkorrektoren, Bremssättel, ein paar Dichtungen, neue Reifen: das war's. Und sie fährt seit dem schön ruhig und ohne weitere (große) Macken! Aber: ich bin mit der Federung nicht so ganz zufrieden. Auf langen Wellen 'schwebt' sie wundervoll... so, wie's sein soll. Und auch beim Beschleunigen taucht sie genau so ein, wie ich es mir vorstelle. Aber bei Schlaglöchern, Bahnschienen und kurzen Unebenheiten ist die Federung 'hart'. Das habe ich von damals (Mitte der 80er fuhr ich das Auto mehrere Jahre), anders in Erinnerung: da waren zum Beispiel Bahnübergänge faktisch 'gar nicht vorhanden'! Wo kann da der Fehler sein? Wie gesagt: die Kugeln sind neu und die Reifen (Michelin) auch.
vielen Dank für Eure Antworten
und beste Grüße aus dem hohen Norden,
Martin
Joe
Beiträge: 1011
Registriert: Do 16. Okt 2003, 13:29

Re: Federung bei einer ID19 von 1965 (LHS) zu hart...

Beitrag von Joe »

Hallo Martin,
suche hier im Forum einfach mal nach Informationen zu der Rolls Royce Flüssigkeit. Ich würde sie eher nicht nutzen.
Es gibt wohl bessere Alternativen. Vorschlagen will ich keine aber die Beiträge hier im Forum können helfen.

Ob die Flüssigkeit wirklich Auswirkungen auf deine Federung hat, weiß ich nicht. Meist ist es die Summe mehrer Faktoren. Leichtgängigkeit der Schwingarme, Zustand der Kugeln usw.

Viele Grüße

Julian
hy1600
Beiträge: 368
Registriert: So 2. Nov 2008, 14:17

Re: Federung bei einer ID19 von 1965 (LHS) zu hart...

Beitrag von hy1600 »

Hallo, das spricht für ein grosses Losbrechmoment und dieses wird über die Kappen der Federzylinder eingestellt mit entsprechendem Drehmoment. Ob man das durch leichtes Lösen hinbekommt, kann ich nicht sagen, muss evtl. zerlegt und die wohl verhärteten Filzringe getauscht werden.
Stabi alles ok? Meine ist eigentlich schön weich, aber Spiel im Stabi lässt sie klappern bei kleinen Unebenheiten, sehr unschön.
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Thomas Held Verified
Beiträge: 5067
Registriert: Do 22. Jul 2004, 12:11

Re: Federung bei einer ID19 von 1965 (LHS) zu hart...

Beitrag von Thomas Held Verified »

Hallo,
grosses Losbrechmoment kann auch von den Schwingarmlagern kommen. Wenn die noch nie neu gefettet wurden und das Auto 30 Jahre lang still stand...
Gruss
Gruß

Tom
M. Ferchaud
Beiträge: 2152
Registriert: Mi 13. Jan 2010, 21:45

Re: Federung bei einer ID19 von 1965 (LHS) zu hart...

Beitrag von M. Ferchaud »

Auch konventionelle Federungssysteme haben sich in den letzten 30 Jahren drastisch weiterentwickelt. Der Vorsprung, den die Hydropneumatik damals hatte, ist ein gutes Stück zusammengeschrumpft... nicht ohne Grund hat Citroën bereits vor Jahren auf Stahlfederung mit hydraulischem Anschlag umgestellt.
Ich vermute, dass hier möglicherweise eine verklärte Sicht auf die Überlegenheit der hydropneumatischen Federung vorliegt. Verglichen mit Fahrzeugen aktueller Produktion ist deren Vorsprung deutlich geschrumpft.

Abgesehen davon stimme ich meinen Vorrednern zu: Die RR-Flüssigkeit ist nicht für die Zentralhydraulik geeignet.

Was für Federkugeln wurden eingebaut? "Umgemodelte grüne" mit eingebördelten Stoßdämpfern oder baujahrsgerechte Kugeln mit geschraubten Dämpfern? Letztere müssen mit dem korrekten Drehmoment zusammengebaut und montiert sein, sonst können die Dämpferplättchen sich nicht korrekt verformen und beeinflussen die Federung negativ.
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Robert Verified
Beiträge: 3586
Registriert: Mo 31. Jan 2005, 00:41

Re: Federung bei einer ID19 von 1965 (LHS) zu hart...

Beitrag von Robert Verified »

Hallo Martin,

Deine Erinnerung ist richtig, die Deessen nehmen Bahnübergänge, Schlaglöcher und ähnliches wirklich gut. Ich merke das immer, wenn ich in den Saab umsteige, beileibe kein besonders "sportlich" ausgelegtes Fahrwerk, aber den Fahrkomfort der Deesse kann er leider nicht bieten. Was die Ursache angeht, bin ich da ganz bei Thomas und und hy1600 und würde den Fehler in der Fahrwerksmechanik der Vorderachse suchen, also Gängigkeit der Schwingarme, Koppelstangen, Stabilisator und Kugelbolzen, evtl. auch der Federzylinder. Losbrechmoment ist imho. das richtige Stichwort, und nach 30 Jahren kann da einiges im Argen liegen. Die Hydraulikflüssigkeit dürfte in dieser Hinsicht keine Rolle spielen, denn sie überträgt ja nur die Kräfte, die falsche Flüssigkeit kann "nur" zu einem erhöhten Verschleiss der hydraulischen Komponenten führen.

Viele Grüsse,
Robert
'59 DS 19/'66 ID 19/'68 DS 21 Pallas/'71 SM /'71 SM in Arbeit/'84 Renault R4F6 in Arbeit/'96 Saab 900 CV/'98 BMW 1100 GS
paulchen58
Beiträge: 3
Registriert: Fr 7. Apr 2023, 11:09

Re: Federung bei einer ID19 von 1965 (LHS) zu hart...

Beitrag von paulchen58 »

Moin Julian, Tom, Robert und M.Ferchaud,

vielen Dank für Eure Antworten... nun habe ich ein paar Hausaufgaben und ich werde mich im Wesentlichen mal um die Mechanik kümmern.
Zu der Rolls Royce Flüssigkeit: ich habe mich vor einiger Zeit versucht schlau zu machen: habe unter anderem in diesem Forum einiges gefunden, gelesen und versucht, zu verstehen....am Ende war ich kein Stück klüger... sondern deutlich verwirrter... (schade in diesem Zusammenhang, daß Ulf Petermann nicht die Rezeptur seiner LHS 2000 hinterlassen hat..., ich war Ende der 80er mit meiner ID bei ihm und sie federte danach wie eine Wolke!). Im Übrigen scheint mir die Wahl der aktuell verfügbaren LHS2-Flüssigkeiten eher philosophischer Natur zu sein: die einen sagen so, die anderen so. (erfreulicherweise habe ich kürzlich allerdings 6l Original LHS2 von Total bekommen können. Da sie ganz offensichtlich sehr alt ist, hoffe ich, daß sie noch so funktioniert, wie sie soll)

Lieber M.Ferchaud, Deine Ausführungen über die Federungen der Autos damals und heute haben mich mit einem großen Fragezeichen hinterlassen: was willst Du mir damit sagen? Daß ich mir lieber einen Golf 7 kaufen soll oder so? Du fährst doch selbst so eine wunderbare DS und dementsprechend müßtest Du doch wissen, worum es mir geht... ich weiß schon sehr genau, wie sich so ein alter D von Citroën beim Fahren und Federn anfühlt, bzw. wie er sich anfühlen sollte! Übrigens sind natürlich vor 2 Jahren die richtigen (blauen) LHS-Federkugeln (nagelneu von Dirk Sassen) ins/ans Auto gekommen und keine umgestickten grünen...

beste Grüße aus dem hohen Norden,

Martin
...hannes
Beiträge: 1541
Registriert: Fr 20. Mai 2005, 21:07

Re: Federung bei einer ID19 von 1965 (LHS) zu hart...

Beitrag von ...hannes »

paulchen58 hat geschrieben: Do 4. Jul 2024, 16:41 ... (erfreulicherweise habe ich kürzlich allerdings 6l Original LHS2 von Total bekommen können. Da sie ganz offensichtlich sehr alt ist, hoffe ich, daß sie noch so funktioniert, wie sie soll)
Wenn die Dose noch original verschlossen war, bin ich zuversichtlich, dass das (bekanntlich hygroskopische) LHS noch keine Luftfeuchtigkeit ziehen konnte. Wenn du Zweifel hegst, kannst du ja den Siedepunkt überprüfen. Er sollte, ähnlich wie bei DOT-Bremsflüssigkeit, jenseits von 200° C liegen.
Was die RR- Hydraulikflüssigkeit betrifft, soll sie im Gegensatz zum LHS keinen Schmierstoffzusatz (=angeblich Rizinusöl) enthalten und deshalb für die DS- Hydraulikkomponenten nur minder geeignet sein.
Christian T
Beiträge: 872
Registriert: Fr 7. Jan 2005, 13:14

Re: Federung bei einer ID19 von 1965 (LHS) zu hart...

Beitrag von Christian T »

Okay. Ist nicht gerade günstig. Aber immerhin gibt es die Suppe noch:
https://citroends.net/shop/product/3089 ... desc#attr=

Viele Grüße
Christian
paulchen58
Beiträge: 3
Registriert: Fr 7. Apr 2023, 11:09

Re: Federung bei einer ID19 von 1965 (LHS) zu hart...

Beitrag von paulchen58 »

Moin Hannes,

vielen Dank für Deinen Hinweis!

Was mir hierbei nicht klar ist:

'Was die RR- Hydraulikflüssigkeit betrifft, soll sie im Gegensatz zum LHS keinen Schmierstoffzusatz (=angeblich Rizinusöl) enthalten und deshalb für die DS- Hydraulikkomponenten nur minder geeignet sein.'

warum verkauft dann Dirk Sasssen das 'Zeug' mit bestem Gewissen für die alten D-Modelle und warum gibt es von Rolls Royce dafür die Freigabe für den lizensierten Nachbau der Hydropneumatik? So schön, wie unsere Autos sind, so viele Fragen werfen sie bisweilen auf... wobei ich schon auch zugeben muß, daß ich mich erst seit kurzer Zeit wieder intensiver mit der Materie beschäftige... macht viel Spaß, aber es kommen auch ständig neue Fragen dazu...;-)))

ein schönes Wochenende
wünscht:

Martin
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