Feuerlöscher

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Frank Plate Verified
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Registriert: Mo 24. Mär 2014, 16:39

Re: Feuerlöscher

Beitrag von Frank Plate Verified »

Ich lese die ganze Zeit interessiert mit und möchte an dieser Stelle meine Erfahrungen dazu beitragen.
Ich hatte bisher selbst 2 eigene Fahrzeugbrände und war Zeuge von mehreren Bränden an anderen Fahrzeugen. Jeder Vorfall hatte unterschiedliche Gründe und auch unterschiedliche Auswirkungen, so dass die Einsatzmöglichkeiten und die Wirkungsweise zum Einsatz eines Feuerlöschers sehr unterschiedlich waren. Allen Fällen gemeinsam aber ist, dass nur wirklich schnelles und besonnenes Handeln hilft. Zeitfenster von 5 oder 15 Minuten klingen gut in der Theorie, im Falle eines Falles aber läuft die Zeit von der ersten Sekunde an. Egal welcher Vorfall der Auslöser für ein Feuer ist, nicht zu unterschätzen ist die „Schrecksekunde“ bis man realisiert, was gerade passiert. Ist der Auslöser ein Unfall kommt noch eine „Schocksekunde“ hinzu, die durchaus mehrere Minuten andauern kann. Ist man nicht selbst Betroffener, sondern kommt zu einem Brandfall hinzu, ist meistens auch schon einige Zeit vergangen.

Nach meiner Erfahrung gibt es 2 Hauptfaktoren, die ein Feuer in einem Fahrzeug auslösen können: Benzin und Strom.
Beide sind in ihrer Wirkung und Ausbreitungsgeschwindigkeit unterschiedlich und erfordern u.U. auch unterschiedliche Herangehensweisen.

Feuer, das durch Benzin ausgelöst wird brennt sichtbar, der Brandherd ist also in den meisten Fällen zu erkennen. Die Entzündungstemperatur von Benzin (die Temperatur bei der sich Benzin beim Kontakt mit einer heißen Oberfläche selbst entzündet) liegt bei ca. 220°C – 460°C. Ein Auspuff kann im Stand bis ca. 500°C, im Fahrbetrieb ca. 100°C bis 300°C erreichen. Das bedeutet, kommt Benzin mit dem heißen Auspufftrakt im Berührung, entzündet es sich in den meisten Fällen und die hohen Temperaturen schädigen unmittelbar dann auch alle in der Nähe befindlichen Kunststoff- und Gummiteile. Brennt ein Benzinfeuer nach oben weg, tropft verflüssigter Kunststoff nach unten und verursacht dort weitere Schäden. Oder entwickelt neue Brandherde, denn auch lackierte Oberflächen, sowie Öle und Fette (Hohlraumkonservierung) können sich so entzünden.
Es ist also immer schnelles Handeln angesagt, denn der Point of no return, der Punkt, an dem das Feuer mit dem eigenen Feuerlöscher nicht mehr erfolgreich bekämpft werden kann, ist schnell erreicht. 2000 Gramm Löschpulver sind nicht viel und wenn man den Brandherd nicht wirklich gezielt bekämpft, verpufft im wahrsten Sinne des Wortes das meiste davon ohne Wirkung.
Als Zeuge eines Auffahrunfalles könnte ich sehen, wie innerhalb von Sekunden Flammen auf allen Seiten der deformierten Motorhaube heraus schlugen, nach wenig mehr als einer Minute brannte bereits der komplette vordere Teil des Fahrzeugs. Jeder Löschversuch war hier sinnlos und die einzige Maßnahme bestand nur noch die Bergung der Insassen. Es ist also immer abzuwägen, ob dieser Punkt schon bereits erreicht ist und andere Maßnahmen als die Feuerbekämpfung im Vordergrund stehen sollten.

Feuer, das im Stromnetz eines Fahrzeugs entsteht, brennt im Anfangsstadium oft nicht sichtbar, sondern kokelt und schmort, ohne dass Ort oder Quelle unmittelbar zu erkennen sind oder diese in unzugänglichen Bereichen (z.B. Armaturenbrett) liegen. Diese Brandherde sind viel schwieriger zu bekämpfen, da bereits eine Schädigung in Stromführenden Teile stattgefunden hat, bevor Qualm oder Geruch auf das Problem aufmerksam machen und die Bündelung von Kabeln begünstigt das Übergreifen auf weitere Bereiche des Stromnetzes. Solange ein Kabel nicht vollständig durchgebrannt ist (der Schmelzpunkt von Kupfer liegt bei über 1.000°C) oder ein Kurzschluss in einer der Sicherungen für die Unterbrechung der Stromzufuhr sorgt, kann sich ein Schmorbrand immer weiter durch den Kabelbaum fressen. Ein Batterietrennschalter kann hier mehr helfen als jedes Löschmittel, da er die primäre Brandursache sofort still legt. Ein Weiterschmoren der Kabelummantelung verhindert er allerdings nicht, hier muss dann ein Löschmittel zum Einsatz kommen.

Das nur leichte Anheben der Motorhaube bei einen Löschversuch im Motorraum ist im Prinzip richtig, allerdings „schützen“ beim D-Modell Reserverad, Kühler und Lüfter, sowie das vorne liegende Getriebe die Motorteile vor dem Einsatz des Löschmittels. Befindet sich das Feuer noch im Anfangsstadium ist es in meinen Augen sinnvoller den Brandherd zu identifizieren und dort gezielt zu löschen, als den gesamten Motorraum mit Löschmittel zu fluten. Der Einsatz einer Löschdecke und eines Feuerlöschers zur gezielten Bekämpfung von Brandnestern ist meines Erachtens die beste Methode – so der Brand noch nicht zu weit fortgeschritten ist. Zudem verursachen Pulverlöscher Sekundärschäden, die u.U. größer sein können, als der eigentliche Brandschaden, da die Ablagerung der Löschsalze in Verbindung mit (Luft-)Feuchtigkeit zu starken Korrosionsschäden führen können.

Moderne Fahrzeuge können sich selbst professionellen Löschversuchen gegenüber sehr resistent erweisen. Ein im Innenraum brennender Jeep Cherokee widerstand allen Löschversuchen der Feuerwehr, da Magnesiumteile immer wieder für spektakuläre Funkenexpositionen sorgten, die das Feuer neu entfachten. Erst die Flutung des gesamten Fahrzeuges mit Löschschaum konnte dem Spuck ein Ende setzen.

Gruß Frank
Hans-Uwe Fischer
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Re: Feuerlöscher

Beitrag von Hans-Uwe Fischer »

Frank Plate hat geschrieben: […]
Feuer, das im Stromnetz eines Fahrzeugs entsteht, brennt im Anfangsstadium oft nicht sichtbar, sondern kokelt und schmort, ohne dass Ort oder Quelle unmittelbar zu erkennen sind oder diese in unzugänglichen Bereichen (z.B. Armaturenbrett) liegen. Diese Brandherde sind viel schwieriger zu bekämpfen, da bereits eine Schädigung in Stromführenden Teile stattgefunden hat, bevor Qualm oder Geruch auf das Problem aufmerksam machen und die Bündelung von Kabeln begünstigt das Übergreifen auf weitere Bereiche des Stromnetzes. Solange ein Kabel nicht vollständig durchgebrannt ist (der Schmelzpunkt von Kupfer liegt bei über 1.000°C) oder ein Kurzschluss in einer der Sicherungen für die Unterbrechung der Stromzufuhr sorgt, kann sich ein Schmorbrand immer weiter durch den Kabelbaum fressen. Ein Batterietrennschalter kann hier mehr helfen als jedes Löschmittel, da er die primäre Brandursache sofort still legt. Ein Weiterschmoren der Kabelummantelung verhindert er allerdings nicht, hier muss dann ein Löschmittel zum Einsatz kommen.
[…]
Gruß Frank
Dem kann man nur zustimmen. Was die Elektrik anbelangt (siehe oben), kann man in vielen Fällen "Fehlervermeidung anstelle von Fehlerentdeckung" betreiben. Alleine schon die lottrig verbauten Akkus mit ihren lose verlegten Pluskabeln sind eine brandgefährliche Zeitbombe*. Und da ist nix abgesichert. Mein aktuelles KFZ hat eine 400A-Sicherung am Akku. Wäre auch für altersschwache DSs eine Lösung.

huf

[size=x-small]*) Ich musste hilflos miterleben, wie ein enger Freund und Fliegerkamerad vor mir in der Luft abstürzte und starb. Ursache: Durchgeglühtes Akku-Kabel.[/size]
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maldini Verified
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Re: Feuerlöscher

Beitrag von maldini Verified »

Hallo zusammen,

das sind ja prima Informationen! Danke an Alle!

Ich sehe langsam klarer -

Einen Batterietrennschalter an der Batterie habe ich seit vergangenem Jahr an meinem Wagen montiert - ist auch beim basteln sehr nützlich, möchte ich nicht mehr missen! Damit, einer Löschdecke und dem Hessischen "Minilöscher" könnte ich sicherlich einer Kabelkokelei Herr werden.
Diese Kombi werde ich in jedem Fall anschaffen.

Ob ich mir noch so eine Fackel in den Wagen lege weiss ich noch nicht - heute Abend schaue ich mir vermutlich noch einen Schaumlöscher an ..


soweit so gut -

grüße karl
Hans-Uwe Fischer
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Re: Feuerlöscher

Beitrag von Hans-Uwe Fischer »

Je nach Fahrzeug habe ich einen Halon-Löscher dabei.

huf
...hannes
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Re: Feuerlöscher

Beitrag von ...hannes »

Hans-Uwe Fischer hat geschrieben: Je nach Fahrzeug habe ich einen Halon-Löscher dabei.
Halonlöscher sind zumindest in Österreich für Normalsterbliche nirgendwo mehr erhältlich, obwohl sie die besten sind/waren. Gibt es für den Gebrauch in Fluggeräten eine Sondererlaubnis? Oder aus welcher Quelle beziehst du die, HUF ?
Hans-Uwe Fischer
Beiträge: 1834
Registriert: Do 30. Jan 2003, 08:27

Re: Feuerlöscher

Beitrag von Hans-Uwe Fischer »

...hannes hat geschrieben:
Je nach Fahrzeug habe ich einen Halon-Löscher dabei.


Halonlöscher sind zumindest in Österreich für Normalsterbliche nirgendwo mehr erhältlich, obwohl sie die besten sind/waren. Gibt es für den Gebrauch in Fluggeräten eine Sondererlaubnis? Oder aus welcher Quelle beziehst du die, HUF ?
Hannes, genau so, wie du schreibst, ist es. Das ist auch gut so.

huf
papasitt
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Registriert: Do 21. Aug 2008, 16:50

Re: Feuerlöscher

Beitrag von papasitt »

@Je nach Fahrzeug habe ich einen Halon-Löscher dabei.

Da vor allem das zuletzt verwendete Halon 1211 im hohen Maße die Ozonschicht angreift, sind Bereitstellung, Produktion, Vertrieb und Wartung von Halonlöschern in Deutschland seit dem 1. Januar 1994 verboten. Für teilhalogenierte Fluor-Brom-Kohlenwasserstoffe (HFBKW) war das Ausstiegsdatum der 1. Januar 1996. Seit dem Jahr 2000 dürfen in ganz Europa Halone nur in solchen Anwendungsbereichen verwendet werden, die im Anhang VII der Verordnung (EG) Nr. 2037/2000 bzw. (EG) 1005/2009 als kritische Verwendungszwecke aufgelistet und damit zugelassen sind. Ein Beispiel wäre die zivile und militärische Luftfahrt, wo Halone in stationären Anlagen an den Triebwerken und in Handfeuerlöschern im Inneraum mitgeführt werden. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist damit aber auch spätestens 2040 Schluss.

Auto

Die wenigen Exemplare, die hin und wieder auftauchen sind heiß begehrt und werden dementsprechend teuer gehandelt. Zum einen sind es wieder Autoliebhaber, die ihren Mercedes (W124 und W126 - die Vorgänger /8, W123 und W116 hatten stets MINIMAX PU 1 an Bord) oder BMW (E32, W34, E36) wieder originalgetreu herrichten wollen, andererseits auch viele Freizeit-Kapitäne, die so einen Feuerlöscher gern auf ihrem Boot hätten. [size=large]Aber Vorsicht: In Deutschland sind das Mitführen gefüllter Halonlöscher und auch deren Verwendung im Ernstfall (!) verboten. Wer damit erwischt wird, zahlt unter Umständen dicke Strafen.[/size]

Fest steht, dass die halogenierten Kohlenwasserstoffe in Form von Tetra, CB und Halon 1211 die besten und wirkungsvollsten Löschmittel gegen reine Flammenbrände der Brandklassen B und C waren. Bis heute konnte kein würdiger Ersatz gefunden werden, welcher auch nur annähernd so effektiv löscht. Die Geschichte hat jedoch gezeigt, dass die halogenierten Kohlenwasserstoffe aufgrund ihrer Giftigkeit und Umweltschädlichkeit kein fester Bestandteil im breit angelegten Sicherheitsdenken werden konnten und die Belange der Anwendersicherheit und des Umweltschutzes am Ende im Vordergrund standen und diese Löscher nach exakt 80 Jahren aufhörten zu existieren.
Freilich: Das Tetra- und CB-Löscher aufgrund ihrer Giftigkeit verboten worden sind, war eine gute und auch richtige Entscheidung. Etwas kontrovers ist jedoch das Verbot der Halon 1211-Feuerlöscher. Es ist zwar wissenschaftlich eindeutig bewiesen worden, dass sie in hohem Maße die Ozonschicht schädigen - das jedoch nur, wenn sie in Betrieb gesetzt werden und das Löschgas in die Atmosphäre gelangt. Allein an dieser Tatsache gemessen wäre es vielleicht sogar möglich gewesen, diese Geräte weiter für den Brandschutz vorzuhalten, da das Halon 1211 im Prinzip erst dann die Ozonschicht schädigt, wenn es den Behälter verlässt. Es entzieht sich jedoch meiner Kenntnis, wie viel davon beim Produktionsprozess daneben geht und was beim Tausch der Füllung mit der Altfüllung passiert. Das Halon 1211 kann so gesehen selbst nicht schlecht werden, doch da es vor allem in Verbindung mit Wasser (Luftfeuchtigkeit) korrosiv wirkt, wurde bei den Feuerlöschern von Zeit zu Zeit eine Behälterinnenkontrolle nötig, wofür sie entleert werden mussten. Ob das Halon einfach abgeblasen oder aufgefangen wurde, weiß ich wie gesagt nicht.
Hans-Uwe Fischer
Beiträge: 1834
Registriert: Do 30. Jan 2003, 08:27

Re: Feuerlöscher

Beitrag von Hans-Uwe Fischer »

[quote=papasitt]
@Je nach Fahrzeug habe ich einen Halon-Löscher dabei.

Da vor allem das zuletzt verwendete Halon 1211 im hohen Maße die Ozonschicht angreift, sind Bereitstellung, Produktion, Vertrieb und Wartung von Halonlöschern in Deutschland seit dem 1. Januar 1994 verboten. Für teilhalogenierte Fluor-Brom-Kohlenwasserstoffe (HFBKW) war das Ausstiegsdatum der 1. Januar 1996. Seit dem Jahr 2000 dürfen in ganz Europa Halone nur in solchen Anwendungsbereichen verwendet werden, die im Anhang VII der Verordnung (EG) Nr. 2037/2000 bzw. (EG) 1005/2009 als kritische Verwendungszwecke aufgelistet und damit zugelassen sind. Ein Beispiel wäre die zivile und militärische Luftfahrt, wo Halone in stationären Anlagen an den Triebwerken und in Handfeuerlöschern im Inneraum mitgeführt werden. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist damit aber auch spätestens 2040 Schluss.
[/quote]

Und das hat einen guten Grund. Und solch einen Löscher hatte ich in meinem Luftfahrzeug.

huf
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