Material/Werkzeug zur DS Restaurierung

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guenter spang

Material/Werkzeug zur DS Restaurierung

Beitrag von guenter spang »

Hallo!
Ich bin neu hier. Letzten Monat habe ich einen DSpecial (Bj. 71) gekauft. Jetzt will ich ihn in Ordnung bringen und lackieren lassen. Der Rahmen und das Chassis sind fast rostfrei, sollten jedoch konserviert werden. Die vorderen Kotflügel und die Türen haben keine Durchrostungen sind aber bereits am gammeln.
Fragen:
1. Welches Werkzeug ist sinnvoll zum Abschleifen des Lacks sowie des Unterbodenschutzes? Welche Flex (variable Drehzahl sinnvoll?), Welches Schleifgerät kaufen?).
2. Ist Sandstrahlen der Karrosserieteile wirklich notwendig? Und wenn wo?
3. Welches Konservierungsmittel ist sinnvoll für die Türen und Kotflügel innen (Fertan oder Fett o.ä)?
4. Wer weiss wie die schöne hellblaue Farbe der Baujahre 70-72 heißt? Ist das bleu camargue oder bleu de lagune?
Vielen Dank für Eure Tips!
Günter
Martin

Re: Material/Werkzeug zur DS Restaurierung

Beitrag von Martin »

Hallo Günter,

herzlich willkommen im Kreis der DS-Maniacs!

Ich kann Deine Fragen nur aus meiner Sicht und Erfahrung beantworten - andere Forumsteilnehmer sehen es anders und haben andere Tipps, da bin ich sicher. Du musst für dich raussuchen, was passt.
Zu 1: Lack schleife ich inzwischen mit einem sogenannten "Negerkeks" (sorry, kann nichts für den Namen) ab, das sind dicke schwarze Scheiben für die Flex, die aussehen wie verkohltes Sauerkraut. Werden auf allen Oldtimermärkten angeboten.
Unterbodenschutz wärme ich mit der Heißluftpistole an und schiebe ihn mit einer Spachtel ab, den Rest reinige ich mit Benzin. Ist eine heillose Sauerei und nicht gerade umweltfreundlich! Geht aber bei dem glatten DS-Boden gut. Den Unterboden lackiere ich mit hellgrauem LKW-Chassis-Lack (Kunstharz), damit ich wieder aufblühenden Rost rechtzeitig sehe.
Werkzeuge also: Heißluftpistole und Flex (normale).
Zu 2: Sandstrahlen entfernt Rost ganz toll. Trotzdem würde ich es bei einem zusammengebauten Auto nicht machen - der Sand dringt überall hin und Du wirst nicht mehr Herr über ihn.
Zu 3: Alle einschlägigen Test und viele DS-Fahrer-Erfahrungen sagen: Mike Sanders Korrosionsschutzfett ist mit Abstand das Beste. Aber auch das Verarbeiten dieses Zeugs, das zum Einbringen erhitzt werden muss, ist eine ziemliche Sauerei.
zu 4: Das helle "Babyblau" (nicht metallic) ist bleu camargue

Einige Tipps findest Du auch auf den Seiten der alten HP-Hefte im DS-Club-Archiv. Bist Du denn schon Mitglied (Achtung, hier beginnt die Werbung!!) im Club? Im DS-Club wirst Du geholfen, ob Du willst oder doch ... ;-)

Zur Zeit gerade sauber gewaschen grüßt
Martin
Hein
Beiträge: 136
Registriert: Mo 14. Okt 2002, 21:25

Re: Material/Werkzeug zur DS Restaurierung

Beitrag von Hein »

Hallo Günter,

ich möchte bezgl. der "Negerkekse" Martin bestätigen, die sind nicht schlecht. Allerdings habe ich meine als Schleifscheiben von 3M im Baumarkt erstanden, mittlerweile habe ich erfahren, das diese Scheiben im richtigen Fachhandel (KFZ- oder Lackiererbedarf) teilweise günstiger sind. Mein Baumarkt in Schleswig-Holstein verlangt ca. 7,- EUR.

Meine Scheiben hatten einen Einspandorn für die Bohrmaschine. Damit liessen sich Lack und Rost auf einem Luftfiltergehäuse erstaunlich gut entfernen.

Die dunkle - "verkohlte" Scheibe ist rauher und hinterließ deutliche Spuren im Metall, hat aber Lack und Rost ruckzuck in Staub aufgelöst. DieScheibe hat bei den engen Radien und vielen Kanten für den kompletten Luftfilter gehalten.

Der helle, "nicht so verkohlte" Keks ist etwas weicher und flexibler, dafür aber nicht so radikal.

Evtl. ist ein Gespräch mit dem künftigen Lackierer angezeigt, um zusätzliche Arbeit für das beseitigen der Schleifspuren zu minimieren.

Aber die Ausgabe für diese Scheiben haben sich gelohnt.

viele Grüße
Hein

PS: ... mal sehen ob das mit komprimieren (HP - Druck) der Bilder geklappt hat, die im Anhang sein sollten, siehe Diskussion Tacho und Kontrollleuchten ...
Frank

Re: Material/Werkzeug zur DS Restaurierung

Beitrag von Frank »

Ich würde die Karosse komplett zerlegen, thermisch(ins Branchenbuch schauen) entlacken und , das macht meistens der Entlacker, mit Glasperlen strahlen lassen.In der Nähe von München gibts so einen Laden, das kostet ca 50 € plus Steuer pro Teil.Dafür kann man natürlich auch mehrere Flexen und einen Haufen Negerkekse kaufen, aber es geht schneller, leiser, billiger.Du hast den ganzen Siff nicht in der Bude und die Teile sind perfekt rein.Geht aber nur mit Eisenblech, die Haube kann man mit Beize als Gelee entlacken, in eine Plastikfolie einpacken, aufstreichen und warten.Dann lässt sich der Lack schön abschieben.
Wenn Du die Zerlegerei eh selbst machst, wirds günstiger.
Das Fzg hat keine grossen Verkleidungen und wahrscheinlich keine Zierstäbe, was die Sache recht simpel macht.Ersetze die Führungen der Fenster aus Kunststoff, gibts neu, danach keine Windgeräusche mehr.
Fett:Sander ist das beste Zeug.Ein 4 Kilo Eimer lässt sich auf der Junggesellenkochplatte erwärmen.
Wachs hört auf zu kriechen, Rostumwandler ist ein Glaubenskrieg, imho rausgeworfenes Geld.
Auf der Beifahrerseite des Windlaufs , in Höhe des Typenschildes aus Alu ist eine runde Plakette, sofern die Popniete nicht verfault ist.Dort ist eine AC Nummer eingeprägt, für den Farbcode.
AC635 ist camargue,639 ist lagune, AC 630(1970) ist bleu danube

Und noch was fürs perfekte, hier gibts einen Laden, der Strahlt und entlackt mit Trockeneis.Ein Kund evon mir hat seinen Unterbodenschutz entfernen lassen.Ziemlich einfach und schnell, der Boden ist ja glatt.Der Gullwing braucht ein vielfaches an Aufwand, meinte der Strahler.Der Boden wird sauber, bis auf die Kataphoreseschicht.Er braucht max 2Stunden, wobei er 98 €/h vor Steuer nimmt.Wer sagt, das ist teuer, ist ein Idiot, denn kratz das Zeug mal ab.Die Anlage kostet 200.000€ und der Boden ist wirklich traumhaft sauber.

Viel Erfolg
Bernhard(Süd)

Re: Material/Werkzeug zur DS Restaurierung

Beitrag von Bernhard(Süd) »

Hallo Günter,

möchte als Ergänzung zur Empfehlung des Sanders-fetts das Fließfett vonn Fa. Mönnich (Rastede-Wapeldorf; nimmt auch komplette Fahrzeugimprägnierungen vor!) ergänzen:
Das Fett gibt`s dort m.W. in unterschiedlichen Viskositäten, also auch so dünn (etwa wie zäher Sirup, zieht aber keine Fäden...), daß es z.B. mit dem Pinsel versteichbar ist! Nach nur mäßiger Erwärmung wird`s entsprechend sprühfähig.

Habe damit gerade auch wegen der leichten Möglichkeit (also ohne Erwärmen) zur ergänzenden Selbstverarbeitung sehr gute Erfahrungen gemacht.
Das Fett kriecht über Jahre hinweg bei jeder Wärmezufuhr (Sonne) weiter und gelangt sichtbar leicht in alle Ritzen und Fugen.
Nach meinem (nicht mehr ganz aktuellen) Informationsstand versendet Fa. Mönnich das Fett auch in Kübeln an Endverbraucher.

Noch ein vollständig subjektiv gefärbter Hinweis:
Auch wenn Dich die Vorstellung einer schön neu lackierten DS verlockt,- übe Geduld und fahr`sie doch erstmal, sagen wir, eine Saison und prüfe sie dabei technisch ausgiebigst. Dann erst (auch nach gehabten Geldausgaben für die Technik, -glaub`mir, die kommen...!) wächst das Gespür dafür, wann und mit welchem finanziellem Aufwand an die "robe" gegangen werden sollte! Bereits nagende Rostansätze kann man temporär gut mit gepinseltem Fett (siehe oben), Sprühöl, Imprägnierung auf Lanolinbasis (gibt`s z.B. bei Fa. Dirk Schucht) u.ä. aufhalten (und damit, daß man gepökelte Straßen konsequent meidet)!

Vielviel Spaß wünscht
Bernhard(Süd)
jan

Re: Material/Werkzeug zur DS Restaurierung

Beitrag von jan »

ein patinierter originallack, auch wenn er stumpf ist, ist doch sowas von schööööööön! und unter neulack unrettbar verloren....
und der vorhandene gammel? gammelt auch drunter weiter... habe 2 autos, d-modell und ami6, mit rostumwandler behandelt, fazit: nützt nix. dauerhafter, flexibler abschluss vor feuchtigkeit und sauerstoff reicht - also fett. aber vorsicht bei kontakt mit gummiteilen, die leiden zumindest nach meiner erfahrung unter kontakt mit z.bsp. hohlraumwachs oder dem erwähnten lanolinöl ganz heftig: werden wellig.
ansonsten schließe ich mich dem tip von bernhard an: fahr erstmal und probiere. eine technisch gute ds auf die beine zu stellen ist die wahre herausforderung, ist viel viel schwieriger zu erreichen und bringt soooo viel mehr genuss als in einem blender zu sitzen....

viel glück mit deiner göttin!
jan
günter

Re: Material/Werkzeug zur DS Restaurierung

Beitrag von günter »

Vielen Dank für Eure Tips! Ich habe mich dazu entschlossen, erstmal nur die Karosserieteile anzugehen. Schöne Patina hin oder her, der Rost nagt an allen Falzen an den Türunterseiten und auch an den vorderen Kotflügeln. Dort besonders im Bereich der Stóßstangenbefestigungen und in den vorderen unteren Enden (da keine Ablaufbohrungen vorhanden). Die Karosserieteile müssen also gemacht werden. Was technische Mängel angeht (und das von euch empfohlene "erst mal fahren" zum kennenlernen derselbigen angeht, so war ich mir sofort bei diesem Auto sofort sehr sicher. Das Auto macht einen sehr guten technischen Eindruck. Da hatte ich nach kürzester Zeit sofort ein intensives Vertrauen in den Wagen, im Gegensatz zu vielen anderen DS, die ich zuvor gesehen/gefahren habe. Gekauft habe ich den frisch aus F stammenden DSpecial bei Falk Lehman. Ein echter Profi mit fairen Preisen, kann ich nur empfehlen (0178/3334333). Gruß! Günter
Mike

Re: Material/Werkzeug zur DS Restaurierung

Beitrag von Mike »

Hallo! Spezialisten des Korrosionsschutzes.

Ich habe ein ähnliches Problem Wie Günter. Ich habe mir vor Kurzem meinen Traum von einer ID 19/1963 erfüllt und stehe jetzt aber mangels Oldtimererfahrung etwas
ratlos meinem Schmuckstück gegenüber. Das Teil hat bisher wohl keinerlei Korrosionsschutz erhalten, ist die letzten 25 Jahre immer im Trockenen gewesen
und wird von mir auch nur bei Sonnenschein bewegt.
Dennoch sind natürlich einige Roststellen sichtbar und wahrscheinlich noch mehr unsichtbar vorhanden.

Ich möchte das Fahrzeug wie von Jan und Bernhard empfohlen erst mal fahren und
kennenlernen bevor ich mich an eventuell umfangreiche Arbeiten wagen werde.

Jedoch möchte ich nicht dass sich der Zustand inzwischen verschlechtert, was empfehlen die Experten auf diesem Gebiet ? Vollflächig alle sichtbaren und nicht
sichtbaren Flächen mit Kriechöl einsprühen, oder gibt es da andere Methoden.

Wie gesagt ich stehe der Dame etwas hilflos gegenüber und bin für hilfreiche Tipps
aufgeschlossen.

Bis dann
mike
Bernhard (Süd)

Re: Material/Werkzeug zur DS Restaurierung

Beitrag von Bernhard (Süd) »

Hallo Mike,

herzlich willkommen im kleinen, leidgeprüften und mit baujahrspezifischen Techniktipps nicht gerade verwöhnten Kreis der Rothäute!

Würde sagen, prüfe in Ruhe mal die typischen Roststellen, wie z.B. die Gegend der hinteren Stabiaufhängungen, Türunterkanten auch von innen (Fensterkurbel und Innenverkleidung gaaanz vorsichtig abnehmen) usw.

Ich kenne auch DS gerade aus den 1960er Jahren, die ganz wenig bis keinen Rost haben, die Blechqualität war wohl wesentlich besser als Anfang der 70er.
Und ich sage mir, wenn die Wagen vom Franzosen/ösin fast 40 Jahre bewegt wurden, ohne durchzurosten, dann ist es nur plausibel, daß man diesen guten Zustand auch ohne akuten Konservierungsbedarf noch weiter erhalten kann, WENN man Madame niemals gesalzenen Straßen aussetzt und nach Regen gut gelüftet (Türen und Fenster auf) durchtrocknen läßt. (Möglicherweise haben die aus der Luft von Industriegegenden vom Regen ausgewaschenen, v.a. PAK-haltigen und schwefligen Substanzen auch einen korrosionsfördernden Einfluß. Kann ich aber nur vermuten).

Dennoch beruhigt eine gute Rostvorsorge, z.B. bei Mönnich in Rastede. Oder frag` z.B. den Meister Trubendorffer, kennt sich wirklich hervorragend aus.

Grüße & viel Spaß:
Bernhard
Andreas Buss

Re: Material/Werkzeug zur DS Restaurierung

Beitrag von Andreas Buss »

Für die "richtige" Wahl der Beschichtung empfehle ich zu überlegen, wie das alte Auto in Zukunft tatsächlich genutzt werden soll, ob als wetterfester Alltagswagen , Sommerauto oder bewegliches Sammlerstück. Ich halte den originalen Altlack für wertvoll und behaupte: Ausbesserungen oder partielle Reparaturen des Originallacks schaden der Schönheit der DS nicht. Es muss nicht immer eine totale Ent- und Wiederbeschichtung sein, wenn das Auto später ohnehin meist im Trockenen steht. In der Restauration von Kunst oder in der Denkmalpflege steht die behutsame Reparatur vor der Restauration. Und mit einem Kunstobjekt wird die DS von Ihren Verehrern gern gleichgesetzt. Ist aber ein anderes Thema.

Andreas
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