Berta Benz II – die nicht-technische Aspekte

Hier kann nach Herzenslust abgeschweift werden.
Frank Plate Verified
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Berta Benz II – die nicht-technische Aspekte

Beitrag von Frank Plate Verified »

Ich mache hier mal einen Parallelthread auf, um den eigentlichen Berta Benz-Thread von den gesellschaftlich-politischen Fragen freizuhalten, diese können jetzt hier erörtert werden.

Neben der Ressourcen- und Umweltbelastung von Verbrennungsmotoren vs. Elektroantrieben will ich den Aspekt der Nutzung und Nutzungszeit von Individualverkehr gegenüber den Massenverkehrsmitteln noch einmal in den Focus rücken.
priusb78 hat an einer Beispielspielrechnung den Energieverbrauch von PKW und Straßenbahn gegenübergestellt und das Leerfahrten von Straßenbahnen nicht gerade umweltfreundlich sind, darauf hat dosdres zu Recht hingewiesen. Ich möchte dem die Nutzungsdauer von PKW´s zu Seite stellen.

Es wird zwar viel über das Auto-fahren gesprochen, aber das eigentliche Problem ist das Auto-stehen.
Die durchschnittliche Wegstrecke, die ein PKW (in Deutschland 2008) täglich zurücklegt hat lag bei ca. 45 Kilometern und einer Fahrzeit von etwas über 70 Minuten. Das bedeutet, dass die Standzeit eines PKW´s pro Tag bei knapp 23 Stunden liegt, die Standzeiten an Ampeln oder in Staus nicht mit eingerechnet. Daraus ergibt sich für einen PKW eine tatsächliche Nutzungsdauer von durchschnittlich 4 - 5% seiner gesamt möglichen Nutzungszeit. Oder andersherum ausgedrückt, 95% seiner Lebenszeit steht ein PKW.
Die Berechnungsgrundlagen, die zu diesen Werten führen mögen Ungenauigkeiten oder auch Fehler aufweisen, doch selbst wenn man einen 10% oder sogar 50%igen Fehleraufschlag hinzurechnet, bleibt ein großes Fragezeichen hinter der Effizienz des Individualverkehrs, das sich wohl wirklich nur mit Individualität erklären läßt.

Hier der Link zu den Zahlen und der Studie von Martin Randelhoff, die übrigens noch weiter führt und den Aspekt des Platzbedarfes und der Kosten beleuchtet, die durch das Auto-stehen verursacht werden.

Gruß Frank

edit: Typo
Carsten_SM
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Re: Berta Benz II – die nicht-technische Aspekte

Beitrag von Carsten_SM »

Deswegen hab ich das bei uns gesplittet: ein großer Kombi für Fernstrecken, DS trailern :-), und ein 18 Jahre alter Ur-Smart für die City.

Den Smart hätte ich total gern als ED, aber wer soll den bezahlen, gebraucht gibts nix. So wie er da steht, viel Eigenleistung, Motor komplett gemacht, 1500 Euro. Dafür krieg ich elektrisch gar nix. Also weiter "Ölverbrenner" fahren ? Muss wohl.

Dann laden: wie denn, in der Stadt, mit frei wechselnden Anwohner-Parkplätzen ? Nicht fest zusortiert, keinerlei Ladetechnik in Sicht, völlig unklar, ob man vom Keller (Eigentumswohnungen) z. B. Unterm Bürgersteig durch zur Strasse eine Säule verdrahten dürfte, könnte... und dann muss immer genau der Platz frei sein- da kann man nur noch mit Sperrbügeln arbeiten.

Also, so wird das nix. Und wenn man erst sonstwieweit zum Ladeplatz laufen muss- schaff ich die Karren ab. Das macht irgendwie kaum Sinn, dann.

Carsten
priusb78 Verified
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Re: Berta Benz II – die nicht-technische Aspekte

Beitrag von priusb78 Verified »

Hallo Carsten,
Du hast das Ladeproblem für Stadtbewohner exakt beschrieben.

Die Japaner haben dafür das Gleichstrom-Schnellladen schon vor fast 10 Jahren eingeführt. CHAdeMO heisst der Standard und soll angeblich heißen "Laden während einer Tasse Tee".

Wärst Du bereit, mit einem eSmart alle 2-3 Tage zu einer Art Tankstelle zu fahren und 10 min Ladezeit zu warten?
10 min wären bei 100 KW Ladeleistung ca. 60-70 km Reichweite.

Wenn es solche "Tankstellen" auf Supermarktparkplätzen usw. gäbe, könnte das evtl. reichen.

Gruß Thorsten
D Super 5, Bj. '74, brun-scarabée aus Italien
Frank Plate Verified
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Re: Berta Benz II – die nicht-technische Aspekte

Beitrag von Frank Plate Verified »

Neben dem Problem mit den (Schnell-)Ladestationen auf Fernstrecken ist das der Ladestationen in Städten und Ballungsräumen eines, was die Elektromobilität extrem einbremst.
Praktisch liegt in jeder Straße mit Beleuchtung Strom und die täglichen Kilometerleistungen in den Ballungsräumen sind im Individualverkehr auch überschaubar. Von daher würde es gerade hier Sinn machen, verstärkt auf Elektromobilität zu setzen. Die Hindernisse sind die von Carsten angesprochene individuelle Parksituation, die bisher ausgetragene Konnektivitätsrivalität, welcher Stecker nun der bessere ist und die fehlende Bereitschaft von Städten und Gemeinden in eine Infrastruktur für Elektromobiltät zu investieren, incl. eines überregionalen Bezahlsystems. Und wahrscheinlich gibt es da noch ein paar mehr Aspekte, die die Sache hemmen.

Ein Lösungsansatz könnte im Elektro-Carsharing liegen, wenn diesen Fahrzeugen feste Parkmöglichkeiten mit entsprechenden Ladestationen zur Verfügung gestellt werden. Das wiederrum würde aber zum Teil eine Abkehr vom eigenen Fahrzeug voraus setzen, ein Schritt der sich nach über 100 Jahren individuellem Automobilbewußtsein nicht von heute auf morgen durchsetzen wird.
Ich verfolge mit großem Interesse eine hier in Frankfurt die aufkommende Debatte, in der die Stadt andeutet, Fahrzeugen von Carsharing-Firmen nicht länger kostenlosen Parkraum auf öffentlichen Straßen zur Verfügung stellen zu wollen. In diesem Zuge entwickelt sich die Diskussion dahingehend, dass von der Stadt Carsharing-Projekte grundsätzlich unterstützt werden und sie für diese Fahrzeuge gesonderte Parkräume – kostenpflichtig - bereitstellen will. Würden diese Parkräume gleichzeitig mit Ladestationen ausgestattet werden, könnte das tatsächlich ein Einstieg in eine zwar kleine, aber flächendeckende Elektro-Carsharing-Infrastruktur bedeuten.

Gruß Frank
Carsten_SM
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Re: Berta Benz II – die nicht-technische Aspekte

Beitrag von Carsten_SM »

Ja, wäre ich. Ich meine, der Smartie macht 4000 km im Jahr. Also 15 am Tag. Also einmal die Woche oder so tanken, statt derzeit einmal im Monat für 26 Euro vollmachen :-) mit feinstem Super E5.

Ich könnte, wenn es dort ginge, auch auf dem Bauernhof laden, wo meine Oldies sind, beim Schrauben lädt der Smart. Aber die Elektrik dort ist in Teilen noch von vor dem Krieg. Allerdings nicht WK2, sondern wohl WK1...:-)

Eigentlich war der Plan, nach einigen Jahren in der City ein Haus am Rand zu kaufen, und da hätte ich mich schon energie-autarkisiert. Aber bei den Preisen, die hier gefragt werden, kannst Dir passend zum Haus vielleicht noch ne E-Zahnbürste leisten, das wars dann.

Carsten
priusb78 Verified
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Re: Berta Benz II – die nicht-technische Aspekte

Beitrag von priusb78 Verified »

Hallo Frank,
danke fürs Teilen des Threads und Deine Infos zum Car-sharing in Frankfurt.

Ich finde es durchaus angemessen, für fest reservierte und mit Lademöglichkeit ausgestattete Parkplätze Geld zu verlangen. Wenn ich mir einen Stellplatz oder eine Garage miete und einen Stromanschluss legen lasse, kostet das ja auch Geld.

Ich bin gespannt, welche Gebühren verlangt werden. Ladetechnik ist ziemlich teuer. Spannend dann auch der verrechnete Strompreis und die Gebühr für den Parkplatz. Am Beispiel von Tesla sieht man das entstehende Problem: Laden dauert nur eine bestimmte Zeit. Danach sollte das Auto Platz machen für den nächsten und nicht parken und die teure Ladesäule blockieren. Tesla verlangt nach Abschluss der Ladung inzwischen eine "Parkgebühr" vor dem blockierten Schnelllader. Ach, wie einfach ist doch Benzin und Diesel...

Gruß Thorsten
D Super 5, Bj. '74, brun-scarabée aus Italien
dosdres Verified
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Re: Berta Benz II – die nicht-technische Aspekte

Beitrag von dosdres Verified »

ach, wie einfach ist doch bezin und diesel.....

habe früher vorwiegend käfer und daimler nach USA verschifft.
war eine steuersache für GI´s.
damals, (noch heute?), konnte man durch ganz bremerhaven
auf der grünen welle bis zum überseehafen(?)
fahren, ohne einmal zu halten.
100 jahre auto, und wo gibt es, in welcher stadt, grüne welle?
man steht mehr an der ampel als man fährt.
da gast es hinten sinnlos raus.
selbst gemäßigtes anfahren läßt ordentlich gas in die athmosphäre.

hat auch noch niemand gelernt, an pilotampeln seinen verbrenner ruhen zu lassen.
auf der B425 von Bitche(F) nach Zweibrücken oder gegenrichtung,
bremsen die Lenker, weil sie bei 90km/h nur max.5-6m abstandhalten,
auf 20km oft 25mal.
das erzeugt auch feinstaub.
eine kleine anschließende gefällestrecke wird von oben bis unten weihnachtlich
durch die bremslichter beleuchtet. alle!machen das.
runterschalten oder abstand ist nicht.
seit 100 jahren haben die architekten nicht gelernt,
dass in einer bau-supermarkt-parkplatz-bucht
in einem 45grad winkel einfacher zu parken ist,
als in einer 90grad bucht.
und dann kommt mein lieblingsthema!
im stau, jeden zentimeter vorrücken, bei laufendem motor.
stundenlang.

vorauschauend fahren, abstand halten, grüne welle.
das halbiert garantiert den schadstoffausstoß.

"E" ist sicher erste sahne in allen punkten,
abgesehen davon, dass es ewig dauern wird,
bis die mützen in die gänge komme die infrastruktur zu schaffen.
wird noch ein spezel gesucht.
siehe BER airport
nur der mensch bleibt weiter psycho.

nur nicht ernst nehmen.
erik
radel56 Verified
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Re: Berta Benz II – die nicht-technische Aspekte

Beitrag von radel56 Verified »

Eine Alternative zu Ladestationen wäre es, wenn jedes E-Auto vereinheitlichte oder standardisierte Akkus hätte. Es müsste dann Akku-Stationen geben, an denen man die leeren gegen volle Akkus auswechselt, was nur einen Bruchteil der fürs Laden benötigten Zeit dauern würde. Und dann könnten die leeren Akkus in aller Ruhe wieder geladen werden.
Das würde natürlich ein koordiniertes Vorgehen bei der Forcierung der E-Mobilität erfordern.
Aber im Moment sind wir sowieso noch in einer Übergangszeit und da ist es vielleicht nicht nur erlaubt, sondern auch erforderlich, neue Ideen einzubringen.
Gruß
Schwebende Grüße

Konrad

DSuper 5 Bj. 73
priusb78 Verified
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Re: Berta Benz II – die nicht-technische Aspekte

Beitrag von priusb78 Verified »

Hallo Erik,
für Deine geschilderten Probleme brauchen wir nicht auf eAutos warten:
Ich fahre seit 12 Jahren einen "Hybriden" von Toyota, der den Verbrenner ausmacht, sobald du vom Gas gehst, der elektrisch rekuperierend bremst, der im Stau rein elektrisch fährt, den Klimakompressor per eMotor betreibt usw. - und das Ganze ohne jegliches techn. Problem bei einem Verbrauch von 5,2 Litern über 230.000 km.
Das Problem: fast niemand weiß das oder interessiert sich dafür!
Lieber Diesel kaufen wie immer...
Gruß Thorsten
D Super 5, Bj. '74, brun-scarabée aus Italien
priusb78 Verified
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Registriert: Di 9. Jul 2013, 14:42

Re: Berta Benz II – die nicht-technische Aspekte

Beitrag von priusb78 Verified »

Hallo Konrad,
an der Idee ist Better Place in die Pleite gegangen.
Heutige Akkus von mehreren hundert Kilogramm sind "mechanisch integriert" im Boden / Kofferraumbereich der Autos, damit nicht wechselbar.
Sollten Akkus irgendwann mal klein genug sein, könnten Standardformate evtl. Sinn machen. Vermutlich haben wir bis dahin aber Reichweiten von >500 km und Schnellladen in wenigen Minuten, das wir keinen Tausch mehr brauchen.
Porsche bringt für seine "Tesla-Jäger" in 2019 Schnelllader mit 350 KW Ladeleistung! Das sind dann 400km Reichweite in weniger als 15 min.
Gruß Thorsten
D Super 5, Bj. '74, brun-scarabée aus Italien
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