Unerfreuliches von der OldtimerCard
Verfasst: Fr 15. Aug 2014, 22:36
Bonjour à tous!
Hier folgt ein Erfahrungsbericht über eine recht unerfreuliche Erfahrung mit der OldtimerCard. Aber gleich vorab ein Disclaimer: ich stelle meine Mitgliedschaft im AvD nicht in Frage, ich bin froh, dass es den AvD gibt und ich nicht auf gewisse, sicher größere, Clubs angewiesen bin!
Allerdings sind meine aktuellen Erfahrungen mit der Oldtimer-Card so, dass sich deren Sinn für mich nicht mehr erschließt und mir eine ganz normale AvD Mitgliedschaft den gleichen Service zu bieten scheint. Ich bin noch unsicher, welche Konsequenzen ich aus den geschilderten Erfahrungen ziehen soll.
Folgendes war geschehen: längerer Motorrevision in der heimischen Garage und Gesamtdurchsicht des Wagens mit Behebung einiger kleinerer Mängel zwecks HU in der Werkstatt meines Vertrauens hatten wir (eine „Kleinfamilie“ mit zwei kleinen Kindern) in diesem Jahr bereits knapp 3000km durch Deutschland zurückgelegt, ohne Probleme. Also sollte auch unsere Frankreich-Urlaub in diesem „Sommer“ mit DS stattfinden. Pannen schienen mir unwahrscheinlich.
Leider trat aber schon auf der ersten Etappe in die Vogesen ein ganz unerwartetes und wohl auch seltenes Problem auf: die Schaltung wurde schwergängig (5-Gang) und blieb schließlich hängen, meine Einstellungsversuche brachten mir nur die Gänge 1-4 zurück, unser gebuchtes Domizil in den Vogesen erreichen wir letztlich nur noch im ersten Gang. Hier fand ich ein gerissenes bzw. aus der Seilklemme am Getriebe gerutschtes Schaltseil als Ursache.
Mir schien ohne Originalersatzteil allenfalls eine provisorische Reparatur mit eventuellem Wiedererlangen der Gänge 1-4 möglich, allerdings nicht mit Bordmitteln. Auf den einschlägigen Homepages der französischen Clubs konnte ich leider keine Adresse für eventuelle Hilfe im Umkreis von 50km ausmachen, ich fand nur vage Hinweise auf eventuell DS-geeignete Werkstätten in St. Die oder Munster ohne konkretere Angaben.
Es war Samstagabend, Einkaufsmöglichkeiten oder wenigstens Restaurants in (für Kinder) fußläufiger Entfernung gab es leider nicht. Immerhin spielte – noch – das Wetter mit. Eine zufällig in etwa 200m Entfernung liegende „Garage Citroën“ hielt ich nach Sichtung der dort stehenden zahlreichen aber durchweg recht neuen Fahrzeuge und nach Gesprächen mit Anwohnern für nicht „DS fähig“.
Es war klar, wir brauchten einen Mietwagen - einerseits um die Kinder zu versorgen, andererseits um eventuell ein Schaltseil aus Deutschland zu holen. Leider auch diesbezüglich Fehlanzeige. Eine telefonisch angefragte, sehr gute Mietwagenvermittlung in Deutschland konnte mit unserem Standort (eine nicht ganz kleine Stadt) nichts anfangen. Hier gäbe es wohl nix...
Am Sonntag beschloß ich dann, den AvD anzurufen. Laut Eigenwerbung bietet die OldtimerCard ja unter Anderem (Zitat):
Pannen- und Unfallhilfe weltweit
Bergung Ihres Oldtimers nach Unfall
Fahrzeugunterstellung nach Fahrzeugausfall
Weiter- oder Rückfahrt nach Fahrzeugausfall
Mietwagen bei Fahrzeugausfall
Ersatzteilversand
Rückholung Ihres Oldtimers nach Fahrzeugausfall
etc etc
Aus dem Ausland nicht gebührenfrei, ok. Am Sonntag funkionierte die Oldtimer-Service-Nummer anscheinend nicht, wohl aber die Nummer der allgemeinen Pannenhilfe. Hier ging erst mal alles nach „Schema F“: „Wie viele Personen? Ist das Fahrzeug fahrfähig? Kann es provisorische fahrfähig gemacht werden? Nein? Ok, wir holen Sie und das Fahrzeug ab. Benötigen Sie eine Unterkunft?“
Soweit sehr professionell und beruhigend, ich wollte aber noch gar nicht abgeholt werden, sondern Hilfe beim Aufspüren eines Mietwagens sowie eines Seilzuges, möglichst mit Ersatzteilversand.
Jetzt kam die Frage nach dem Fahrzeugmodell, trotz Oldtimer-Card also nicht bekannt?? Sehr erfreute Reaktion: „Citroën DS? Na, das ist in Frankreich doch gar kein Problem! Da finden wir einen Spezialisten! Da es ja kein Notfall ist (Anm.: war es noch nicht), sorge ich dafür, dass morgen früh ein Fachmann zu Ihnen kommt!“
Ja gerne! Ich dachte an die vagen Hinweise auf eventuell DS-geeignete Werkstätten in St. Die oder Munster. Sollten diese beim AvD etwa bekannt sein? Das wäre ja spitze! Also vielen Dank dafür! Dachte ich mir.
Noch am gleichen Abend rief eine recht unfreundliche Dame an, meldete sich mit „Votre Assistance en France“, was ich erst für einen Werbeanruf hielt, und kündigt für Montagmorgen 9 Uhr eine „Depannage sur Place“ an. Ebenfalls sehr professionell.
Kurz vor neun am anderen Morgen ruft ein entnervter Mechaniker von seinem Handy aus an, er könne die angegebene Hausnummer nicht finden. Leider hatte er oder sein Navi den Unterschied zwischen „Rue de...“ und „Impasse de...“ gleichen Namens nicht bemerkt. Ich biete ihm an, in drei Minuten bei der Garage Citroën zu sein, ob er diese kenne und mich da abholen könne. Seine Reaktion war für mich deprimierend: „Biensûr, je viens de là!“ Hatte der AvD etwa einen DS Spezialisten in einer Citroën-Werkstatt gefunden? Kaum vorstellbar.
Bei der Ankunft am Wagen seine erstaunte Reaktion: „Ah, une DS!“ dann die typische Frage, an der man sei jeher den DS-Fachmann erkennt: ob der denn noch hoch und runter ginge!
Das schon. Aber: ich öffne die Haube und zeige ihm das abgerissene Zugseil. Obwohl ich vorher alles erläutert hatte, seine Blickdiagnose: „Ah, l'embrayage!“. Leider nein. Ein Kupplungsseil hätte ich selbst reparieren können. Dann hält er ratlos den Umlenkhebel in der Hand (ausgebaut sind ja nur das Luftleitblech und dieser Umlenkhebel) und fragt, ob ich wisse, wie „tout ca“ wieder zusammengehöre....
Ob ich denn möchte, dass der Wagen abgeschleppt wird. Nun, sage ich, wenn Sie das Ersatzteil besorgen und einbauen können, können Sie den Wagen gerne mitnehmen. Natürlich kann er das nicht zusagen, er will es mit seinem Chef klären, ich solle in ein paar Stunden in der Werkstatt noch mal nachfragen.
Jetzt wird es langsam ernst: wir sitzen seit zwei Tagen mit zwei kleinen Kindern in einer entlegenen Gegend, ohne Zugang zu Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants etc., es sind schwere Unwetter angesagt und wir können mitten in der Hauptsaison das Ferienhaus nicht länger als geplant nutzen.
Also nochmals Anruf beim AvD, diesmal Gespräch mit einer professionellen, aber von mir schnell genervten Dame, weil bei mir das ganze „Schema F“ Zeug nicht greift. Das längliche Telefonat in Kürze:
- ich hätte den Anspruch auf weitere Hilfe verwirkt, da ich das Abschleppen abgelehnt hätte. Das lässt sich aber nach Rücksprache mit ihrem Chef und Rückruf regeln, ich habe das Abschleppen ja nur verschoben (bis bzw falls die Citroën-Werkstatt die Reparatur durchführen kann).
- ich hätte nur einmal pro Ereignis Anspruch auf Pannenhilfe. Wenn ich jetzt den Ersatzteilversand in Anspruch nähme, hätte ich z.B. keinen Anspruch mehr auf Rückholung. Ob ich denn sicher sei, das die Panne nur an genau diesem einen Teil liege. Naja, was ist schon sicher? Ist vielleicht doch eine Schaltgabel verbogen und würde das nächste Zugseil auch gleich killen?
- die Hilfe beim Ersatzteilversand bestünde darin, dass ich Erstattung der Portokosten beantragen könne. Meine naive Vorstellung, wenn das Teil nur bei einem Händler vorrätig wäre, bei dem ich nicht Kunde bin (ich bin seit vielen Jahren nur noch bei einem Händler Kunde), würde evtl der AvD für die Bezahlung des Teils bürgen und insbesondere auch einen raschen Versand organisieren...sehr naiv offenbar.
- Hilfe bei der Suche nach einem Mietwagen gibt es auch nicht. Ich könne ja die Citroën-Werkstatt um einen Ersatzwagen bitten. Allerdings würde man mir die Mietwagenkosten nur erstatten für den Zeitraum, den der Wagen bei einer VERTRAGSWERKSTATT steht. Mir also nicht.
- wenn die aktuell beauftragte Werkstatt die Reparatur tatsächlich, wie von mir vermutet, nicht durchführen könne, würde man eben die nächste Citroën-Werkstatt beauftragen. Davon gäbe es ja genug in Frankreich. Jetzt müsse erst die Rückmeldung dieser Werkstatt abgewartet werden.
Nach einem Unterstellplatz (s.o. „Fahrzeugunterstellung nach Fahrzeugausfall“) wegen der drohenden Unwetter frage ich erst gar nicht mehr. Ich frage mich aber nach versteckter Kamera, denke an Herrn Kafka und rufe dann Falk Lehmann an. Er schickt das Teil gleich los.
Die Werkstatt hat keinen Leihwagen für mich, aber es findet sich in den „Gelben Seiten“ eine winzige Mietwagenagentur, geöffnet nur während der üblichen Geschäftszeiten, die mir innerhalb einiger Stunden einen Wagen zu sehr mäßigen Konditionen besorgt. Damit ist zumindest die Ernährung gesichert. Die Unwetter kommen auch, heftigst sogar, die DS muss draußen stehen und ist nach drei Tagen auch innen feucht, einschließlich Motor (wegen der hohen Luftfeuchtigkeit und der ungeheuren Wassermassen, die sich teilweise einen Weg direkt in den Motorraum bahnen).
Am dritten Morgen scheint wieder die Sonne, das Zugseil aus Heidelberg kommt gleichzeitig an. Einbau komplikationslos. Motorstart nach einigen Stunden Sonnenhitze: ohne Probleme. Nächste Etappe: Piemont, dann Cote d'Azur. Inzwischen wieder zurück. Alles komplikationslos.
Die Citroën Werkstatt wollte noch wissen, wer ihre Rechnung zahlt. Also nochmal ein Anruf beim AvD, ein weiterer Mitarbeiter, der mir nicht glaubt, dass eine Citroën-Werkstatt in Frankreich keine DS reparieren könne. Letztlich bekommt die Werkstatt großzügig Geld für „Depannage sur Place“, alles Weitere, wie auch die Bergung des Wagens aus der schmalen Gebirgs-Sackgasse und Verbringung in die Vertragswerkstatt hätte ich selbst zahlen müssen. Dafür hätte ich dann vielleicht die 3 Tage Mietwagen erstattet bekommen...
Nun: wer braucht eine Oldtimer-Card, die im wesentlichen eine Versicherung ist und z.B. die Portokosten eines Ersatzteilversandes abdeckt? Allein meine Telefonkosten waren deutlich höher. Oder Mietwagenkosten nur, solange der Wagen bei einer VERTRAGSWERKSTATT steht?
Der Zwang zu Vertragswerkstätten ist bei alten Citroën einfach grotesk. In diesem konkreten Fall hat mich die OldtimerCard nur Zeit und Geld gekostet. Bis auf die immerhin angebotene Rückholung und die nicht zielführende Organisation der „Depannage sur Place“wurde keines der o.g. Versprechen eingehalten. Insbesondere keinerlei organisatorische Hilfe, wie ich sie benötigt hätte und wie es bei Oldtimern sicher nicht ungewöhnlich ist.
Wahrscheinlich fährt man also günstiger, wenn man ohne OldtimerCard unterwegs ist, nur dem dem normalen AvD-Schutz. Das Prozedere im Pannenfall ist offenbar bei Oldtimern und modernen Alltagsfahrzeugen identisch.
Im Zweifelsfall kommt man dann aber mit ausgebautem Verteilerfinger kostenlos mit Auto und Familie nach Hause zurück, da jede Citroën-Vertragswerkstatt hier einen irreparablen Motorschaden diagnostizieren würde.
Nun, ich übertreibe vermutlich ein wenig. Würde mich aber über Meinungsäußerungen und eigene Erfahrungen zur OldtimerCard sehr freuen. Auch als Hilfe für meine Entscheidungsfindung.
Immer noch angenervt:
Jean-Baptiste,
der auch weiterhin mit DS nach Frankreich fahren wird.
Hier folgt ein Erfahrungsbericht über eine recht unerfreuliche Erfahrung mit der OldtimerCard. Aber gleich vorab ein Disclaimer: ich stelle meine Mitgliedschaft im AvD nicht in Frage, ich bin froh, dass es den AvD gibt und ich nicht auf gewisse, sicher größere, Clubs angewiesen bin!
Allerdings sind meine aktuellen Erfahrungen mit der Oldtimer-Card so, dass sich deren Sinn für mich nicht mehr erschließt und mir eine ganz normale AvD Mitgliedschaft den gleichen Service zu bieten scheint. Ich bin noch unsicher, welche Konsequenzen ich aus den geschilderten Erfahrungen ziehen soll.
Folgendes war geschehen: längerer Motorrevision in der heimischen Garage und Gesamtdurchsicht des Wagens mit Behebung einiger kleinerer Mängel zwecks HU in der Werkstatt meines Vertrauens hatten wir (eine „Kleinfamilie“ mit zwei kleinen Kindern) in diesem Jahr bereits knapp 3000km durch Deutschland zurückgelegt, ohne Probleme. Also sollte auch unsere Frankreich-Urlaub in diesem „Sommer“ mit DS stattfinden. Pannen schienen mir unwahrscheinlich.
Leider trat aber schon auf der ersten Etappe in die Vogesen ein ganz unerwartetes und wohl auch seltenes Problem auf: die Schaltung wurde schwergängig (5-Gang) und blieb schließlich hängen, meine Einstellungsversuche brachten mir nur die Gänge 1-4 zurück, unser gebuchtes Domizil in den Vogesen erreichen wir letztlich nur noch im ersten Gang. Hier fand ich ein gerissenes bzw. aus der Seilklemme am Getriebe gerutschtes Schaltseil als Ursache.
Mir schien ohne Originalersatzteil allenfalls eine provisorische Reparatur mit eventuellem Wiedererlangen der Gänge 1-4 möglich, allerdings nicht mit Bordmitteln. Auf den einschlägigen Homepages der französischen Clubs konnte ich leider keine Adresse für eventuelle Hilfe im Umkreis von 50km ausmachen, ich fand nur vage Hinweise auf eventuell DS-geeignete Werkstätten in St. Die oder Munster ohne konkretere Angaben.
Es war Samstagabend, Einkaufsmöglichkeiten oder wenigstens Restaurants in (für Kinder) fußläufiger Entfernung gab es leider nicht. Immerhin spielte – noch – das Wetter mit. Eine zufällig in etwa 200m Entfernung liegende „Garage Citroën“ hielt ich nach Sichtung der dort stehenden zahlreichen aber durchweg recht neuen Fahrzeuge und nach Gesprächen mit Anwohnern für nicht „DS fähig“.
Es war klar, wir brauchten einen Mietwagen - einerseits um die Kinder zu versorgen, andererseits um eventuell ein Schaltseil aus Deutschland zu holen. Leider auch diesbezüglich Fehlanzeige. Eine telefonisch angefragte, sehr gute Mietwagenvermittlung in Deutschland konnte mit unserem Standort (eine nicht ganz kleine Stadt) nichts anfangen. Hier gäbe es wohl nix...
Am Sonntag beschloß ich dann, den AvD anzurufen. Laut Eigenwerbung bietet die OldtimerCard ja unter Anderem (Zitat):
Pannen- und Unfallhilfe weltweit
Bergung Ihres Oldtimers nach Unfall
Fahrzeugunterstellung nach Fahrzeugausfall
Weiter- oder Rückfahrt nach Fahrzeugausfall
Mietwagen bei Fahrzeugausfall
Ersatzteilversand
Rückholung Ihres Oldtimers nach Fahrzeugausfall
etc etc
Aus dem Ausland nicht gebührenfrei, ok. Am Sonntag funkionierte die Oldtimer-Service-Nummer anscheinend nicht, wohl aber die Nummer der allgemeinen Pannenhilfe. Hier ging erst mal alles nach „Schema F“: „Wie viele Personen? Ist das Fahrzeug fahrfähig? Kann es provisorische fahrfähig gemacht werden? Nein? Ok, wir holen Sie und das Fahrzeug ab. Benötigen Sie eine Unterkunft?“
Soweit sehr professionell und beruhigend, ich wollte aber noch gar nicht abgeholt werden, sondern Hilfe beim Aufspüren eines Mietwagens sowie eines Seilzuges, möglichst mit Ersatzteilversand.
Jetzt kam die Frage nach dem Fahrzeugmodell, trotz Oldtimer-Card also nicht bekannt?? Sehr erfreute Reaktion: „Citroën DS? Na, das ist in Frankreich doch gar kein Problem! Da finden wir einen Spezialisten! Da es ja kein Notfall ist (Anm.: war es noch nicht), sorge ich dafür, dass morgen früh ein Fachmann zu Ihnen kommt!“
Ja gerne! Ich dachte an die vagen Hinweise auf eventuell DS-geeignete Werkstätten in St. Die oder Munster. Sollten diese beim AvD etwa bekannt sein? Das wäre ja spitze! Also vielen Dank dafür! Dachte ich mir.
Noch am gleichen Abend rief eine recht unfreundliche Dame an, meldete sich mit „Votre Assistance en France“, was ich erst für einen Werbeanruf hielt, und kündigt für Montagmorgen 9 Uhr eine „Depannage sur Place“ an. Ebenfalls sehr professionell.
Kurz vor neun am anderen Morgen ruft ein entnervter Mechaniker von seinem Handy aus an, er könne die angegebene Hausnummer nicht finden. Leider hatte er oder sein Navi den Unterschied zwischen „Rue de...“ und „Impasse de...“ gleichen Namens nicht bemerkt. Ich biete ihm an, in drei Minuten bei der Garage Citroën zu sein, ob er diese kenne und mich da abholen könne. Seine Reaktion war für mich deprimierend: „Biensûr, je viens de là!“ Hatte der AvD etwa einen DS Spezialisten in einer Citroën-Werkstatt gefunden? Kaum vorstellbar.
Bei der Ankunft am Wagen seine erstaunte Reaktion: „Ah, une DS!“ dann die typische Frage, an der man sei jeher den DS-Fachmann erkennt: ob der denn noch hoch und runter ginge!
Das schon. Aber: ich öffne die Haube und zeige ihm das abgerissene Zugseil. Obwohl ich vorher alles erläutert hatte, seine Blickdiagnose: „Ah, l'embrayage!“. Leider nein. Ein Kupplungsseil hätte ich selbst reparieren können. Dann hält er ratlos den Umlenkhebel in der Hand (ausgebaut sind ja nur das Luftleitblech und dieser Umlenkhebel) und fragt, ob ich wisse, wie „tout ca“ wieder zusammengehöre....
Ob ich denn möchte, dass der Wagen abgeschleppt wird. Nun, sage ich, wenn Sie das Ersatzteil besorgen und einbauen können, können Sie den Wagen gerne mitnehmen. Natürlich kann er das nicht zusagen, er will es mit seinem Chef klären, ich solle in ein paar Stunden in der Werkstatt noch mal nachfragen.
Jetzt wird es langsam ernst: wir sitzen seit zwei Tagen mit zwei kleinen Kindern in einer entlegenen Gegend, ohne Zugang zu Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants etc., es sind schwere Unwetter angesagt und wir können mitten in der Hauptsaison das Ferienhaus nicht länger als geplant nutzen.
Also nochmals Anruf beim AvD, diesmal Gespräch mit einer professionellen, aber von mir schnell genervten Dame, weil bei mir das ganze „Schema F“ Zeug nicht greift. Das längliche Telefonat in Kürze:
- ich hätte den Anspruch auf weitere Hilfe verwirkt, da ich das Abschleppen abgelehnt hätte. Das lässt sich aber nach Rücksprache mit ihrem Chef und Rückruf regeln, ich habe das Abschleppen ja nur verschoben (bis bzw falls die Citroën-Werkstatt die Reparatur durchführen kann).
- ich hätte nur einmal pro Ereignis Anspruch auf Pannenhilfe. Wenn ich jetzt den Ersatzteilversand in Anspruch nähme, hätte ich z.B. keinen Anspruch mehr auf Rückholung. Ob ich denn sicher sei, das die Panne nur an genau diesem einen Teil liege. Naja, was ist schon sicher? Ist vielleicht doch eine Schaltgabel verbogen und würde das nächste Zugseil auch gleich killen?
- die Hilfe beim Ersatzteilversand bestünde darin, dass ich Erstattung der Portokosten beantragen könne. Meine naive Vorstellung, wenn das Teil nur bei einem Händler vorrätig wäre, bei dem ich nicht Kunde bin (ich bin seit vielen Jahren nur noch bei einem Händler Kunde), würde evtl der AvD für die Bezahlung des Teils bürgen und insbesondere auch einen raschen Versand organisieren...sehr naiv offenbar.
- Hilfe bei der Suche nach einem Mietwagen gibt es auch nicht. Ich könne ja die Citroën-Werkstatt um einen Ersatzwagen bitten. Allerdings würde man mir die Mietwagenkosten nur erstatten für den Zeitraum, den der Wagen bei einer VERTRAGSWERKSTATT steht. Mir also nicht.
- wenn die aktuell beauftragte Werkstatt die Reparatur tatsächlich, wie von mir vermutet, nicht durchführen könne, würde man eben die nächste Citroën-Werkstatt beauftragen. Davon gäbe es ja genug in Frankreich. Jetzt müsse erst die Rückmeldung dieser Werkstatt abgewartet werden.
Nach einem Unterstellplatz (s.o. „Fahrzeugunterstellung nach Fahrzeugausfall“) wegen der drohenden Unwetter frage ich erst gar nicht mehr. Ich frage mich aber nach versteckter Kamera, denke an Herrn Kafka und rufe dann Falk Lehmann an. Er schickt das Teil gleich los.
Die Werkstatt hat keinen Leihwagen für mich, aber es findet sich in den „Gelben Seiten“ eine winzige Mietwagenagentur, geöffnet nur während der üblichen Geschäftszeiten, die mir innerhalb einiger Stunden einen Wagen zu sehr mäßigen Konditionen besorgt. Damit ist zumindest die Ernährung gesichert. Die Unwetter kommen auch, heftigst sogar, die DS muss draußen stehen und ist nach drei Tagen auch innen feucht, einschließlich Motor (wegen der hohen Luftfeuchtigkeit und der ungeheuren Wassermassen, die sich teilweise einen Weg direkt in den Motorraum bahnen).
Am dritten Morgen scheint wieder die Sonne, das Zugseil aus Heidelberg kommt gleichzeitig an. Einbau komplikationslos. Motorstart nach einigen Stunden Sonnenhitze: ohne Probleme. Nächste Etappe: Piemont, dann Cote d'Azur. Inzwischen wieder zurück. Alles komplikationslos.
Die Citroën Werkstatt wollte noch wissen, wer ihre Rechnung zahlt. Also nochmal ein Anruf beim AvD, ein weiterer Mitarbeiter, der mir nicht glaubt, dass eine Citroën-Werkstatt in Frankreich keine DS reparieren könne. Letztlich bekommt die Werkstatt großzügig Geld für „Depannage sur Place“, alles Weitere, wie auch die Bergung des Wagens aus der schmalen Gebirgs-Sackgasse und Verbringung in die Vertragswerkstatt hätte ich selbst zahlen müssen. Dafür hätte ich dann vielleicht die 3 Tage Mietwagen erstattet bekommen...
Nun: wer braucht eine Oldtimer-Card, die im wesentlichen eine Versicherung ist und z.B. die Portokosten eines Ersatzteilversandes abdeckt? Allein meine Telefonkosten waren deutlich höher. Oder Mietwagenkosten nur, solange der Wagen bei einer VERTRAGSWERKSTATT steht?
Der Zwang zu Vertragswerkstätten ist bei alten Citroën einfach grotesk. In diesem konkreten Fall hat mich die OldtimerCard nur Zeit und Geld gekostet. Bis auf die immerhin angebotene Rückholung und die nicht zielführende Organisation der „Depannage sur Place“wurde keines der o.g. Versprechen eingehalten. Insbesondere keinerlei organisatorische Hilfe, wie ich sie benötigt hätte und wie es bei Oldtimern sicher nicht ungewöhnlich ist.
Wahrscheinlich fährt man also günstiger, wenn man ohne OldtimerCard unterwegs ist, nur dem dem normalen AvD-Schutz. Das Prozedere im Pannenfall ist offenbar bei Oldtimern und modernen Alltagsfahrzeugen identisch.
Im Zweifelsfall kommt man dann aber mit ausgebautem Verteilerfinger kostenlos mit Auto und Familie nach Hause zurück, da jede Citroën-Vertragswerkstatt hier einen irreparablen Motorschaden diagnostizieren würde.
Nun, ich übertreibe vermutlich ein wenig. Würde mich aber über Meinungsäußerungen und eigene Erfahrungen zur OldtimerCard sehr freuen. Auch als Hilfe für meine Entscheidungsfindung.
Immer noch angenervt:
Jean-Baptiste,
der auch weiterhin mit DS nach Frankreich fahren wird.