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Immer noch die Feststellbremse

Verfasst: Mi 18. Aug 2004, 00:52
von Stefan R.
Hallo,

heute war ich mit Madame zur Wiedervorführung beim TÜV. Es gab auch heute keine Plakette. Zwar sind fast alle Mängel behoben und sogar der Ölverlust ist nach einem Ölwechsel und einer LecWec-Kur verschwunden. Soweit sehr schön. Leider weigerte sich die Feststellbremse immer noch zu blockieren und der Pedalweg ist zu lang. Da mein Schrauber das einfach nicht in den Griff bekommen hat, habe ich mich heute mal selber daran gemacht, den Zug nachzustellen. Nun gut, ich weiß ja nicht, an welchem Zug der Schrauber versucht hat, etwas einzustellen, aber der Bremszug war es definitiv nicht. Dazu muß, wie ich feststellte, ja nunmal der linke Kotflügel ab, und der ist heute wie es aussah seit Jahren zum ersten Mal bewegt worden. Die Schraube im Radlauf war ordentlich festgerostet, liess sich aber mit Rostlöser schnell zur Aufgabe bewegen.
Ich habe den Zug nun soweit Richtung Motorraum gedreht, wie es ging.
Der Pedalweg ist merklich kürzer geworden. Vorher konnte ich das Pedal bis zum Bodenblech treten, bzw bis der hinter dem Pedal verlaufende Luftschlauch platt war. Nun endet der Pedalweg sogar ca 4-5cm über dem Schlauch. Die Bremswirkung ist aber anscheinend immer noch nicht so galaktisch. Zum Testen habe ich Madame rückwärts meine recht steile Einfahrt hochgefahren und sie vorwärts wieder herunterrollen lassen und mit der Feststellbremse gebremst. Sie kommt zum Stillstand, aber nicht so bissig wie ich es mir gedacht habe. Es wirkt ungefähr so wie bei einem Auto mit Bremskraftverstärker, bei dem man versucht zu bremsen wenn der Motor aus ist. Ist das normal oder muß die Bremse schlagartig blockieren ? Wie wird das wohl morgen auf dem Bremsenprüfstand aussehen ?
Mein Schrauber hat mein Werk schon begutachtet. Er meint, es könnte reichen. Anfahren mit Feststellbremse ist jedenfalls nicht.

Wenn sie morgen immer noch nicht blockiert, woran kann das liegen?
Die Beläge sind nicht neu, aber noch in Ordnung. Die Scheiben sind ebenfalls gut. Der Zug ist so stramm eingestellt, wie es geht. Alles ist gängig. Kann es sein, daß der Zug mit dem Alter ausleiert und elastisch wird, so daß kein ausreichender Druck erzeugt wird ? Man sieht aber deutlich, daß die Beläge auf der rechten Seite an die Scheibe gepresst werden. Im gelösten Zustand sind da vielleicht 1-2mm Abstand. Auf der nicht sichtbaren linken Seite müßte eigentlich alles genauso sein, da der Bremsenprüfstand beim TÜV auf beiden Seiten eine Wirkung von 100 anzeigte, aber halt keine Blockade, bzw das Auto sprang nicht aus den Rollen heraus. Wir haben auch schon versucht, die Beläge wieder auf die Scheibe "einzubremsen".

Es ist irgendwie schon ärgerlich. Auf dem TÜV-Bericht steht jetzt nur noch dieser eine Mangel und so langsam werde ich ratlos.

Viele Grüße

Stefan R.

Re: Immer noch die Feststellbremse

Verfasst: Mi 18. Aug 2004, 09:34
von Georg
Hallo Stefan,

ich gehe mal davon aus, dass Du ein Modell mit den vorneliegenden Festsattelbremsen (hydraulisch) und den separaten hintenliegenden Feststellbremsen hast.

Du schreibst, dass die Bremswirkung zumindest links und rechts gleich ist? Das ist schon mal ein guter Anfang, denn bei uns in A ist nur wichtig, dass die Differenz kleiner 35% ist. Hilft Dir nicht, ich weiß.

Zu allererst: schlagartig blockieren die winzigen ca. 4x5cm²-Plaketten sicher nie. Eine gut eingestellte Feststellbremse kann gut mit einer Bremse ohne Unterstützung verglichen werden.

Die Nachstellung des Seilzuges kann geübterweise auch ohne Abbau des Kotflügels passieren (unter dem Ventilator durchgreifen, man bricht sich mehrfach die Finger) und war der erste richtige Ansatz. Die Veränderung der Bremswerte kannst Du für kleines Geld bei einer kleinen Werkstatt mit Prüfstand erfahren "darf ich mal Ihren Bremsenprüfstand benutzen?" - Trinkgeld reicht. Kalibrierung der durchaus unterschiedlichen Prüfstände mittels der Werte der vorderen Hochdruckbremse (wenn der TÜV je 2,5 kNm anzeigt und der andere Prüfstand z.B. nur 1,7, dann kennst Du das Verhältnis in etwa und kannst hochrechnen).

Vorher würd ich mir einen BRemsenreiniger kaufen, die Plaketten der Hochdruckbremse rausnehmen, einsprühen und vom Fettfilm reinigen, die Scheibe einsprühen und reinigen und die Handbremsplaketten nur einsprühen und so gut es geht von außen abwischen.
Leider werden die Bremsen immer wieder durch tropfendes Kühlwasser / LHM versaut und ziehen dann nicht. Die Hochdruckbremsen brennen sich dann frei, die Feststellbremse nicht. (Ach ja, Verglasungen an den Hochdruckplaketten kannst Du mit einer Feile planen, nochmals einsprühen, abwischen und mit Kupferpaste wieder einbauen - nichts auf die Beläge kommen lassen!!)

Es gibt für die Plaketten einen definierten Abstand zur Bremsscheibe. Der wird über die Halteschrauben definiert. 1-2 mm scheinen mir zu hoch. Andererseits läßt sich damit nur der Pedalweg verkürzen und das hast Du ja bereits erreicht.
Letztendlich kann es auch sein, dass das Seil geknickt bzw. innen verrostet ist. Check nur über Ausbau (Kühler raus... ).

Es kann natürlich vorkommen, dass sich das Seil längt, der EInfluß scheint mir aber untergeordnet. Deswegen gibt's ja die Nachstellung.

Toitoitoi für heute und berichte!

Ciao Georg

Re: Immer noch die Feststellbremse

Verfasst: Mi 18. Aug 2004, 09:34
von Stefan R.
So, der Bremsenprüfstand sagt links 150, rechts 200. Also mehr als vorher, aber immer noch keine Blockade. Und nun ? Zug wechseln ?

Viele Grüße

Stefan R.

Re: Immer noch die Feststellbremse

Verfasst: Mi 18. Aug 2004, 10:22
von Stefan R.
Hallo Georg,

da haben wir wohl gleichzeitig geschrieben. Zur Identifikation der Bremse: Es handelt sich bei dem Auto um eine D-Super mit der Erstzulassung 05/1971. Hilft das weiter ?

Die Sache mit dem Bremsenreiniger haben wir schon gemacht. Dummerweise ist das Auto nicht zugelassen, so daß ich nicht mal eben zu einer Werkstatt fahren kann.

Wenn 1-2mm Spiel schon zu viel sein können, dann könnte da der Hase im Pfeffer liegen. Der Zug ist ja soweit eingestellt, wie es geht. Wenn ich noch eine halbe Umdrehung mache rutscht das Gewinde aus der Führung.
Wenn wir jetzt daran gehen, die Beläge einzustellen könnte man die ja auch komplett wechseln, wenn der Kühler einmal draussen ist. Ich habe hier noch neue Beläge herumliegen.

Dummerweise kommen meine bestellten Reparaturhandbücher nicht an. Ich habe zwar die entsprechenden Seiten als PDF, aber leider ist die Qualität der Bilder nicht so gut. Beim Wechsel des Zuges steht da was von einem Niet, der Herausgeschlagen werden soll, aber man kann auf dem Bild leider nicht erkennen, wo der Niet sitzt.

Wie "eklig" ist es denn, den Zug zu wechseln?

Viele Grüße

Stefan R.

Re: Immer noch die Feststellbremse

Verfasst: Do 19. Aug 2004, 08:45
von Georg Martinelli
Hallo Stefan,

Zugwechsel:
Die 2 Federn der linken und rechten Bremse sind relativ stramm, mit einem guten (biegesteifen ;-) Schraubendreher und etwas Geduld kriegt man die aber ab. Dann im Innenraum den Niet rausnehmen (versplintet? weiß ich nicht auswendig, ist aber kein Thema) und das Seil nach vorne wegziehen.
Das Seil kann aber nicht so gelängt oder verrostet sein, dass es rechts mehr zieht als links. Der Bowdenzug geht vom Pedal bis zur rechten Bremse durch. Eine Hülle stützt den Pedalträger gegen die äußere Bremszange der linken Bremse ab, die zweite Hülle die inneren Bremszangen gegeneinander. an der äußeren Zange der rechten Bremse sitzt das Endstück.
Bei mir war der (geteilte) mittlere Bowdenzug völlig fest in der Hülle - damit geht die Pedalkraft zu 100% auf die linke Bremse. Eine Seillängung würde sich aber durch die mittlere Hülle auf beide Bremsen verteilen.
Also meiner Meinung nach besteht hier kein Handlungsbedarf.

Belagwechsel:
Wenn die Stärke des Belags nicht sehr gelitten hat und der Belag nicht dauernd von der Scheibe Öl/Glykol abstreifen muß (sind die Leckagenschläuche an der Wapu angeschlossen bzw. intakt bis unter die Bremsen?) sehe ich auch hier keine Notwendigkeit.
Bei ausgebautem Getriebe ist das kein Problem, im eingebauten Zustand hab ichs noch nie probiert.

Nachstellung der Bremszangen:
Es muß sichergestellt sein, dass die Zangen völlig öffnen, also nicht zu stramm ziehen. Wenn Du mittels der Schrauben die Beläge mehr an die Scheibe anstellst, gehen die Zangen weiter auf und irgendwann stehen sie an - das darf nicht sein. Dadurch, dass die Zangen einen größeren Öffnungswinkel bekommen (bei gleicher Belagstellung) wird das Seil aber scheinbar wieder kürzer. Damit kannst Du die scheinbare Überlänge egalisieren.

Mein Tip(p):
Auch wenn man schlecht dazukommt, miß mit einer Lehre den Abstand Belag/Scheibe und fang bei dem am weitesten entfernten Belag zu reduzieren an (hoffentlich der rechte äußere ;-)
Ich bilde mir ein durch Lösen der inneren (?) Kontermutter und Eindrehen der Schraube in der Mitte der Zange, die auf den Belag drückt.

Toitoitoi!

Georg

PS: Du weißt aber schon, dass der zweite hydraulische Bremskreis und nicht die Seilbremse die Hilfsbremse im Notfall darstellt? Die mechanische Bremse vorne ist eine reine FESTSTELLBREMSE. NIcht mehr und nicht weniger. Die Differenz wäre in Österreich kein Problem. Vielleicht probierst Du's auch einfach mit einem anderen TÜV?

Re: Immer noch die Feststellbremse

Verfasst: Do 19. Aug 2004, 10:36
von Stefan R.
Hi Georg,

danke für deine umfassenden Ausführungen. Wir nähern uns der Lösung:
Ich war gestern mal ohne das Auto beim TÜV und habe mit dem Prüfer geredet. Als ich ihm sagte, daß wir jetzt rechts eine Wirkung von 200NM haben freute er sich (ich habe in einem anderen Thread ja schon geschrieben, daß er das Auto mag, aber halt seeehhhr korrekt ist) und erklärte mir, daß die Bremse entweder blockieren, oder die Bremskraft mindestens 10% des zulässingen Gesamtgewichtes, bei Madame also 180NM, betragen muß. Davon sind wir ja nicht soweit entfernt. Natürlich ist es rechts in Ordnung. Da kommt man ja bequem heran. ;-)
Leider hat mein Schrauber erst am Wochenende wieder Zeit, und ich erst am Montag. Von oben hat man links ja gar keine Chance. Mein Schrauber meint, daß er vielleicht von unten an die Bremsplaketten herankäme, um sie nachzustellen. Meinst du, daß man da tatsächlich von unten herankommt, ohne den Kühler abzubauen ?
So wie es im Moment aussieht, glaube ich, daß sich einfach keine die Mühe gemachte hat, die Plaketten auf der linken Seite einzustellen, da sie schwerer zugänglich ist. Daher funktioniert es rechts, aber links nicht. Die 30NM, die uns fehlen sind ja nicht so riesig viel. Das müßte man durch Nachstellen doch herausholen können, oder ?
Der Prüfer verriet mir gestern, daß schon alle Unterlagen (positiver TÜV-Bericht und positive H-Beurteilung) für mich bereitläge. Wenn wir einmal genügend Bremswirkung erzielen, händigt er mir die Sachen sofort aus.

Das schürt den Ehrgeiz.

Viele Grüße

Stefan R.

Re: Immer noch die Feststellbremse

Verfasst: Fr 20. Aug 2004, 10:27
von Georg Martinelli
Hi Stefan,

ich sage Dir auch: Kopf hoch, man verzweifelt zwar erst, hinterher ist man aber um Einiges gescheiter und vielen DS-Fahrern voraus ;-)

Probiers gern von unten - ich weiß es nicht. Da sind winzige Kühlluftabführungsöffnungen für die Bremsen, dafür große Scheiben, Tripodesgehäuse und Achsmanschetten... Du/Dein Schrauber werdet jedenfalls total mit altem Fett eingesaut.

Du schreibst D Super... da ist der Kühlerabbau (im Gegensatz zu den 21er / 23ern mit Ausgleichsbehälter) aber echt kein Thema - Wasser auffangen bzw. neuen Frostschutz (mit Korrosionsschutz und Schmiermitteln) für Alumotore und Regenwasser füllen, 2 Schlauchschellen und 3 Befestigungsschrauben öffnen bzw. festziehen... ok, die Lufthutze - 10 Schrauben
Bei der Gelegenheit baust Du gleich den Thermostat aus dem oberen Wasserschlauch aus, schaust ob er schön dicht schließt, legst ihn in den Kochtopf und beobachtest die Öffnung vor der Kochtemperatur des Wassers. Wichtiger als die Messung der richtigen Temperatur (ist eingeschlagen, ca. 75°C) ist die Sicherheit, dass er nicht halboffen hängt und im Kaltstart den Motor verschleißen und im Autobahnbetrieb verreiben läßt. Kühlerabbau und Montage ca. 1 h

Während Du Dich am Herd spielst, sind die Bremszangen schon eingestellt.
DASS es die Bremseinstellung ist, hoffe ich, garantieren kann ichs Dir auch nicht. Der große Vorteil ist halt, dass Du den Seilzug neu einstellen kannst.

Ciao Georg

Re: Immer noch die Feststellbremse

Verfasst: Do 26. Aug 2004, 22:53
von Jürgen
Hallo Stefan,

die Feststellbremse sollte nicht! am Seil nachgestellt werden sondern nur an den 4 Schrauben, die auf die Beläge drücken. Bei gelöster Bremse sollte das Seil gerade lose sein, die Federn an den Bremsen können dann die Bremshebel bis an die Anschläge zurückdrücken. Die 4 Einstellschrauben dann so einstellen, das die Beläge gerade nicht schleifen. Mit dieser Einstellung sollte nach etwa 5 cm Pedalweg ein deutlicher Widerstand kommen. Wenn sich das Pedal bis zum Bodenblech durchtreten läßt, muß dringend nachgestellt werden. Bei der DS und ID ist die Feststellbremse auch als Notbremse gedacht, wenn kein Hydraulikdruck mehr da ist, deshalb läßt sich auch die Verrigelung verhindern.


Re: Immer noch die Feststellbremse

Verfasst: Fr 27. Aug 2004, 10:19
von Stefan R.
Hallo,

so, nachden nun alle möglichen Einstellungsarbeiten nichts gebracht haben (gestern scheiterte der dritte TÜV-Versuch) steht der Wagen nun bei Tomy´s Citroën Service. Dort werden jetzt doch die Beläge gewechselt. Zumindest die auf der linken Seite sind tatsächlich runter, die auf der rechten etwas besser, aber auch nicht gut. Warum mir diverse Leute erzählt haben, daß die Plaketten in Ordnung sind, keine Ahnung. Wahrscheinlich weil sie sie nicht wechseln wollten. Ich habe nun mein Lehrgeld auf jeden Fall gezahlt und weiß nun, daß ich Madame bei Sachen, bei denen ich nicht weiter komme nur in die Hände von cit-erfahrenen Leuten geben kann. Schade, den Schrauber, der bisher alles gemacht hat, kenne ich schon recht lange und er hat sich bisher in jedes Auto hineindenken können. Die Blecharbeiten sind auch gut gemacht worden. Nun werde ich Madame zur Lackierung wieder zu ihm bringen.

So, in ca einer Woche wird das Ganze wohl abgeschlossen sein, da Tomy auch selber mit dem Auto zum TÜV fahren wird. Ich kann jetzt nur noch sitzen und abwarten.

Viele Grüße

Stefan R.

Re: Immer noch die Feststellbremse

Verfasst: Sa 28. Aug 2004, 09:13
von H.-U. Fischer
Noch einmal:
Belagdicke spielt keine Rolle. Funktionskenntnis, richtiges Einstellen* und ein passendes "Schleifbild" der Beläge zur Bremsscheibe müssen stimmen.
Nach dem Einschleifen dann nochmals einstellen.

H-U Fischer

*) Siehe Eintrag von Jürgen.