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Langhub-Motor hinüber?

Verfasst: Sa 26. Mai 2012, 12:03
von M. Ferchaud
Hallo,

gestern auf der Autobahn trat bei hohem Tempo (Tacho 160 km/h, zeigt sehr exakt an) am Motor meiner '65er ID 19 P folgendes Symptom auf:

- Vortrieb lässt kurz nach (wie bei Benzinmangel oder Zündaussetzer)
- Nach kurzem Gaswegnehmen wieder Vortrieb, aber leicht rasselndes Geräusch
- sofortiges Verlassen der Autobahn, danach lauteres Motorklappern (helles Tickern), vor allem unter Last
- Fahrzeug fuhr einwandfrei nach Hause und ließ sich heute morgen wie immer starten, aber der Motorlauf ist etwas härter
- Klappern lässt sich schwer orten

Da der Motor schon vorher etwas klapprig war und auch relativ viel Druck im Kurbelgehäuse hatte (Abgasaustritt aus Filteraufsatz am Ventildeckel und aus der seitlichen Entlüftungsdose) sowie relativ viel Öl verlor ( am hinteren Simmerring am Schwungrad, am getriebeseitigen Schleuderring und an der ZKD) denke ich, dass nun eine komplette Üerholung ansteht.

Ich schaue mir gleich noch die Kerzen, Ventile, Kompression und den Unterbrecherkontakt an.

Der Motor selber hatte bis zum Schluss eine sehr gute Leistung (siehe Geschwindigkeit oben), einen angemessenen Verbrauch (zwischen 8,5 und 10 Liter) und wenig Ölverbrauch (ca. 1 Liter / 2000 km).

Wer kennt sich in der Szene am besten mit den Langhubern zwecks Überholung aus?

Viele Grüße
M.

Re: Langhub-Motor hinüber?

Verfasst: Sa 26. Mai 2012, 14:46
von M. Ferchaud
Habe jetzt mal kopfseitig nachgeschaut, mit folgendem Ergebnis:

- Ventilspiel - rundum perfekt, Einlass = 0,2 mm, Auslass = 0,25 mm

- Unterbrecherkontakt = knapp unter 0,4 > nachgestellt

- Kerzenbild: durchgehend verrusst und mit Ablagerungen an den Elektroden.

Seit Ende letzten Sommers fahre ich Liquy Moly 20W50, vorher jahrelang 10W40. Getankt wird seit jeher "normales" Super (nicht E10).

Öl- und Wasserstand sind einwandfrei, das Öl weist eine sehr dunkle Bernsteinfarbe auf, Partikel sind nicht erkennbar; Kompression messe ich noch...

Gruß
M.


Re: Langhub-Motor hinüber?

Verfasst: Sa 26. Mai 2012, 15:49
von aquablader
Hallo zusammen!

Deine Beschreibung passt auf folgendes:
Die beschriebenen Blowby-Gase werden durch zu geringe Kolbenringvorspannung erzeugt. Ein Teil der Verbrennungsgase findet den Weg am Ring vorbei ins Kurbelgehäuse und dadurch wird der Kolbenschaft extrem aufgeheizt. Das Aluminium der Kolben dehnt sich extrem aus, bis irgendwann das Kolbenspiel gegen null geht. In diesem Moment beginnt der Kolben an der Zylinderwand zu reiben, was Du dann als Leistungsverlust spürst. Bezeichnenderweise waren es ja auch hohe Drehzahlen, die Du in dem Moment gefahren bist. Luftgekühlte Motoren hatten wir damals noch häufiger mit derartigen Schäden.
Dieser Klemmer verschwindet nach dem Abkühlen wieder, wenn das verriebene Aluminium die Beweglichkeit der Kolbenringe nicht beeinträchtigt, kann sogar noch ein relativ akzeptabler Kompressionswert erreicht werden. Nur das nun größere Laufspiel des Kolbens lässt ihn jetzt in der Phase, wo der Pleuelwinkel sich ändert, d.h. im OT, stärker kippen. Das äußert sich im härteren Laufgeräusch.
Besonders bei kalter Maschine bei geringer Last und niedriger Drehzahl kann sich das sehr laut bemerkbar machen. Meine 23er muß wohl auch mal zu heiß geworden sein, wenn die Kupplung eben greift, ist das dann deutlich zu hören.
Aber die letzten 10tkm waren problemlos, nur Vollgasfestigkeit ist sicher nicht mehr gegeben...

Folgendes Bild dürfte sich bei Dir im schlimmsten Fall auch zeigen:

Bild

Man kann deutlich sehen, daß sich die Freßspuren besonders in Richtung Kolbenbolzen zeigen. Schmierfilmabriß wegen Ölverdünnung z. B. zeigt sich eher am Kobenhemd 90 Grad versetzt zur Bolzenachse.
Die festsitzenden Kolbenringe durch das aufgeriebene Aluminium sind hier sehr schön zu erkennen.

Wer Dir allerdings den Motor überholen kann, weiß ich nicht...

Sonnige Pfingstgrüße

Ingo

Re: Langhub-Motor hinüber?

Verfasst: Sa 26. Mai 2012, 18:39
von Simon
Eine ähnliche Erscheinung liegt derzeit bei meinem alten Audi (60 L) vor.

Daher fällt mir die Steuerkette und der Kettenspanner ein .

Beim Abnehmen des Steuergehäusedeckels und der Ölwanne kam mir der Kettenspanner entgegengefallen .

Dieser ist stark eingeschliffen und die Kette vermutlich ausgeleiert , sodaß er letztlich aus seiner Führung herausfiel .

Ob das Motorgeräusch - welches seinerzeit plötzlich auftrat - tatsächlich dadurch entstand , kann ich erst sagen , wenn die bestellten Ersatzteile eingebaut sind .

Bonne chance
Simon

Re: Langhub-Motor hinüber?

Verfasst: Sa 26. Mai 2012, 19:48
von M. Ferchaud
Danke für die konstruktiven Antworten.

Der von Ingo beschriebene Effekt bestätigt sich vermutlich durch die Kompressionswerte:

Zylinder 1 = 4,5 bar
Zylinder 2 = 8,2 bar
Zylinder 3 = 6,0 bar
Zylinder 4 = 4,5 bar

Damit ist es amtlich.

Für Tipps bezüglich Überholung bin ich dankbar.

Ebenfalls sonnige Pfingstgrüße
M.

Re: Langhub-Motor hinüber?

Verfasst: So 27. Mai 2012, 12:20
von MenrathU
Hallo M.,

solch ein Langhuber hat doch ebenfalls nasse Laufbuchsen, nicht? Unter Verwendung neuer Buchsen, Kolben und Ringe sollte die Überholung für einen halbwegs Begabten doch kein Problem darstellen.