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Radnabe zerlegt

Verfasst: Sa 26. Jun 2010, 00:08
von scardale
Hallo zusammen,
hier ein kleiner Bericht bezüglich der Radnaben:
Nachdem Sebastian so freundlich war mir sein tolles Werkzeug auszuleihen ging ich daran eine meiner Naben zu zerlegen. Zuerst habe ich mir eine Vorrichtung gebaut (gut wenn man gerade einen Balkon zusammenschweißt und Stahlrohr übrig hat) die sich auf meinen ca. 1/2 Tonnen schweren Schweisstisch klemmen läßt. Mittig brachte ich eine Stahlplatte an mit Bohrungen für die Radbolzen. So konnte die Radnabe aufgespannt und Sebastians Platte montiert werden. Dann folgte mit Spannung das Öffnen der Mutter. 3 Meter 4Kantstahlrohr + 2 Meter Verlängerung, Ergebnis: verbogenes Stahlrohr!! Es brauchte einen 6m langen IP80 Stahlträger und einige Versuche (er bog sich erheblich durch) bis die Mutter sich mit einem Knall löste. Das hatte ich mir leichter vorgestellt. Lob an Sebastian, trotz der gewaltigen Kraft war der Mutter oder dem Werkzeug nichts anzusehen. Danach habe ich die Nabe aus dem Gehäuse gepresst. Leider passierte genau das, was mir Sebastian angekündigt hatte, der untere Dichtring überlebte nicht. Das weitere Zerlegen war recht problemlos. Dichtringe gibts vermutlich bei Citroworld. Zu erwähnen wäre noch das meine Nabe noch sehr gut in Schuss war und mit Sicherheit noch lange gelaufen wäre, das Fett war recht schwarz aber nicht trocken, keine Reibung, keinerlei Verschleis, beim Drehen der Nabe schnalzte das alte Fett noch ordentlich. Ich füge noch ein paar Bilder an und werde später vom Zusammenbau berichten.

Gruß
Stefan

Re: Radnabe zerlegt

Verfasst: Sa 26. Jun 2010, 10:05
von patric
...hier noch die anderen Bilder - habe mir erlaubt das zusammenzuführen.

Re: Radnabe zerlegt

Verfasst: So 27. Jun 2010, 15:14
von Cardano
Zum lösen gibts noch die variante.
Ein mann zieht an der stange bis sie sich anfängt zu biegen. diese spannung aufrecht erhalten während ein zweiter mann mit einem vorschlaghammer im ersten drittel der stange eins kräftig draufknallt.

Re: Radnabe zerlegt

Verfasst: Mo 28. Jun 2010, 23:06
von tomsail
hallo stefan,

WOW...so stellte ich mir das vor: 6m verlängerung und dann ein knall! :-)
RESPEKT vor sebastians und deiner arbeit.
bin gespannt wie das weitergeht. jedenfalls werden eure radnaben wohl ein "ewiges" leben haben.

bin die tage darauf gestoßen:
http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?Vie ... 0479721909

ob der käufer wohl weiss, dass er eigentlich das ding erstmal neu fetten sollte?
:-)

grüße
thomas


Re: Radnabe zerlegt

Verfasst: Di 29. Jun 2010, 20:03
von patric
Hallo,

losbekommen gut und schön, aber woher bekommt man den Sollwert fürs festziehen und mit welchem Monsterdrehmomentschlüssel soll man dann arbeiten. Oder rechnet man in Nkm um und schweißt einen normalen Drehmomentschlüssel auf den T-Träger ;-)

Re: Radnabe zerlegt

Verfasst: Di 29. Jun 2010, 21:53
von ...hannes
Bei solchen Drehmomenten kommt es auf den einen oder anderen Newtonmeter nicht an ;-)
Abschätzen kannst du den Drehmoment so: Die Einwirkung einer Gewichstkraft von 1 Kilo auf einen Hebel von 1m Länge zur Drehachse ergibt 1mkg (Meter/Kilogramm) = knapp 10 Nm (Newton-Meter).
Ist deine Verlängerung dreimal so lang (oder wirkst du mit der 3fachen Zugkraft) verdreifacht sich der Wert. usw.
lg


Re: Radnabe zerlegt

Verfasst: Di 29. Jun 2010, 22:50
von scardale
Hallo,
hab zur Sicherheit mal eine Markierung angebracht bevor die Mutter gelöst wurde. Aber wie Sebastian auch beeits berechnete, 3m Hebel und ca. 30kg auf einer Personenwaage, dann dürften wir auf dem richtigen Weg sein.
Gruß
Stefan
(der sich gerade ein Werkzeug für die Kugelkopfmutter feilt)

Re: Radnabe zerlegt

Verfasst: Di 29. Jun 2010, 23:40
von sebastianklaus
Hallo Patric,
die Radlager sind so aufgebaut, dass die Außenringe der beiden Schrägkugellager über einen Bund in der Radnabe formschlüssig verbunden sind, die Innenringe sind über einen Distanzring miteinander verbunden. Man nennt das "vorgespannte Lagerung", bei so einer Konstruktion ist es eigentlich ziemlich egal, welches Drehmoment man aufbringt: Es muss nur so groß sein, dass
a) die Innenringe formschlüssig am Distanzring anliegen und
b) die Mutter so stark vorgespannt ist, dass sie sich nicht von selbst löst.

Das habe ich so gemacht, dass ich mich auf meine 3m- Träger-Verlängerung ("3Uhr- Position") drauf gestellt habe (ich wiege ca. 88 kg) und damit die Mutter vorgespannt habe. Man bekommt dann schnell ein Gefühl, wann sich noch Spiel zwischen den Innenringen und dem Distanzring befindet und wann alles wirklich formschlüssig vorgespannt wird. Bei mir war es dann mit "leichtem Wippen" auf der 3m- Verlängerung ok.
Das sind dann so ca 120 kg x 3m = 360 kpm = 3,6 kNm

Ich bin sicher, dass die Vorspannung damit ok ist.

Viele Grüße
Sebastian