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Ungewöhnliches Choke-Verhalten?

Verfasst: Fr 12. Jun 2009, 20:01
von MenrathU
Moin,

irgend etwas scheint mit dem Vergaser meiner DS 20, '72, HA, nicht zu stimmen. Gebe ich Vollgas und ziehe den Choke-Zug, ändert sich überhaupt nichts am Motorlauf. Das kann doch eigentlich nicht sein, oder? Es wäre doch zu erwarten, dass wegen der reduzierten Luftzufuhr die Leistung dramatisch abnimmt, nicht?

Zudem stellte ich heute fest, dass keine schlüssige Verbindung zwischen Gasgestänge und der Drosselklappenbetätigung besteht. Mir scheint, es fehlt eine Klemme auf der senkrechten Stange, direkt oberhalb des Hebels, der die Auf- und Ab- in eine Drehbewegung umsetzt. Diese Drehbewegung ist nämlich durchaus als arbiträr zu bezeichnen, sie folgt dem Gasgestänge keineswegs eindeutig, sondern bleibt dieser mal mehr, mal weniger hinterher. Führen die Einschlägigen diese Klemme? Wie wird sie genau benannt?

Re: Ungewöhnliches Choke-Verhalten?

Verfasst: Sa 13. Jun 2009, 00:02
von Thomas Held
Hallo Uwe,

> irgend etwas scheint mit dem Vergaser meiner DS
> 20, '72, HA, nicht zu stimmen. Gebe ich Vollgas
> und ziehe den Choke-Zug, ändert sich überhaupt
> nichts am Motorlauf. Das kann doch eigentlich
> nicht sein, oder? Es wäre doch zu erwarten, dass
> wegen der reduzierten Luftzufuhr die Leistung
> dramatisch abnimmt, nicht?

Wenn der Choke-Zug bis zum Anschlag rausgezogen ist, hast Du recht.
Bei nicht ganz vollständig gezogenem Choke-Zug, öffnet sich die Starterklappe beim Gas geben im Luftstrom selbständig!

> Zudem stellte ich heute fest, dass keine
> schlüssige Verbindung zwischen Gasgestänge und der
> Drosselklappenbetätigung besteht. Mir scheint, es
> fehlt eine Klemme auf der senkrechten Stange,
> direkt oberhalb des Hebels, der die Auf- und Ab-
> in eine Drehbewegung umsetzt. Diese Drehbewegung
> ist nämlich durchaus als arbiträr zu bezeichnen,
> sie folgt dem Gasgestänge keineswegs eindeutig,
> sondern bleibt dieser mal mehr, mal weniger
> hinterher. Führen die Einschlägigen diese Klemme?
> Wie wird sie genau benannt?

Da gehört keine Klemme drauf! Die senkrchte Stange gleitet frei und fiele ohne die beiden Federn einfach herunter. Die beiden Federn allerdings gehören auf eine Länge von 135 +/- 4mm justiert (siehe Reparaturhandbuch für die genauen Messpunkte). Darüberhinaus muss die Betätigungsstange der Drosselklappenwelle (also quasi deren Verlängerung zur Spritzwand hin) gerade ausgerichtet sein (einzustellen mit deren Lagerung an der Spritzwand - ist deren Messingbuchse und Gummilagerung in Ordnung?). Ich peile dazu immer aus verschiedenen Winkeln die Kanten des Zylinderkopfes oder den Verlauf der Ventildeckeldichtung an...
Wenn das alles stimmt, könnte man den Kupplungskorrektor mal über das Kreuzstück entkoppeln und prüfen, ob dieser (zu sehr) hakt bzw. ob ohne ihn alles besser ist.
Gruß,

Tom



Re: Ungewöhnliches Choke-Verhalten?

Verfasst: Sa 13. Jun 2009, 01:50
von Robert
Hallo Uwe,

die seltsam anmtende Konstruktion des Gasgestänges hat mich auch schon nachdenklich gemacht. Ich vermute, sie dient dazu, dass der Kupplungskorrektor auf diese Weise die Drosselklappen schliessen kann, auch wenn das Gaspedal betätigt ist. Solange der Korrektor keinen Gegendruck aufbaut, sollten die Federn dafür sorgen, dass die Drosselklappe der Gaspedalstellung folgt. Was mich bei der Konstruktion immer irritiert hat, ist, dass sie sich in gleicher Form auch in den Deessen mit konventioneller Schaltung findet. Was die Diagnostik angeht, bin ich mit Tom einer Meinung.

Grüsse
Robert

Re: Ungewöhnliches Choke-Verhalten?

Verfasst: Sa 13. Jun 2009, 09:26
von Thomas Held
Hallo Robert,

> die seltsam anmtende Konstruktion des Gasgestänges
> hat mich auch schon nachdenklich gemacht. Ich
> vermute, sie dient dazu, dass der
> Kupplungskorrektor auf diese Weise die
> Drosselklappen schliessen kann, auch wenn das
> Gaspedal betätigt ist.

Genau so! Zudem ziehen die beiden Federn die Drosselklappe mit Kupplungskorrektor daran mit in die (fast) geschlossene Leerlaufstellung. Ich habe mal zwei Tage einen vermeintlichen Fehler an Kupplungskorrektor/Vergaser bei ausgebauter Ansaugbruecke gesucht, weil die Drosselklappen nicht durch die Federkraft des Vergasers allein zurueck kamen. (Kupplungskorrktor zerlegt etc.). Bis ich auf die Idee kam, das ganze mal im Wagen mit angeschlossenem Gasgestänge zu testen...
Gruss,

Tom

Re: Ungewöhnliches Choke-Verhalten?

Verfasst: Sa 13. Jun 2009, 10:03
von Stephan J.
Ist der Choke nicht so konstruiert, dass er nur bei niedrigen Drehzahlen wirkt und bei Teil- oder Vollast wirkungslos ist?

Re: Ungewöhnliches Choke-Verhalten?

Verfasst: Sa 13. Jun 2009, 14:08
von Thomas Held
Hallo Stephan,

> Ist der Choke nicht so konstruiert, dass er nur
> bei niedrigen Drehzahlen wirkt und bei Teil- oder
> Vollast wirkungslos ist?

Ja, siehe meine Antwort oben. Nur wenn er ganz gezogen ist (also nur zum unmittelbaren Anlassen) kann die Starterklappe von der durchstroemenden Luft nicht ganz senkrecht gezogen werden.
Gruss,

Tom


Re: Ungewöhnliches Choke-Verhalten?

Verfasst: So 14. Jun 2009, 15:36
von Gerhard Trosien
Die Choke-Klappe wird nicht durch die durchströmende Luft geöffnet, sondern, gegen die Kraft einer winzigen Feder, durch einen Hebel, der wiederum durch einen Kolben auf der anderen Vergaserseite bewegt wird, der durch Unterdruck vom Vergaserfuß her bewegt wird.
Die Chokeklappe schließt den wesentlcih kleineren der beiden Vergaser. Der Unterdruck bei Vollast zieht zudem die Klappe wieder auf. Die Verstellung des Anschlags der ersten Drosselklappe ist bei Vollast unwirksam, und sonst macht der Choke nichts weiter. Der Effekt des gezogenen Choke bei Vollast ist marginal.
Die Betätigungsstange MUSS, wie oben gesagt, durchrutschen können: beim Runterschalten am Berg bleibt man mit dem Fuß auf dem Gaspedal, bewegt den Schalthebel Richtung kleinerem Gang, und die Drosselklappe wird vom Kupplungskorrektor trotz durchgetretenem Pedal so weit zugedrückt, dass die Motordrehzahl gerade so weit steigen kann, wie es dem kleineren Gang angemessen ist.
Beim Starten des Motors muss man also, wenn er nciht so recht will, die Handbetätigung unter dem Armaturenträger benutzen.

Re: Ungewöhnliches Choke-Verhalten?

Verfasst: So 14. Jun 2009, 23:05
von Thomas Held
Gerhard Trosien schrieb:
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> Die Choke-Klappe wird nicht durch die
> durchströmende Luft geöffnet, sondern, gegen die
> Kraft einer winzigen Feder, durch einen Hebel, der
> wiederum durch einen Kolben auf der anderen
> Vergaserseite bewegt wird, der durch Unterdruck
> vom Vergaserfuß her bewegt wird.

Richtig, da habe ich oben Unsinn geschrieben...
Genau diese Verbindung vom Fuss zum Kolben ist allerdings oft nicht mehr frei.
Gruss,

Tom