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Diagnosetipps bei Verschleißteilen
Verfasst: Mo 21. Mai 2007, 17:13
von ideefix
Hallo,
da ich meine DSpecial jetzt vollständig auseinander habe (hoffentlich bekomme ich sie wieder richtig zusammen ...), möchte ich gleich die typischen Verschleißteile erneuern.
Dazu habe ich als Newbie einige Fragen:
1. Was sind die typischen Verschleißteile bei der DS? (außer Bremsen, Auspuff, Reifen, Flüssigkeiten, Scheibenwischer)
2. Was sollte unbedingt gemacht werden?
3. Woran erkenne ich, was defekt ist? (z.B. Schwingarmlager, Kugelbolzen etc.)
Gibt es irgendwo im Netz eine Quelle, wo das zusammengefasst ist? Vielleicht ein brauchbares Schrauberbuch oder so? Bisher habe ich dazu noch nichts gefunden.
Ich stelle mir das ungefähr so vor:
A) Wenn das Lenkrad ein Spiel von X cm hat, dann sind folgende Dinge zu kontrollieren bzw. auszutauschen: .....
B) Wenn der Motor deutlich unrund läuft, dann sind entweder die Zündkerzen hin, die Zündkabel nicht mehr in Ordnung ....
Da das etwas ist, was allen Neuschraubern helfen könnte, wäre das doch vielleicht sinnvoll, daraus einen Diagnose-Guide zu erstellen (wenn es den nicht schon gibt).
Gruß
Arne
Re: Diagnosetipps bei Verschleißteilen
Verfasst: Sa 26. Mai 2007, 02:43
von Til
Hallo Arne - gute Frage - ohne Deine Fragen konkret zu beantworten, kann ich jedoch nach einer Restauration und 5 Jahren DS-fahren (DS19HA, BJ 67 - auch laengere Reisen ohne Panne) folgende Anmerkungen machen:
1. Alles ersetzen, was aus Gummi ist waere toll, fuehrt aber bei der zum Teil sehr miesen Qualitaet der Ersatzgummis zur eindeutigen Verschlechterung (bei mir konkret: intakte Antriebswellenmanschetten innen gewechselt, weil ich da grad so gut dran kam - nach 6 bzw. 12 Monaten beidseits kaputt; dito Gummi Kuegelpfanne hinten, schon VOR(!) dem Wiedereinbau, also nach 6 Monaten Lagerung, kaputt)
2. Da bei den Hydraulik-Austauschteilen die Sache wahrscheinlich inzwischen noch schlimmer ist (die so wichtigen Steuerungskolben und ihre Zylinder koennen eben nicht vernuenftig ueberarbeitet werden, siehe diverse Diskussionen hier im Forum) verbietet sich auch hier das prophylaktische Austauschen
3. Kugellager kannst Du, sofern es Standardteile sind (also nicht: Hydraulikpumpe, Getriebe, Schwingen vorne und hinten) austauschen - ob Du es z.B. bei der Lichtmaschine bei der Restauration oder dann 6 Montae spaeter machen willst, haengt von Deinem Temperament und Charakter ab
4. Radlager und Kugelbolzen wuerde ich erst dann auswechseln, wenn sie kaputt sind (also wenn es beim Fahren laut wird bzw. klappert) - das gilt natuerlich nur dann, wenn Du grob von Hand kein Spiel erkennen kannst
5. Hydraulikkugeln muessen ausgetauscht bzw. neu gemacht werden - das ist mE der groesste Fehler, den man bei der hydropneumatischen Federung machen kann, weil kaputte Kugeln nicht mehr Federn und somit zum raschen Ausschlagen der Achsen fuehren.
6. Den Kuehler sowie den Motor gut mit viel Wasser durchspuelen - zu zusaetzlicher Chemie siehe hier im Forum
7. Uebliche Servicearbeiten (Unterbrecher, Oelfilter, etc) sind selbstverstaendlich durchzufuehren
Zusammenfassend: ich glaube nicht, dass die derzeit im freien Handel erhaeltlichen Ersatzteile einen Aufbau "wie neu" bzw. ein "Zurueckstellen auf 0" ermoeglichen - das mag fuer Werkstaetten mit grossen Originalersatzteillagern bzw. aus Schlachtungen mit bekannter, geringer Laufleistung anders aussehen. Mit etwas Pragmatismus und der Bereitschaft, auch nach der Restauration noch Hand anzulegen, kommst Du mE weiter.
Ich hoffe, dass das hilfreich ist - viel Erfolg - Til
Re: Diagnosetipps bei Verschleißteilen
Verfasst: Sa 26. Mai 2007, 08:50
von sebastianklaus
Hi Arne,
ich bin gerade dabei, meine 2. DS komplett zu restaurieren (beide: DS 21, BJ 66/67). Ich kann Til in jeder seiner Aussagen nur 100%-ig Recht geben.
Ich wuerde noch ein paar Sachen ergaenzen wollen, die nicht essentiell sind, aber sein sollten:
a) abhaengig vom Baujahr sollte man sicher komplett neue Kabelbaeume einbauen
b) bei der Gelegenheit empfiehlt es sich, den kompletten Bereich der A-Saeule von innen vollstaendig (und sehr ueppig) mit "neuen" Deammatten (vom Xantia vom Schrott, ich habe mehrere neue (Citroën- original) Motorhaubendaemmmatten von der "Ente" verwendet) zu versehen
c) Abschneiden des Rohrgewindes an der hinteren Stossstangenbefestigungen und Ersatz durch M16- Schraube mit entsprechend abgedrehtem Absatz. Bei der Gelegenheit natuerlich kompl. Ueberholung / Reinigung / Politur der kompletten Stosstange
d) Korrosionsschutz komplett (Hohlraumkonservierung ect., das volle Programm halt)
e) ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, bei einer Generalreparatur immer (egal ob die Teile vorher funktioniert haben oder nicht) Lenkung, Hydraulikpumpe und Anlasser gegen sorgfaeltig restaurierte / neue Teile auszuwechseln. Man aergert sich tot, wenn der Anlsser nach 3 Tagen haengt und das Auswechseln desselben bekanntermassen ja "ein Riesenspass" ist.
f) Was ich persoenlich auch gemacht habe und noch nie hier im Forum gelesen habe: ich habe mir bei einem berufl. Aufenthalt in Shanghai große Hydraulik-Oelfilter (Feinheit 10 muem -"nominell") besorgt, die ich in den Ruecklauf vom Druckregler in den Vorratsbehaelter zwischengeschaltet habe. Die Vorstellung, dass ich den ganzen Dreck und Abrieb dauernd durch alle Organe pumpe, die als Ersatzteil nicht mehr (siehe oben Til´s Ausfuehrungen) in guter Qualitaet erhaeltlich sind, treibt mir den Schweiss auf die Stirn. Wenn Du auch Oelfilter brauchst eine Info fuer die Dimensionierung: max. Durchflussmenge ist ca. 10 l/min, dann hast Du ausreichend Reserve. Feiner als 10 mue wuerde ich aus verschiedenen Gruenden (Einzelheiten gehen hier zu weit) nicht filtern, groeber aber auch nicht !
f) rechtes Motorlager (das unter dem Auspuffkruemmer) ist immer verschlissen. Gummis auswechseln, auf richtige Gummiqualitaet achten.
g) Heizungshahn (nur bis BJ. 69) sorgfaeltig reinigen und fetten, nach dem Motoreinbau kommt man nicht mehr dran.
h) ach ja, ist ja klar: Vergaser ueberholen und Drosselklappenlagerung reparieren. Wenn die nicht richtig dicht ist, aegert man sich auch tot.
Das fiel mir nur noch so spontan ein. Gibt sicher noch viel mehr Dinge.
Viel Erfolg
Sebastian
Re: Diagnosetipps bei Verschleißteilen
Verfasst: So 27. Mai 2007, 12:01
von ideefix
Hallo,
vielen Dank für die Tipps. Das hilft mir schon weiter.
In einem anderen Thread hat mir Thorsten auch schon einige Tipps gegeben, aber jeder hat doch immer wieder andere Erfahrungen gemacht und in der Summe der Tipps bekommt man dann doch schon ein recht umfassendes Bild von den zu erledigenden Arbeiten. (Und von der Zeit die noch verstreichen wird, bis das Baby wieder schweben darf ...

)
Einen Diagnoseguide zu erstellen scheint eine schwierige Sache zu sein.
Und deshalb werde ich wohl erst einmal eure Tipps beherzigen und das Notwendige prophylaktisch tun. Ich hoffe, ich muss dann nicht kurz nach Inbetriebnahme einige Verschleißteile wechseln, aber wenn man einmal eine DS auseinander- und zusammengebaut hat, dann erschreckt einem das nicht mehr wirklich.
Es eben nur ärgerlich, aber nicht beängstigend ...
LG
Arne