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Bremse vorn rupft stark vorm Anhalten
Verfasst: Mo 19. Mai 2003, 22:47
von Steffen
Hallo,
meine ID 19 von 68 macht seit ca. 2 Wochen folgendes:
Beim Abbremsen so ab ca. 10 km/h bis zum Stillstand rumpelt, rubbelt und rupft es manchmal vorne an den Bremsscheiben, dass einem himmelangst wird. Hört sich in etwa so an wie ein alter Güterwaggon beim Bremsen, ist wirklich sehr laut.
Ein ähnliches (oder dasselbe?) Problem soll ja bekanntlich hin und wieder bei den Valeo-Plaketten auftreten und eigentlich völlig unbedenklich sein (?). Meine Plaketten (ca. 1 Jahr alt) sind jedoch von Textar. Die beiden Bremsscheiben sind noch gut, haben weder Riefen, noch rubbeln oder schlagen sie beim normalen oder starken Abbremsen aus höheren Geschwindigkeiten. Das Problem tritt merkwürdigerweise nur kurz vor dem Stehenbleiben auf, egal, ob man dabei nur leicht oder stark abbremst. Merkwürdigerweise ist das Geräusch auch gern mal tagelang weg und tritt dann plötzlich gehäuft wieder auf.
Hat jemand von Euch dieses Phänomen schon mal erlebt? Wenn ja, woran könnte es liegen und was habt Ihr dagegen unternommen?
Merci,
Steffen
Re: Bremse vorn rupft stark vorm Anhalten
Verfasst: Di 20. Mai 2003, 07:17
von Dieter
Hallo Steffen,
wie ist das denn mit der Witterung? Hat es vieleicht geregnet oder bist Du durch eine Pfütze gefahren? Ist denn über den Bremsen alles dicht?? Vieleicht tropft Öl oder Kühlwasser auf die Beläge/Scheiben! Es kann auch zu viel Spiel im Antrieb sein, so daß sich auftetetende Schwingungen beim Bremsen verstärken. Schau das erst einmal nach, es gibt noch mehr Erklärungen....
Dieter
Re: Bremse vorn rupft stark vorm Anhalten
Verfasst: Di 20. Mai 2003, 09:23
von Lars
Moin Steffen,
bei meiner DS verhält es sich ähnlich, wenn sie länger gestanden hat. Nehme mal an, dass sich dort ein Öltropfen "verirrt" hat, und für diese häßlichen Geräusche zuständig ist.
Sobald ich dann ein wenig Strecke fahre (bzw. bremse) ist das Problem von der Welt.....
Gruß, Lars
Re: Bremse vorn rupft stark vorm Anhalten
Verfasst: Di 20. Mai 2003, 10:29
von Steffen
Hallo Dieter, hallo Lars,
danke für Eure Tipps!
In der Tat tritt das Ausroll-Rubbeln bei meiner Madame vor allem dann auf, wenn sie ein paar Tage gestanden hat und dann auch nur bei/nach Stadtfahrten (Kurzstrecke). Bei/nach Landstraßenfahrten usw. kommt das Problem nur sehr kurz oder gar nicht vor.
Antrieb:
Madame wurde im Winter umfassend überholt, auch die Antriebswellen usw. wurden (laut Werkstatt) überprüft und neu gefettet. Ansonsten: Kann man lockere Antriebsteile evtl. auch ohne Hebebühne erkennen/aufspüren? Müsste man lockere Antriebsteile nicht auch an anderen Symptomen erkennen bzw. müssten die Bremsen dann nicht generell rubbeln, also gerade bei höheren Geschwindigkeiten?
Öl, diverse:
Öl ist ehrlich gesagt auch mein Verdachtsfavorit. Aber woher? Meine Hydraulik macht absolut nen dichten Eindruck, habe mir insbesondere die Pumpe und die Lenkung angeschaut, auch die umgebenden Leitungen sehen trocken aus. Der Stand im Vorratsbehälter ist seit Wochen gleich geblieben, deshalb würde ich LHM ausschließen.
Dafür süfft der Nockenwellensimmering immer ein wenig Motoröl. Der liegt zwar nicht direkt über den Scheiben, aber könnte von da z.B. irgendwas auf die Bremsscheiben tropfen, spritzen und laufen? Die Bremssättel und die Scheiben sehen von oben und von unten auf den ersten Blick nicht verölt aus. Vielleicht ist es wirklich immer nur ein Tropfen (zuviel)? Wenn dem aber so ist, macht es dann Sinn, die Bremsscheiben vor dem Losfahren mit Bremsenreiniger einzusprühen und abzuwischen? Oder verdunstet das Zeug dann quasi von allein beim Bremsen?
Wasser, diverse:
Madame musste letzte Woche einen heftigen Schauer durchwaten, es hat aber während der ganzen Fahrt nicht ein einziges Mal gerubbelt, obwohl ich oft vor Kreuzungen bremsen und halten musste. Dafür aber ein paar Tage danach wieder bei schönem Wetter umso heftiger. Restfeuchtigkeit???
Beim Kühlwasser: Das Netz vorne (durch den Reißverschluss in der Hutze betrachtet) sieht trocken aus. Auch oben am Deckel scheint nix rauszukommen, der Füllstand scheint unverändert. Aber beim Kühler sieht man natürlich schlecht, wenn ein paar Tropfen fehlen, und das Frostschutzmittel würde sicherlich wie Öl auf den Scheiben wirken.
Hätte es evtl. Sinn, verdachtsweise mal mit Kühlerdichtmittel zu arbeiten oder ist das eine Schandtat fürs Kühlsystem von Madame? Wenn machbar, welches Kühlerdichtmittel würdet Ihr mir empfehlen und wieviel davon kippt man am besten rein?
Danke und Prost,
Steffen
Re: Bremse vorn rupft stark vorm Anhalten
Verfasst: Di 20. Mai 2003, 11:32
von Bernhard(Süd)
Hallo Steffen,
schau` mal nach, ob vielleicht die Wasserpumpe leckt.
Das ist zB. bei meiner DS der Fall, die allerdings als Langhuberin eine etwas andere WaPu-Bauart besitzt (oder hast Du in der ID noch die alte Ausführung?); dieses Pumpengehäuse hat unten-vorne (unter der Welle) ein kleines Loch zur Abführung von ausgetretenem Leckagewasser
(genial einfach, was? hab` ich auch schon bei einer WaPu vom Mercedes Bj. 1951 gesehen, also hat "man" damals mit Leckagen entlang der WaPu-Wellen als ganz normalem Vorgang gerechnet, der noch keinesfalls den Exitus der Pumpe bedeuten muß!!).
Falls bei deiner WaPu-Bauart ebenfalls dieses Ablaufloch im nach oben offenen Teil des Pumpengehäuses existiert, verschließe es z.B. provisorisch mit Fett und schau nach, ob sich nach einigen Kilometern Kühlflüssigkeit ansammelt; bzw. wenn diese durch das Loch auf die HP-Keilriemen tropfen kann, verspritzen diese es im Motorraum rechts,- siehste dann schon...
Viel Erfolg: Bernhard(Süd)
Re: Bremse vorn rupft stark vorm Anhalten
Verfasst: Di 20. Mai 2003, 20:50
von Steffen
Hallo Bernhard,
danke für den Tipp, das kann gut sein, denn meine ID hat ja auch noch den "alten" Solex-Vergaser. Ich schau mir das mal die Woche näher an und werde berichten.
Falls die Pumpe dort sabbert, heißt das dann "Kühler irgendwo undicht", "WaPu austauschen" oder am Ende "ist halt so"?
Merci und Gruß,
Steffen
Re: Bremse vorn rupft stark vorm Anhalten
Verfasst: Mi 21. Mai 2003, 13:25
von Bernhard(Süd)
Hallo Steffen,
also ich habe mir zwar in Frankreich erst mal (?vorsorglich/?überschwenglich) eine gute gebrauchte WaPu gekauft und diese ´dann zu "Studienzwecken" zuhause vorsichtig! zerlegt und gereinigt,- Kugellager drin gelassen, aber Manschette vorsichtig geöffnet und dort drinnen nachgefettet! (Danke nochmals an Robert K., Frank Tr. und Jürgen P. für die e-mails der passenden Reparaturbuchseiten!!! ).
Das Teil liegt jetzt hübsch gesäubert im Regal, denn ich bin zunächst mal einem Tip des genialen Herrn Petermann gefolgt und habe in das Ablaufloch der alten, eingebauten Pumpe einen PVC-Schlauch Durchm. ?10 mm gedrückt (ca. 1/2 m lang), dort mit Plastilube abgedichtet (sehr zähes Bremsenfett) und lasse den Schlauch in ein hübsches gelbes Becherlein münden, das ich in keinesfalls oregenool aussehender Manier (wird gegen eine Fischdose mit französischer Aufschrift getauscht!) am rechten Längsträger (etwa über dem re-Bremssattel) mit Draht aufgehängt habe. Ergebnis bisher; in 200 km geschätzt 4 cm³ Flüssigkeit. Also wirklich nicht die Welt (aber auch nicht Nix), und ich habe gern die Kontrolle via Auffanggefäß.
OB NUN die olle Pumpe wirklich bezüglich Lagerverschleiß noch sehr lang durchmacht...??? Wer viel fragt...:Habe wie gesagt sowohl die Auskunft bekommen, daß eine leichte Leckage absolut üblich sei, als auch, daß Kühlerfrostschutz die Gleitringdichtung schnell ruiniere. Jetzt kann ich mir meine Version raussuchen... Oder anders ausgedrückt:
BITTE, werte Langhuberexperten, beschreibt mal Eure Erfahrungen!
Grüße, Bernhard
Re: Bremse vorn rupft stark vorm Anhalten
Verfasst: Mo 26. Mai 2003, 10:43
von Bernhard(Süd)
Hallo Steffen,
...wie ging die Sache denn aus? Ist die WaPu schuld??
Grüße, Bernhard
Re: Bremse vorn rupft stark vorm Anhalten
Verfasst: Mo 26. Mai 2003, 12:06
von Steffen
Hallo Bernhard,
danke der Nachfrage. Bislang würde ich sagen, nein, ich war aber noch nicht auf einer Hebebühne, um mir das Ganze mal von unten anzuschauen.
Bei mir kommt jedenfalls hinten aus der WaPu (ist bestimmt dieselbe Bauart wie bei Dir) ein kleiner Plasteschlauchrüssel raus, so ca. 5 cm lang, und dort habe ich einfach mal mit nem kleinen Schnippgummi ein trockenes Poliertuch drumgebammelt, sozusagen als temporären Instant-Becher

Aber nach über 100 km war das Tuch noch völlig trocken, und über den Scheiben und im vorderen Motorraum war nix von verspritzten Tropfen oder dgl. zu sehen. Kann aber auch der Vorführeffekt gewesen sein, denn der Rüssel ist natürlich bestens geeignet, um austretendes Leckwasser auf die Keilriemen der HD-Pumpe zu spucken und von dort aus breitzuspritzen. Die Riemen der Pumpe sind/waren jedenfalls bei mir völlig trocken und weisen m. E. auch keinerlei schmierige Frostschutzmittelrückstände o.ä auf. Die Riemen sind bei mir neu. An denen müsste man ja eigentlich auch erkennen können (?), ob der Rüssel zwischenzeitlich doch mal gespuckt hat.
Wegen evtl. loser Antriebsteile (Wellen etc.) hat mir der Jürgen Peters noch den Tipp gegeben, das Auto mal mit dem Wagenheber abwechselnd vorn links und rechts hochzubocken und dann bei fest angezogener Handbremse am (hängenden) Rad am Umfang zu wackeln bzw. zu drehen. Da ist zwar ein ganz kleines Spiel bei mir, vielleicht so 1 - 2 mm, aber das ist wohl normal und nichts Schlimmes. Jürgen meinte auch, wenn es an lockeren oder losen Antriebsteilen läge, müsste das Problem eigentlich immer und auch beim Anhalten/Ausrollen mit der Handbremse auftreten. Tut es aber zum Glück nicht, obwohl es bei Fett/Öl auf den Scheiben wahrscheinlich auch mit der Handbremse rumpeln würde.
Deshalb meine derzeitige Theorie für das mysteriöse Ausroll-Bremsgeräusch (das zur Zeit wieder mal komplett weg ist):
Die Antriebswellen wurden im Winter evtl. etwas zu stark gefettet, so dass während der Fahrt hin und wieder etwas Fett von den Manschetten auf die Scheiben spritzt oder nach dem Abstellen runtertropft. Oder es liegt doch an den Plaketten selbst. Ich hatte inzwischen E-Mail-Kontakt zu einem weiteren ID-19-Fahrer, der seit einiger Zeit dasselbe Problem hat, und zwar auch mit relativ neuen Textar-Plaketten! Sein Händler hat ihm wohl gesagt, dass ihm das Problem schon von einer bestimmten Charge bekannt sei, die neueren hätten das Problem jedoch nicht. Es soll ja sogar mal Textar-Plaketten gegeben haben, bei denen sich die Bremsbeläge beim Bremsen von der Plakette gelöst haben (steht jedenfalls in einem entsprechenden Leidensbericht im HP-Archiv).
Bin jedenfalls mal gespannt, wie sich die Chose bei mir weiterentwickelt und werde entsprechend darüber berichten. Wahrscheinlich werde ich die Plaketten im Herbst/Winter austauschen, wenn das Problem wiederkommt und bis dahin keine andere plausible Ursache festzustellen ist. Das mit den Antrieben schau ich mir trotzdem nochmal in aller Ruhe auf der Bühne an, wenn beide Räder vorne frei hängen. Sicher ist sicher...
Bonne chance,
Steffen