Seite 1 von 4

Lenkungsdiagnose

Verfasst: Do 11. Aug 2005, 12:48
von Pit
Hallo!
Die Lenkung ist immer wieder ein Thema!
Ich habe folgende Pumpenintervalle (immer Federung unten+Handkupplung, Ds warm) gemessen:
Lenkung Mitte: 8s
Lenkung Mitte mit leichtem Druck am Lenkrad: 8s
Lenkung am Anschlag mit Kraft: 32s
Lenkung abgeklemmt: 37s,41s,43s,44s mit steigender Tendenz
Worauf lassen diese Werte schließen? Von wo nach wo fließt das Öl in den Fällen 1 und 2?
Vielen Dank
Pit


Re: Lenkungsdiagnose

Verfasst: Do 11. Aug 2005, 13:17
von Götz
Hallo Pit,

hier nochmal für alle (wir hatten privat schon mal ein bischen geplauscht)

Das ist das typische Bild: Innere starke Undichtigkeit über den Arbeitskolben. Beim Anschlag gegen links oder rechts mit Kraft dichtet der Arbeitskolben unter dem Maximaldruck von 180bar ab.

Hier im Detail: Bei einem Vordruck von ca. 60-80bar (Differenz zwischen der linken zur rechten Kammer theoretisch gleich null; praktisch aber nie, Lenkung in Ruhestellung) dichtet der Arbeitskolben nicht mehr zwischen der linken und der rechten Kammer ab.
Ein permanenter Differenzdruck von 20-30bar reicht bei einer solchen alten Dichtung nicht aus um sie zusammen zu pressen damit sie gegen die Zylinderwand abdichtet. Und so fließen zwischen den Kammern die Flüssigkeiten munter hin und her. Und wenn man lenkt dann erst recht. (Differenzdruck steigt) Aber erst wenn die Lenkung an den Anschlag kommt und man mit Druck gegen hält wird die kleine Kammer geöffnet (mit dem Rücklauf verbunden) und die große Kammer bekommt vollen Arbeitsdruck (140 bis 180bar). Damit wird die mittlere Dichtung des Kolbens gegen den Anschlag des Zylinders gedrückt. Das reicht meist aus, dass auch ein alter harter Gummiring sich radial ausbreitet und damit die Silikondichtung gegen die Wand des Zylinders presst.

Ich hoffe das war etwas verständlich. Es wird noch etwas komplizierter wenn man in die Betrachtung die Steuerkolben hinzuzieht (Wechselwirkung) aber lassen wir das.

Grüße Götz

Re: Lenkungsdiagnose

Verfasst: Do 11. Aug 2005, 14:16
von Georg
Hallo Götz und Pit,

das mit dem Endanschlag werde ich demnächst verifizieren müssen - ist mir noch nicht aufgefallen!
Die Werte mit abgeklemmter Lenkung sind aber auch nicht gerade berauschend. Die DS des linzer Clubpräsidenten (DS21 M von 1966) schaltete alle 2-3 min! Das ist ein Wert den ich erreichen möchte. Mit einer Absinkzeit von mind. 3 Stunden...

Sag Götz, der Steuerkopf verbindet in der Mittellage den Einlaß mit beiden Kammern - auch dass er das ungleichmäßig tut, sehe ich ein, obwohl ich 20-30 bar in absoluter Ruhelage für übertrieben erachte, da ich ja mal meinen Drucküberschneidungswert eingestellt habe.
Gut, aber sagen wir mal in 99% der Betriebsmodi ergibt sich ja durch das Ruhen der Hand auf dem Lenkrad oder das Verziehen der Herzscheibe gegen die Räderstellung nicht die Nullage - der zum Nachladen erforderliche Leckvolumenstrom kann sich aber nur im Steuerkopf mit den 5 O-Ringen und den 4 Teflonringen ergeben, denn eine kaputte DIchtung zwischen den Kammern sorgt ja maximal für einen Druckausgleich.

Eine Frage lautet; hältst Du es für möglich, dass die Steuerkolben zwar interne Leckagen haben (also bei Betätigung zum Auslaß undicht sind) aber nicht nach außen tropfen? Wohl eher nicht, denn der Verschleiß (der sich ja im Schwitzen des Lenkkopfes bemerkbar macht) sollte sich ja auf der Mantelfläche des Kolbens gleichmäßig bemerkbar machen!?

Und weshalb kann eine frisch abgedichtete und nach außen hin trockene Lenkung einen zwangsläufig recht hohen Leckstrom haben, wenn im Fall der oben getroffenen Annahme die Steuerkolben (ziemlich) dicht sind? Das hieße ja, dass im Steuerkopf selbst einer oder mehrere der inneren O-Ringe so schwach wurde / falsch ausgelegt wurde, dass er einen Bypaß neben den Steuerkolben zum Rücklauf bildet?

Bin ich irgendwo komplett auf dem falschen Dampfer?

Ciao Georg

Re: Lenkungsdiagnose

Verfasst: Do 11. Aug 2005, 17:03
von Robert Kruse
Hallo Pit,

mir erscheinen die ca. 44 sec nicht gut. Bei Federung unten und ohne Lenkung müssten das mindestens 2,3 Minuten sein. Ich würde zunächst Druckregler und Druckspeicherprüfen,und dann schauen, wie es mit der Schaltfrequenz aussieht. Vielleicht kommst Du hinterher bei einem ganz akzeptablen Wert aus.

Gruss
Robert

Re: Lenkungsdiagnose

Verfasst: Do 11. Aug 2005, 17:23
von Pit
Hallo Götz, Georg
ich sehe das wie Georg. Wenn das Öl zwischen den beiden Kammern hin und her fließt, muss doch kein Öl nachgepumpt werden.
Die Lenkung ist jetzt ca. 3 Jahre alt (AT Sassen), zumindest dürften die Dichtungen nicht hart sein.
Götz: "Aber erst wenn die Lenkung an den Anschlag kommt und man mit Druck gegen hält wird die kleine Kammer geöffnet (mit dem Rücklauf verbunden) und die große Kammer bekommt vollen Arbeitsdruck (140 bis 180bar). "
Ich denke bei jeder Lenkbewegung wird die eine Kammer mit HD verbunden und die andere mit dem Rücklauf, nicht erst bei Volleinschlag.
Ich weiß nicht ob die 2-3 Minuten mit einem HA zu erreichen sind. Bei >30s wäre ich schon zufrieden.
Die Federzylinder sind überholt.
Der Schaltblock ist knapp 1 Jahr alt.
Der Druckregler und Druckspeicher ca. 1,5 Jahre
Für mich bleibt die Frage: Wo geht das Öl hin?
Pit


Re: Lenkungsdiagnose

Verfasst: Do 11. Aug 2005, 17:26
von Pit
Hallo Robert,
du hast natürlich recht. Wahrscheinlich summieren sich viele kleine Fehler. Im Moment interessiert mich einfach, woher der doch recht große Unterschied zwischen Volleinschlag und Mitte kommt. Wir versuchen doch alle unsere Göttinnen immer besser zu verstehen!?
Pit

Re: Lenkungsdiagnose

Verfasst: Do 11. Aug 2005, 17:47
von Jack Shotton
Hallo Alle!

Ueber die Jahren habe ich mit genau diesem Problem richtig ringen muessen. Ich glaube dass Betrieb mit DOT-3 anstatt LHS-2, oder Dexron anstatt LHM, oder einfach lange Betriebszeit damit zu tun hat.

Die interne Leckage kommt entweder ueber die Dichtungen, (5 O-Ringen und 4 Teflonringen) oder ueber die Steuerkolben. Ich kann bestaetigen dass es moeglich ist (vielleicht sogar wahrscheinlich ist) fuer die Steuerkolben interne Leckagen zu haben ohne nach aussen sichtbar zu tropfen. Ich habe sehr viel Zeit verschwendet um dies zu lernen.

Wenn ich dieses Problem haette wuerde ich den Steuerkopf zu einem Citroën Spezialist (Dave Burnam in New York) der eine Pruefbank hat schicken. Die Dichtungen werden erneuert, und den Druckueberschneidungswert eingestellt. Es wird bestaetigt dass die Steuerkolben immer noch in Ordnung sind. Wenn nicht, dann muessen neue Teile gefunden werden. Neue Dichtungen helfen nicht wenn die Ventile kaputt sind.

Jack Shotton


Re: Lenkungsdiagnose

Verfasst: Do 11. Aug 2005, 19:28
von Robert Kruse
Hallo Pit,

wenn Speicher oder Regler nicht in Ordnung sind, machen sich schon geringste Belastungsunterschiede durch grosse Unterschiede in der Schaltfrequenz bemerkbar. Daher kann es sein, dass Deine Werte nicht sehr aussagekräftig sind. Soll heissen, ich halte es für möglich, dass Deine Lenkung überhaupt keine nennenswerten Probleme hat.


Grüsse
Robert

Re: Lenkungsdiagnose

Verfasst: Do 11. Aug 2005, 20:23
von Pit
Hallo Robert, u.a.
der Druckdifferenz von ca. 25bar für das Schaltintervall entsprechen ungefähr einem LHM Verlust von 30ml. Das heißt, dass diese 30 ml bei Lenkung in Mitte in ca. 20s schneller irgendwo abfließen als bei Anschlag. Wie hängt das vom Druckregler oder Speicher ab? Kannst du deine Aussage präzisieren?
Meine 30ml stammen aus folgender Abschätzung:
Speichervolumen 400ccm bei 65bar. Mit p*V=const ergibt sich bei 170bar (Ausschaltdruck) ein Gasvolumen von 150ccm und bei 145bar (Einschaltdruck) ein Gasvolumen von 180ccm. Differenz 30ccm.
Sind meine Überlegungen richtig?
Wo gehen die 30ml hin?
Pit

Re: Lenkungsdiagnose

Verfasst: Do 11. Aug 2005, 23:23
von Robert Kruse
Hallo Pit,

ob das jetzt 30 ml sind, weiß ich nicht. Aber wenn 30 ml Flüssigkeitsablauf bei einem intakten Speicher 25bar Druckverlust bedeuten, sieht die Sache bei einem defekten Speicher anders aus. Je schlechter der Speicher, umso weniger Flüssigkeitsablauf ruft den gleichen Druckverlust hervor. Nehmen wir den Extremfall "Speicher völlig defekt", also der Druck wird nur von der Elastizität der Leitungen gehalten: Dann reicht vielleicht schon 1 ml für die entsprechende Druckdifferenz von 25 bar. Ich habe das auch nur durch (bösen) Zufall erfahren können: Im letzten Jahr habe ich meine Lenkung überholt, nachdem die Schaltfrequenz auf unter 10 sec runter war. Gleichzeitig habe ich den Regler einstellen und den Speicher auffüllen lassen. Mit der Luft im System, die bei einer solchen Reparatur immer eintritt, war ich anfangs bei einem Intervall von 3 min. Innerhalb der ersten Tankfüllung ging das auf 2 sec runter: Robert war verzweifelt: Hatte ich das Auto kaputtrepariert? Alles wieder auseinandergenommen und festgestellt, dass die Kugel platt war, sie hatte die Neufüllung wohl nicht überlebt. Neue Kugel rein, und damit hat sich das Intervall auf 70 sec stabilisiert, und da ist es heute noch. Fazit: Mit einer guten Lenkung und einer defekten Kugel geht gar nichts. Der esoterische Blabla stimmt hier ausnahmsweise mal: Man muss immer das ganze System betrachten, nicht nur die Einzelteile.
Holistische Grüsse
Robert