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Festhängende Einlassventile aufgrund altern Sprits, Additive

Verfasst: So 12. Apr 2026, 11:57
von sebastianklaus
Liebe Forumsgemeinde,
mir ist folgendes passiert:
1) Problembeschreibung:
meine 1974´er Moto Guzzi 750 S (Motor vor 3000 km komplett überholt) hatte ich an meinen Bruder verliehen, der vor vielleicht 18 Monaten das letzte Mal normales Super- Benzin (kein E10) getankt hatte und dann nicht mehr damit gefahren ist.
Jetzt habe ich die Guzzi auf dem Hänger abgeholt, beim Probelauf (alter Sprit) stimmte der Leerlauf nicht: keine Kompression auf rechtem Zylinder. Einlassventil krumm. Da mein Bruder das Motorrad im Leben nicht überdreht hat, kam diese Schadensursache nicht infrage.
Also Ventil getauscht, komplett neuen Sprit (normales Super, KEIN E10) und neues Öl drauf: gestern vormittag nach 35 km vorsichtiger Fahrt (der Motor war also bestimmt warm gefahren) bei konstant Tempo 90 (3000 1/min) tat es auf der Landstraße ein Schlag, dann langsam über 10 s Leistungsverlust in Verbindung mit hellem mechanischen Klappern, als wenn ein Auspuffkrümmer abgenommen wäre): offenbar ist wieder ein (das andere ?) Einlassventil festgegangen. Genaue Schadensuntersuchung konnte ich noch nicht durchführen, da ich das Motorrad noch nicht zuhause habe.
2. Analyse:
Unter der Voraussetzung, dass das 2. Schadensbild ähnlich dem 1. ist und wieder ein Einlassventil betroffen ist): Meines Erachtens kann dann der Schaden nur durch verharzten alten Sprit verursacht worden sein, der sich bei geöffnetem Einlassventil an dem unteren Bereich des Ventilschafts ansetzt.
Das havarierte (erstbeschädigte) Einlassventil weist auch im unteren Bereich des Schafts eine vielleicht 3x3 mm² große dunkle Fläche auf. Meines Erachtens sollten Verfärbungen an Ventilschäften immer über den ganzen Umfang verteilt sein, weil das Ventil sich im Betrieb dreht: diese dunkle Fläche könnte für das Verkleben sprechen.
Internet und mein Kumpel Christian (dem das gleiche bei einem DX- Motor mehrfach hintereinander passiert ist, bis er auf die Idee kam, den Sprit zu wechseln, worauf das Phänomen schlagartig weg war) sagen: Einlassventile neigen zum Verkleben, wenn der Sprit alt ist. Jetzt war dieser Sprit nur ca. 18 Monate alt und es war KEIN E10. Der 2. Schaden ist mit ganz frischem Benzin (kein E10) nach 35 km bei warmem Motor und „quasi im Leerlauf“ aufgetreten.
3. Meine Frage:
Ich habe noch 2 DS, einer hat einen DX2 und einer einen DX5 Motor. Beide Motoren sind technisch einwandfrei, der DX5- Motor hat praktisch 0 km Laufleistung. Die Tanks beider DS sind mehr oder weniger voll oder gut halb voll, der Sprit ist z.T. 4 Jahre in den Tanks.
Was mache ich jetzt mit den beiden DS´en angesichts der o.g. Erfahrungen insbesondere meines Kollegen Christian ?

Ich hatte mir die im Netz als beste Mittel getestete „LiquiMoly Benzinstabilisator“ besorgt. Kann ich das in den z.T. schon SEHR (also 4 Jahre) alten Sprit geben und dann ruhig schlafen ?

Ich bin gespannt auf qualifizierte Kommentare und Hinweise zu dem Thema.

Vielen Dank im Voraus.
Viele Grüße
Sebastian

Re: Festhängende Einlassventile aufgrund altern Sprits, Additive

Verfasst: So 12. Apr 2026, 18:25
von MenrathU
Wir erinnern uns, dass einstmals (ca. in den 1950ern) alkoholhaltiger Kraftstoff als reinigend und Wohltat für Motoren vermarktet wurde. Vielleicht wären die Pannen mit E10 nicht aufgetreten?

Re: Festhängende Einlassventile aufgrund altern Sprits, Additive

Verfasst: So 12. Apr 2026, 19:41
von hgk
[quote=sebastianklaus post_id=154176 time=1775987839 user_id=588]
Liebe Forumsgemeinde,

Internet und mein Kumpel Christian (dem das gleiche bei einem DX- Motor mehrfach hintereinander passiert ist, bis er auf die Idee kam, den Sprit zu wechseln, worauf das Phänomen schlagartig weg war) sagen: Einlassventile neigen zum Verkleben, wenn der Sprit alt ist. Jetzt war dieser Sprit nur ca. 18 Monate alt und es war KEIN E10. Der 2. Schaden ist mit ganz frischem Benzin (kein E10) nach 35 km bei warmem Motor und „quasi im Leerlauf“
Ich bin gespannt auf qualifizierte Kommentare und Hinweise zu dem Thema.

Vielen Dank im Voraus.
Viele Grüße
Sebastian
[/quote]

Wahrscheinlich kann man darauf nicht ohne weitere Untersuchungen qualifiziert antworten.
Was Christian mehrfach hintereinander passiert ist, da würde mich mal interessieren wie oft er den Kopf abgenommen hat, um die Ventile "zu befreien" oder zu wechseln und ob das "Phänomen" nicht nur durch frischen Sprit weg war ...

Das wird Dich jetzt nicht trösten, aber meine Viertakter sind teilweise mit 6-10 Jahre altem Sprit, zwar schwer, aber angesprungen und dann bis zum Nachtanken auch einwandfrei gefahren.
Ohne das ich die Diskussion wieder lostreten will, bei den ganz selten bewegten Viertaktern gibs gelegentlich auch ne Portion Obenöl und E 10 fahre/fuhr ich auch schon ewig, selbst im 23er ie mit ungewollt höherer Verdichtung weil nicht 1/10, sonderen deren 2 geplant wurden.

Re: Festhängende Einlassventile aufgrund altern Sprits, Additive

Verfasst: So 12. Apr 2026, 23:27
von Pepe3
Hochwertiges 2T-Öl 1:400 als Obenöl schmiert die Einlassventile. Z.B. Silikonele von Fuchs.

Re: Festhängende Einlassventile aufgrund altern Sprits, Additive

Verfasst: Mo 13. Apr 2026, 13:25
von sebastianklaus
Hallo,
ich bedanke mich für die Rückmeldungen und möchte die Geschichte jetzt (hoffentlich) zu Ende erzählen:
es hat dieses Mal das Auslassventil des gleichen Zylinders fest gehangen.
Ich habe das Motorrad jetzt zu einem sehr erfahrenen Guzzi- Schrauber gebracht, der mir mitteilte, dass die Ventilführung viel zu stramm aufgerieben worden sei bei einer früheren Überholung der beiden Köpfe.
Er spindelt jetzt alle 4 Führungen mit der passenden Reibahle neu aus, neue Fuss- und neue Kopfdichtung und weiter geht´s mit dem alten Ventil.
Der Guzzi-Schrauber verneint sehr vehement das Argument, man könne mit Kraftstoffansätzen am Ventil dieses zum Klemmen veranlassen.
Glück gehabt ! :-)
Viele Grüße
Sebastian

Re: Festhängende Einlassventile aufgrund altern Sprits, Additive

Verfasst: Mo 13. Apr 2026, 18:49
von M. Ferchaud
sebastianklaus hat geschrieben: Mo 13. Apr 2026, 13:25 Der Guzzi-Schrauber verneint sehr vehement das Argument, man könne mit Kraftstoffansätzen am Ventil dieses zum Klemmen veranlassen.
Da liegt der Guzzi-Schrauber (leider) falsch: Es gibt hier im Forum mehrere dokumentierte Fälle von durch überalterten Kraftstoff in ihren Sitzen verklebte Einlassventile. Auch mir ist dies bei meiner 1958er DS passiert.

Das Verkleben tritt stets erst nach dem Erkalten des Motors auf und macht sich beim darauffolgenden Kaltstart durch klimpernde Geräusche bemerkbar.

Je nach Grad der Verklebung können die Ventile, die Kolben und die Stößelstangen in Mitleidenschaft gezogen werden, in extremen Fällen möglicherweise auch die Nockenwelle.

Genau lässt sich der Zeitpunkt der Überalterung nicht eingrenzen. In meinem Fall sorgten ca. 25 Jahre alte Reste nach deren Ablassen und Vermischen mit frischem Benzin für den Effekt. Wohl wegen der Verdünnung in meinem Fall ohne Schäden. Bei Jürgen hingegen waren die Stößelstangen kräftig verbogen.

Und jetzt Bühne frei für alle Zweifler.

Re: Festhängende Einlassventile aufgrund altern Sprits, Additive

Verfasst: Mo 13. Apr 2026, 21:37
von maldini
Hallo zusammen,
Ich fahre ja seit Jahren mit synthetischem zweitaktöl als obenöl.

Was ich gemacht hätte?
10 ltr. in einen Kanister abgezogen - obenöl drauf - vollgetankt.
Nach 300km wieder obenöl und Kanister eingefüllt ..
- wieder vollgetankt.

Grüße
Karl

Re: Festhängende Einlassventile aufgrund altern Sprits, Additive

Verfasst: Di 14. Apr 2026, 10:06
von M. Ferchaud
maldini hat geschrieben: Mo 13. Apr 2026, 21:37 Hallo zusammen,
Ich fahre ja seit Jahren mit synthetischem zweitaktöl als obenöl.

Was ich gemacht hätte?
10 ltr. in einen Kanister abgezogen - obenöl drauf - vollgetankt.
Nach 300km wieder obenöl und Kanister eingefüllt ..
- wieder vollgetankt.

Grüße
Karl
Abziehen reicht nicht. Offenbar sorgen schon kleinste Reste für das Verkleben.

Einzige meiner Meinung nach empfehlenswerte Methode: Tank ausbauen und komplett von innen überholen (lassen). Motor mit separatem Kanister füttern.

Re: Festhängende Einlassventile aufgrund altern Sprits, Additive

Verfasst: Di 14. Apr 2026, 10:42
von hy1600
denke, dass das nur passieren kann, wenn das Spiel der Ventile in den Ventilführungen sehr eng ist. Vielleicht zu gut gemeint beim Wiederaufbau.

Re: Festhängende Einlassventile aufgrund altern Sprits, Additive

Verfasst: Sa 18. Apr 2026, 01:39
von Bernhard(Süd)
Hallo,

da habe ich (allerdings bei meiner 1980er 2CV) wohl Glück gehabt und versucht, sehr sachte vorzugehen:

Vor 1,5 Jahren habe ich auf Anraten eines alten Mechanikerhasen (nach 11 Jahren Standzeit in luftiger Scheune!, lediglich Lauftansaugöffnung und Auspuff mit trockenen Lappen verschlossen) den alten Sprit (der noch ziemlich aromatisch und nicht gammelig gerochen hat: Das ist zu prüfen) soweit es ging, abgeschläuchelt und 10 Liter frisch gezapftes Super plus eingefüllt.

Zusätzlich durch die Kerzenbohrungen Konservierungsöl eingesprüht zum Lösen eventueller Vergrützungen und nach einer Weile den Motor gaaanz behutsam mit der Kurbel durchgedreht.
Danach ging`s erstmal per Hänger in die Fachwerksstatt zur allgemeinen Wiederbelebung (auch Bremsen, Tankgeber, Ventilspiel, Zündung, Vorderachse usw.) .

Dort ca. 8 Wochen später abgeholt; seitdem ca. 1000km anstandslos gefahren !

Grüße: Be