Seite 1 von 3

DS-Uhr reparieren

Verfasst: So 8. Mai 2005, 15:16
von Bernhard (Süd)
Salut,

bereits vor über einem Jahr war schon verschiedendlich die Rede von Reparaturproblemen mit den Zeituhren der D-Modelle. Vor allem betreffend der Schwierigkeit, für die besondere Uhrenbauart (Kombination aus mechanischem Werk und elektromagnetischem Antrieb) jemand zu finden, der sich damit noch auskennt.

Nachdem ich für die Uhr meiner DS hier in der Nähe (Bad Urach) endlich eine Uhrmacherin gefunden hatte, die über die Reparatur mechanischer Uhrwerke Bescheid weiß und sich vor allem auch gern damit abgibt, war die Uhr (inclusiv eines zweiten Werks aus meiner Ersatzteilkiste, das ebenfalls nicht lief...) über ein Jahr bei der Uhrmacherin zu "Gast"...
Hat so lang gedauert, weil halt nur in freien "Zwischenzeiten" und mit großem Entgegenkommen betreffend der Preisgestaltung daran gearbeitet wurde. das Uhrwerk wurde professionell gereinigt und allen möglichen Versuchen zur Gangbarmachung unterzogen (wobei allerdings kein Spezialist für Prüfen und Überholen der elektromagnetischen Seite aufzutreiben war).
ABER das Ding war nicht zum Laufen zu bringen!

ÜBERRASCHUNG: Das BIEST LÄUFT GÖTTLICH GENAU UND DAUERHAFT MIT 1,5...8 VOLT !!! Obwohl es aus einer 12-Volt-DS stammt und auch die Einprägung "12 V" auf dem Gehäuse trägt. Also weiß der Geier, was der alte Lefebvre uns da an Teufeleien hinterlassen hat. Jedenfalls ein Tip für alle Besitzer stehender DS-Uhrwerke, einfach mal mit ca. 6 V (1,5 V aus der Mignonbatterie tuns auch!) zu versuchen!

Bonne chance und Gruß:
Bernhard

Re: DS-Uhr reparieren

Verfasst: So 8. Mai 2005, 22:22
von mf
Die ersten elektrischen Uhren wurden noch bei den 6-Volt DS eingebaut.
Wäre es möglich dass jemand mal die Rückgehäuse an Deiner Uhr vertauscht hat (6V / 12V) - anlässlich einer "Revision"?

Gruss Mike

Re: DS-Uhr reparieren

Verfasst: So 8. Mai 2005, 22:37
von Bernhard (Süd)
Grüezi Mike,
...ja wie soll ich denn das wissen???

Eigentlich glaube ich noch immer an die Arglist des alten Lefebvre.
Also an irgendeine gaaaaanz besonders ausgeklügelte technische Idee, die
sich in der Praxis sozusagen selbst austrickst (zumal die Uhr ja nichtmal 6 V
benötigt, sondern schon mit ca. 1,5 V zubverlässig läuft...!).

Bin sehr gespannt, ob andere DS-Uhren auch mit sowenig Spannung laufen!

Gruß: Bernhard

Re: DS-Uhr reparieren

Verfasst: Mo 9. Mai 2005, 00:16
von Robert Kruse
Liebe Gemeinde,

Uhrprobleme habe ich zum Glück nicht (mehr, meine Aschenbecheruhr hat ein Uhrmacher letztes Jahr für läppische 300 Euro gemacht, wobei er eine neue Welle für die Unruh gedreht hat), aber wie diese elektromechanische Uhr nun funktioniert, würde mich auch mal interessieren. Klar ist, das Ding hat eine normale Unruh, deren mechanisch festgelegte Frequenz den Gang der Uhr bestimmt. Angetrieben wird diese durch Spulen, die von einer Transistorschaltung angesteuert werden. Die Frage, die sich mir stellt, ist, wie das synchronisiert ist, also wie die elektronische Schaltung ihrerseits die Frequenz der Unruh ermittelt, um dann zum richtigen Zeitpunkt einen "Schubs" zu geben. Ich glaube, erst, wenn man das verstanden hat, kann man das Ding in den Griff kriegen. Die Uhrmacher sind meist gute Mechaniker, aber mit dem Elektrischen tun sie sich oft schwer (wie viele Autoschrauber auch). Die 6-Volt Unren unterscheden sich übrigens von der 12V-Ausführung durch einen schwarz lackierten Rahmen, sodass, falls an der Uhr was geändert worden ist, in jedem Fall Spuren vom Aufbördeln erkennbar sein müssten.

Grüsse
Robert

Re: DS-Uhr reparieren

Verfasst: Mo 9. Mai 2005, 07:53
von Martin K.
Hallo Robert, die Rahmenfarbe ist leider kein Unterscheidungsmerkmal.
Eine Übersicht über alle ID/DS-Uhren gab es in der HP3-89, Seite 16 (Arciv-CD des Clubs).
Grüße
Martin

Re: DS-Uhr reparieren

Verfasst: Mo 9. Mai 2005, 21:38
von MenrathU
Moin Robert,

das ist eigentlich keine Schwierigkeit, bzw. das Problem der "Synchronisation" stellt sich erst gar nicht. Der Transistor-Schaltkreis ist kein frei schwingender Oszillator, sondern er wird eingangsseitig angeregt von einer Nehmerspule, und er speist ausgengsseitig eine Geberspule. Beide Spulen beeinflussen sich nicht direkt (also magnetisch) gegenseitig. Auf der Welle der Unruh ist ein Magnet befestigt. Der Magnet wird einerseits von der Geberspule am Ausgang der Schaltung "angeschubst" und er induziert andererseits in der Nehmerspule eine Spannung, die in den Eingang der Schaltung gegeben wird. Die Gesamtmasse der Unruh und die Federkonstante der Unruhfeder bestimmen alleine die Schwingungsfrequenz. Die einzige noch zu erfüllende Bedingung ist die, dass Eingangs- und Ausgangssignal des Schaltkreises in der richtigen Phasenlage zueinander stehen.

Re: DS-Uhr reparieren

Verfasst: Mo 9. Mai 2005, 23:00
von patric
Hi Uwe,

das ist wirklich eine sehr gute Erklärung!

Um das Bild zu komplettieren:
Leider fällt der "Schubs" je nach Bordspannung unterschiedlich stark aus,
um Spannungsschwankungen auszugleichen ist der "Schubs" bei 12 V viel stärker als eigentlich nötig, sodaß die Uhr eben auch noch bei sehr geringen Spannungen läuft, dies wird durch eine Art Wirbelstrombremse kompensiert. Je schneller die Unruh auf den "Anschlag" zu rast, desto größer ist die Bremskraft was wiederum dazu führt, daß die Unruh niemals anschlägt, sondern vorher zum Stillstand kommt, die Feder zieht sie dann wieder in die Gegenrichtung und das Spiel beginnt von neuem.

Das Ganze geht auf ein französisches Patent (Nr.: 583 331) von 1923 zurück und nennt sich ATO-Prinzip. Die ursprüngliche Entwicklung hatte noch mechanische Kontakte, die dann später durch die bereits beschriebene Spulen-Transistor-Steuerung ersetzt wurde.

Re: DS-Uhr reparieren

Verfasst: Mo 9. Mai 2005, 23:31
von Bernhard (Süd)
Danke, Patric! Du bist ja ein wandelndes KOMPENDIUM abendländischer Weisheit! (Aber wie funzt die DS-Uhr denn jetzt speziell und genau??? UNd mit wieviel Spannung...?).
Werde die ausgedruckten ATO-Seiten mal "meiner" Uhrmacherin zur Komplettierung ihrer elektromechanischen Perfektion vorbeibringen.
Aber vielleicht weiß sie das alles schon (theoretisch).

Gruß, Bernhard

Re: DS-Uhr reparieren

Verfasst: Mo 9. Mai 2005, 23:36
von MenrathU
Bernhard (Süd) schrieb:
-------------------------------------------------------
> ÜBERRASCHUNG: Das BIEST LÄUFT GÖTTLICH GENAU UND
> DAUERHAFT MIT 1,5...8 VOLT !!! Obwohl es aus einer
> 12-Volt-DS stammt und auch die Einprägung "12 V"
> auf dem Gehäuse trägt. Also weiß der Geier, was
> der alte Lefebvre uns da an Teufeleien
> hinterlassen hat. Jedenfalls ein Tip für alle
> Besitzer stehender DS-Uhrwerke, einfach mal mit
> ca. 6 V (1,5 V aus der Mignonbatterie tuns auch!)
> zu versuchen!

Moin Bernhadr,

dein Tipp lässt sich noch weiter perfektionieren: Wenn das Teil in solch einem weiten Betriebsspannungsbereich stabil läuft, kann man einen Dreibein-Festspannungsregler vom Typ 7805, oder auch 78L05 (der gerade mal so groß wie ein Kleinsignal-Transistor und mit max. 100 mA für diesen Zweck ausreichend belastbar ist) samt der erfordelrichen Peripherie (2 kleine Tantal-Elektrolyt-Kondensatoren) in das Uhrengehäuse intergrieren. Und dann ist's ziemlich wurscht, wie hoch die tatsächliche Bordspannungs ist - die Uhr wird stets mit geregelten 5 V gespeist.

Re: DS-Uhr reparieren

Verfasst: Mo 9. Mai 2005, 23:53
von Bernhard )Süd)
Danke, Uwe!

Aber bitte sag`noch einem tumben Elektroniklaien (der ein Dreibein nur als
Grillrosthalter kennt....), woher man denn ein solches dreifüßiges Tier in der richtigen Größe bekommt!?

Gruß: Bernhard