Seite 1 von 5

Verständnisproblem Zündzeitpunkt

Verfasst: Mo 7. Feb 2022, 09:19
von hgd-17
Zu diesem Thema wurde reichlich geschrieben, dennoch ist mir einiges für eine einfache am Praktischen orientierte Handlungsweise nicht ganz klar geworden.
An meinem DX 2 Motor (Baujahr unbekannt) soll künftig eine 123 Ignition Dienst tun. Es beginnt schon mit der Grundeinstellung, ab 1971 soll der Fühlstift in der Schwungscheibe genau den OT markieren. Das wäre großartig, denn dann müßte nach meinem Verständnis nur noch der ZZP ablesbar an der Skala unter der Wasserpumpe bei 2000U/min eingestellt werden.
An der Riemenscheibe ist weder eine Kerbe noch eine farbliche Markierung vorhanden. In obigem Fall würde ich also die Markierung bei Fühlstift in Schwungscheibe genau bei 0° an der Skala anbringen.
Sollte jedoch eine alte Schwungscheibe verbaut sein, wirds knifflig. Schraubendreher in Kerzenloch und weiter drehen bis sich der Schraubendreher wieder absenkt und jetzt die Riemenscheibe gegenüber 0° markieren?
Unklar sind mir weiterhin die Werte an der Skala bei 2000U/min, liege ich richtig wenn ich die Tabelle in der Bucheli Rep.-anleitung so interpretiere das dann 5-6° an der Skala abzulesen bzw. einzustellen sind?
Ingenieurwissenschaftliche Erklärungen sind sicher eine tolle Sache, aber für manche Freizeitschrauber zählt zum Verständnis nur die praktische Herangehensweise, so eben auch für mich.
Deshalb bitte ich zu meinen obigen Ausführungen um ganz einfache Beschreibungen der von mir angesprochenen Dinge (bitte nicht in der Art "dann laß die Finger davon" etc).
Herzlichen Dank
Gruß Jürgen

Re: Verständnisproblem Zündzeitpunkt

Verfasst: Mo 7. Feb 2022, 12:46
von hy1600
Die Zündverstellung ist meines Wissens hautsächlich vom Vergaser abhängig. Es gibt ja Werte von ca. 8° bis über 20°.
Liegt an der Gemischaufbereitung und je fetter das Gemisch um so mehr Frühzündung im Groben.
Meine DS21 von 65 hatte keine Skala und daher hatte ich den oberen Totpunkt erst mal ermittelt und eine Skala angebracht. Dann konnte ich sehen, um wieviel Grad sich der Verteiler verstellt und die Werte abgleichen und überprüfen. Schraubendreher ist recht grob, besser zwei Werte mit ca. 30° vor und nach OT und dann Mittelwert nehmen.
Und beachten, das manche Einstellungen am Vergaser Werkseinstellungen sind und nicht verstellt werden sollen. (WHB)
Hat da schon jemand geschraubt kann es schwierig werden.
Nur so als Hinweis: bei Kart-Motoren ist der Zündzeitpunkt von den Kolbenübergrössen abhängig, da mehr Gemisch länger zur Durchzünden braucht.

Re: Verständnisproblem Zündzeitpunkt

Verfasst: Mo 7. Feb 2022, 16:42
von pipo
Hallo Jürgen,
Ich habe mich vor einiger Zeit mit demselben Problem herumgeschlagen und es wiefolgt gelöst:
  1. Fühlstift in die Schwungscheibe einführen. Nun eine Markierung auf der Schwungscheibe anbringen und eine zweite gegenüberliegend als Referenzpunkt. Da du nicht genau weisst, welche Schwungscheibe verbaut ist, weisst du jetzt noch nicht, ob dein Motor jetzt bei 0° oder -12° steht.
  2. Zündkerze aus Zyl. 1 entfernen und einen Schraubenzieher ins Kerzenloch stecken. Nun den Motor durchdrehen, bis der Schraubenzieher seinen Höchststand erreicht. Jetzt steht der Motor auf 0° (OT).
  3. Wenn nun die beiden Markierungen aus Punkt 1 einander gegenüberstehen hast du eine Schwungscheibe mit 0° (ab 1971) ansonsten eine mit -12° (bis 1971).
Viel Erfolg
Philippe

Re: Verständnisproblem Zündzeitpunkt

Verfasst: Di 8. Feb 2022, 12:01
von Hans-Uwe Fischer
Mit einem Schraubendreher den genauen OT ermitteln, ist m.E. fast unmöglich. Das Verhältnis zwischen Drehwinkel der Kurbelwelle zum Kolbenhub verändert sich ähnlich einer Kniehebelpresse. Hinzu kommt noch das Spiel, welches sich von der Kurbelwelle bis hin zum Zündverteiler addiert.

Deswegen hatte ich hier mal mein OT-Messsystem kostenlos* eingestellt. Das wird nicht mehr gebraucht. Damit erkenne ich auch sofort, ob sich der OT verändert, wenn ich beim Rückwärtsdrehen der Keilriemenscheibe das Spiel herausnehme.

Ich selber habe dabei immer alle 4 Kerzen heraus genommen.

huf




[size=small]*) Ohne Messuhr. Gegen eine Spende an ein Tierheim.[/size]

Re: Verständnisproblem Zündzeitpunkt

Verfasst: Di 8. Feb 2022, 18:46
von Claude-Michel
Bei der Vorgehensweise von Philippe, geht es ja nur darum zu wissen ob es sich um eine Schwungscheibe handelt bei der das Loch bei 0° oder 12° ist.
Da müsste die Schraubendrehermethode gut genug sein.
Gut, mit deinem Messgerät, wäre es halt perfekt.

Re: Verständnisproblem Zündzeitpunkt

Verfasst: Di 8. Feb 2022, 21:31
von Hans-Uwe Fischer
Claude-Michel hat geschrieben: Bei der Vorgehensweise von Philippe, geht es ja nur darum zu wissen ob es sich um eine Schwungscheibe handelt bei der das Loch bei 0° oder 12° ist.
Da müsste die Schraubendrehermethode gut genug sein.
Gut, mit deinem Messgerät, wäre es halt perfekt.
... jetzt ist es nicht mehr mein Messgerät. ;-)

huf

Re: Verständnisproblem Zündzeitpunkt

Verfasst: Di 8. Feb 2022, 21:37
von sebastianklaus
Hallo zusammen,
wenn man es ganz genau, aber ganz einfach machen will, dann würde ich folgende Vorgehensweise empfehlen (ist jetzt nicht meine Erfindung, das macht fast jeder so):
Kurbelwelle auf ca 90° vor OT stellen (immer Motor rechts herum drehen !). Genaue Position ist egal.
Jetzt Position des Kolbens mit einer Tiefenlehre exakt messen. Riemenscheibe markieren.
Dann die Kurbelwelle um ca 180° weiter drehen (wie gesagt: immer schön rechts herum). Wenn man exakt die gleiche Position des Kolbens ca. 90 ° nach OT gefunden hat, wieder Riemenschiebe markieren. Die exakte Mitte zwischen beiden Markierungen ist OT.
Diese Methode ist insofern sehr genau, weil das Problem, das HUF beschreibt, nämlich die sehr kleinen Kolbenbewegungen bei sehr großen Kurbelwellendrehung im Bereich des OT bzw. UT, bei 90 ° umgangen wird.
Viele Grüße
Sebastian

Re: Verständnisproblem Zündzeitpunkt

Verfasst: Mi 9. Feb 2022, 12:09
von Hans-Uwe Fischer
GENERELL:

Bei all der Zündzeitpunkteinstellerei sollte man aber immer im Hinterkopf haben, dass man ja nicht an der Kurbelwelle dreht, sondern an der Nockenwelle.
Ich selber halte da sehr wenig von. Und wenn, dann (wie gesagt) alle 4 Zündkerzen herausnehmen. Wer Spaß an an der Mathematik hat, sollte nicht an der Riemenscheibe eine indirekte Winkelmessung vornehmen, sondern den Zündzeitpunkt am Kolbenweg vor OT errechnen. Der lässt sich dann ja einfach messen und sehr gut einstellen. Genauer und direkter geht es nicht!

huf

Re: Verständnisproblem Zündzeitpunkt

Verfasst: Mi 9. Feb 2022, 17:56
von hgd-17
Danke an alle die sich mit meinem Problem beschäftgt haben. Inzwischen habe ich herausgefunden, das meine Schwungscheibe nach 1971 ist, nach dem abstecken mt dem 6er Bohrer und dann weiter drehen am Rad (also Kurbelwelle, 5. Gang) hat sich ein Schraubendreher im 1. Kerzenloch sofort nach unten bewegt, also war ich auf OT.
Die Einrichtung der 123 Ignition nach Anleitung war gut nachvollziebar und machbar. Ein kurzer Probelauf war ohne patschen und knallen, das "abblitzen" bei 2000U/min muß noch warten wegen einer anderen Baustelle am neu aufgebauten Tank. Hierzu nochmals meine Frage wo dann die Markierung der Riemenscheibe an der Skala stehen sollte.
Gruß Jürgen

Re: Verständnisproblem Zündzeitpunkt

Verfasst: Do 10. Feb 2022, 08:46
von Thomas Held
hgd-17 hat geschrieben: Hierzu nochmals meine Frage wo dann die Markierung der Riemenscheibe an der Skala stehen sollte.
Gruß Jürgen
Bei 10 Grad.
Der dynamischer ZZP bei 2000 UpM soll 20 Grad betragen. Da die Skala Nockenwellengrade anzeigt, sind dort 10 Grad einzustellen.
Gruss

Tom