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Befundung hinteres Radlager
Verfasst: Do 18. Jun 2020, 13:44
von Richard
Hallo zusammen,
es geht weiter bei der Demontage des hinteren Schwingarmes. Jetzt ist das Radlager dran.
Da ich das offizielle Abziehtool 2018-T nicht habe und auch keinen Bronzehammer - wie von Mike empfohlen - habe, habe ich eine abgewandelte Methode mit einem sehr großen Holzhammer angewendet.
Dazu habe ich erst mal die Mutter so gedreht, dass sie bündig mit der Achse sitzt, so dass es eine große Aufprallfläche ergibt
[attachment 13844 PHOTO_20200617_183220.jpg]
Dann kommt der "Holzhammer" ins Spiel.
[attachment 13846 PHOTO_20200617_192704.jpg]
Durch einen beherzten Schlag mit dem gesamten Schwingarm auf den Holzklotz kommt das Lager frei.
Meiner Meinung nach wäre hier ausser neuem Fett nichts zu tun. Aber ich hätte gerne noch die Meinung von euch.
Die Kugeln des kleinen Lagers haben an manchen Stellen "gräuliche" Flecken. Wenn man die Kugeln mit einer Nadel abtastet kann man keine Rillen spüren.
[attachment 13847 PHOTO_20200617_184930.jpg]
Auch die Lagerschalen sehen gut aus.
[attachment 13848 PHOTO_20200617_202543.jpg]
Um die Dichtungsgarnitur rauszuschlagen habe ich mir schnell ein kleines Werkzeug gebastelt, damit funktioniert das einwandfrei.
[attachment 13849 PHOTO_20200617_200116.jpg][attachment 13850 PHOTO_20200617_200200.jpg]
Hier noch ein Detail der Lauffläche.
[attachment 13852 PHOTO_20200617_202611.jpg]
Auf der Lauffläche sind ein paar Flecke zu sehen und eine minimale Rille. Ist das bedenklich? Oder kann ich das so wieder montieren?
Re: Befundung hinteres Radlager
Verfasst: Fr 19. Jun 2020, 02:28
von Til
Hallo Richard - denk nicht zu lang drueber nach, da man da ja immer gut ran kommt - die Kugeln sehen etwas blaeulich aus oder ist das nur das Foto? Kugeln ersetzen waere eine billige und einfache Zwischenloesung aber Fetten und zusammenbauen tuts wahrscheinlich auch - haben die Lagen denn gewackelt/Geraeusche gemacht?
Til
Re: Befundung hinteres Radlager
Verfasst: Fr 19. Jun 2020, 10:57
von Gerhard Trosien
Warum hast du das Lager ausgebaut? Nur der Vollständigkeit halber?
Re: Befundung hinteres Radlager
Verfasst: Fr 19. Jun 2020, 12:08
von Richard
Hallo Gerhard,
ich bin dabei eine Vollrestaurierung durchzuführen. Madame wurde 1982 zuletzt bewegt. Deshalb weiß ich auch nicht ob die Lager irgendwelche Geräusche machen oder nicht.
Re: Befundung hinteres Radlager
Verfasst: Mo 22. Jun 2020, 15:37
von Gerhard Trosien
Ich hatte meine hinteren Radlager auch schon auseinander, nach (wahrscheinlich) 500.000km Laufleitung kein Wunder. Ich habe dann Kegelrollenlager eingebaut aus dem einschlägigen DS-Teilehandel, das hat gar nicht funktioniert. Ich habe mir dann im Fachhandel passende Schrägkugellager gekauft, damit ging es dann. Und wenn ich auf BEIDEN Seiten die originalen Abstandsröhrchen verwendet hätte, bräuchte ich jetzt nicht noch mal dran. Wenn du die Originallager nicht verwenden willst: die Schrägkugellager gibt es in vielen Varianten. Billig ist selbst die billigste nicht. Und noch eins: nicht am Schmiermittel sparen. Hier ist das beste gerade gut genug.
Re: Befundung hinteres Radlager
Verfasst: Mo 22. Jun 2020, 15:47
von Richard
Gerhard Trosien hat geschrieben:
Und noch eins: nicht am Schmiermittel sparen. Hier ist das beste gerade gut genug.
Hallo Gerhard, ich hatte auch schon mal dran gedacht einen Schmiernippel einzubauen. Ich erinnere mich an die Zeit bei der Bundeswehr, wo der Technische Dienst an den Fahrzeugen meist daraus bestand größere Mengen Fett in die Lager zu pressen, bis wieder sauberes Fett rauskam.
Ich weiß allerdings nicht ob das beim hinteren Radlager sinnvoll wäre, weil das alte Fett auch irgendwo hin muss, und quasi durch den Ölabweiser mit dem kleinen Röhrchen durch müsste - was es ja wahrscheinlich nicht tun würde.
Re: Befundung hinteres Radlager
Verfasst: Mo 22. Jun 2020, 20:47
von sebastianklaus
Hallo Richard,
als Maschinenbauingeneur würde ich Dir unbedingt empfehlen, den Ratschlägen eines jeden Lagerkatalogs Folge zu leisten. Dort steht überall drin:
"Lager bitte nicht überfetten".
Es reicht vollkommen, die Lager gut halbvoll zu füllen, denn es geht nicht darum, die Wälzkörper im Fett ersticken zu lassen, sondern die Fettfüllung so klein wie möglich zu machen (um damit die Walkarbeit und damit die Erwärmung des Lagers gering zu halten) und gerade so viel Fett einzufüllen, dass immer alle Wälzkörper gerade eben benetzt sind.
Aus demselben Grund würde ich auch vom Nachfetten bei diesem Einsatzfall dringend abraten. Beim "Nachfetten" kommt zusätzlich das Risiko hinzu, dass alle möglichen Leute alle möglichen Fette verwenden und dann womöglich Fette gemischt werden, die sich nicht miteinander vertragen.
Wenn Du ein normales Wälzlagerfett nimmst, dann hält das schon (laut Lagerhersteller) vielleicht 10 oder 15 Jahre. In Wirklichkeit: manchmal sogar 50 Jahre und mehr, DENN:
Komisch, hier im Forum hat ja offenbar kaum ein Forumsteilnehmer ein Problem damit, die vorderen Radlager völlig entspannt 50 oder 60 Jahre ohne Austausch des Fetts zu betreiben.
Ich hatte mir deshalb mal eine Vorrichtung zum Öffnen der vorderen Radlager gebaut und das Fett vorn gewechselt. Nach 50 Jahren keine schlechte Idee....
Ach ja, wenn Du wirklich keine Beschädigung an den Laufbahnen siehst (insbes. winzige Ausbrüche in der "Lastzone"), dann finde ich die Idee, zumindest die Wälzkörper (und nur die) zu wechseln, eine denkbar preiswerte und sehr gute Idee.
Viel Erfolg.
Viele Grüße
Sebastian
Re: Befundung hinteres Radlager
Verfasst: Mo 22. Jun 2020, 23:50
von Richard
[quote=sebastianklaus]
Ach ja, wenn Du wirklich keine Beschädigung an den Laufbahnen siehst (insbes. winzige Ausbrüche in der "Lastzone"), dann finde ich die Idee, zumindest die Wälzkörper (und nur die) zu wechseln, eine denkbar preiswerte und sehr gute Idee.
Viel Erfolg.
Viele Grüße
Sebastian[/quote]
Hallo Sebastian, danke für den Hinweis.
Welche Kugeln muss man denn nehmen? Kann man z.B. diese hier nehmen?
Link
Oder kauft man das direkt bei SKF? Ich kann aber auf deren Website keine einzelnen Kugeln finden.
Re: Befundung hinteres Radlager
Verfasst: Di 23. Jun 2020, 07:53
von priusb78
Richard,
ich denke, mit einzelnen Kugeln kommst Du nicht weiter. Am ehesten wären das dann komplette Käfige inkl. der Kugeln (siehe Deine Bilder oben).
Selebst wenn einzelen Kugeln gingen, würde ich keine verbauen, die aus "nicht nachvollziehbaren" Quellen unbekannter Qualität stammen. Da wäre mir die Arbeit zu schade...
Gruß Thorsten
PS: In SKF-Lagern sind meist Kugeln von Koyo vebaut.
Re: Befundung hinteres Radlager
Verfasst: Di 23. Jun 2020, 19:12
von sebastianklaus
Hallo Richard,
keine Bange, die Lager sind stark überdimensioniert. Ich weiß nicht wie viele hunderttausend km Du fahren willst, aber vielleicht können ja Deine Ururenkel sich noch mal den Spass erlauben, die Lager zu wechseln.
Die Käfige unterliegen bei dieser Anwendung (Gelenklager, keine Drehzahlen, minimale Bewegungen) keinerlei Verschleiß.
Du müsstest auf der Homepage von SKF und FAG einzelne Kugeln finden. Oder irgend ein Internethändler oder der autozubehörhändler Deines Vertrauens. Kennz. Merkmal ist einzig und allein der Durchmesser.
Die Bauteile sind normalerweise absolut einwandfrei, weil in riesigen Mengen hergestellt. Kein Hersteller kann sich Qualitätsprobleme bei den Kugeln leisten.
Also: gar kein Problem, insbesondere bei "dieser Pippifax- Anwendung" irgend welche Kugeln einzubauen, und auch: ganz billige chines. Kugeln zu kaufen.
Ehrlich nicht !
Viele Grüße
Sebastian