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Was für´n Modell restauriere ich da eigentlich … ?

Verfasst: Mi 17. Jun 2020, 15:41
von Nordlicht
Moin,

ich möchte (haha) "kurz" vor meinem Restaurationsende doch noch mal etwas Grundsätzliches in die Runde fragen.

Von 1984 bis 1987 fuhr ich meine originale DS 21 Vergaser Pallas Halbautomat (EZ 5/72), mit mäßigem Chassiszustand. Weil geplant war, mein Chassis verzinken zu lassen, kaufte ich seinerzeit eine stillgelegte originale DS 23 IE Pallas HA (EZ 5/75), mit einem Chassis in wesentlich besserem Zustand. Auf dem damals spritzverzinkten 75er-Chassis baue ich seit 2009 meine damals gefahrene DS wieder auf.

Solange Madame in meinem Besitz ist, bleibt aus unterschiedlichen Gründen zwingend: Der 21er-Motor (echte orig. 150T km), alles soweit wie möglich original, keine IE-Technik, keine Kopfstützen/-mimik, keine Colorverglasung, keine Radio-Mittelkonsole. Was für ein D-Modell hat am Ende meiner Restauration wohl „eher“ herauszukommen? Eine DS 21 Vergaser aus ´72 (dann aber mit FG-Nr. aus ´75) oder eine (gemäß FG-Nr. letzten) DS 23 IE aus ´75 mit „übergangsweiser 21er-Vergaser-Motorisierung“ (dann aber, solange in meinem Besitz, ein optischer Blender)?

Warum das wichtig ist? Die „Pallas“-C-Säulenbleche müssten raus, „DS“-C-Säulenbleche müsste ich besorgen. Die Heckklappe ist für „DS 21“ zu löchern, für DS23 injection electronic zu bekleben. Den Joke-Zug müsste ich nach unter/hinterm Armaturenbrett versetzen, damit ich „originalgetreu“ die IE-Blindkappe auf das Joke-Loch setzen kann. Zusätzlich könnte man die Flucht nach vorn antreten: auf der Heckklappe eine dritte Platte unter die zwei originalen mit der Gravur „intérimaire DX-2 carburateur“ (o. ä.) kleben… :-/

Freue mich auf Stellungnahmen! Ich werde alsbald mal beginnen, meine Restauration hier im Forum vorzustellen. Ich meine, hier kennt die kaum einer.

Besten Dank vorab und Gruß aus´m Kreis Schleswig-Flensburg

Thomas
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Re: Was für´n Modell restauriere ich da eigentlich … ?

Verfasst: Do 18. Jun 2020, 11:40
von Thomas Held
Hallo Thomas,

ich würde den Wagen wieder so aufbauen, wie du ihn auch gefahren hast und wie du ihn ja auch wieder haben möchtest (gab es die Pallas '72 noch ohne getönte Scheiben?), nur eben dann mit dem anderen Chassis.
Gruß

Tom

Re: Was für´n Modell restauriere ich da eigentlich … ?

Verfasst: Do 18. Jun 2020, 21:54
von uwe.v11
Mir wäre das schnuppe.
Ich würde die besten Teile nehmen und auf jeden Fall die getönten Scheiben und den braven unkomplizierten 21er Motor...

Re: Was für´n Modell restauriere ich da eigentlich … ?

Verfasst: Fr 19. Jun 2020, 00:50
von Robert
Hallo Thomas,

Zu Deiner Frage: Ich finde es immer uncool, ein Auto mittels Emblem "stärker" zu machen, ausserdem sind die DS 21 Einzelbuchstaben doch viel hübscher. Oder gar nichts: So schön, wie der Wagen jetzt da steht, würde es mir schon fast weh tun, den Bohrer in die Hand zu nehmen und den ganzen Pallas-Kram dran zu machen: Aussen confort, innen (Pallas-)Komfort.
Ich hänge mich hier aber auch mal mit meinem Problem dran. Du schreibst ja von einer Chassis-Totalrestauration: Was hast Du bei der Gelegenheit mit der Spritzwand gemacht, sprich, welche Beschichtung hast Du gewählt? Im Original war da doch auch Bitumen drauf, oder?

Viele Grüsse
Robert

Re: Was für´n Modell restauriere ich da eigentlich … ?

Verfasst: Fr 19. Jun 2020, 12:57
von symphatique
Die Fahrgestellnummer gibt den Typ vor.

Solange diese Nummer als gültig angesehen wird, ist es also in Deinem Fall eine DS 23 ie aus ´75.
Individualisierte Ausrüstung.
Inwieweit ein TÜV-Prüfer für´s H-Gutachten da mitgeht, musst Du selbst herausfinden.
Vermutlich sind alle Komponenten aus der D-Modellreihe entnommen und verbaut, also wird´s schon gehen.

Bei Wertgutachtenerstellung kann´s schon haariger werden ...

MfG
Volker

Re: Was für´n Modell restauriere ich da eigentlich … ?

Verfasst: Di 23. Jun 2020, 09:59
von Nordlicht
Besten Dank den Antwortenden,

bis auf Volkers Anmerkung "Bei Wertgutachtenerstellung kann´s schon haariger werden ... " waren die Meinungen eigentlich vorher klar bzw. haben mich in beide Modell-Richtungen bestätigt.
Insofern sollte ich zum Wert(gutachten) tatsächlich mal einen - kompetenten - Wertgutachter befragen!

Zu Volkers "Inwieweit ein TÜV-Prüfer für´s H-Gutachten da mitgeht, … " ist recht sicher kein Problem: Irgendwann hatte ich mal irgendwo gelesen, eine andere (originale) Motorisierung tut einer H-Zulassung keine Abbruch.

Zur Colorverglasung: Meine Formulierung hierzu kam (durch Negieren?) wohl falsch rüber: Ich will keinesfalls ´ne Colorverglasung (ist mir zu "modern"). Nur zur Info diesbezüglich: Laut L´ Album de la DS" gab´s die bei der DS21 noch nicht (hatte ich auch nicht) und bei der 23er gab´s die als Sonderausstattung.

@Robert zu "Bitumen": Mir hat damals die Philosophie des Thomas Zink sehr gut gefallen ("mir kommt keine Unterschutzbodenpampe ans Auto" und sinngemäß "soweit möglich, alles möglichst hell lackieren, damit man aufkommenden Rost frühzeitig sehen kann"). Kurzum: Ja, klar kommt u. a. in die Radkästen - original - Bitumen ran (aber nicht bei mir). Die auf dem Foto noch lichtgrauen hinteren Abdeckungen in den vorderen Radkästen müssen noch die Wagenfarbe bekommen. Danach kommt transparentes Wachs in die Radkästen und auf den lichtgraulackierten Unterboden.

Beste Grüße
Thomas

Re: Was für´n Modell restauriere ich da eigentlich … ?

Verfasst: Di 23. Jun 2020, 10:54
von Thomas Held
[quote=Nordlicht]
Zur Colorverglasung: Meine Formulierung hierzu kam (durch Negieren?) wohl falsch rüber: Ich will keinesfalls ´ne Colorverglasung (ist mir zu "modern"). Nur zur Info diesbezüglich: Laut L´ Album de la DS" gab´s die bei der DS21 noch nicht (hatte ich auch nicht) und bei der 23er gab´s die als Sonderausstattung.
[/quote]

Hallo Thomas,

aus dem was heutzutage so rumfährt hätte ich das nicht abgeleitet. Da scheint mir die Klarverglasung beim Pallas die Ausnahme - auch bei 21ern! :-)
Ich finde Klarglas auch sehr angnehm und Oldtimer-like.
Gruß

Tom

Re: Was für´n Modell restauriere ich da eigentlich … ?

Verfasst: Do 27. Aug 2020, 08:54
von Nordlicht
Thomas Held hat geschrieben:
aus dem was heutzutage so rumfährt hätte ich das nicht abgeleitet. Da scheint mir die Klarverglasung beim Pallas die Ausnahme - auch bei 21ern! :-)
Gruß

Tom
Hallo Tom,
ich denke, das ist der Tatsache geschuldet, dass viele ID/DS-Besitzer nachträglich "upgraden". Da kann ich bei mir anfangen: Meine hatte original kein CE-Radio, keine AHK, ... .


Hallo Gemeinde,
ich habe mich diese Tage mit Martin Kraut über meine "eine der letzten 23IE" ausgetauscht. Auch von hier noch einmal Dank an Martin für die Infos. EZ war zwar 5/1975, aber es ist ein Modell ´74 und vermutlich in ´73 produziert. Damit hat sich natürlich die Machbarkeit (und Motivation) "eine der letzten" fertigzustellen, erledigt.

Es bleibt also bei einer "DS 21 HA Pallas Vergaser aus 1972", mit 23er-Chassis u. Brief.

Nun benötige ich allerdings doch noch Teile (grmpf): "DS"-C-Säulenblenden, original, NOS oder in sehr gutem Zustand. Dafür habe ich in NOS abzugeben die "Pallas"-C-Säulenblenden und, auch NOS, Heckklappen-Schilder "DS23" und "Injection electronique". Wenn jemand schon an dieser Stelle Hinweise hat ... Ansonsten frage ich mal diese Tage bei "Nachfrage" nach den "DS"-Blenden

Gruß
Thomas

Re: Was für´n Modell restauriere ich da eigentlich … ?

Verfasst: Fr 28. Aug 2020, 17:01
von ID19B1967
symphatique hat geschrieben: Die Fahrgestellnummer gibt den Typ vor.

Solange diese Nummer als gültig angesehen wird, ist es also in Deinem Fall eine DS 23 ie aus ´75.
Individualisierte Ausrüstung.
Inwieweit ein TÜV-Prüfer für´s H-Gutachten da mitgeht, musst Du selbst herausfinden.

MfG
Volker
Sorry, aber das ist Unsinn.

Ausschlaggebend ist nicht die Fahrgestellnummer, sondern einzig und allein der Fahrzeugbrief und die dort enthaltene Fahrgestellnummer (inzwischen "FIN" genannt).

Du kannst problemlos ein vorhandenes, verunfalltes oder verrostetes Chassis gegen ein anderes gleicher Bauart tauschen. Das ist vom bürokratischen Ablauf ganz einfach.

Grundsätzlich muß man hierbei jedoch zwei Fälle unterscheiden:

1.) Fahrzeuge bis EZ 30.9.1969

Für solche Fahrzeuge ist es nicht vorgeschrieben, dass eine Fahrgestellnummern im Chassis bzw. in der Karosserie (bei selbstragenden Karosserien) eingeschlagen oder eingraviert sein muss.

Sie muss nur auf dem amtlich vorgeschriebnen Typenschild, das an der Karosserie bestetigt ist, stehen.

Man kann also einfach das Typenschild vom alten Fahrzeug nehmen, das die Fahrgestellnummer enthält.

Ist z.B. durch Unfall das alte Typenschild zerstört, dann kann man sich ein universelles (gibt es aus Alublech ab 5,– €) oder ein Replika des originalen Typenschild z.B. bei "Der Franzose" besorgen (um die 10,– €).

Auf dem füllt man die vorgegebenen Datenfelder inkl. Fahrgestellnummer aus. Stilecht mit Schlagzahlen/Schlagbuchstaben. Vorgeschrieben ist das jedoch nicht. Es genügt eine wasserfeste Beschriftung z.B. mit einem wasserfesten Stift.

Das alte bzw. neue Typenschild wird dann am gleichen Platz wie vorher, nun jedoch an der Austausch-Karosserie mit Nieten oder Kleber befestigt. (Ein evtl. vorher dort noch vorhandenes Typenschild muss natürlich zuvor entfernt werden, so dass es nur noch ein Typenschild gibt.)

Um die Fahrgestellnummer der Austausch-Karosserie braucht man sich nicht kümmern.

Um jedoch evtl. Ärger mit TÜV-Prüfern, die keine Ahnung haben, zu vermeiden, bietet es sich jedoch an, die Fahrgestellnummer zuzuspachteln und die Stelle zu lackieren, so dass keine Fahrgesellnummer mehr vorhanden ist, oder sie mit Schlafzahlen durchzu-Xen.

Das ist völlig legal, da Fahrzeuge bis EZ 30.9.1969 ja keine eingeschlagene Fahrgestellnummer benötigen.

Wer übereifrig ist, kann natürlich die neue rechts neben der durchgeXten einschlagen und ist damit auch bei Dummbratzen von Prüfern auf der sicheren Seite.

In den Fahrzeugpapieren braucht auch nichts geändert zu werden.


2.) Fahrzeuge ab EZ 1.10.1969

Bei diesen Fahrzeugen kann man natürlich auch noch völlig legal das alte verunfallte oder verrostete Chassis (bzw. die selbstragende Karosserie) gegen ein baugleiches anderes austauschen.

Stammt das von einem bereits zugelassenen Fahrzeug, so muss dessen Fahrgestellnummer (FIN) mit einem X-Schlagwerkzeug so durchgekreuzt werden, dass sie noch lesbar bleibt. Die neue FIN muss daneben eingeschlagen werden. Anschließend muss der Wechsel des Chassis (bzw. der selbsttragenden Karosserie) von der Zulassungsstelle in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden.

Der TÜV oder ein Sachverständiger müssen dafür nicht bemüht werden.

Siehe § 59 StVZO Absatz 2:

http://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__59.html

Wenn sich bei der nächsten Hauptuntersuchung jedoch herausstellen sollte, dass das Chassis (bzw. die selbsttragende Karosserie) doch nicht baugleich ist oder andere Teile wie z.B. der Motor nicht dem Typ, der im Fahrzeugschein steht, entsprechen, dann müssen diese Mängel natürlich beseitigt werden.

Wäre die Austausch-Karosserie eine Rohkarosse vom Werk, würde einfach die alte FIN aus den Fahrzeugpapieren in die neue Rohkarosse eingeschlagen. In den Fahrzeugpapieren würde sich dann überhaupt nichts ändern, die Zulassungsstelle müsste nicht bemüht werden.

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Willst Du also den 23er Motor drin lassen, so muss der (bürokratisch gesehen) für dieses Fahrzeug in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden und die technischen Daten geändert werden (z.B. Hubraum, Leistung, Höchstgeschwindigkeit etc.

Um Ärger aus dem Weg zu gehen, würde ich (wenn der DS 21 noch angemeldet ist) erst mal bei der Zulassungsstelle die Fahrgestellnummer ändern lassen und dann erst im zweiten Schritt den Motor eintragen lassen.

Wenn Du den 21 Motor mit Getriebe einbaust, bleibt natürlich alles beim alten.

Gruß Marcus

Re: Was für´n Modell restauriere ich da eigentlich … ?

Verfasst: Fr 28. Aug 2020, 17:25
von ID19B1967
ID19B1967 hat geschrieben:
Willst Du also den 23er Motor drin lassen, so muss der (bürokratisch gesehen) für dieses Fahrzeug in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden und die technischen Daten geändert werden (z.B. Hubraum, Leistung, Höchstgeschwindigkeit etc.
Ich meinte:

Willst Du also den 23er Motor drin lassen, so muss der (bürokratisch gesehen) für dieses Fahrzeug neue Motor in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden und die technischen Daten geändert werden (z.B. Hubraum, Leistung, Höchstgeschwindigkeit etc.).

Dafür hast Du dann ja auch gleich die Daten parat :-) (siehe Fahrzeugbrief des 23er bzw. https://www.dsclub.de/tech/daten.html)