Seite 1 von 1

Langhuber-Getriebe

Verfasst: Sa 27. Jul 2019, 21:50
von Robert
Liebe Gemeinde,

bei meiner DS19 ist das vordere Lager (Bundlager) der Differentialwelle defekt (deutlich sichtbar, fühlbares Spiel). Ich konnte inzwischen ein NOS-Teil auftreiben. Frage: Kann ich das Lager "einfach so" austauschen oder muss ich die Messprozedur lt. Reparaturanleitung durchführen? Die Reparaturanleitung geht ja vom "worst case", also möglichem Austausch aller Teile aus. Wenn ich hingegen wüsste, dass die Lager in der Serie so masshaltig sind, dass sich die Lage des Ritzels nicht massgeblich verändert, könnte ich mir das Messen sparen. Dabei geht es weniger um meine Faulheit als um die Befürchtung, durch Messfehler neue Defektursachen zu setzen. Da dieser Defekt ja nicht so ganz selten ist, weiss ja vielleicht ein Praktiker hier, wie "damals" in solchen Fällen verfahren wurde. Ach ja: Das Getriebe ist schon zerlegt.

Dank und Gruss
Robert

Re: Langhuber-Getriebe

Verfasst: So 28. Jul 2019, 14:00
von sebastianklaus
Hallo Robert:
Kannst Du bitte mal nen Bild aus dem ET-Katalog einstellen und markieren, um welches Lager es sich handelt ?
Deine Frage ist möglicherweise einfach zu beantworten:
handelt es sich nämlich um ein Rillenkugel- (oder Pendelrollen- oder Zylinderollen-) Lager, dann kannst Du einfach die Breite des alten und neuen Lagers vergleichen und weißt dann, ob du neu einstellen musst oder nicht.
Wenn es sich um ein Kegelrollenlager handelt, ist das nicht möglich, weil durch den Verschleiß die ursprüngliche Breite des Originallagers nicht mehr exakt zu ermitteln ist.
Große Industrie- Kegelradsätze werden immer durch Tuschieren eingestellt (also über das Tragbild), also: du hast evt. ne Chance, um das einstellen drum herum zu kommen.
Bin gespannt auf Deine Antwort.
Viele Grüße
sebastian

Re: Langhuber-Getriebe

Verfasst: So 28. Jul 2019, 14:39
von Robert
Hallo Sebastian,

schön, Dich mal wieder zu "sehen". Es ist das Lager links unten im Bild, ein Doppel-Schrägkugellager. Der Verschleiss ist so stark, dass ein Vergleich alt/neu keinen Sinn hat. Deshalb war meine Frage mehr an die Praktiker gerichtet, die solche Reparaturen öfters machen bzw. gemacht haben. Aber vielleicht kannst Du mir aus Deiner Erfahrung sagen, wie gross die Abweichungen sind, die man bei solchen Lagern erwarten muss - gleicher Hersteller, andere Charge natürlich.



Viele Grüsse
Robert

Re: Langhuber-Getriebe

Verfasst: So 28. Jul 2019, 15:39
von Doctor-D
Hab ich schon mal gemacht, ist ja ein Kugellager und lässt sich auch vermessen.Bei meinem Getriebe waren zwei Zähne aus dem Tellerrad gebrochen, war doch kein Stein in der Radkappe bei langsamer Fahrt.ich habe dann etwas gebrauchtes Ensemble eingebaut und das vorher auch mit einem Nachbau des originalen Werkzeuges eingemessen.
Tja, fährt immer noch, hat normales ein normales Getriebegeräusch, leichtes Singen, aber kein Trambahnheulen.
Die Frage ist halt, wie gut das Kegel/Tellerrad noch aussieht und wie das vorher geklungen hat.

Re: Langhuber-Getriebe

Verfasst: So 28. Jul 2019, 16:47
von sebastianklaus
Hallo Robert,
meines Erachtens ist das jetzt kein Problem:
es ist doch völlig egal, wie viel Kugeln in dem Schrägkugellager sind und wie groß der Schrägungswinkel ist oder wie kaputt die Lager sind.
Schlussendlich werden zwei Lager "gepaart" und sind somit ein "Festlager". Für Dich ist einzig nur interessant: wie breit sind beide Lager zusammen (Vergleich: Alte Lagerpaarung / Neue Lagerpaarung).
Einzig NUR aus der Differenz der Lagerbreite ergibt sich, um wie viel die Welle und damit das Kegelritzel durch Lagertausch nach rechts oder nach links verschoben wird.
Da diese Lager sehr genau gefertigt werden und die Breitentoleranzen der Innen- und Außenringe EXTREM gering sind (Aus der Funktion der Lager ist ja schon ersichtlich, wie exakt die Breite des Innenrings und des Außenrings gleich sein müssen, sonst würden die Lager ja sofort ausfallen bei der hier gewählten Lageranordnung), könnte es sein, dass Du gar nichts neu einstellen musst.
Wir sind uns einig:
wir sprechen über tolerierbare Abweichungen im Bereich von maximal 1 oder 2 /100 mm in der Gesamtlagerbreite (beide Lager zusammen) !!!

Also: Breite der beiden alten und beiden neuen Lager ausmessen und Unterschied der Breiten ermitteln
Wenn < 2/100 mm: einbauen. Trotzdem Tragbild prüfen.
Ich würd es dann so machen wie Dr. D: einfach fahren !

Wenn das Tragbild nicht ok ist und / oder die Breiten um mehr als 2 oder 3/100 mm abweichen, dann würde ich mir unter Zuhilfenahme des Tragbilds doch Gedanken machen, ob ich nicht doch die Verzahnung neu einstelle. Es gibt auch Passcheiben zu kaufen (www.agrolager.de), mit denen man ggf. in 1/100 mm -Schritten nacharbeiten kann, sofern Du Dich nicht traust, die Verzahnung neu enzustellen.

Ich habe wiederholt dem Einstellen großer Kegelradverzahngen (das waren dann aber Cyclopalloidverzahnungen mit 3 bis 4 MW Antriebsleistungen) beigewohnt: die Einstellerei ist kein Hexenwerk und eher eine Gefühlssache).

Vielleicht kannst Du ja vom Tragbild ein Photo oder eine Handskizze machen und hier einstellen.

Ich hoffe, Dir hilft das weiter ?


Viele Grüße
Sebastian

Re: Langhuber-Getriebe

Verfasst: So 28. Jul 2019, 17:16
von aquablader
Aus eigener Erfahrung von Getrieben aktueller Bauart: So lange nur ein Lager getauscht wird, kann man die alten Einstellscheiben weiter verwenden. Sobald ein Zahnrad, eine Welle oder ein Gehäuseteil ausgetauscht wird, muß vermessen/ eingestellt werden.
Ungefähr zwei Getriebe im Monat lagern wir neu, wobei das heute kein Hexenwerk ist, manchmal etwas kniffelig, sechs Gänge auf drei Wellen plus Betätigung in das Gehäuse zu kriegen.

OT: Ich kenne nur ein DS-Getriebe, das wirklich leise ist im höchsten Gang. Keines der wo auch immer überholten Getriebe ist wirklich ruhig. Bei den Preisen, die "nebenan" verlangt werden, würde ich das erwarten. Aber der Anbieter,von dem ich spreche, sieht das seeehr gelassen...

VG Ingo

Re: Langhuber-Getriebe

Verfasst: So 28. Jul 2019, 23:19
von Robert
So, ich habe mir das defekte und das NOS-Lager aus der Werkstatt geholt und mir hier auf dem Schreibtisch mit dem Messschieber (Mitutoyo, digital) nochmal angeschaut. Das Lager ist symmetrisch, die Innenringe fluchten mit dem Aussenring, beide Lager haben die gleiche Tiefe. Also könnte es nur noch ein Problem geben, wenn der Bund anders bemessen wäre. Das ist aber auch nicht der Fall. Also baue ich das Getriebe mit dem neuen Lager wieder zusammen und fertig. Angesichts des sehr stark beschädigten Lagers war die Geräuschentwicklung auch gar nicht so dramatisch, es ging erst ab 60 los. Wobei ich sagen muss, vielleicht bin ich da aber auch nicht sensibel genug, bei meinen beiden anderen Deessen kann ich gar keine Getriebegeräusche wahrnehmen. Ansonsten sieht in diesem Getriebe alles noch sehr schön aus, auch das Differential weist keine Beschädigungen auf. Ich hatte erwogen, das Getriebe zu einem Spezialisten zu schicken und bin jetzt froh, mich anders entschieden und 3000,- € gespart zu haben. Sebastian, Frank, Ingo, vielen Dank für Eure Hinweise.

Robert

PS.: Was ich allerdings gelernt habe aus dieser Reparatur: Die Wellenmuttern löse ich das nächste Mal bei noch im Wagen eingebautem Getriebe.