Benzinpumpe

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priusb78 Verified
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Re: Benzinpumpe

Beitrag von priusb78 Verified »

In der Praxis vermute ich beides:
Motor heiß beim Abstellen: Schwimmerkammer läuft über in den Ansaugtrakt. Motor kühlt ab, Füllstand in der Schwimmerkammer sinkt (um wieviel?).
Läuft was aus der Schwimmerkammer zurück in die Zuleitung?
Der Anschlussstutzen sitzt oben am Vergaser. Kann da was zurücklaufen?
Kapillarwirkung?
Was passiert, wenn der Motor aus ist und der Druck von der Pumpe wegfällt? Läuft das Benzin im Schlauch vom Vergaser über die Pumpe zurück bis aufs Niveau des Tankfüllstands?
Wer weiß mehr?
Gruß Thorsten
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Claude-Michel
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Re: Benzinpumpe

Beitrag von Claude-Michel »

Hallo Thorsten,
eins ist sicher: aus der Schwimerkammer kann kein Benzin zurück in den Schlauch. Wie soll das gehen? Es kann auch kein Wasser aus dem Waschbecken zurück in den Wasserhahn. Auch nicht wenn die Wasserleitung drucklos ist und man diese entleeren würde.
Komisch ist, dass die Schwimerkammer sich nur bis zu den Löchern der Düsen leert. Nicht tiefer.
Ein Überdruck in der Schwimerkammer kann es auch nicht geben, diese ist offen.
Gruß
Claude-Michel
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aquablader
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Re: Benzinpumpe

Beitrag von aquablader »

Das Ausleeren der Schwimmerkammer bei allen Vergaser-Oldies hat einen einfachen Grund:
unsere lausige Spritqualität. Es gibt fast nur noch leichtflüchtige Bestandteile in der Suppe.

Die Otto-Kraftstoffe (nicht mehr Vergaserkraftstoffe) sind auf heutige Gemischbildungen ausgelegt, bei denen es darauf ankommt, in allerkürzester Zeit ein zündfähiges Gemisch zu bilden.
beim Vergasermotor war dazu Zeit vom Austritt aus der Hauptdüse durchs Saugrohr, vors Ventil, den gesamten Ansaug- und Verdichtungshub. Ein heutiger Direkteinspritzer muß das in einem Bruchteil erledigen, der Kraftstofftropfen wird direkt vor die Kerze gespritzt. Da kommt ein leichtflüchtiges HC-Molekül natürlich sehr gelegen.
Die gesamte Förderanlage ist immer unter Druck, was eine Dampfblasenbildung effektiv verhindert (Einspritzdruck aktuell um 300 bar).

Unsere Zerstäuber haben dagegen eine Verbindung zur Atmosphäre (über den Ansaugtrichter) und keinen Systemdruck. Sobald der Motor abgestellt wird, sammelt sich die Hitze unter der Motorhaube, der kühlende Verdunstungseffekt fällt weg, der Vergaser heizt sich auf und die Schwimmerkammer kocht in wenigen Minuten leer.
Flüssige Bestandteile suchen sich den Weg ins Freie über die Ablaufbohrung im Ansaugkrümmer.
(BTW: die hab ich mit einem Schlauch versehen, der in einem Bogen nach unten mündet. Ein paar Tropfen können so im Schlauch bleiben, versauen mir nicht die linke Motorseite und das schont somit auch das linke Motorlager.)
Auch der Benzin-Schlauch im Motorraum wird durch den ansteigenden Gasdruck komplett leergedrückt, die Druckseite spuckt in die Schwimmerkammer, weil das Nadelventil offen steht, bis zur Pumpe wird rückwärts Richtung Tank gedrückt.
Und jetzt stellt Euch vor, wie viele Pumpenhübe nötig sind, bis das alles entlüftet ist und die Schwimmerkammer gefüllt ist. Die Pumpe wird zudem von der Nockenwelle angetrieben, die ja außerdem nur die halbe Kurbelwellendrehzahl macht.
Bei den Langhubern gab es diese tolle Guiot-Pumppe mit dem externen Hebel. Das vorherige Befüllen war gerade bei der 6-Volt-Anlage sicher eine notwendige Tätigkeit nach längeren Stillstandszeiten.
Beste Lösung: Einbau einer elektrischen Pumpe mit max. 0,25 bar Förderdruck, um vor dem Start die Anlage zu befüllen.

VG Ingo.
priusb78 Verified
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Re: Benzinpumpe

Beitrag von priusb78 Verified »

Danke, Ingo, für die fundierte Erklärung!

Benzinpumpen mit mechanischem Hebel gibt es auch für die Kurzhuber. Ich habe seit ca. 5 Jahren so eine von Lambert Freres drin. Funktioniert bestens. Bei Standzeiten > 3 Tage pumpe ich ein paar Mal mit dem Hebelchen, dann hört man ein leises Zischen und Gluckern im Vergaser, dann noch 2-3 Mal Gaspedal durchtreten und der Motor springt sofort an.

Beispiel in der "Bucht" zu kaufen

Gruß Thorsten
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Thomas Held Verified
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Re: Benzinpumpe

Beitrag von Thomas Held Verified »

Robert hat geschrieben: Die Frage ist doch, springt sie, wenn sie gestanden hat, verzögert an (normal) oder nur, mit Ansaugen und Startpilot (Fehler). Das ist nicht klar.
Meine Startprozedur nach Stillstand: 10 sec Anlasser ohne Zündung, zweimal Gasgeben zwecks Betätigens der Beschleunigerpumpe, Choke ziehen und dann starten.
Der arme Anlasser!
Meine Startprozedur (geklaut bei Citroën): Choke ziehen, kurze Anlasserstöße (2-3 s), ebenso lange Pausen dazwischen. Heute nach dreiwöchiger Corona-bedingter Pause zwei mal mit Pausen georgelt, dann Zündung an, beim dritten Anlasserbetätigen sprang der Wagen an.
Gruß

Tom
Gruß

Tom
aquablader
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Re: Benzinpumpe

Beitrag von aquablader »

Hallo Tom!

Warum mit abgeschalteter Zündung? Sollte doch noch etwas Kraftstoff in der Kammer stehen, würde der Motor doch dann auch eher anspringen. Mit eingeschalteter Zündung wäre doch dann auch nach der von Dir beschriebenen Methode eher der frühestmögliche Start zu vollziehen. Wahrscheinlich eher akademische Diskussion, aber...

VG Ingo
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Robert Verified
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Re: Benzinpumpe

Beitrag von Robert Verified »

Hallo Ingo,

mit abgeschalteter Zündung funktioniert imho deshalb besser, weil man anschliessend, nachdem die Schwimmerkammer voll ist, mit der Beschleunigerpumpe mittels zweier Gasstösse Sprit in den Ansaugtrakt befördert. Der steht dann beim Einschalten der Zündung bereit. Mit "einfach-nur-Orgeln" wird der unverbrannte Sprit aus dem Auspuff geblasen.
Es hängt wohl auch mit der Konstruktion des Vergasers zusammen. Von meinen dreien ist die ID mit dem Solex-Registervergaser die startfreudigste, bei diesem Auto braucht es auch nach zwei Wochen Stillstand das "vor-Orgeln" nicht, Choke ziehen, zwei Gasstösse, starten, läuft.

Viele Grüsse
Robert
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Claude-Michel
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Re: Benzinpumpe

Beitrag von Claude-Michel »

Robert hat geschrieben: Es hängt wohl auch mit der Konstruktion des Vergasers zusammen. Von meinen dreien ist die ID mit dem Solex-Registervergaser die startfreudigste, bei diesem Auto braucht es auch nach zwei Wochen Stillstand das "vor-Orgeln" nicht, Choke ziehen, zwei Gasstösse, starten, läuft.
Vielleicht liegt es daran, dass manche diese Startprobleme haben und andere nicht:
Weber: startprobleme weil Schwimmerkammer leer
Solex: keine Startprobleme

Ich kenne den Solexvergaser nicht. Nur aus den Reparaturhandbücher. So unterschiedlich sehen die meines Erachtens nicht aus, ausser der Beschleunigungspumpe. Vielleicht liegt das Problem da. Wie gesagt, wenn die Schwimerkammer leer ist, dann nur bis zu den Düsen. Es kann fast nicht nur ein Verdunsten an der Oberfläche des Benzins sein. Sonst müsste es leer, bis auf den Boden sein. Es bleiben immer ein paar mm bis zur Düsenmitte wo die Bohrungen sind.
Gruß
Claude-Michel
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Thomas Held Verified
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Re: Benzinpumpe

Beitrag von Thomas Held Verified »

aquablader hat geschrieben: Hallo Tom!

Warum mit abgeschalteter Zündung? Sollte doch noch etwas Kraftstoff in der Kammer stehen, würde der Motor doch dann auch eher anspringen. Mit eingeschalteter Zündung wäre doch dann auch nach der von Dir beschriebenen Methode eher der frühestmögliche Start zu vollziehen.
Grundsätzlich von vornherein mit eingeschalteter Zündung, stimmt, Ingo! Die zwei mal "ohne" sind reiner Erfahrungswert nach langer Standzeit (> paar Tage) um die Zündspule zu schonen - im Prinzip egal.
Gruß

Tom
Gruß

Tom
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Thomas Held Verified
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Re: Benzinpumpe

Beitrag von Thomas Held Verified »

Hallo,

ich habe einen Upgrade-Tipp bezueglich langen Orgelns nach ein paar Tagen Standzeit. Der Tipp stammt nicht von mir, Falk Lehmann riet mit nach dem Bestellen einer zweiteiligen, verschraubten Ersatz-Benzinpumpe lieber die verboerdelte Valeo-Pumpe mit Plastikoberteil (mit Beschriftung "SOFABEX" - wie die Pumpe, die Ausgang fuer diesen gesamten Thread war - allerdings fuer Kurzhuber) zu nehmen (doppelter Preis...). Diese wuerde im Gegensatz zu den Vollmetallteilen ein besseres Startverhalten zeigen.
Das kann ich nur erstaunt voll und ganz bestaetigen! Nach uebers Wochenende abgestelltem DS sprang der Wagen heute morgen auf den ersten Dreh an - das hatte ich noch nie.
Gruss
Gruß

Tom
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