ami6 hat geschrieben:
Nicht, daß ich hier für die Unternehmensgruppe eine Lanze brechen möchte - deren Strategie ist sicherlich nicht eine von mir favorisierte - aber:
1. Technologie
Die HP ist technologisch betrachtet nahezu ausgereizt. Mit mehr als 100x pro Sekunde durch Sensoren aufgenommenen Meßdaten des aktuellen C5 stehen alle Werte zur Verfügung, um Komfortstufen zu ermitteln und in diversen Adaptionen an die Insassen zu übermitteln. Der C5 mag sicherlich dem ein oder anderen noch 1-2 Stufen mehr zur Auswahl gegeben haben (nennen wir es einmal "schwammig a la Alt-DS" oder "knüppelhart a la DS3 Racing" - seht mir die Wortwahl nach, Ihr wisst, was ich meine) aber dann war es das.
Eine neue Fahrzeuggeneration müsste dann auch einen noch besseren Komfort ermöglichen als den, den der aktuelle Technologie-Stand darstellt - und welcher wäre das dann? Noch mehr Wahlstufen? 500x pro Sekunde messen? Ergänzende Sitzfederung der Insassen-Sitze, wie beim Omnibus-Fahrersitz, zusätzlich zum Fahrwerk? ...?
2. (Entwicklungs-) Kosten
Leider hat PSA es nicht verstanden, die Technologie so günstig zu lizensieren, daß andere Hersteller diese übernommen haben (mal von vereinzelten Ausnahmen abgesehen).
Damit bleibt sie im Aftersales und Retail ein Alleinstellungsmerkmal, bzw. qualifizierte Ausbildung eher den Fachwerkstätten denn "Mainstream" für viele.
Die Entwicklungskosten einer solch isolierten Technologie sind immens, insbesondere wenn man am letzten "Millimeter" feilen muss, und darüber hinaus entsteht ein Zusatzgewicht im Fahrzeug, das in einem wirtschaftlichen Verhältnis zum Restfahrzeug-Produktionspreis stehen muss. Zusätzlich sind auch Kosten für Teileversorgung, Nachfertigung, Schulung, ... zu berücksichtigen, die sonst nahezu keiner der anderen Hersteller hat.
Wer ist von Euch eigentlich schon mal die aktuelle C-Klasse gefahren, die mit Luftfederung, und hat diesen parallel mal mit einer C-Klasse ohne Luftfederung verglichen? Auch hier sind deutliche Verbesserungen im Federungskomfort passiert. Ohne HP.
Wenn also eine neue Federungstechnologie als Nachfolge der HP erscheint - wie schlimm wäre das wirklich? Wenn der Komfort erreicht wird, der jenseits der Schraubenfeder liegt, warum nicht alternative Technologien verwenden? Wen interessiert es käuferseitig wirklich, ob da grüne Kugeln unter der Motorhaube zu sehen sind? Ich will noch ein anderes Beispiel bringen:
3. Vergleichbare Entwicklung bei anderen Technologien - Beispiel Licht
Die Aussage seitens der Marke war, daß Insassen-Komfort (sei es per Federung, Sitze, ...) sicherlich ein Alleinstellungsmerkmal der Marke über Jahrzehnte war und ist. Wenn dieser Komfort nun über andere Technologien erreicht werden kann, was spricht dort dagegen?
Ich will mal ein anderes Beispiel bringen: LED-Frontscheinwerfer. Komisch, hier schimpft keiner über den Verlust der guten alten Kohlefaden-Glühbirne - auch nicht, als Halogen aufkam, H1, H7, wie sie alle hiessen, neuerdings auch als LED- oder gar die Einführung von Infrarot-Scheinwerfer beim Hersteller aus Sindelfingen, die noch weitere Ausleuchtung der Strasse ermöglichten.
Wieso sind hier die Traditionalisten allesamt still?
4. Verkaufszahlen
"Netto" betrachtet sprechen die Verkaufszahlen (leider) für sich - der C6 war ein Flop, und auch der C5 mit HP war und wird nicht sonderlich gut verkauft. Wo also sind die ach so CITROËN-HP-affinen Käufer? Wer von denen, die hier im Forum so HP-sind, hat sich einen der neueren Modelle mit HP gekauft? Die Solidarität seitens der Kundschaft ist da sehr begrenzt...
Wir haben zumindest seitens der Amicale auf unserer letzten JHV im Beisein von Cit kritisiert und angeregt, daß der C5 HP nicht verkaufsfördernd dargestellt wird und nahezu aus den Showrooms verschwunden ist - auf die Art kann man natürlich auch den Tod einer Technologie herbeiführen, wenn man sie nicht mehr ins Bewusstsein pusht - das hat Cit aufgenommen und Besserung versprochen. (Aber es ist natürlich zu spät).
Soweit einige Überlegungen.
Geniesst die HP, solange Ihr sie habt. (Alt-)DS sind natürlich aussen vor - ich zitiere hier mal das Statement, was im Rahmen der "50 Jahre Porsche 911" am Ausgang der Ausstellung im Porsche-Museum zu lesen war: "Wir wissen nicht, in welcher Währung man in 50 Jahren bezahlen wird. Aber der 911 wird es wert sein."
In diesem Sinne - schwebt und geniesst das Leben mit der Göttin
///S.
Hallo
Ja das was du schreibst unterstreicht meine Gedanken.
Auch darf man nicht vergessen wie häufig Citroën in den goldenen Zeiten faktisch Pleite war.
Natürlich liebe ich diese verrückten Zeiten und die daraus geborenen genialen Ergebnisse. Sonst wäre ich nicht hier unterwegs.
Dennoch gibt es imho keine einfache Gleichung zum Erfolg die man bei PSA bloß zu blöd ist anzuwenden.
Dazu haben sich die Märkte zu sehr gewandelt. Auch die DS war in Alle Mann kein Bestseller
Damals haben aber die noch ungesättigte Heimatmärkte und 2 - 3 Baureihen gereicht um erfolgreich zu sein.
Schon beim CX ging es rückwärts und beim XM war das dann deutlich anders.
Und auch Volvo Saab Jaguar Alfa Lancia kamen mit dem Wandel der Märkte und Anforderungen nicht mit
Gruß
Andreas