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Re: Continental Edison S19

Verfasst: Fr 4. Okt 2013, 00:07
von Langhuber
Hallo Michael,

[quote=MichalN]
Das Radio ist tatsächlich das von ebay, vor ca. 1 Woche.
[/quote]das wurde ja glaube ich, als funktionierend angeboten.
Vom S19 habe ich den Schaltplan komplett rausgezeichnet. Die Bedienungsanleitung ist, glaube ich, nicht von Interesse.
Ich habe die Taste PR ganz links umgelötet, als externen Eingang. Da ist im Original der Sender Allouis (France 1) fest eingestellt (162kHz).
Bei funktionierender Langwelle kann man den Sender bei Interesse auch normal mit der Abstimmung einstellen.

Was ich bei meinem Radio auch noch gemacht habe: Ein geschaltetes + nach hinten rausgeführt. Damit betreibe ich im Moment einen billigen Antennenverstärker.
Ich will mal noch mit einer aktiven Scheibenantenne experimentieren, da gibt es eine von Hirschmann beim blau/gelben C. Wenn man die vorsichtig auspackt kann man sie ja wieder zurückgeben, wenn sie nichts bringt,

Noch ne Anmerkung: Den Sprit würde ich eventuell mit einer kleinen Injektionsspritze in die Potis injizieren. Wenn Du die Potis nicht aufmachen willst, weil Dir das Auslöten zu aufwendig ist, solltest Du eher medizinischen Alkohol nehmen, weil der rückstandsloser verdunstet als Spiritus, der ja Fremdstoffe (teilw. Farbe und Vergällungsmittel sowie Wasser enthält.) Wenn das Potis offen ist, kann man die Schleifbahn mit Wattestäbchen trockenreiben und damit auch die Fremdstoffe wegwischen.

[quote=Hardy]
das klingt nach einer verstellten ZF.
[/quote]Nö.
Verstellte ZF führt zu Unempfindlichkeit.
Schwingende ZF pfeift. Da gibt es in der Gerätemitte beim S19 einen Trimmer, der die ZF-Verstärkung beeinflusst. An der einen Seite gibt es einen zweiten für die Einstellung der Endstufe. diese beiden Trimmer neigen zu üblen "Eigenmächtigkeiten". Tip: beide durch etwas besseres gekapseltes ersetzen.

Rattern? Kann ich mir grade nix drunter vorstellen.
Ich kenne den Begriff "motorboating". Das sind niederfrequente Störungen, die z. T. durch defekte oder taube Sieb-Elkos zustande kommen.
Wenn es höherfrequent (50 oder 100Hz) ist: versuche, das Radio zu erden. Oder sind Leuchtstoffröhren / Energisparlampen / elektronische Vorschaltgeräte für Halogenlampen in der Nähe? Die können übel stören. Ich habe das Gefühl, dass viele Hersteller derartiger Geräte gar nicht mehr damit rechnen, dass heutzutage noch jemand LW/MW hört und dementsprechend diese Dinge in dem Wellenbereich nicht oder mangelhaft entstören.


Klemens


Klemens

Re: Continental Edison S19

Verfasst: Mo 28. Dez 2015, 01:13
von Langhuber
Nachdem das Thema lange genug bei mir rumgegammelt ist, habe ich jetzt Nägel mit Köpfen gemacht:
Vor zwei Jahren hatte ich ja begonnen, mein S19 zu reparieren. Was kann man von einem Gerät mit 7 Transistoren erwarten? Nicht viel. Das waren früher die DM 15.- Taschenradios.
In Lipsheim vor einem Jahr traf ich einen Radioreparateur, der meinte, dass er CE Radios prinzipiell nicht reparieren würde, dazu seien die zu schlecht.
Und in der Zwischenzeit hat der Deutschlandfunk alle Langwellen stillgelegt, und am Jahresende wird auch noch die letzte Mittelwelle abgeschaltet. :-(

Also habe ich mir vor Weihnachten ein UBS-1 Modul gekauft und die Weihnachtsfeiertage damit zugebracht, Revolution zu machen:
[attachment 10043 s19_umbau42.jpg]

Bei dem UBS-1 handelt es sich um ein sogenanntes SDR (Software Defined Radio). Bei derartigen Radios wird das Antennensignal praktisch direkt einem Analog-Digitalwandler zugeführt, alles was in einem Radio zu tun ist, wird von Signalprozessoren erledigt: Bandwahl, Abstimmung, Verstärkung, Demodulation, Stereodekodierung. Am Ausgang gibt es dann zwei Digital-Analogwandler, aus denen die Musike rauskommt.
Das Modul wurde entwickelt und wird fertig verkauft von einer Firma, die sich auf die Modernisierung von DDR-Autoradios spezialisiert hat. Zu dem Modul als solchem schreibe ich hier nix, die Firma ist im Netz leicht zu finden, es gibt dort auch ein paar Testberichte zu dem Modul.

Soweit so gut. Aber jetzt wird es schwierig: Wie bringt man das Modul, das über drei Drähte mit Hilfe von drei Gleichspannungen "bedient" wird, mit einem alten Autoradio zusammen?
1. Aufgabe: Die Lautstärkeregelung. Das ist einfach, da kann man das originale Mono-Poti verwenden.
2. Aufgabe: Die Bandwahl, UKW, MW, KW, externer Eingang. Schon schwieriger. Da kann man aber das originale
Tastenaggregat anzapfen. Geht so halbwegs.
3. Aufgabe: Die Abstimmung. Entweder mit gewaltigem Mechanikgebastel, anflanschen eines Potis an die
Originalabstimm-Mechanik. Ausserhalb meiner Möglichkeiten.

In den letzten Monaten habe ich dann die Idee gehabt, einen C/V-Wandler zu bauen, das ist eine elektronische Schaltung die die Kapazität des originalen Abstimmkondensators im Bereich von 10pF bis 660pF in eine proportionale Spannung umsetzt. Der Prototyp ist auf der kleinen Lochrasterplatine aufgebaut. Der Vorteil des Ganzen ist, dass es auf praktisch alle Radios mit DrehKo-Abstimmung angewandt werden kann, ohne dass Mechanikgepfriemel angesagt ist.
Mein S19 sieht nach dem Umbau jetzt so aus:
[attachment 10044 s19_umbau47.jpg]
Die Taste PR (PreRegistré), früher eine LW-Festfrequenz ist jetzt AUX-In, da kann ich mein Blackberry oder sonstwas anstöpseln. Das 3,5mm-Klinkenkabel endet im Aschenbecher, in den dann das Smart-Phone reinpasst.
Die Taste GO (Grande Onde), früher LW ist jetzt UKW.
OC und BE (MW und KW) behalten ihre Funktion. Abgestimmt wird, wie seit 1963 über die Skala.

Eine Zusatzfunktion: Solange ich nur den alten Zentrallautsprecher hinten in der Hutablage habe, kann durch gleichzeitiges Drücken von AUX oder UKW und BE auf Mono umgeschaltet werden.
Leider war der Konstrukteur des Moduls, was technische Details angeht, nicht sehr kooperativ, so dass ich etwas Reverse-Engineering betreiben musste, um meine Sonderwünsche zu realisieren:
AUX-In sowie von der Front auf Mono umschalten.
Heute um 21:30 war der Einbau beendet. Genauere Testberichte bei Gelegenheit, wenn das Wetter halbwegs akzeptabel bleibt.

Klemens

Re: Continental Edison S19

Verfasst: Mo 28. Dez 2015, 01:17
von Langhuber
Nachtrag: Ich weiss, ich habe immer Originalität gepredigt, und jetzt dieser Sündenfall...

Aber der erste Schritt zu Läuterung ist ja getan: Ich habe meine Sünde gebeichtet, sogar öffentlich.
Der zweite Schritt, die Buße folgt demnächst auch noch. Dann hoffe ich, wieder in Frieden mit dem Rest der Menschheit weiter leben zu können. ;-)

Klemens

Re: Continental Edison S19

Verfasst: Mo 28. Dez 2015, 01:44
von Bernhard(Süd)
Hallo Klemens,

Glückwunsch zum Sündenfall...
Und...: Darf ich mitfallen / -büssen? Mittels meines vorhandenen Radios?? In meiner DS ist es so arg leise!

Grüsse und Guten Rutsch:
Bernhard

Re: Continental Edison S19

Verfasst: Mo 28. Dez 2015, 09:01
von wettem
hallo Klemens,

Glückwunsch, das hört sich vielversprechend an, gute Idee!
Bin auf weitere Erfahrungsberichte gespannt!
Wenn Du den C/V Wandler freigibst zum Nachbau wirst du bestimmt einigen Menschen Freude bereiten.

viele Grüße
Mike

Re: Continental Edison S19

Verfasst: Mo 28. Dez 2015, 10:55
von anieder
Hallo Klemens

Dann Pass mal auf, dass sich da keine allergischen Reaktionen ergeben. :-).

Gruß

Andreas

Re: Continental Edison S19

Verfasst: Mo 28. Dez 2015, 11:28
von maldini
Hallo Klemens,

Ich weiss, ich habe immer Originalität gepredigt, und jetzt dieser Sündenfall...
.. der rheinischen zweig des katholizismus sieht das nicht so eng ..

;-))

Sehr spannend - bitte/gerne mehr!
Musik im Oldtimer ist für mich immer ein thema!

153kHz Kenadsa (Algerien) man hört es an der Musik
162kHz Allouis
171kHz Nador (Marokko)
198kHz der Sender meiner Träume: Droitwich leider tot. :-(
216kHz Roumoules
234kHz Beidweiler Luxemburg
252kHz Tipaza (Algerien)


und es geht Dir eben nicht nur um selbstschwingende Mischstufen, korrodierte HF-Litze, Antennenverstärker oder LW-Fernempfang in Zeiten der Energiesparlampen.
sondern auch um andere schwingungen!

;-))

Grüße
Karl

PS: .. was spielte der Sender deiner Träume?

Re: Continental Edison S19

Verfasst: Mo 28. Dez 2015, 18:35
von MichaIN
Hallo Klemens!

Super Sache, sehr interessant! Habe mir das USB1 gerade ergoogelt, kostet knapp 100€. Interessant finde ich auch, daß es offenbar auch mit 6V läuft.

Deine Schaltung, um den Drehkondensator zur Spannungseinstellung zu verwenden, würde mich auch sehr interessieren!
(Mal eine blöde Frage, ohne es mir selbst angesehen zu haben: Wäre es nicht einfacher, den Drehko auch noch zu entfernen und mechanisch irgendwie ein Spindelpoti anzuschließen?)

Danke & viele Grüße,
Michael

Re: Continental Edison S19

Verfasst: Mo 28. Dez 2015, 22:29
von Langhuber
[quote=Bernhard(Süd)]
Darf ich mitfallen / -büssen? Mittels meines vorhandenen Radios??
[/quote]
Bernhard,
das war ja sowieso ausgemacht, allerdings war damals nicht die Rede davon, ein potemkinsches S19 zu "bauen".
Das müssen wir dann en Detail absprechen.
Immerhin habe ich Deinen Radioapparat benutzt, um die Schaltung des C/V-Wandlers zu entwickeln. :-) Das war schon mal sehr nützlich.

Gruß
Klemens

Re: Continental Edison S19

Verfasst: Mo 28. Dez 2015, 22:41
von Langhuber
[quote=Wettem]
Wenn Du den C/V Wandler freigibst zum Nachbau wirst du bestimmt einigen Menschen Freude bereiten.
[/quote]
Hallo Mike,

kein Problem, das ist ein Applikationsbeispiel des CAV 444 von "analog Microdevices", garniert mit einem µA 741 und einem zweckentfremdeten MAX 232. Ich muss das noch ein bisschen dokumentieren.

Aber in dem Zusammenhang eine Frage in die Runde: Gibt es hier jemand, der sich mit Platinenlayout auskennt und Erfahrung hat, mit Produzenten von Platinen in Kleinserie? Man würde sich das Leben sehr erleichtern, wenn man 10-20 solcher Platinen anfertigen liesse, ich denke der Bedarf ist da und das Ganze beschränkt sich nicht auf das CE S19.

Ich habe gleich auch noch eine Idee zur Fortentwicklung: Mein Langhuberin hat ja nur den zentralen Lautsprecher hinten in der Hutablage. Die 8 Watt Leistung erzeugen dort ein extrem basslastiges Gepolter. Nicht schlecht, aber die Sprachverständlichkeit ist dadurch nicht so toll. Ich dachte mir deshalb, auf der neuen Platine noch eine dritte Endstufe mit unterzubringen, die in Mono hinten den "Sub-Woofer" bedröhnt, und vorne zwei kleine Lautsprecher für die Sprachverständlichkeit. Dann könnte man bei Bedarf mit dem bisherigen Klangblendeknopf des S19 die Bässe hinten zumischen. Ein echter Kuhschwanzentzerrer wäre natürlich ideal, aber da habe ich noch nix passendes gefunden. Eine einzige Endstufe besteht aber heute eigentlich nur noch aus einem IC.

Also wer hat Lust und Mut?

Klemens