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Re: TPV

Verfasst: Do 13. Jan 2022, 21:36
von GerhardT
Pit hat geschrieben: Da reicht mein Französisch auch nicht. Irgendwo steht was von Drehstabfederung und später von horizontalen "ressorts".
Scheinbar wurde am Anfang ein BMW Motorradmotor verwendet.
Das ein BMW Motor verwendet worden ist, soll ein Märchen sein. Allerdings wollte sich Lefebvre tatsächlich mal eine zurückgelassene Wehrmachts-BMW genauer anschauen, und wäre dabei fast draufgegangen: das war nämlich eine Sprengfalle. Er wurde aber rechtzeitig gewarnt.

Im TPV gibt es hinter der Rückbank die 8 Drehstabfedern, über eine Mechanik mit der Vorder- und Hinterachse verbunden. Gut auf den Fotos vom "Pickup" erkennbar. Die gesamte Mechanik versteht wahrscheinlich nur, wer das selber konstruiert oder später eventuell beim Restaurieren zerlegt und wieder zusammengebaut hat. ;-)

"All the (torsion) bars are arranged behind the back seat. All-in-all, there are eight torsion bars. There was one for the front, one for the rear, one intermediate bar for each side, plus one overload bar. The same on the other side, making eight bars in all. The overload bar only came into play with two persons in the front and one in the rear. This reinforced the suspension when there was a forth person in the back and a load of 50 kg in the boot."

Die sehr viel einfacheren "horzontal ressorts" kamen, als der TPV schließlich zum 2CV wurde.
.

Re: TPV

Verfasst: Do 13. Jan 2022, 21:47
von GerhardT
...hannes hat geschrieben: Ein bisserl was über den TPV kann man auf französischen 2CV- Seiten finden, wie zB. https://2cv-legende.com/histoire-de-la-2cv . Im Text findest du dann weitere Verlinkungen zu interessanten Details.
Vielen Dank Hannes, das ist ja mal echt interessant!
https://2cv-legende.com/suspensions-2cv :

"La 2CV A de présérie en 1939 avait déjà fait l’objet d’une étude très poussée en matière de suspension. Très sophistiquée et très coûteuse, cette suspension faisait appel à huit barres de torsion, contre seulement 4 sur une traction avant, et sur le train avant à deux anticabreurs hydrauliques actionnés par la pédale de frein. Ces dispositifs étaient en fait destinés à bloquer la suspension avant lors des freinages, afin de conserver l’assiette horizontale de la voiture. Trop coûteux, ce système ne pouvait correspondre à la philosophie de la petite voiture. A l’après-guerre, les ingénieurs reprirent leurs planches à dessin pour concevoir le système à interaction que nous connaissons tous aujourd’hui."

Jetzt verstehe ich es viel besser, was Du vorher geschrieben hast: "Hydraulikzylinder vorne, der in Kombination mit der Bremshydraulik aktiviert wird. Sinn: Antinick, d.h., dass der Wagen beim heftigen Bremsmanöver waagrecht verbleibt und vorne nicht einknicken kann."

Ich hätte nicht gedacht, dass dieses wahrhaft "hässliche Entlein" in dem Punkt schon so raffiniert war. :-)

Re: TPV

Verfasst: Do 13. Jan 2022, 23:12
von scardale
Hallo,

naja, ich Buch über Lefebvre (von Gijsbert-Paul Berk) wird schon erwähnt dass der erste Prototyp im Frühjahr 37 von einem BMW Motor angetrieben wurde, angeblich fuhr Bertoni eine BMW die immer angekettet war, Lefebvre erlaubte sich einen Scherz und blockierte das Hinterrad mit einer Diebstahlsicherung, Bertoni bemerkt es nicht, fährt los, alle Speichen gehen drauf, Lefebvre ist von der Kraft des BMWs begeistert und verwendet den Motor. Nach 1000km geht der Motor mangels Kühlung drauf, danach entwickeln Oduart und Sperta einen 375ccm Motor mit Wasserkühlung.

soweit das Buch

Gruß
Stefan

Re: TPV

Verfasst: Do 13. Jan 2022, 23:20
von scardale
....desweiteren wird im Buch erwähnt dass nach dem Krieg als das Projekt 2CV wieder aufgegriffen wird, die Federung überarbeitet werden sollte (Vorder und Hinterachse waren mit Torsionsfedern verbunden). Es wurde ein Prototyp mit hydraulischer Federung gebaut, Systemdruck 110bar. Aus kostengründen wurde die ID verworfen und später bei der DS wieder aufgegriffen.

soweit das Buch

Gruß
Stefan

Re: TPV

Verfasst: Fr 14. Jan 2022, 13:32
von ...hannes
Hydraulische Federung - das ist das richtig gewählte Wort, die ersten Schritte einer Vorstufe zur hydropneumatischen Federung. Schon alleine die Logik verbietet es, einem 375ccm Motor mit überlieferten 9 PS zusätzlich zur Lichtmaschine und Ventilator die zusätzliche Last einer Hydraulikpumpe aufzubürden. Es kann sich dabei nur um ein geschlossenes Federsystem ähnlich der Whisky-Soda - Federung (Hydrolastic) gehandelt haben ( http://mg-wiki.britische-klassiker.de/i ... e=Hydragas )

Re: TPV

Verfasst: Fr 14. Jan 2022, 17:19
von GerhardT
Der Vergleich mit Hydrolastic kommt wahrscheinlich ganz gut hin.
Andererseits steht im Buch von Gijsbert-Paul Berk " ... which required compressed air with a pressure of up to 110 bar. For reason of cost and because its pump also consumed too much power, the system was abandoned for 2CV" ... also demnach schon auch mit dem Motor gekoppelt, aber sicher mit sehr viel weniger Leistungsaufnahme als so eine Pumpe wie im DS oder ID. Hing ja auch keine Servolenkung mit dran.

@Stefan
Interessant. Das mit dem BMW Motor im Prototyp von 1937 habe ich jetzt in meiner Ausgabe aber nicht auf die Schnelle gefunden. Nur disee Sache mit dem BMW Motorrad und der Sprengfalle sowie ein allgemeiner Absatz über die 2-Zylinder von den anderen Herstellern wie Douglas, Zündapp und Gnome et Rhône. Vielleicht liegts daran, dass ich die erste Ausgabe von 2009 habe.
Ansonst siehe auch meinen Beitrag vor ein paar Tagen im anderen Thread read.php?1,138916,page=2

Re: TPV

Verfasst: Fr 14. Jan 2022, 17:21
von Pit
Wobei man zwischen "Hydrolastic" (Gummifederung) beim Mini und "Hydragas" bei späteren Modellen unterscheiden muss.
Gemeinsam haben Hydrolastic, Hydragas, die Hebelei bei TPV und die schwimmend aufgehängten Federtöpfe bei der Ente, dass eine Verbindung zwischen Vorne und Hinten hergestellt wird. Und zwar so, dass ein vorderes Einfedern ein hinteres Ausfedern bewirkt.
Wieso das einem Nicken entgegenwirken soll, wie bei dem angehängten Beitrag beschrieben, verstehe ich allerdings nicht.

https://de.wikipedia.org/wiki/Hydrolastic

Für nicht Entenerfahrene hier die Entenfederung:
http://www.entmontage.de/technik01.htm

Hat jemand irgendeine ID zur Funktionsweise des Antinicksystems beim TPV?

Grüße,
pit

Re: TPV

Verfasst: Fr 14. Jan 2022, 17:49
von Pit
Ich hab jetzt kapiert, was gemeint ist:
Fährt man vorne über eine Bodenwelle, wird der Hintern des Autos gehoben => das Nicken "vorne hoch" wird verringert weil auch "hinten hoch".
Das Bremsnicken wird meiner Meinung nach aber verstärkt.
Grüße,
pit

Re: TPV

Verfasst: Fr 14. Jan 2022, 20:21
von scardale
GerhardT hat geschrieben: Der Vergleich mit Hydrolastic kommt wahrscheinlich ganz gut hin.
Andererseits steht im Buch von Gijsbert-Paul Berk " ... which required compressed air with a pressure of up to 110 bar. For reason of cost and because its pump also consumed too much power, the system was abandoned for 2CV" ... also demnach schon auch mit dem Motor gekoppelt, aber sicher mit sehr viel weniger Leistungsaufnahme als so eine Pumpe wie im DS oder ID. Hing ja auch keine Servolenkung mit dran.

@Stefan
Interessant. Das mit dem BMW Motor im Prototyp von 1937 habe ich jetzt in meiner Ausgabe aber nicht auf die Schnelle gefunden. Nur disee Sache mit dem BMW Motorrad und der Sprengfalle sowie ein allgemeiner Absatz über die 2-Zylinder von den anderen Herstellern wie Douglas, Zündapp und Gnome et Rhône. Vielleicht liegts daran, dass ich die erste Ausgabe von 2009 habe.
Ansonst siehe auch meinen Beitrag vor ein paar Tagen im anderen Thread read.php?1,138916,page=2
......liegt vielleicht zum Teil auch an der deutschen Übersetzung

Re: TPV

Verfasst: Fr 14. Jan 2022, 21:07
von GerhardT
Hallo Pit
Pit hat geschrieben: Hat jemand irgendeine ID zur Funktionsweise des Antinicksystems beim TPV?
Ich sehe es so, dass einerseits es diese Kopplung der vorderen und hinteren Achse gibt, mittels mechanischen Verbindungen zur Torsionsstabfederung ausgeführt.

Zusätzlich gibt es aber auch noch diese Hydraulikzylinder bei der Vorderachse, die man auf den Fotos sehen kann, und wo Hannes geschrieben hat:
...hannes hat geschrieben: Bild 1) Hydraulikzylinder vorne, der in Kombination mit der Bremshydraulik aktiviert wird. Sinn: Antinick, d.h., dass der Wagen beim heftigen Bremsmanöver waagrecht verbleibt und vorne nicht einknicken kann.
Ich habe das so verstanden, dass beim Betätigen der Bremse das Fahrzeug über den Hydraulikzylinder vorne "aktiv" nach oben gedrückt wird, damit das Auto vorne beim Bremsen nicht (oder wenigsten weniger stark) eintaucht.

Wäre ich Paul Magès, dann würde ich für einen "hydraulisch gefederten TPV Prototypen" diese Hydraulikzylinder an der Vorderachse wiederverwenden, und zwei weitere an die Hinterachse bauen. ;-) Das ist jetzt natürlich reine Spekulation.