Die Zukunft meiner DS (Rostschutz)

Diskussionen rund um's Thema...
MarcM
Beiträge: 137
Registriert: Di 27. Jul 2021, 18:38

Re: Die Zukunft meiner DS (Rostschutz)

Beitrag von MarcM »

Wir können alle versuchen, genauso viel Kenntnis und Erfahrung zu erlangen, wie die Entwickler/ Hersteller solcher Produkte. Das erfordert Erfahrung (zu der auch Rückschläge gehören, die bei unseren Autos teuer sein können) und auch eine Menge Ahnung von Physik und Chemie, die manche auch erst einmal erwerben müssten. Wir können aber auch einfach mit etwas Schwarm- oder auch Halbwissen und etwas Intuition auf einen Lieferanten oder Hersteller vertrauen. Und wie etlichen Threads (nicht nur in diesem Forum) zu entnehmen ist, haben die beim Korrosionsschutz-Depot schon irgendwie Ahnung. Und ganz sicher gibt es dort verschiedenste Produkte, die alle auf Leinöl basieren und sich nur durch ein kleine Anpassungen auf die jeweiligen Anwendung unterscheiden. Aber anstatt nun mein eigenes Rezept zu suchen, würde ich in solch einem Fall tatsächlich einfach mal auf deren Erfahrung vertrauen. Und mit mir sagt das jemand, der am liebsten alles selbst kocht! Aber vielleicht auch gerade weil ich ein wenig die Chemie hinter den härtenden Ölen kenne, lasse ich gerne einen Spezialisten dran.

Zum (Mis-) verständnis Leinöl/ -firnis: Reines Leinöl härtet (polymerisiert) genauso wie Leinölfirnis, jedoch langsamer. In letzterem sind (meist) Trocknungsmittel enthalten (korrekt: Katalysatoren), die zu einer schnelleren aber auch etwas kurzkettigeren Polymerisation führen. Je langsamer die Härtung (falsch: Trocknung) desto langkettiger und damit elastischer ist der Film. Das ist zwar erstrebenswert, hängt aber sehr damit zusammen, wie ich mein Leinöl überarbeiten möchte. Wird es an einer Stelle angewendet, wo ein Lack drauf soll, kann ich mit einem halb gehärteten Film nichts anfangen. Kommt aber vllt nur ein Wachs oder gar nichts drauf, kann mir die Dauer der Härtung egal sein (wir sprechen von Wochen und Monaten). In Hohlräumen wiederum brauche ich eigentlich gar keine Härtung: Da möchte ich eher, dass mein Produkt stets kapillar weiter kriechen kann. Die Verdünnung hat wiederum nichts mit der Trocknung zu tun. Die hilft ggfs. nur das eher dickflüssige Öl besser in Holzporen oder Karosseriefalze eindringen zu lassen. Das Kapitel kaltgepresst vs verkocht hebe ich mir für den nächsten Vortrag auf ;-)
priusb78 Verified
Beiträge: 2013
Registriert: Di 9. Jul 2013, 14:42

Re: Die Zukunft meiner DS (Rostschutz)

Beitrag von priusb78 Verified »

Rostschutz "extra virgine"! ;-)
D Super 5, Bj. '74, brun-scarabée aus Italien
uwe.v11
Beiträge: 718
Registriert: Mo 9. Sep 2013, 15:29

Re: Die Zukunft meiner DS (Rostschutz)

Beitrag von uwe.v11 »

Prima spermatura;-)
C6,Pluri,DS 21 Cabrio,DSuper5
anieder Verified
Beiträge: 3286
Registriert: Fr 22. Mär 2013, 12:39

Re: Die Zukunft meiner DS (Rostschutz)

Beitrag von anieder Verified »

Was ist Sperma tura?
Benutzeravatar
Robert Verified
Beiträge: 3586
Registriert: Mo 31. Jan 2005, 00:41

Re: Die Zukunft meiner DS (Rostschutz)

Beitrag von Robert Verified »

Hallo Marc,

ich habe mich bei meinem Vorgehen an die Empfehlungen des Korrosionsschutz-Depots gehalten, habe mit denen auch telephoniert. Die Auskunft war, Oxyblock N kann nach einigen Tagen mit Grundierung und anschliessend Lack überarbeitet werden, in Hohlräumen kann man aber auch Mike Sanders drübersprühen. Der Lackaufbau auf dem Oxyblock scheint mir stabil, da hat es keine Runzeln und Aufbrüche gegeben. Das Verarbeiten ist angenehm, man sieht direkt, wie das Zeug sich mit angerosteten Oberflächen verbindet und in die Falze reinkriecht. Ausserdem riecht es angenehm - zumindest für Menschen, die gelegentlich Lagavulin trinken und Wright's Coal Tar Soap zu schätzen wissen.

Viele Grüsse
Robert
'59 DS 19/'66 ID 19/'68 DS 21 Pallas/'71 SM /'71 SM in Arbeit/'84 Renault R4F6 in Arbeit/'96 Saab 900 CV/'98 BMW 1100 GS
MarcM
Beiträge: 137
Registriert: Di 27. Jul 2021, 18:38

Re: Die Zukunft meiner DS (Rostschutz)

Beitrag von MarcM »

Das ist sicher eine gute Idee. Der beschrieben Geruch spricht dafür, dass tatsächlich Lein- oder/und Tungöl enthalten sind. Ich mag den Geruch auch.
Wie gesagt, werden die (sicherlich/ hoffentlich) Ihre Produkte so einstellen, dass sie optimal für den jeweiligen Zweck passen. Ich bin immer wieder fasziniert, wie dieses "Steinzeit" Bindemittel Leinöl in allen möglichen Anwendungen tatsächlich das Optimum darstellt. So erstaunt es mich, dass man es so stabil ausgehärtet bekommt, dass es sogar als Grundierung für moderne 2-K Autolacke funktioniert. Die enthalten doch recht starke Lösemittel und bilden obendrein sehr harte Filme, die auf einer weichen oder gar angelösten Grundierung zum aufschwimmen neigen würden.

Auch in anderen Anwendungsbereichen erlebt Leinöl derzeit eine Renaissance. Öllacke kommen derzeit aus der Ökospinner-Ecke raus und werden z.B. von konventionellen Firmen wie Caparol wieder ins Programm genommen. Und Produkte, die es über die Jahre geschafft haben, zu bestehen erleben einen neuen Aufschwung, wie der anderer Stelle schon mal erwähnte "Le Tonkinois".

Die Hauptgründe für das Verschwinden von Leinöl aus den Malmitteln in den letzten Jahrzehnten waren zum einen - wie immer - die Möglichkeit synthetische Binder billiger herzustellen, als das aus Leinsamen gepresste Öl. Entscheidend waren aber auch die langen Trocknungszeiten aller Öl-basierten Produkte, die sie unökonomisch gegenüber schnellhärtender Kunstharze machte. Als Beschleuniger ("Trocknungsmittel"/ Sikkativ) wurden lange Bleiverbindungen verwendet, was die Sache nicht besser machte. Dafür gibt es inzwischen unschädliche Alternativen. Dennoch dauert die Aushärtung länger als bei den meisten synthetischen Bindern und leider führt eine langsame Härtung oft zum besseren Ergebnis, weil langkettiger und damit zäher und elastischer.
Benutzeravatar
Robert Verified
Beiträge: 3586
Registriert: Mo 31. Jan 2005, 00:41

Re: Die Zukunft meiner DS (Rostschutz)

Beitrag von Robert Verified »

Hallo Marc,

das gleiche Ding ist es bei Holzfenstern, die früher mit Leinöl getränkt und dann mit Leinölfarbe gestrichen wurden. Da der Fensterkitt ja ebenfalls auf Leinöl basiert, ergab das einen guten Verbund. Zudem waren die Stahlwinkel in den Fensterflügeln auf diese Weise vor Rost geschützt. Ich versuche derzeit, wenn ich nicht gerade an meinen Autos schraube, die Doppelkastenfenster meiner Berliner Wohnung, die mit Kunstharzfarbe gestrichen und bei denen die Scheiben teilweise mit Silikon eingesetzt sind, wieder aufzuarbeiten, aber das ist ein Lebenswerk.

Viele Grüsse
Robert
'59 DS 19/'66 ID 19/'68 DS 21 Pallas/'71 SM /'71 SM in Arbeit/'84 Renault R4F6 in Arbeit/'96 Saab 900 CV/'98 BMW 1100 GS
Antworten